An alle Gilf-Fans!
Gerade bekam ich mitgeteilt, dass wieder Genehmigungen fuer den Gilf ausgestellt werden!
Alles ist zu befahren (Abu Ballas, Aqaba, Silica...), nur Uweinat nicht.
Militaer ist praesent, Ende der Woche begibt sich nochmals eine weitere Truppe in die Region...
Es gibt sogar Reisegruppen, die in den naechsten Tagen fahren!
Ich freue mich ueber die gute Nachricht!!!
Gruesse aus Baharia
Gruesse aus Baharia
Stefanie
Voltaire: „Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst.“
Ich lebe schon seit 10 Jahren in Aegypten und kann sagen, dass nach einem Vorfall (Bombenanschlag, Ueberfall...), der in internationalen Medien wahrgenommen wurde, Aegypten als eines der sichersten Reiselaender gelten konnte!
Wie die Praesenz genau aussieht, kann ich euch berichten, wenn die erste Gruppe aus dem Gilf zurueckkommt!
Bis dahin gehe ich davon aus, dass die relative Sicherheit, die auch vor der Entfuehrung bestand, wieder hergestellt ist.
Einen weiteren Vorfall dieser Art kann sich die aegyptische Wirtschaft nicht erlauben!
(Ende Oktober lasse ich sogar meinen Mann mit einer Gruppe wieder in den Gilf )
Deine Aussagen sind aber nur sehr schwer zu fassen und zu interpretieren.
Deine "relative Sicherheit wie vor der Entführung" bedeutet ja eigentlich genau das, was schon seit den ersten Vorkommnissen bestand, nämlich eigentlich keine Sicherheit und dass ein solches Vorkommnis jederzeit wieder passieren kann.
Wenn Du/Ihr solche Reisen als Agentur organisiert, solltet Ihr doch Euren Kunden klare Informationen zu der aktuellen Sicherheitslage geben können und die sollten Euch die Militärs geben können, die für diese Änderung zuständig sind. Ist dies nicht möglich?
Deine Überzeugung, dass die ägyptischen Behörden so sicherheitsbewusst reagieren teile ich eher nicht, dies z.T. aus eigener Erfahrung und auch aus der Tatsache, dass die beiden Ereignisse im Januar und Februar ja völlig unter den Tisch gekehrt wurden. Sicherlich waren diese Ereignisse nicht so medien-relevant, wie man aber Medien mit Falsch-Informationen füttern kann, haben wir ja gerade von den Behörden/Offiziellen bestens erlebt.
Verstehe mich nicht falsch!!
Sowie sich dort wirklich ein Sicherheits-Bewusstsein und daraus folgende Konsequenzen einstellen, bin ich einer der Ersten, der wieder kommt.
Daher bitte ich Dich, realistisch und nachvollziehbar über evtl. Änderungen zu berichten, Danke!!
Die "absolute Sicherheit" gibt es nirgendwo, und klare Aussagen von ägyptischen Behörden noch weniger. Die Entscheidung müssen Veranstalter und Teilnehmer selbst treffen und sie wird durchaus tagesabhängig sein.
Zur Einschätzung des nötigen "Sicherheitsabstands" s. beispielsweise die Diskussionen bei Horizons unlimited - dort gab es etwa die Zusammenfassung "bis 24°N problemlos, weiter sündlich (zu Zeiten der Entführung) no go". Jetzt kann ich mich an derartige Faustformeln halten oder auch differenzieren, aber die Entscheidung nimmt mir nach Einholung aller Informationen und Einschätzung der Quellen niemand ab.
Stefanie hat geschrieben:Einen weiteren Vorfall dieser Art kann sich die aegyptische Wirtschaft nicht erlauben!
(Ende Oktober lasse ich sogar meinen Mann mit einer Gruppe wieder in den Gilf )Viele Gruesse Stefanie
Es ist völlig legitim, wenn Du diese Hoffnung hast! Ist sie aber auch realistisch? Wahrscheinlich nicht, denn das Bestreben der "echten" Terroristen geht ja gerade dahin, diesen Staat zu schwächen. Dies erreicht man aber eben auch besonders über Angriffe auf einen der wichtigsten Industriezweige, sprich Tourismus!
Wenn nun, wie jetzt - und nicht nur dort (siehe weite Bereiche Malis/Nigers) - geschehen, diese Aktionen sich zudem mit Banditentum überlagern, welches u.U. ungestört in der autochthonen Bevölkerung schwimmt, dann gibt es keine glaubhaften Sicherheitsgarantien.
Um so wichtiger ungeschminkte Berichte von Leuten vor Ort - wie von Dir!
von absoluter Sicherheit hat niemand gesprochen und dass jeder für sich diese Einschätzung treffen muss, ist ja wohl auch klar; in wie weit er das aber wirklich kann, das ist der Knackpunkt.
Die von Dir vorgeschlagene Entscheidungsfindung ohne eine Veränderung vor Ort ist nun mal einfach ein "Weiter so" und sonst nichts; genau das wird jetzt schon seit fast einem Jahr mit den wohl-bekannten Ergebnissen exerziert und genau das habe ich eben kritisiert.
Die Einschätzungen der Agenturen und die der Reisenden als echtes Kriterium für eine möglichst realistische Entscheidung zu nehmen, ist aber schon etwas mutig:
Erstere haben, wie ihre Reaktion auf das Vorkommnis im Januar und auch dieser Thread zeigt, eine deutlich andere Interessen-Lage, als sie zumindest mir als potentiellem Reisenden lieb ist.
Wie der Reisende selbst sich von einer "realistischen Sicherheitslage" überzeugen soll, ausser genau die Agenturen zu fragen, bleibt klar offen.
Nö, Missverständnis: eben kein "weiter so", sondern vermehrte Eigenrecherche über längere Perioden, intensiveres Quellenstudium, aber eben auch Kontakt zu den seriösen Veranstaltern: Es gibt immer ein paar Chaoten, und genau die muss ich ganz persönlich "entlarven" - wenn ich mich vorbereite und dann nachfrage, glaub' ich schon, seriöse und andere Anbieter unterscheiden zu können.
Das "blinde Vertrauen" in einen einzelnen (mehr oder weniger) Ortskundigen, auf eine einzelne Außenamtshomepage, den einzlenen Reisebericht "vor 3 Monaten gab's keine Probleme" ist doch eigentlich das - mE unzulässige - Übertargen einer Konsumentenmentaliät, die gefährlich ist und nach jedem Zwischenfall der Individualreiseszene vorgehalten wird.
das ist ein ganz grundsätzliches Problem. Von wem erhält man welche Informationen?
Die Regierungen wollen (sofern am Tourismus interessiert) am liebsten alles unter den Teppich kehren. Nein, da gibt es doch kein Problem, nirgendwo - und wenn, haben wir alles bestens im Griff!
Die Agenturen sehen Risiken, aber natürlich nicht für sich selbst, weil sie ja den Individual-Touristen möglichst verhindern und letzteren an sich binden wollen.
Die Botschaften stufen existente Risiken hoch ein, weil sie keine Scherereien haben wollen.
Und rückkehrende Reisende, denen unterwegs kein Seeräuber hinter der Düne begegnet ist, berichten von "überhaupt kein Problem".
Für mich ist das immer wieder eines der schwierigsten Probleme: Wem vertraue ich hinsichtlich Informationen? Eine Standard-Lösung gibt es da nicht. Jedenfalls keine für mich. Auf wessen Informationen hören Sie?
nachdem ich den Beitrag geposted habe, fiel mir die falsche Formulierung bezueglich der 'relativen Sicherheit' selber auf!
Was ich lediglich damit sagen wollte, dass es bei jeder Wuestentour Probleme geben kann, und dass es eine absolute Sicherheit nie geben kann.
Fakt ist, dass das aegyptische Militaer seit der Entfuehrung dauernd praesent ist. Heute wieder wird eine Truppe in das Grenzgebiet entsendet. In der letzten Woche wurden Waffenschmuggler festgenommen... Entscheidend ist, dass das fuer die Banditen (und es sind nicht wirklich Terroristen! - Roger) abschreckende Wirkung hat! Es ist fuer die naechsten Monate, vielleicht auch fuer dauernd geplant, dass es feste Militaerposten gibt. Wie das Ganze dann mittel- und langfristig weitergehen wird, muessen wir abwarten.
Ich kann nur berichten, was sich hier tut, meine wahrsagerischen Faehigkeiten sind nicht sehr ausgepraegt!
Die aegyptische Behoerden sind nicht wirklich sicherheitsbewusst, das ist klar. Aber jeder will seinen (sorry) Arsch retten. Solange keiner in den Medien von den Vorfaellen Kenntnis bekommt, kann man prima unter den Teppich kehren - geschehen nach 8 Bells. Da aber nach der Entfuehrung nun auch die alte Geschichte hochkam und es den entsprechenden Mititaers nun die Karriere kostet (wie immer - nachher!), sind die anderen um so gewarnter. Jetzt ist die Region sogar im Blick von Rs. Mubarak - was fuer die Herren Militaer ein tiereischer Druck ist!!! Das laesst mich hoffen - dafuer bin ich lange genug hier!!!
Uebrigens, Her Goettler, ich hatte im Februar wegen 8 Bells auch mit der Botschaft Kontakt aufgenommen. Sie haben den Vorfall heruntergespielt (passiert immer wieder...) und darauf verwiesen, dass es aeg. Hoheitsgebiet sei und ihnen die Haende gebunden sind. Ich haette gerne einen Sicherheitshinweis durch das AA bezueglich Gilf gesehen (schlecht fuer das Geschaeft, doch wichtig fuer die Reisenden!!!) - leider bin ich nicht erfolgreich gewesen!
In den anderen Punkten muss ich Ihnen Recht geben. Was vor allem die aegypischen Reiseagenturen angeht, so denken sie oftmals in erster Linie an den Profit (Allah wird es schon richten!).
Was Individual-Touristen angeht, so wuerde ich eher auf Reisevermittler (nicht Agenturen) vor Ort vertrauen (bitte nicht falsch verstehen, soll wirklich keine Eigenwerbung sein!!!). Sie sind unabhaengig und meist objektiver!
Ich werde weiterhin alles tun, um sachgerecht wie moeglich Informationen von hier weiterzugeben.
Sobald die erste Gruppe aus dem Gilf zurueck ist, kann ich Details ueber die tatsaechliche Praesenz des Militaers geben.
So, seit gestern werden nun auch wieder Genehmigungen fuer das gesamte Gebiet, incl. Karkur Talh, ausgestellt.
Das aegyptische Militaer ist sich seiner Sache sehr sicher! Heute begibt sich einer der Oberbefehlshaber fuer etwa 1 Woche mit einer Truppe hin. Anschliessend soll weiter durch Posten gesichert werden.
Die ersten Gruppen sind unterwegs - allerding noch ohne Wadi Uweinat.
Ich werde weiter berichten.
Falls die Sicherung so aussieht, das man an 'jeder Ecke' bewaffnete Soldaten findet... Ich will es nicht hoffen!
genau auf das von Ihnen so schön klar umrissene Problem wollte ich ja hinweisen.
Eine einfache Lösung sehe ich da nicht und die besonderen Beziehungen des PeterM besitze ich auch nicht. Daher besteht für mich ja da ein totales Dilemma.
Irgendwo im Bauch stellt sich dann aus den vielen Informationen, die man dann selbst versucht auf ihre Verwertbarkeit/Zuverlässigkeit zu überprüfen, eine Einschätzung ein, die, wie ich aber schon mehrfach (auch in Algerien) festelllen musste, oft nicht allzu viel taugt.
In diesem Dilemma bewegen wir uns aber mehr und mehr, wenn wir an die Länder und Gebiete denken, in die wir so gerne reisen.
einen herzlichen Gruß nach Freiburg
Werner Lenz
Hallo Stefanie,
Deinen aktuellen Beitrag finde ich jetzt schon deutlich besser und hilfreicher für eine Beutreilung, was "da" abgeht als die älteren, sehr euphorischen Beiträge; bitte "weiter so".
Zur Lockerung des oben (GG) beschriebenen Dilemmas könntest Du als Info-Quelle vor Ort einen sehr hilfreichen Beitrag leisten; Danke.
Ja, da stimme ich zu! Die Botschaften kehren oft auch unter den Teppich - sie wollen (so 2003) die entsprechende "Tourismus-Industrie" (wörtlich) schützen. Da muss ich mich also korrigieren. Ergo: Auf die Aussagen der Botschaften ist zwar kein Verlass, Reisewarnungen schlagen dennoch umso heftiger z.B. in versicherungstechnischen Fragen durch.
...was erwartet man eigentlich immer von den Botschaften? Oftmals findet sich dort ganz einfach nur eine Ansammlung von Verwaltungsbeamten, deren einzige Kenntnis des Gastlandes beschränkt ist auf die Informationen, die man bei Treffen mit anderen solchen Verwaltungsbeamten erhält. Die machen ihre Arbeit, wie sie es auf jedem Deutschen Amt auch machen würden - passert dann mal was, dann sind die Leute masslos überfordert. Wenn dann noch die sprichwörtliche Kundenfreundlichkeit, die man einem Beamten so gerne nachsagt, dazukommt, dann kann man sich als "Kunde" schnell mal ziemlich verloren vorkommen...