Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Länder- und Wüstenbezogene Romane, Erzählungen, Musik und Kunst

Moderator: Moderatoren

Ralf Kiefer
Beiträge: 1575
Registriert: Di 1. Aug 2006, 12:13
Wohnort: nahe Karlsruhe

Re: Charlie Hebdo-Anschlag, Ein Angriff auf europäische Wert

Beitrag von Ralf Kiefer »

markus-1969 hat geschrieben: ich denke nämlich, daß man das sinnlose provozieren anderer - insbesondere gläubiger - Menschen lassen sollte und sehe die Schuld hierfür bei den Austeilenden - den "Karikaturisten" - oder besser Kotzbrocken, wie nachfolgend nachzulesen ist:
Karikatur und Provokation, wo siehst Du die Grenze? Das fragte ich schon mal und blieb unbeantwortet.

Warum betonst Du derart gläubige Menschen? Welche Sonderrechte haben die gegenüber normalen Menschen?

Wie kannst Du eine "Schuld" bei den Karikaturisten (=Austeilenden nach Deiner Ansicht) finden? Die Schuld an Ausschreitungen in Niger? Da liegen ein paar tausend km dazwischen. Gibt es einen Grund der Eskalation vom Bleistift "als Waffe" in Paris hin zu Mord und Totschlag in Niger?

Wie beurteilst Du dagegen die Waffengänge der Christianisten aus den USA, die mit Hilfe von Drohnen vorzugsweise in islamisch geprägten Ländern morden? Trägt das in Deiner Welt zum friedlichen Miteinander bei?
markus-1969 hat geschrieben: Ich denk der eine oder andere würd gern in den Niger oder in die moslemische Welt reisen. Aber wer kann das noch in den Zeiten, in denen die Glaubenskonflikte überall zunehmen ? Und die Kotzbrocken ("Karikaturisten") gießen auch noch Öl ins Feuer.
Ich sehe das Hauptproblem woanders: z.B. bei den Drohnenmorden, im Konflikt zwischen dem jüdischen Staat Israel und dem islamisch geprägten Palästina sowie bei Spannungen zwischen den verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen. Aber wer eine Karikatur der Charlie-Hebdo-Zeichnungen als Aufruf zum Mord versteht, hat ein ganz anderes Problem und sucht nur eine billige Ersatzbegründung für seine Neigung zur Gewalt. Es stellt sich eher die Frage der Instrumentalisierung des Protests z.B. in Niger oder Karachi. Das ist auch bei uns oder in den USA ein beliebtes Mittel von inländischen Problemen abzulenken, indem Probleme aus oder mit dem Ausland in den Vordergrund gestellt werden.

Gruß, Ralf
markus-1969
Beiträge: 609
Registriert: So 17. Apr 2011, 21:36

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von markus-1969 »

Ich sehe es so, daß wir nicht austeilen sollten. Weder durch Handeln der Kotzbrocken ("Karikaturisten") noch durch Waffeneinsatz irgendwelcher Art.

Es ist leicht, die Schuld immer bei den Muslimen zu suchen - oder den Islamisten. Aber wir sollten unseren Beitrag zum aufschwellenden Terrorismus nicht vergessen: Wir fordern diese Leute heraus und je mehr man herausfordert, desto größer der Konflikt.

Wo ich die Grenze ziehe ?

Das Problem darf eben nicht nach unserem Verständnis, nach unserer Rechtsordnung oder nach unseren Moralvorstellungen zu lösen. Wir stehen nicht ÜBER den anderen Religionen sondern allenfalls auf einer Ebene mit diesen. Wenn die Kotzbrocken das nicht begreifen, dann muß es ihnen eben durch Gesetz einsichtig gemacht werden, sprich ins Gesetz müssen eben die entsprechenden Klauseln rein.

Maßgeblich für das, was zulässig ist, darf eben nicht mehr nur UNSERE Pressefreiheit und UNSERE Meinungsfreiheit und UNSERE Kunstfreiheit sein, sondern es muß in die Abwägung auch das einbezogen werden, was Gläubige anderswo auf der Welt verletzen könnte.

Wir sind nicht mehr nur ein Land und auch nicht mehr nur eine EU; das was passiert, wird weltweit kommuniziert; was weltweit kommuniziert wird, verletzt weltweit. Deswegen gibt es sehr wohl Parallelen zwischen dem was in Mali passiert ist und Paris.

Ach und (Nachtrag):
Aber wer eine Karikatur der Charlie-Hebdo-Zeichnungen als Aufruf zum Mord versteht, hat ein ganz anderes Problem und sucht nur eine billige Ersatzbegründung für seine Neigung zur Gewalt.
Was bleibt einem, wenn die fremde Regierung nichts tut, wenn die Kotzbrocken als Täter höchst unsensibel ist und der "Rechtsstaat" nichts tut weil er nur auf seine Maßstäbe achtet ?

Ich sag nur: Die Leut bei Charlie hebdo kannten das Risiko - und nun ist es eben eingetreten.
landcruiser.
Beiträge: 874
Registriert: Mi 9. Okt 2013, 13:08
Kontaktdaten:

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von landcruiser. »

markus-1969 hat geschrieben:Ich sehe es so, daß wir nicht austeilen sollten.
"Wir" teilen nicht aus.

Inzwischen verteidigen "wir" uns gegen solche Mörderbanden.

Lös dich mal von dem einfachen Gedanken "die Satiriker" sind die Schuldigen und die Ursache der Anschläge.

Das ist einfach Quatsch!

Oder sind die Opfer von Boko Haram auch alle selbst schuld?

Hunderte von Frauen entführt; ganze Dörfer vernichtet.

Und die hatten keine Bildchen gezeichnet und Heftchen verlegt.

Oder der französische Bergwanderer?

Oder ....?

Wurde doch hier auch schon alles beschrieben.

Ich hab keinerlei Verständnis für Leute, die unter dem Vorwand des Islam, zur Einrichtung eines Kalifats, Mord und Terror verbreiten und mit der Drohung alle Andersgläubigen zu töten weitere Angst zu verbreiten zu versuchen.

Solche Bestien haben haben in der heutigen Zeit nichts mehr verloren.
Ralf Kiefer
Beiträge: 1575
Registriert: Di 1. Aug 2006, 12:13
Wohnort: nahe Karlsruhe

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von Ralf Kiefer »

markus-1969 hat geschrieben:Ich sehe es so, daß wir nicht austeilen sollten. Weder durch Handeln der Kotzbrocken ("Karikaturisten") noch durch Waffeneinsatz irgendwelcher Art.
Eine Karikaktur ist eine legitime Möglichkeit seine Meinung zu äußern, Waffeneinsatz wie im Falle der Drohnenmorde nicht. Wenn Du das in einen Topf schmeißt, dann hast Du ein Problem bei der Beurteilung der Verhältnismäßigkeit.
markus-1969 hat geschrieben: Das Problem darf eben nicht nach unserem Verständnis, nach unserer Rechtsordnung oder nach unseren Moralvorstellungen zu lösen.
Doch, genau das gilt hierzulande. Und daran möchte ich nichts geändert wissen. In Deutschland gilt deutsches Recht, und kein katholisches, kein US-amerikanisches, keine Scharia oder was auch immer. Wir haben theoretisch eine Trennung von Staat und Kirche, zumindestens wird das von unseren Regierenden betont [1]. Bleiben wir bei der Theorie: die Trennung von Staat und Kirche bedeutet die Trennung von jeglicher Kirche und Glaubensansicht. Wir übernehmen genausowenig hinduistisches oder buddhistisches Regelwerk in unsere Gesetze. Wobei ich mir bei Voodoo nicht ganz sicher bin ;-)

Moralvorstellungen sind wieder was anderes als Gesetze.
markus-1969 hat geschrieben: Wir stehen nicht ÜBER den anderen Religionen sondern allenfalls auf einer Ebene mit diesen. Wenn die Kotzbrocken das nicht begreifen, dann muß es ihnen eben durch Gesetz einsichtig gemacht werden, sprich ins Gesetz müssen eben die entsprechenden Klauseln rein.
Es gibt zum Glück genug Menschen, die mit Glauben auf gar keiner Ebene stehen. Glauben und Religion sind Privatvergnügen. Eigentlich(!).
markus-1969 hat geschrieben: Maßgeblich für das, was zulässig ist, darf eben nicht mehr nur UNSERE Pressefreiheit und UNSERE Meinungsfreiheit und UNSERE Kunstfreiheit sein, sondern es muß in die Abwägung auch das einbezogen werden, was Gläubige anderswo auf der Welt verletzen könnte.
Bitte was? Wir leben hier inmitten unserer Gesetze und, mit Deinem Wort, mit unserer Moralvorstellung. Warum sollten wir die einschränken? Heute wg. der einen Religion, morgen wg. der nächsten, übermorgen wg. dem übernächsten, ggf. subjektiv durchgeknallten Guru? Dafür tolerieren wir diverse Eigenarten, solange sich das mit unserer Gesellschaft vereinbaren läßt: jeder darf sich rot kleiden und "Hare-Krishna"-rufend durch die Fußgängerzone laufen, die nächsten bauen sich ein Gotteshaus, einen Tempel oder was auch immer, um dort ihre Götter anzubeten, die Einhaltung der deutschen Bebauungspläne vorausgesetzt, hier ist alles geregelt ;-) Sogar üble Lärmbelästigung durch Glaubensfanatiker werden von Unbeteiligten typischerweise toleriert (Glockenläuten).
markus-1969 hat geschrieben: Wir sind nicht mehr nur ein Land und auch nicht mehr nur eine EU; das was passiert, wird weltweit kommuniziert; was weltweit kommuniziert wird, verletzt weltweit. Deswegen gibt es sehr wohl Parallelen zwischen dem was in Mali passiert ist und Paris.
Bei einem gebildeten Menschen setze ich Ansätze von Differenzierungsvermögen voraus. Einem Deutschen muß klar sein, daß die Gesellschaft in den USA, in Niger, in Pakistan oder wo auch immer anders funktioniert als die hierzulande. Geh doch mal z.B. nach Indien und erkläre denen, daß sie die Kehrwoche einführen sollen, weil das unseren Moralvorstellungen entspräche. Vielleicht erkennst Du so, wie weit Du mit Deiner Denkweise ins Merkwürdig-Restriktive abgleitest.

Oder nimm den paar Monate alten Fall, wo ein paar Nicht-US-Amerikaner der Meinung waren in USA nachts fremde Garagen besuchen zu dürfen und der US-amerikanische Besitzer der Meinung war die ungebetenen Besucher erschießen zu dürfen. Kleine, aber bedeutende Unterschiede in Gesetzeslage und Moralvorstellung.
markus-1969 hat geschrieben: Was bleibt einem, wenn die fremde Regierung nichts tut, [...]
Wenn welche fremde Regierung nichts tut? Du meinst ernsthaft, wenn sich in Niger ein paar Leute wg. der Charlie-Hebdo-Karikaturen aufregen, soll die französische Regierung entgegen der französischen Gesetzeslage irgendwas machen, um ein paar Aufgeregte im Niger zufriedenzustellen? Hierzulade kennen wir das zwar, aber das sind üblicherweise US-amerikanische Politiker oder Geheimdienschefs, die sich über irgendwas aufregen, und in Deutschland steht daraufhin der administrative Apparat stramm. Aber stelle Dir vor, es wäre so wg. ein paar Leuten aus Niger!
markus-1969 hat geschrieben:Ich sag nur: Die Leut bei Charlie hebdo kannten das Risiko - und nun ist es eben eingetreten.
Welch ein Quatsch!

Ralf

[1] Die Praxis sieht freilich anders aus: viele katholische und vermutlich diverse andere "Würdenträger" werden aus Steuergeldern finanziert, die katholische Kirche besteht auf einer eigenen und justizunabhängigen Ahndung strafrechtlich zu verfolgender Verbrechen, z.B. von Kinderschändung, die beiden großen christlichen Kirchen genießen sehr viele Steuervorteile (AFAIK beginnend bei einer Grunderwerbssteuer von 0%), der Parteitag der größten Partei im Bundestag beginnt mit einem christlichen Gottesdienst, die häufigste Eidesformel für Staatsämter lautet auf "so wahr mir Gott helfe", usw. D.h. eine Trennung gibt es bis heute nicht. Sie ist nur vorgetäuscht.
markus-1969
Beiträge: 609
Registriert: So 17. Apr 2011, 21:36

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von markus-1969 »

Welch ein Quatsch!
Ich denke, das Problem ist nur mit wechselseitiger Toleranz und wechselseitigem Nachgeben zu lösen. Du bist nicht bereit, Toleranz zu geben. Die Kotzbrocken sind es auch nicht. Dein Posting zeugt gerade von fehlendem Verständnis von anderen Religionen und Kulturen.

Das Problem ist nicht dadurch zu lösen, daß wir sagen "Wir wissen es besser." Aber Du zeigst mit Deinem Beitrag, daß Du genau diese Auffassung hast. Bei uns ist es eben so - was andere denken kümmert uns nicht, denn die Leut in andern Staaten haben sich gefälligst nach unseren Maßstäben zu richten.

Das ist intoleranter Kolonialismus in mordernem Gewand - oder wie hieß es noch ? Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen ?

Terror und die Auseinandersetzung der Religionen - ich denke wir haben eine Art Religionskrieg hinter der Auseinandersetzung - sind global. Man kann aber ein globales Problem nicht mit (engstirnigen) nationalen Maßstäben lösen.
Wolfgang K
Beiträge: 2197
Registriert: Fr 25. Nov 2005, 13:50
Wohnort: bei Mainz

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von Wolfgang K »

Markus, deine Meinung ich Ehren, aber Du hast Dich vollkommen verrannt.
was andere denken kümmert uns nicht, denn die Leut in andern Staaten haben sich gefälligst nach unseren Maßstäben zu richten.
einige Beiträge vorher:
Maßgeblich für das, was zulässig ist, darf eben nicht mehr nur UNSERE Pressefreiheit und UNSERE Meinungsfreiheit und UNSERE Kunstfreiheit sein, sondern es muß in die Abwägung auch das einbezogen werden, was Gläubige anderswo auf der Welt verletzen könnte.
Dir ist klar, wo der Haken liegt?!


Du hast aber was ganz anderes nicht verstanden.
Praktisch alle Karikaturisten und Satiriker in der muslimischen Welt bekommen die gleichen Morddrohungen, sobald sie sich mit den Islamisten anlegen. Sind das auch intolerante Kolonialisten? Die wehren sich gegen die Dummheit der Islamistischen Hirnis , aber doch nicht gegen ihre eigene Kultur oder Religion.

Ich geb’s auf.
Ich kann Deine Beiträge leider nicht mehr ernst nehmen.
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von Kuno »

markus-1969 hat geschrieben:Das ist intoleranter Kolonialismus in mordernem Gewand - oder wie hieß es noch ? Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen ?
Markus; ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob ich deine Gedankengänge richtig nachvollziehen konnte. Aber ich habe es so verstanden, dass ich mir gut überlegen muss, was ich hier schreibe (oder zeichne), denn es könnte irgendwo im Niger jemanden dazu veranlassen wiederum jemand ganz anderem die Kirche abzubrennen und ihn totzuschlagen und das wäre dann intoleranter Kolonialismus im modernen Gewand.

Das was du hier vorschlägst nannte man in den 1930er Jahren "Apeasement" und es hat bekanntermassen super funktioniert.
Ralf Kiefer
Beiträge: 1575
Registriert: Di 1. Aug 2006, 12:13
Wohnort: nahe Karlsruhe

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von Ralf Kiefer »

markus-1969 hat geschrieben: Ich denke, das Problem ist nur mit wechselseitiger Toleranz und wechselseitigem Nachgeben zu lösen. Du bist nicht bereit, Toleranz zu geben. Die Kotzbrocken sind es auch nicht. Dein Posting zeugt gerade von fehlendem Verständnis von anderen Religionen und Kulturen.
Liest Du eigentlich das, worauf Du antwortest? Verstehst Du das auch? Ich gelange so langsam zu einer anderen Ansicht.
markus-1969 hat geschrieben: Bei uns ist es eben so - was andere denken kümmert uns nicht, denn die Leut in andern Staaten haben sich gefälligst nach unseren Maßstäben zu richten.
Siehe oben. Wenn Du nicht mal den fiktiven Fall mit der Kehrwoche und Indien verstanden hast, dann kann ich Dir nicht helfen.
markus-1969 hat geschrieben: Man kann aber ein globales Problem nicht mit (engstirnigen) nationalen Maßstäben lösen.
Globale Lösungen mit globalen Restriktionen, wie von Dir gefordert, gibt es nicht. Träum weiter!

Ralf
Ralf Kiefer
Beiträge: 1575
Registriert: Di 1. Aug 2006, 12:13
Wohnort: nahe Karlsruhe

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von Ralf Kiefer »

markus-1969 hat geschrieben: Das ist intoleranter Kolonialismus in mordernem Gewand - oder wie hieß es noch ? Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen ?
Ich habe da noch zwei Ansätze, zu denen Du Dir ein paar Gedanken machen kannst. Einmal satirisch:
Bremen, Poetry Slam, oder so.



Aldi-Süd-Produkt und die aktuelle Aufregung

Jetzt fang einfach noch mal an Toleranz zu predigen! ;-)

Ralf
Alexander
Administrator
Beiträge: 24253
Registriert: Sa 30. Jul 2005, 19:12
Wohnort: Dubai/Vereinigte Arabische Emirate
Kontaktdaten:

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von Alexander »

Ralf Kiefer hat geschrieben:Aldi-Süd-Produkt und die aktuelle Aufregung

Jetzt fang einfach noch mal an Toleranz zu predigen! ;-)

Ralf
Klar, Sturheit und Ignoranz bringt uns in diesem Fall natürlich nicht weiter. Soll das jetzt heißen, wenn die eine Religion intollerant ist, müssen es die anderen im Gegenzug auch sein? Dieses Verhalten bringt uns keinen Schritt weiter. Ich meine damit jetzt nicht, dass wir bei jeder Gelegenheit, die sich bietet, einen Kniefall machen müssen. Aber etwas Tolleranz kann nicht schaden. Auch wenn sie einseitig ist. Vieleicht initiiert das den evolutinären Denkprozess und der Tolleranzfunke springt über. Vieleicht sollten wir aber zuerst die Religionen abschaffen, oder die Gotteshäuser ala Neue Heimat in einem globalen Baustil entwerfen. Dann wäre es egal ob dort oben Glocken hängen oder Lautsprecher vom Turm herunterschallen.

Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.

· · · Wüstenschiff-Veranstaltungsübersicht 2026 —> Alle Reise-Events auf einen Blick - Check it out !!!
· · · · · Werde Wüstenschiff-Werbepartner —> Firmen, die Wüstenschiff-Aktionen in Afrika unterstützen
· · · · · · · Geschlossene Gruppen —> Die neue Wüstenschiff-Funktion
Ralf Kiefer
Beiträge: 1575
Registriert: Di 1. Aug 2006, 12:13
Wohnort: nahe Karlsruhe

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von Ralf Kiefer »

Alexander hat geschrieben: Klar, Sturheit und Ignoranz bringt uns in diesem Fall natürlich nicht weiter. Soll das jetzt heißen, wenn die eine Religion intollerant ist, müssen es die anderen im Gegenzug auch sein? Dieses Verhalten bringt uns keinen Schritt weiter.
Das Aldi-Produkt und die losgetretene Diskussion halte ich für eine Lächerlichkeit, vermutlich noch nicht einmal der Gipfel. Es wird eher noch schlimmer kommen.

Das Pressefotos von vor einer Woche aus Paris, das in irgendeiner Ecke dieser Welt vor der dortigen Veröffentlichung um die Frauen zensiert wurde, ist genauso lächerlich.

Ich verstehe nicht, daß Religionen bzw. ihren Vertretern eine derartige Macht eingeräumt wird. Das ist ein Rückfall ins europäisch-christliche Mittelalter.
Alexander hat geschrieben: Vieleicht sollten wir aber zuerst die Religionen abschaffen, oder die Gotteshäuser ala Neue Heimat in einem globalen Baustil entwerfen. Dann wäre es egal ob dort oben Glocken hängen oder Lautsprecher vom Turm herunterschallen.
Ich weiß schon, was Du mit Lautsprecher meinst. Aber ich habe ein Gegenbeispiel: in Neum, das ist an der bosnischen Mittelmeerküste, hat die Kirche keine Glocken, sondern große Lautsprecher, und das Glockengeläut kommt in grusliger MP3-Qualität da raus.

Ansonsten: Religionen braucht man nicht abschaffen, sondern ihnen einfach weniger Bedeutung geben, keinesfalls mit der staatlichen Ordnung verbinden und ins Private drängen. Von mir aus kann der eine ein Folteropfer im Herrgottswinkel anbeten, seinen Teppich ausrollen, ein kleines Schiffchen aus Pflanzenblättern mit einer Flamme einen großen Fluß Richtung Meer hinunterschicken oder was auch immer, solange er daraus keinen Machtanspruch ableitet und friedlich allen anderen gegenüber bleibt.

Mein eindrucksvolles Erlebnis dieser Art war in Albanien. Genau, ausgerechnet dort! Wir waren mit den Moppeds auf dem Berg Tomorri. Das ist der heilige Berg des Bektashi-Ordens, also einer islamischen Sekte. Bei der Abfahrt wurden wir vom Hausmeister des gerade leeren Hospizes auf halber Höhe am Berg eingeladen reinzukommen und einen Kaffee mit ihm zu trinken. Mit Händen und Füßen mangels ausreichender, gemeinsamer Sprachkenntnisse erklärte er uns beim Raki, nicht Kaffee(!), in der Küche, wie das dort am Berg "funktioniert": Mitte August ist die Wallfahrt. Am 15.8., also zu Mariä Himmelfahrt(!), pilgern viele Moslems und Anhänger des Bektashi-Ordens auf den Berg. Und weil in Albanien viele Familien gemischt aus Bektashis und Christen (römisch-katholisch im Norden oder griechisch-orthodox im Süden) sind, pilgern die alle gemeinsam da hoch. Die können das :-) Manch andere leider nicht.

Gruß, Ralf
Alexander
Administrator
Beiträge: 24253
Registriert: Sa 30. Jul 2005, 19:12
Wohnort: Dubai/Vereinigte Arabische Emirate
Kontaktdaten:

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von Alexander »

Ich denke, ich muss mich nochmal etwas präzisieren. Meine obiges Statement im Bezug auf Tolleranz bezieht sich NICHT auf Tolleranz gegenüber dem islamistischen Terrorismus, so wie er von z.B. dem IS praktiziert wird.

Auch wenn sich die Karikaturen gegen diesen Auswuchs richten, wird dies nicht von allen "normalen" Moslems so verstanden. Sie sehen es als einen Angriff gegen den Islam und seine Repräsentanten. Hier sollte man etwas mehr Verständnis für deren Bedenken aufbringen. Ihre religiösen Werte sind u.U. andere wie die unsrigen. Und ich möchte nicht für uns in Anspruch nehmen, dass all unsere Werte auf alle Menschen übertragbar sind.

Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.

· · · Wüstenschiff-Veranstaltungsübersicht 2026 —> Alle Reise-Events auf einen Blick - Check it out !!!
· · · · · Werde Wüstenschiff-Werbepartner —> Firmen, die Wüstenschiff-Aktionen in Afrika unterstützen
· · · · · · · Geschlossene Gruppen —> Die neue Wüstenschiff-Funktion
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von Kuno »

Man liest oft, dass in den Meiden alle Dasselbe schreiben, Stimmungen anstacheln und so weiter.
Das ist bestimmt oft so.
Aber eben nicht nur.
Der kürzlich erschienene Artikel in einer Schweizer Regionalzeitung tönt ganz anders.
Interessant auch, dass man einen Schweizer albanischer Abstammung nicht zitiert sondern ganz einfach reden lässt.
Ich glaube nicht, dass unsere Gesellschaft grundsätzlich intolerant ist. Im Gegenteil. ich sehe, dass sie viel toleranter ist, als manche gerne glauben wollen.

"Es brauchte viel Überzeugungsarbeit, bis Kreshnik Kryeziu ins Gespräch einwilligte. Nach einem ersten Telefongespräch gingen die SMS hin und her. Kryeziu schrieb: «Ich will nicht in einem Artikel sein, wo oben Muslime steht.» In einem anderen schrieb er: «Wir Albaner wollen so sein wie ihr, aber wir können nicht, weil wir Leute haben, die uns davon abhalten mit alten primitiven Gedanken.»"

Den ganzen Artikel gibt es hier nachzulesen: http://www.aargauerzeitung.ch/aargau/ka ... -128676756
Ralf Kiefer
Beiträge: 1575
Registriert: Di 1. Aug 2006, 12:13
Wohnort: nahe Karlsruhe

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von Ralf Kiefer »

Alexander hat geschrieben:Meine obiges Statement im Bezug auf Tolleranz bezieht sich NICHT auf Tolleranz gegenüber dem islamistischen Terrorismus, so wie er von z.B. dem IS praktiziert wird.
Ich habe Dich da nicht falsch verstanden :-)
Alexander hat geschrieben: Auch wenn sich die Karikaturen gegen diesen Auswuchs richten, wird dies nicht von allen "normalen" Moslems so verstanden. Sie sehen es als einen Angriff gegen den Islam und seine Repräsentanten.
Da beginnt für mich das Fehlen von Logik. Z.B. gab's in Karachi (Pakistan) brennende Flaggen wg. der Karikaturen. Das kann man als Protest verstehen. Warum dann US-Flaggen brannten, ist weniger verständlich und reichlich unlogisch. Selbst französische Flaggen waren unlogisch, weil Charlie Hebdo keine offizielle Präsenz des franz. Staats oder des Volks ist, sondern lediglich eine Zeitschrift mit einer Redaktion in Frankreich. Selbstverständlich waren vorher lange nicht alle Franzosen Freunde dieser Zeitschrift.

Ein paar Wochen zuvor gab's in Pakistan das Attentat auf die Schule mit um die 140 Toten, AFAIR. Da haben Moslems andere Moslems umgebracht. Ich frag mich, welche Flaggen anläßlich von diesem Ereignis dort verbrannt wurden. Grüne? Afghanische? In meiner Welt haben 140 Tote eine ganz andere Bedeutung als Karikaturen.

Wenn ich allerdings die Anzahl der Drohnenmorde in Pakistan betrachte, frage ich mich, warum nicht täglich dagegen protestiert wird. Da würde sogar ich verstehen, daß US-Flaggen brennen, und ggf. deutsche wg. Ramstein und der (finanziellen) Unterstützung.

Bleibt die Frage der fehlenden Logik sowie der übergeordneten Mechanismen: wer ist Nutznießer solcher Proteste? Eine Partei ist schnell gefunden: die dortige Regierung. Sie kann wunderbar von den innenpolitischen Problemen der Taliban sowie ihren Verstrickungen mit den US-Diensten (inkl. der Geldzuflüsse aus dieser Quelle) ablenken.

So ähnlich sieht's dann auch in Deutschland aus: "Je suis Charlie", und daher brauchen wir die Vorratsdatenspeicherung. In D gibt's die Vorratsdatenspeicherung seit ein paar Jahren nicht, und bei uns gab's keine erfolgreichen Attentate. In F hat man sie, und dieses und andere Attentate waren erfolgreich. Da fehlt genauso vordergründig jegliche Logik, und ich werde das Gefühl nicht mehr los, daß ich ganz gewaltig angelogen und verarscht werden soll.

Gruß, Ralf
Ralf Kiefer
Beiträge: 1575
Registriert: Di 1. Aug 2006, 12:13
Wohnort: nahe Karlsruhe

Re: Diskussion: Charlie Hebdo und die europäischen Werte

Beitrag von Ralf Kiefer »

Kuno hat geschrieben: Interessant auch, dass man einen Schweizer albanischer Abstammung nicht zitiert sondern ganz einfach reden lässt.
Vorsicht, der ist Kosovo-Albaner und nicht aus dem albanischen Staatsgebiet. Der redet viel von Krieg. Das unterscheidet ihn von den Albanern. Die leben in unveränderten Grenzen seit vor dem 1. Weltkrieg. Die haben auf ihrem Boden immerhin über 100 Jahre keinen Krieg erlebt (aber umso mehr Mini-Bunker). Ganz anders als das Kosovo. Auch das Zeitalter des real-existierenden Sozialismus verlief im damaligen Jugoslawien völlig anders als in Albanien, gerade im Hinblick auf die Ausübung von Religion. In Albanien gab's jahrzehntelang praktisch gar keine Religionsausübung bis 1991, im Kosovo, damals Teil von Jugoslawien, sah es etwas anders aus.

Interessant, was er erzählt.

Gruß, Ralf
Antworten