Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

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Alexander
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Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von Alexander »

Dieses Jahr hatten wir in Niger über 60 Grad im November. Der heißeste November, den die Menschen dort bisher erlebten. Die Regenzeit dieses Jahr fiel sehr mager aus.

In meinen dreizehn Jahren bei "Care" habe ich aber auch miterlebt, wie extreme Wetterverhältnisse und Dürreperioden Gemeinden immer wieder zurückwerfen. Armut und Hunger hängen in diesem Teil der Welt fast immer auch mit dem Klimawandel zusammen. Niger ist davon besonders stark betroffenen. Ganze Dörfer müssen mit immer weniger Wasser auskommen, da die Regenperioden kürzer werden und sich kaum noch vorhersagen lassen. Eine Katastrophe für das Wüstenland, in dem sowieso nur zwölf Prozent der Böden fruchtbares Ackerland sind. Trotzdem arbeiten 80 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft und sind von ihr für Nahrungsmittel und Einkommen abhängig. Die Dürren lassen ihre Ernten vertrocknen. Ergebnis: Niger hat eine der höchsten Armuts- und Unterernährungsraten der Welt.
Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Grüsse
Alexander
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doncarlos
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von doncarlos »

Hi Alexander,
gerne nehme ich Dir sofort ab, daß es dieses Jahr im Sahel wieder einmal besonders heiß war. Dass die Regenmengen welche in den Regenzeiten runterkommen sehr variabel sind ist doch aber nichts besonderes, d.h. ist m.W. eigentlich auch unabhängig von den Spitzentemperaturen - oder täusche ich mich da als Nicht-Meteorologe?
In den über 30 J.seit denen ich dort immer mal wieder durchkomme hat es dieses Phänomen der Regenknappheit öfter schon gegeben, natürlich mit den gleichbleibend drastischen Folgen für die Ernährungssituation der Bevölkerung. Verschlimmert wird das Drama dann durch die immer wieder zu beobachtende Tendenz der Tuareg-Bevölkerung zur Ausweitung ihrer Tierbestände da die Fleischpreise insbes. auf den algerischen etc. Märkten -wohin ganze LKW-Ladungen voll Kamelen und Ziegen- unter abscheulichen Bedingungen geschafft werden- die Profite ansteigen lassen. Allerdings kann ich nicht genau sagen wer davon am meisten profitiert; ich vermute mal eher die algerischen etc. Viehhändler. Besonders gekniffen sind dann bei einer der periodischen Dürrejahre die von der Viehzucht abhängigen Sahelbewohner.
Man sollte auch nicht vergessen, dass die "Überweidung" der sowieso schon mehr als spärlichen Vegetation im Sahel und das Zertrampeln des wenigen grasbewuchses gerade um die Wasserlöcher herum die Desertifikation weiter galoppieren lässt.
Um die Beschreibung des Dilemmas noch weiter zu treiben müssten wir dann auch noch von der mehr als zweischneidigen Auswirkung der dann immer wieder einsetzenden europäischen etc. Lebensmittelhilfslieferungen auf die Ernährungssituation der lokalen Bevölkerung ins auge fassen. Wenn es dann überall auf den Märkten die köstlichen Baguettes für einen Spottpreis zu kaufen gibt verändern sich unter der Hand die Ernährugnsgewohnheiten der Leute, d.h. die vor Ort angebauten Lebensmittel werden immer weniger gemocht und damit sind dann auch die Ackerbauern dieser Länder die Leidtragenden, deren Produkte keiner mehr kaufen will.
Vielleicht fallen den wüschis noch weitere Einzelheiten zur Beschreibung dieses Kaleidoskops der Ausweglosigkeit ein. Z.B. ist es ja mit unseren Kleiderspenden welche zum großen Teil auf den afrikanischen Märkten verhökert werden ja ganz ähnlich.
Für alle Wüschis, die mich aber gleich wieder mißverstehen wollen: keiner leugnet die Klimaveränderung und ihre negativen Auswirkungen auch auf Afrika jedoch sind diese über eine ganze Reihe von Mechanismen miteinander vermittelt.
Viele grüße von doncarlos
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Alexander
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von Alexander »

Hallo Doncarlos,
doncarlos hat geschrieben: gerne nehme ich Dir sofort ab, daß es dieses Jahr im Sahel wieder einmal besonders heiß war.
Dieser November war nicht wieder einmal besonders heiß sondern es war der heißeste, seit Wetter in Niger aufgezeichnet wird. Der mangelnde Regen zur Regenzeit hat direkte Auswirkungen auf das Wetter. Regnet es mehr, hat das einen positiven Effekt auf die Vegetation. Es wächst mehr, wodurch die Bodenerosion verhindert und der Grundwasserspiegel liegt näher an der Oberfläche wodurch mehr Wasser verdunstet, sprich die Luftfeuchtigkeit höher wird, die Verdunstungskälte wirkt sich auf die Temperaturen aus. Die Klimaveränderung verursacht durch den Treibhauseffekt reduziert auch die nächtliche Abkühlung.
doncarlos hat geschrieben:natürlich mit den gleichbleibend drastischen Folgen für die Ernährungssituation der Bevölkerung.
Die Folgen sind nicht gleichbleibend drastisch sondern die Folgen nehmen zu durch zunehmende Erwärmung verstärken sie sich. Lagen die Niederschläge im Zeitraum von 1921 bis 1968 im Schnitt bei 180mm mit Spitzen nach oben und kaum nach unten lagen die Niederschläge bis heute bei 110mm mit nur wenigen Ausreißern nach oben aber mit deutlichen Tiefs. (Gebiet Agadez)
doncarlos hat geschrieben:des wenigen grasbewuchses gerade um die Wasserlöcher herum die Desertifikation weiter galoppieren lässt.
Von einigen vereinzelten Brunnen, um die nichts wächst einmal abgesehen liegen die Wasserlöcher vor allem in Flußbetten. D.h. es werden Löcher in das ausgetrocknete Flußbett gegraben (je nach Ausfall der Regenzeit, muss mehr oder weniger tief gegraben werden) Da kann nichts niedergetrampelt werden, weil dort eh nichts wächst.

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doncarlos hat geschrieben:Um die Beschreibung des Dilemmas noch weiter zu treiben müssten wir dann auch noch von der mehr als zweischneidigen Auswirkung der dann immer wieder einsetzenden europäischen etc. Lebensmittelhilfslieferungen auf die Ernährungssituation der lokalen Bevölkerung ins auge fassen. Wenn es dann überall auf den Märkten die köstlichen Baguettes für einen Spottpreis zu kaufen gibt verändern sich unter der Hand die Ernährugnsgewohnheiten der Leute, d.h. die vor Ort angebauten Lebensmittel werden immer weniger gemocht und damit sind dann auch die Ackerbauern dieser Länder die Leidtragenden, deren Produkte keiner mehr kaufen will.
Ich frage mich, wie du zu dieser Schlussfolgerung kommst. Die heimischen Märkte sind voll von Produkten aus lokalem Anbau. In Timia z.B. werden Orangen, Bananen, Mandarinen, Papaya, usw. usw. angebaut. Die Pflanzen dazu wurden schon vor vielen Jahren von einem Deutschen importiert und die Gärten werden lokal gemanaged. Im Niger hat man erkannt, wie wichtig die Eigenversorgung mit Lebensmitteln ist. In den Schulen wird seit einigen Jahren den Kindern Ackerbau und Viehzucht in Mustergärten beigebracht.

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doncarlos hat geschrieben:Vielleicht fallen den wüschis noch weitere Einzelheiten zur Beschreibung dieses Kaleidoskops der Ausweglosigkeit ein.

Du schreibst du wärest in den letzten 30 Jahren immer wieder durch den Niger gereist. Ich habe meine Zweifel daran sonst hättest du festgestellt, dass es schöne Fortschritte gibt. Besonders im Bildungssektor gibt es hochmotivierte Lehrer, die das Problem erkannt haben und sich für die Zukunft ihres Landes aufopfern. Die Voraussetzungen sind allerdings nicht optimal. Ich habe eine Schule bei Timia besucht. Es fehlen Schulbänke. Die vier Schulbänke, die noch existieren befinden sich in verheerendem Zustand. Schreibzeug und Hefte fehlen. Ich habe mich daher spontan dazu entschlossen mit den Werbeeinnahmen und Spenden des Wüstenschiffes 25 Schulbänke in Auftrag zu geben und Schulmaterial zu organisieren. Schulbildung ist das A & O und das Land muss langfristig seine Elite aufziehen, die das Land eines Tages aus der Misere führen wird. Das geht leider nicht von heute auf morgen.

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doncarlos hat geschrieben:Z.B. ist es ja mit unseren Kleiderspenden welche zum großen Teil auf den afrikanischen Märkten verhökert werden ja ganz ähnlich.
Ich sehe weniger ein Problem bezüglich des Verhökern von Kleiderspenden. Das größere Problem sind die Kleider- und Stoffimporte Made in China, Indonesien, usw.

Grüsse
Alexander
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Ténéré
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von Ténéré »

Alexander hat geschrieben:Dieses Jahr hatten wir in Niger über 60 Grad im November. Der heißeste November, den die Menschen dort bisher erlebten. Die Regenzeit dieses Jahr fiel sehr mager aus.
Beide Aussagen stimmen nicht. Ich habe einige Kontaktpersonen im Niger befragt, von einer Hitzewelle im November haben die alle nichts bemerkt. Auch die Wetterstationen in Bilma, Agadez und Niamey zeigen ganz normale Werte, selbst 40 Grad wurden da nicht erreicht. Die höchste jemals gemessene Temperatur gibt wikipedia miz 55 Grad, gemessen am 7.7.1931 in Tunesien. Außerdem war 2016 von den Regenmengen her ein gutes Jahr im Niger. An allen (!) Wetterstationen wurden die langjährigen Durchschnitte erreicht, teils deutlich übertroffen. Als einzige Station meldete Zinder eine unterdurchschnittliche Regenmenge (Quelle: Télé Sahel, meteorologischer Dienst).
doncarlos
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von doncarlos »

Hi Alexander,
danke für deine ausführliche Auseinandersetzung mit meinen Kommentaren zu deinem Bericht.
In der Tat war ich in diesem Jahrhundert noch nicht wieder im Niger sondern meine reisen dahin passierten in den 80-er und 90-er jahren des vorigen Jahrhunderts und daher bin ich natürlich alles andere als up-to-date was Du schon richtig erkannt hast. Besonders freue ich mich über Deine Beschreibung der einheimischen Märkte voller Produkte aus heimischem Anbau. Dann scheint es also tatsächlich doch irgendwie -und hoffentlich nicht nur vereinzelt- Fortschritte zu geben in den letzten 30 Jahren!! Wenn es tatsächlich so ist, dass die Setzlinge für diesen verbreiteten Gartenbau von einem Deutschen importiert wurden dann bin ich jetzt aber wirklich -zum ersten Mal seit langem wieder- doch etwas stolz auf mein Volk (oder darf man dies eigentlich political correct wirklich so noch sagen?) Ich will auch demnächst ganz privat ein ähnliches projekt in Westafrika hochziehen, d.h. ein kleines Graswurzelunternehmen in Form von Gärten zum Anbau von Gemüse und Obst und deren verbesserte Verarbeitung und Vermarktung.
Ich gehöre ja nun wirklich nicht zu den Schwarzsehern und Apokalypse-Propheten!
Ganz kurz noch zu Deinen schönen Bildern über viele gegrabene Wasserstellen in Wadis und dgl. um die herum in der tat wenig bewuchs festzustellen ist. Was ist denn nun mit den vielen "abreuvoirs", d.h. den mehr oder weniger natürlichen Viehtränken um die herum nun aber massive trampelspuren und damit einhergehende Zerstörung der natürlichen -weil in der Regenzeit herrlich sprießenden- Vegetation zweifelsfrei festzustellen ist? Die gibt es zumindest weiter unten im südlichen Sahel v.a. in der Baumsavanne aber mit Sicherheit auch meint doncarlos
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Alexander
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von Alexander »

Ténéré hat geschrieben:Beide Aussagen stimmen nicht. Ich habe einige Kontaktpersonen im Niger befragt
Es ist ja nicht so, dass ich diese Informationen aus der Bildzeitung habe. Ich bin vor zwei Wochen aus dem Niger zurückgekehrt. Und ich kann gut zwischen 40 und 60 Grad unterscheiden. Wenn mir dann die Locals und besonders der Madougou erzählt, dass es die heißeste Karawane war seit er diese Karawane führt, dann glaube ich es diesen Menschen. Sicherlich habe ich die 60 Grad in der Wüste erlebt, wo es keinen Schatten und kein Wetterhäuschen gibt.

Dass einige sonst wasserführende Brunnen dieses Jahr kein Wasser hatten und dass die Cascade de Timia dieses Jahr kaum Wasser führten ist ein weiterer Hinweis für die nur mäßig ausgefallene Regenzeit.

Normalerweise sprudelt aus diesen Wasserfällen mehr Wasser. Die Wasserfälle werden aus einem höher gelegenen Flußbett gespeist, dessen Wasser unterirdisch verläuft.

Bild

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Alexander
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von Alexander »

Hallo doncarlos
doncarlos hat geschrieben: doch etwas stolz auf mein Volk (oder darf man dies eigentlich political correct wirklich so noch sagen?)
Warum nicht? Ich denke, es gibt Gründe dafür stolz auf unser Land zu sein.
doncarlos hat geschrieben: Ich will auch demnächst ganz privat ein ähnliches projekt in Westafrika hochziehen, d.h. ein kleines Graswurzelunternehmen in Form von Gärten zum Anbau von Gemüse und Obst und deren verbesserte Verarbeitung und Vermarktung.
Hört sich interessant an. Ich stelle mir vor, dass dieses Projekt recht zeitintensiv ist, da es ja mit dem Anpflanzen nicht getan ist. Die Pflanzen müssen gepflegt und die Früchte der Arbeit schließlich geerntet werden. Wie wird der Verlauf des Projektes aussehen, mit anschließender Vermarktung und Verkauf?
doncarlos hat geschrieben:Was ist denn nun mit den vielen "abreuvoirs", d.h. den mehr oder weniger natürlichen Viehtränken um die herum nun aber massive trampelspuren und damit einhergehende Zerstörung der natürlichen -weil in der Regenzeit herrlich sprießenden- Vegetation zweifelsfrei festzustellen ist?
Wie gesagt, wir kamen an einer Stelle mit einigen Palmen vorbei, wo ein Loch gegraben werden musste, um an das Wasser zu gelangen. Ebenso in einem Flussbett. Die Brunnen, die ich in der Nähe des Air gesehen hatte führten kein Wasser, obwohl die Brunnen am Rand eines Oueds in den Boden getrieben waren. Weiter südlich mag es diese Wasserstellen geben, aber deren Zustand kenne ich nicht. Evtl. sehe ich mir die beim nächsten Besuch an.

Ausgetrockneter Brunnen:

Bild

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Ténéré
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von Ténéré »

Alexander hat geschrieben:Es ist ja nicht so, dass ich diese Informationen aus der Bildzeitung habe. Ich bin vor zwei Wochen aus dem Niger zurückgekehrt. Und ich kann gut zwischen 40 und 60 Grad unterscheiden. Wenn mir dann die Locals und besonders der Madougou erzählt, dass es die heißeste Karawane war seit er diese Karawane führt, dann glaube ich es diesen Menschen. Sicherlich habe ich die 60 Grad in der Wüste erlebt, wo es keinen Schatten und kein Wetterhäuschen gibt.

Dass einige sonst wasserführende Brunnen dieses Jahr kein Wasser hatten und dass die Cascade de Timia dieses Jahr kaum Wasser führten ist ein weiterer Hinweis für die nur mäßig ausgefallene Regenzeit.

Normalerweise sprudelt aus diesen Wasserfällen mehr Wasser. Die Wasserfälle werden aus einem höher gelegenen Flußbett gespeist, dessen Wasser unterirdisch verläuft.
Also ich habe nochmals in Agadez nachgefragt, per whatsapp geht das ja heutzutage richtig gut. Speziell in Agadez soll es im November sogar "kalt" gewesen sein. Ende Oktober, als du unterwegs warst (ich lese den Reisebericht übrigens mit großem Interesse...sozusagen auf den Spuren von W. Gartung) wurden mit etwas Mühe noch 35 Grad erreicht. Ohne Schatten in der Ténéré mag es heißer erscheinen, als es wirklich ist und wir als Weiße müssen uns ja sowieso immer anhören "c'est un peu chaud n'est-ce pas?"...die Tuareg sind sowieso große Geschichtenerzähler, so werden dann aus objektiven 38° sicher subjektive 60°.

Die Cascade in Timia (danke fürs aktuelle Bild) sieht eigentlich außerhalb der Regensaison immer so aus, ich war selber bereits mehrmals dort. Die Bilder mit sprudelndem Wasser, gar Wasserfällen, sind immer von Juli/August/September, wenn es gerade mal irgendwo in der Nähe geregnet hat.

Ansonsten sah es 2016 so aus:
Agadez 190mm Regen (Durchschnitt 130mm)
Tahoua 450 mm
Niamey 550 mm
In der Umgebung von Niamey teils 750mm Niederschlag, das ist mehr als mancher Ort in Deutschland.

Vielleicht haben die Leute in Agadez über Wasserknappheit berichtet, das liegt aber daran, dass die Stadt bevölkerungsmäßig explodiert, da steigt der Verbrauch natürlich auch wahnsinnig an. Strom und Wasser werden dann knapp. Besonders Strom ist ein Problem, oft gibt es tagelange Abschaltungen. Wir haben ein Haus in Agadez und beziehen z.B. Strom komplett aus einer 3kW Solaranlage mit Batteriespeicher, ganz ohne Nigelec.
doncarlos
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von doncarlos »

Hi Alexander,
zum ersten Mal seit längerem habe ich wieder das Gefühl dass wir im Forum -zumindest in diesem thread- zu einem konstruktiven Diskussionsstil zurück finden. Der zwischenzeitlich -vielleicht auch im Gefolge dieser unseligen flüchtlingsdiskussion - hoch gekommene vergiftete weil moralisch anklägerische Tonfall sollten wir am besten dauerhaft ablegen, wie Du es mittlerweile ja auch praktizierst.
Du fragst im Hinblick auf meine Pläne für das Anlegen von Gemüse- und Obstgärten in diesem fall in gambia
Hört sich interessant an. Ich stelle mir vor, dass dieses Projekt recht zeitintensiv ist, da es ja mit dem Anpflanzen nicht getan ist. Die Pflanzen müssen gepflegt und die Früchte der Arbeit schließlich geerntet werden. Wie wird der Verlauf des Projektes aussehen, mit anschließender Vermarktung und Verkauf?
Dazu noch einige weitere Details:
Früher habe ich ja Gambia und eigentlich auch Senegal aus vielerlei Gründen nicht gemocht, dafür aber Mali oder auch Guinea-Bissau. Die politischen Entwicklungen haben für meinen praktischen Betätigungsdrang halt nur noch Gambia übrig gelassen wo neben der sowieso niedergehenden Turismus-Infrastruktur die üblichen Afrika-typischen Probleme auch auftreten. Gartenbauprojekte habe ich auf meinen Reisen auch schon mehrere gesehen und als Kind vom lande bin ich mit der Materie sowieso von Kindesbeinen an vertraut.
Die ganze Chose ist recht simpel. Anfangen will ich mit einigen Plätzen rund um meinen dortigen compound wo ich auch schon einen Tiefbrunnen gebohrt habe, der die Pflanzungen mit dem nötigen Nass versorgen wird. War beim letzten Mal im sommer schon in Verhandlungen über mittelfristige Pachtung einiger total vernachlässigten Flächen in der Nachbarschaft was aber wegen Differenzen über den Pachtzins noch nicht abgeschlossen ist, sonst hätten wir schon 1 ha Bananenplantage + Gemüsebeete in Arbeit. So wird's also erst jetzt zum Jahreswechsel beginnen, denn die Leute vor Ort zum Mitmachen habe ich schon im Auge. Die Idee habe ich auch deshalb jetzt doch energischer angegangen, weil mein "Watchman" -ein Familienvater mit 40 Lj- mir immer wieder von seinem "Spleen" erzählt auch auswandern zu wollen und zwar ausgerechnet in sein Traumland Italien. Bevor er also in Süditalien auf Orangenplantagen für einen Hungerlohn als Pflücker und Gartenhelfer malocht und womöglich noch bei der "Flucht" auf dem Mittelmeer absäuft ist eine produktive und geldlich lohnende Gartenbautätigkeit vor Ort wohl die bessere Alternative. Leute mit Gartenbaukompetenz haben sich auch schon angeboten und so brauchts jetzt erst mal etwas Kapital für die Setzlinge, bewässerungstechnik etc. Der "business-plan" ist ebenfalls recht einfach: Bananen lassen sich überall gut verkaufen und das Gemüse (Tomaten etc.) finden auch todsicher Abnehmer. Wenn ein Gärtnerteam dann eingespielt sein wird können wir zukünftig auch Beeren etc. anbauen und versuchen Marmeladen zwecks Verkauf herzustellen.
Wie gesagt ist das alles nicht besonders hochfliegend sondern halt ein typisches Graswurzelprojekt im wahrsten Sinne.
Kann euch dann sporadisch den Fortgang berichten obwohl ich dieses Mini-projekt nun überhaupt nicht besonders hoch hängen möchte meint doncarlos
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Alexander
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von Alexander »

Hi doncarlos,
doncarlos hat geschrieben: Wie gesagt ist das alles nicht besonders hochfliegend sondern halt ein typisches Graswurzelprojekt im wahrsten Sinne.
Kann euch dann sporadisch den Fortgang berichten obwohl ich dieses Mini-projekt nun überhaupt nicht besonders hoch hängen möchte
Aber das ist doch genau der richtige Ansatz. Auch wenn das Ganze "nur" im Kleinen stattfindet. Das Projekt gibt einer handvoll Menschen einen Job. Von den Folgejobs einmal abgesehen. Die Menschen haben eine, vielleicht kleine Zukunftsaussicht, die sie davon abhält abzuwandern in eine ungewisse Zukunft mit der Gefahr die Reise nach Europa nicht zu überleben. Es gibt viele Menschen, auch hier im Forum, die irgendwo in Afrika ihr eigenes kleines Projekt managen. Nachhaltig und langfristig.

Helfen kann ich dir nicht dabei. Alles Grüne, was ich anfasse geht früher oder später ein ;-)

Grüsse
Alexander
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von Ténéré »

Auch 2017 gibt es im Niger keine Dürre, ganz im Gegenteil. Hier die frischen Daten bzgl. Niederschlag vom meteorologischen Dienst (Télé Sahel). Rot = Defizit zum Durchschnitt, blau = Überschuss.

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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von ferdi »

Hallo Alexander,

brauchst Du eine Brille?
In der Gegend, wo Du hin willst, ist die Zahl ROT (7-9mm Niederschlag pro Jahr weniger). Das bedeutet, da geht bald gar nichts mehr - keine lustige Kamelkarawane nach Bilma - eigentlich ist die Gegend mittelfristig unbewohnbar (für Zweifüßler), so, wie sie auch in den 70ern des letzten Jahrtausends war - daraus folgte ein erbitterter Krieg (gegen die, die in der "blauen Zone" wohnen), der immer noch (weniger erbittert) stattfindet.
Vielleicht triffst Du in Agadez ja Taffa Guissa. Der wurde Anfang des Jahrzehnts, in dem es noch Regen gab (1.1.1960) im Tal mit den schönen Zahnbürstenbäumen geboren (nördl. Agadez). Dann frag' den 'mal, was 7mm weniger bedeuten!
Und im Breisgau regnet es auch nur noch halb soviel wie 1981 bis 2010, aber immerhin noch 500mm - die Wüste ist hier noch weit, aber zeitweise doch ganz nahe.

Gute Reise
Ferdi

P.S.: Dein Brunnenprojekt kannst Du in die Tonne treten, den Brunnen braucht bald keiner mehr ;-)
Ténéré
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von Ténéré »

Ich glaube, du verwechselt da irgendetwas mit den Namen...

Dass es in Agadez dieses Jahr 7 mm weniger Niederschlag gab, bedeutet bei einem Durchschnitt von ca. 130 mm gar nichts (2016 gab es ca. 200 mm...). Übrigens gab es diesen Sommer sehr viel Regen im Air, allerdings gibt es von dort keine offizielle Daten.

Viel wichtiger ist der Regen im Süden, dort wo Landwirtschaft betrieben wird.

Und hier sind die absoluten Niederschlagsmengen von 2017. Ganz frisch heute auf Télé Sahel.

MfG, Ténéré

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ferdi
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Re: Niger: Wo der Klimawandel Realität ist

Beitrag von ferdi »

Hallo Günter,

ja, Person verwechselt (mein Hamster- äh- Mausrad dreht schneller, als meine Augen folgen können) und habe deshalb die Karte auch nur für die Wüstenregionen Nigers gelesen. Aber bei der höheren Temperatur und damit der höheren Verdunstungsrate heutzutage dort, sind 7mm weniger viel (vgl. Durchschnitt 30 Jahre). Dass lokal das komplett anders aussieht ist schön für die, die dort leben, im Allgemeinen spielt es leider aber keine Rolle.

Gruß und "sorry" für die Verwechslung.
Ferdi
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