markus-1969 hat geschrieben:Ich sehe es so, daß wir nicht austeilen sollten. Weder durch Handeln der Kotzbrocken ("Karikaturisten") noch durch Waffeneinsatz irgendwelcher Art.
Eine Karikaktur ist eine legitime Möglichkeit seine Meinung zu äußern, Waffeneinsatz wie im Falle der Drohnenmorde nicht. Wenn Du das in einen Topf schmeißt, dann hast Du ein Problem bei der Beurteilung der Verhältnismäßigkeit.
markus-1969 hat geschrieben:
Das Problem darf eben nicht nach unserem Verständnis, nach unserer Rechtsordnung oder nach unseren Moralvorstellungen zu lösen.
Doch, genau das gilt hierzulande. Und daran möchte ich nichts geändert wissen. In Deutschland gilt deutsches Recht, und kein katholisches, kein US-amerikanisches, keine Scharia oder was auch immer. Wir haben theoretisch eine Trennung von Staat und Kirche, zumindestens wird das von unseren Regierenden betont [1]. Bleiben wir bei der Theorie: die Trennung von Staat und Kirche bedeutet die Trennung von jeglicher Kirche und Glaubensansicht. Wir übernehmen genausowenig hinduistisches oder buddhistisches Regelwerk in unsere Gesetze. Wobei ich mir bei Voodoo nicht ganz sicher bin
Moralvorstellungen sind wieder was anderes als Gesetze.
markus-1969 hat geschrieben:
Wir stehen nicht ÜBER den anderen Religionen sondern allenfalls auf einer Ebene mit diesen. Wenn die Kotzbrocken das nicht begreifen, dann muß es ihnen eben durch Gesetz einsichtig gemacht werden, sprich ins Gesetz müssen eben die entsprechenden Klauseln rein.
Es gibt zum Glück genug Menschen, die mit Glauben auf gar keiner Ebene stehen. Glauben und Religion sind Privatvergnügen. Eigentlich(!).
markus-1969 hat geschrieben:
Maßgeblich für das, was zulässig ist, darf eben nicht mehr nur UNSERE Pressefreiheit und UNSERE Meinungsfreiheit und UNSERE Kunstfreiheit sein, sondern es muß in die Abwägung auch das einbezogen werden, was Gläubige anderswo auf der Welt verletzen könnte.
Bitte was? Wir leben hier inmitten unserer Gesetze und, mit Deinem Wort, mit unserer Moralvorstellung. Warum sollten wir die einschränken? Heute wg. der einen Religion, morgen wg. der nächsten, übermorgen wg. dem übernächsten, ggf. subjektiv durchgeknallten Guru? Dafür tolerieren wir diverse Eigenarten, solange sich das mit unserer Gesellschaft vereinbaren läßt: jeder darf sich rot kleiden und "Hare-Krishna"-rufend durch die Fußgängerzone laufen, die nächsten bauen sich ein Gotteshaus, einen Tempel oder was auch immer, um dort ihre Götter anzubeten, die Einhaltung der deutschen Bebauungspläne vorausgesetzt, hier ist alles geregelt

Sogar üble Lärmbelästigung durch Glaubensfanatiker werden von Unbeteiligten typischerweise toleriert (Glockenläuten).
markus-1969 hat geschrieben:
Wir sind nicht mehr nur ein Land und auch nicht mehr nur eine EU; das was passiert, wird weltweit kommuniziert; was weltweit kommuniziert wird, verletzt weltweit. Deswegen gibt es sehr wohl Parallelen zwischen dem was in Mali passiert ist und Paris.
Bei einem gebildeten Menschen setze ich Ansätze von Differenzierungsvermögen voraus. Einem Deutschen muß klar sein, daß die Gesellschaft in den USA, in Niger, in Pakistan oder wo auch immer anders funktioniert als die hierzulande. Geh doch mal z.B. nach Indien und erkläre denen, daß sie die Kehrwoche einführen sollen, weil das unseren Moralvorstellungen entspräche. Vielleicht erkennst Du so, wie weit Du mit Deiner Denkweise ins Merkwürdig-Restriktive abgleitest.
Oder nimm den paar Monate alten Fall, wo ein paar Nicht-US-Amerikaner der Meinung waren in USA nachts fremde Garagen besuchen zu dürfen und der US-amerikanische Besitzer der Meinung war die ungebetenen Besucher erschießen zu dürfen. Kleine, aber bedeutende Unterschiede in Gesetzeslage und Moralvorstellung.
markus-1969 hat geschrieben:
Was bleibt einem, wenn die fremde Regierung nichts tut, [...]
Wenn welche fremde Regierung nichts tut? Du meinst ernsthaft, wenn sich in Niger ein paar Leute wg. der Charlie-Hebdo-Karikaturen aufregen, soll die französische Regierung entgegen der französischen Gesetzeslage irgendwas machen, um ein paar Aufgeregte im Niger zufriedenzustellen? Hierzulade kennen wir das zwar, aber das sind üblicherweise US-amerikanische Politiker oder Geheimdienschefs, die sich über irgendwas aufregen, und in Deutschland steht daraufhin der administrative Apparat stramm. Aber stelle Dir vor, es wäre so wg. ein paar Leuten aus Niger!
markus-1969 hat geschrieben:Ich sag nur: Die Leut bei Charlie hebdo kannten das Risiko - und nun ist es eben eingetreten.
Welch ein Quatsch!
Ralf
[1] Die Praxis sieht freilich anders aus: viele katholische und vermutlich diverse andere "Würdenträger" werden aus Steuergeldern finanziert, die katholische Kirche besteht auf einer eigenen und justizunabhängigen Ahndung strafrechtlich zu verfolgender Verbrechen, z.B. von Kinderschändung, die beiden großen christlichen Kirchen genießen sehr viele Steuervorteile (AFAIK beginnend bei einer Grunderwerbssteuer von 0%), der Parteitag der größten Partei im Bundestag beginnt mit einem christlichen Gottesdienst, die häufigste Eidesformel für Staatsämter lautet auf "so wahr mir Gott helfe", usw. D.h. eine Trennung gibt es bis heute nicht. Sie ist nur vorgetäuscht.