Hallo Doncarlos,
doncarlos hat geschrieben: gerne nehme ich Dir sofort ab, daß es dieses Jahr im Sahel wieder einmal besonders heiß war.
Dieser November war nicht wieder einmal besonders heiß sondern es war der heißeste, seit Wetter in Niger aufgezeichnet wird. Der mangelnde Regen zur Regenzeit hat direkte Auswirkungen auf das Wetter. Regnet es mehr, hat das einen positiven Effekt auf die Vegetation. Es wächst mehr, wodurch die Bodenerosion verhindert und der Grundwasserspiegel liegt näher an der Oberfläche wodurch mehr Wasser verdunstet, sprich die Luftfeuchtigkeit höher wird, die Verdunstungskälte wirkt sich auf die Temperaturen aus. Die Klimaveränderung verursacht durch den Treibhauseffekt reduziert auch die nächtliche Abkühlung.
doncarlos hat geschrieben:natürlich mit den gleichbleibend drastischen Folgen für die Ernährungssituation der Bevölkerung.
Die Folgen sind nicht gleichbleibend drastisch sondern die Folgen nehmen zu durch zunehmende Erwärmung verstärken sie sich. Lagen die Niederschläge im Zeitraum von 1921 bis 1968 im Schnitt bei 180mm mit Spitzen nach oben und kaum nach unten lagen die Niederschläge bis heute bei 110mm mit nur wenigen Ausreißern nach oben aber mit deutlichen Tiefs. (Gebiet Agadez)
doncarlos hat geschrieben:des wenigen grasbewuchses gerade um die Wasserlöcher herum die Desertifikation weiter galoppieren lässt.
Von einigen vereinzelten Brunnen, um die nichts wächst einmal abgesehen liegen die Wasserlöcher vor allem in Flußbetten. D.h. es werden Löcher in das ausgetrocknete Flußbett gegraben (je nach Ausfall der Regenzeit, muss mehr oder weniger tief gegraben werden) Da kann nichts niedergetrampelt werden, weil dort eh nichts wächst.
doncarlos hat geschrieben:Um die Beschreibung des Dilemmas noch weiter zu treiben müssten wir dann auch noch von der mehr als zweischneidigen Auswirkung der dann immer wieder einsetzenden europäischen etc. Lebensmittelhilfslieferungen auf die Ernährungssituation der lokalen Bevölkerung ins auge fassen. Wenn es dann überall auf den Märkten die köstlichen Baguettes für einen Spottpreis zu kaufen gibt verändern sich unter der Hand die Ernährugnsgewohnheiten der Leute, d.h. die vor Ort angebauten Lebensmittel werden immer weniger gemocht und damit sind dann auch die Ackerbauern dieser Länder die Leidtragenden, deren Produkte keiner mehr kaufen will.
Ich frage mich, wie du zu dieser Schlussfolgerung kommst. Die heimischen Märkte sind voll von Produkten aus lokalem Anbau. In Timia z.B. werden Orangen, Bananen, Mandarinen, Papaya, usw. usw. angebaut. Die Pflanzen dazu wurden schon vor vielen Jahren von einem Deutschen importiert und die Gärten werden lokal gemanaged. Im Niger hat man erkannt, wie wichtig die Eigenversorgung mit Lebensmitteln ist. In den Schulen wird seit einigen Jahren den Kindern Ackerbau und Viehzucht in Mustergärten beigebracht.
doncarlos hat geschrieben:Vielleicht fallen den wüschis noch weitere Einzelheiten zur Beschreibung dieses Kaleidoskops der Ausweglosigkeit ein.
Du schreibst du wärest in den letzten 30 Jahren immer wieder durch den Niger gereist. Ich habe meine Zweifel daran sonst hättest du festgestellt, dass es schöne Fortschritte gibt. Besonders im Bildungssektor gibt es hochmotivierte Lehrer, die das Problem erkannt haben und sich für die Zukunft ihres Landes aufopfern. Die Voraussetzungen sind allerdings nicht optimal. Ich habe eine Schule bei Timia besucht. Es fehlen Schulbänke. Die vier Schulbänke, die noch existieren befinden sich in verheerendem Zustand. Schreibzeug und Hefte fehlen. Ich habe mich daher spontan dazu entschlossen mit den Werbeeinnahmen und Spenden des Wüstenschiffes 25 Schulbänke in Auftrag zu geben und Schulmaterial zu organisieren. Schulbildung ist das A & O und das Land muss langfristig seine Elite aufziehen, die das Land eines Tages aus der Misere führen wird. Das geht leider nicht von heute auf morgen.
doncarlos hat geschrieben:Z.B. ist es ja mit unseren Kleiderspenden welche zum großen Teil auf den afrikanischen Märkten verhökert werden ja ganz ähnlich.
Ich sehe weniger ein Problem bezüglich des Verhökern von Kleiderspenden. Das größere Problem sind die Kleider- und Stoffimporte Made in China, Indonesien, usw.
Grüsse
Alexander