nachstehend ein paar Eindrücke von meiner letztjährigen Reise in die Zentralafrikanische Republik. Vielleicht geben sie dem Einen oder dem Anderen mal Anregung für ein späteres Ziel. Aufgrund der derzeitigen Lage rät das Auwärtige Amt jedoch eindringlich von einer Reise in die CAR ab, es gibt eine Reisewarnung.
Ich empfehle daher unbedingt, die Sicherheitshinweise zu lesen.
Flüge Frankfurt - Bangui
Da die Ethiopian Airlines auf der Flugroute via Addia Ababa leider die (direkte) Anschlussverbindung nach Bangui komplett eingestellt hatte, blieben nicht viele Möglichkeiten, mit einer einigermaßen tolerablen Fluggesellschaft in die Zentralafrikanische Republik zu kommen. Die Air France fliegt nur wöchentlich via Paris, was aber nicht zum geplanten 12 tägigen- Reiseverlauf vor Ort passte. Also wurde es die Air Maroc mit 2 Zwischenübernachtungen in Casablanca. Ausser ein paar Sehenswürdigkeiten wie z.Bp. die Old Medina oder die Hassan II Moschee hat Casablanca m.E. nichts Besonderes zu bieten, es ist vor allen Dingen laut und staubig. Die Royal Air Maroc ist m.E. nicht unbedingt zu empfehlen. Dafür waren die Flüge mit 850 Euro relativ günstig und die Airline fliegt mehrmals wöchentlich Bangui an.
Auswärtiges Amt
Mittlerweile gibt es - wie oben ausgeführt - eine aktuelle Reisewarnung für das ganze Land (Straßenüberfälle, Risiko der Gewaltkriminalität, die u.a. auf die dauernden Stromausfälle zurück zu führen sind. Zum Reisezeitpunkt im Sommer 2012 gab es eine Teilreisewarnung. D.h., die Strecke Bangui - Dzanga Sangha war bei gewissen "Vorsichtsmaßnahmen" von der Reisewarnung ausgenommen (sonst wäre das für mich auch keinesfalls in Frage gekommen!) Es wurde z.B. dringend davon abgeraten, im Dunklen zu fahren. Letzteres ließ sich zeitlich aufgrund tlw. desolater Pistenverhältnisse nicht immer vermeiden.
Derzeit kann die Strecke aufgrund der Sicherheitslage nicht mehr befahren werden. Grundsätzlich gibt es eine (teure) Flugverbindung, momentan aber auch keine Option!
Streckenverhältnisse Bangui - Dzanga Sangha
Die Strecke von Bangui in den Dzanga Sangha Park beträgt etwa 660 km. Bis ca. 100 km ausserhalb von Bangui ist die Straße noch mehr oder weniger asphaltiert, dann wird`s heftig. Wir haben sowohl Hin, als auch Zurück jeweils 2 volle Tage (tlw. 13 Stunden) im Jeep verbracht und mussten aufgrund nicht befahrbarer geplanter Streckenabschnitte erhebliche Umwege in Kauf nehmen.
Etwa 150 km nach Bangui beginnt "La Grande Forêt". Teilweise sind es sandige Naturpisten, die sich relativ gut befahrbar durch den Wald schlängeln, teilweise aber auch tief ausgefahrene Streckenabschnitte mit kratergroßen Schlaglöchern, auf denen lediglich Schritttempo möglich ist. Abend war man abends eingehüllt von einer roten Staubschicht und festgetrocknetem Schlamm.
Es gibt nur eine, m.E. akzeptable Übernachtungsmöglichkeit auf der Strecke zum Reservat. Das ist die Buffle Rouge -Lodge, gelegen auf einer Urwaldinsel. Um dort hin zu kommen, muss mit einer "Fähre" (Stahlplattform) ein Fluss überquert werden. Die Lodge besteht aus Bambus-Bungalows, natürlich ohne fließend Wasser, doch traumhaft schön gelegen. Derzeit haben dem Vernehmen nach Wilderer die Lodge okkupiert.
Kontrollposten
In regelmäßigen Abschnitten gab es auf der Strecke sowohl polizeiliche Kontrollposten an Straßenschranken, als auch dörfliche Streckenbeschränkungen unterwegs. An den "offiziellen" Posten jedesmal langatmige Passkontrollen mit allerlei Papierkram. Fotographieren ist hier absolut nicht erlaubt, in den Dörfern wird es im Übrigen teilweise auch nicht gerne gesehen. Während die offiziellen Posten für die Strecksperrung bei unbefahrbaren Pisten da sein sollten (tlw. auch ein "pourboire" also einen "tip" erwarteten), konnten die dörflichen Posten oftmals nur gegen ein kleines Wegegeld passiert werden.
Dzanga -Sangha Reservat, Teil des Dzanga-Ndoki Nationalparks
Nach dem Amazonas ist das Kongobecken das zweitgrößte Tropenwaldgebiet der Erde. Das Schutzgebiet des Dzanga-Ndoki Parks besteht aus den zwei Zonen Dzanga und Ndoki.
Es gibt zwei Lodges im Dzanga-Sangha. Es ist zum einen die Sangha-Lodge, betrieben durch einen Südafrikaner. Wunderschön gelegen oberhalb des Sangha-Flusses, aber sehr rustikal. Das "Badezimmer" besteht aus einem Holzverschlag innerhalb der eher dunklen Hütte, der ständige feuchte Geruch lässt sich nicht verleugnen. Zum anderen gibt es die Doli-Lodge, die unter einem neuen Betreiber eröffnet hatte. Sie liegt ebenfalls am Sangha-Fluß, allerdings etwas weniger spektakulär. M.E. eher zu empfehlen, sie wurde renoviert und bietet in den Zimmern relativ angenehme Sanitärbereiche.
Westliche Flachlandgorillas und Mangabeaffen
Das Dzanga Sangha Schutzgebiet ist u.a. Teil des Lebensraums der westlichen Flachlandgorillas. Der WWF hat in der Nähe der Lichtung Bai Hokou ein Camp zur Erforschung der Gorillas errichtet. Das Camp erreicht man nur in einem sehr robusten Jeep über eine tief ausgefahrene Piste, ca. 45 Minuten von Bayanga.
Für die erste Gorilla-Gruppe des Silberrückens "Makumba" hat man mehrere Jahre für die Habituierung benötigt, 2012 konnten täglich 6 Touristen zu den Primaten (3 am Morgen, 3 am Nachmittag). Darüberhinaus gibt es ein zweite habituierte Gruppe um den Silberrücken "Mayale", i.d.R. schwieriger zu erreichen. Wir haben ab dem Camp rd. 1 1/2 Stunde bis zur Gruppe von Makumba benötigt und dort eine Stunde lang verbringen dürfen. Der Weg dorthin war körperlich nicht anstrengend, man durchwatet aber tlw. knietiefes Wasser.
Allen, die schon einmal an einem Gorilla-Tracking teilgenommen haben, muss ich nicht beschreiben, wie beeindruckend solch eine Begegnung ist! Anders als die Berggorillas sind die Flachlandgorillas etwas kleiner, "gedrungener" und haben eine andere Färbung. Wir kamen bis etwa 7 m an Makumba heran, die umhertrollenden Kleinen kümmerten sich dagegen nicht um Abstände. Ein tolles und bleibendes Erlebnis, nachdem mein Besuch der Berggorillas in Ruanda doch schon eine Jahre her war.
Die Zentralafrikanische Republik bietet neben der Republik Kongo übrigens die einzige Möglickeit, habituierte westl. Flachlandgorillas zu besuchen. (Gorillagruppen in z.Bsp. Kamerun oder Gabun sind nicht an den Menschen gewöhnt, d.h. eine Sichtung wäre "Zufall").
Ein Tracking zu den halb-habituierten Mangabeys ist nur in der ZAR möglich. Vorsicht, fallende Äste als Wurfgeschosse
Dzanga-Bai
Die Dzanga - Bai ist eine Waldlichtung und bekannt dafür, dass sich von einer Aussichtplattform am Rande der Saline die Waldelefanten wunderbar beobachten lassen. Wir hatten zum Nachmittag rd. 70-80 Tiere, die aus dem mineralhaltigen Lehmboden mit ihren Rüsseln das Wasser aufprudelten. Zwischendurch schritten ein paar Elefantenbullen durch die Herden. Desweiteren zu beobachten waren Waldbüffel und Sitatungas/ Sumpfantilopen, unzählige bunte Schmetterlinge und Käfer in einer Farbpracht, wie ich sie zuvor noch nie gesehen hatte.
Der Weg dorthin dauerte etwa eine 3/4 Stunde mit dem Jeep zum Ausgangspunkt und nochmals eine 3/4 Stunde Fußmarsch, teilweise wieder durch knietiefes bis hüfttiefes Wasser - diesmal ordentlich durchsetzt mit Elefantendung
Ein absolutes Highlight diese Bai, ein geräuschvolles Spektakel - einzigartig!
Leider haben dort jüngst üble Gemetzel durch Wilderer stattgefunden!
Pygmäen
Die Ba'Aka -Pygmäen werden in das gesamte Naturschutzprojekt eingebunden. Sie sind Spurenleser, Wächter und gehen mit den Touristen auf Netzjagd, sammeln Heil-und Nutzpflanzen und präsentieren ihre traditionelle Lebensweise. Über (bezahlpflichtige) Aktivitäten zusammen mit den Ba'Akas mag man geteilter Meinung sein, ich habe an einem ausserordentlichen Besuch eines Amerikaners teilgenommen, der seit über 25 Jahren unter den Ba'Akas lebt. Leider ist die "zivilisierte Welt" bei den Ba'Akas auch schon angekommen. Die meisten zerstreuen ihren Tag mit Drogen und Alkohol.
Fazit
Ganz abgesehen von der aktuellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für das gesamte Land ist die Strecke als Individualtour m.E. absolut nicht geeignet! Ohne französische Sprachkenntnisse bzw. ohne lokalen englichsprachigen Guide (der anscheinend schwer zu finden ist) ist man aufgeschmissen. Das gilt insbesondere, um die vielen Kontrollposten einigermaßen unbeschadet passieren zu können.
Die Menschen draussen in den Dörfern - herzlich und freundlich. Wer touristisch wenig berührtes Afrika kennt, der weiss um den Unterschied. Man war so "stolz", dass Weiße von so weit herkommen, um "La Grande Forêt" zu besuchen. Um so trauriger, was dort geschieht. Die Lage in Bangui scheint sich etwas zu stabiliieren, bleibt aber fragil.
Natürlich machten wir unterwegs auch Bekanntschaft mit dem Angebot an "bushmeat". Ein halbes Äffchen umgerechnet = 1 Euro. Müßig, darüber eine Grundsatzdiskussion mit den einheimischen Leuten zu beginnen. Und chon gerade in der jetzigen Situation...
Ingesamt betrachtet möchte ich behaupten, dass die Länder Afrikas, die ich bisher kennen gelernt habe, im "Vergleich" zur CAR "hochentwickelt" sind.
Man kann nur wünschen, dass sich die Lage irgendwann verbessert. Der WWF-Deutschland, die GTZ (Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) haben soweit engagiert und hochmotiviert Großes für die Stabilisierung des Lebensraumes für Mensch und Tier geleistet. Gerade der WWF hat sich aus den Park- und Trackinggebühren finanziert und ist auf Besucher angewiesen.
Drücken wir die Daumen für die Menschen, für die Tiere, für das Land!
Beste Grüße
VN323




