Lebende ToteViele tropische Ökosysteme stehen vor einem radikalen Umbau: Selbst in Schutzgebieten fehlen mittlerweile samenverbreitende Tiere - zum Schaden der Pflanzenwelt. - In tropischen Regenwäldern herrscht extremer Konkurrenzdruck, und auf einem Hektar Fläche können dutzende bis hunderte Baumarten vorkommen, die um ihren Platz am Boden oder die Lücke im Kronendach kämpfen. Meist besetzen sie eine enge ökologische Nische, so dass nur selten zwei Individuen derselben Spezies in nächster Nähe wachsen und überleben können. Diese lückenhafte Verbreitung hat durchaus ihre Vorteile: Sie minimiert das Risiko, dass spezialisierte Angreifer wie Krankheitserreger, Parasiten und anderen Schädlinge leicht von einem Gewächs zum nächsten überspringen können. Der Wind allerdings hilft ihnen bei der Ausbreitung ihrer Samen über größere Strecken kaum, denn in vielen großen Regenwaldgebieten wie dem Kongo oder Amazonien herrscht – abgesehen von Böen im Umfeld von Gewittern – meist eher Flaute. Viele Bäume müssen deshalb auf eine andere Strategie setzen. "Mit süßen Früchten locken sie Konsumenten an, die ihre potenziellen Nachkömmlinge anschließend weit verteilen sollen, was ihre Überlebenschancen erhöht", sagte Pierre-Michel Forget vom Muséum National d'Histoire Naturelle in Brunoy gegenüber der sich auch mit Tropenökologie beschäftigenden Internetplattform Mongabay [...] Kleinere Nager, Vögel, Affen oder Fledermäuse können also durchaus die Megaherbivoren ersetzen – zumal Forget schon regelrechte Netzwerke im Wald bemerkt hat: Stachelratten oder Agutis sammeln demnach oft Samen ein, die mit dem Kot von Affen oder Fledermäusen auf den Urwaldboden regnen, und vergraben sie in eigenen Speisekammern. Mit Glück wachsen daraus neue Bäume, wenn die Verstecke vergessen werden. Ob sie auf Dauer aber tatsächlich Giganten wie Nashörner, Elefanten und Co ersetzen können, ist fraglich ...
26.07.2012 - spektrum
Gruß
Birgitt




