Mali - Mit dem Schiff auf dem Niger

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Hans Peter Schlumpf
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Mali - Mit dem Schiff auf dem Niger

Beitrag von Hans Peter Schlumpf »

Schiffsreisen auf dem Niger in Mali

1. Reise im Oktober 2002:
Wir reisten ohne irgendwelche Buchungen nach Mali und erkundigten uns in Bamako nach dem Fahrplan der öffentlichen Kursschiffe von Koulikoro über Mopti, Timbuktu nach Gao. Das Büro der der staatlichen Schifffahrtsgesellschaft Comanav befindet sich ebenfalls im Hafen von Koulikoro. Nachdem wir den Abfahrtstermin erfahren hatten, jeweils dienstags 22 Uhr, gingen wir bereits am Montag Nachmittag nach Koulikoro, um das Billet zu kaufen und die Kabine zu reservieren. Leider waren die beiden Luxuskabinen des Schiffs Général Soumaré bereits gebucht, wir mussten uns deshalb mit einer Kabine der 1. Klasse begnügen.
Auf dem Niger verkehren 3 Kursschiffe, alle ziemlich alt so aus den 60er Jahren und nicht in bestem Zustand, die beiden älteren Schiffe Général Soumaré und die Tombouctou sind gleich, es gibt je 2 Luxuskabinen mit 2 Betten, eigener Toilette, Dusche und Klimaanlage, je 10 kleine 2er Kabinen der 1.Klasse nur mit Lavabo, dann noch Kabinen der 3. Klasse mit 4 Betten. Wir waren am Dienstag die ersten Passagiere am Hafen und durften die 1.Klass-Kabine auswählen. Auf beiden Seiten sind je 5 Kabinen und dazu gehört zuhinterst eine weitere Türe, durch die man das WC und die beiden Duschen betritt. Wir nahmen die vorderste Kabine, da diese ein bisschen grösser ist, die beiden Betten stehen je links und rechts an der Wand, dazwischen ein wenig Zwischenraum, die andern Kabinen haben Kajütenbetten. Nach uns kamen eine ältere Schweizerin und ihren beiden Töchter, sie erhielten die 2 hinteren Kabinen auf unserer Seite. Die 2 Kabinen dazwischen und diejenigen auf der andern Seite waren alle von Einheimischen besetzt. Es reisen nur wenige Ausländer mit diesen Kursschiffen, die nicht auf Touristen ausgerichtet sind. Die Luxuskabinen waren von Franzosen belegt, dann reisten noch zwischen Mopti und Timbuktu 4 junge australische Touristen in der untersten Klasse mit.
Also was wir erlebt und gesehen haben, ist es unmöglich, dass mehr als etwa 8 Personen in so einer 1.Klass-Kabine hausen, in der 2.Klasse ist das eher möglich. Unsere Kabinennachbarn waren sehr nett und es waren ca. 6 Personen, darunter Kinder, in einer Kabine, dazu kommt natürlich noch einiges Gepäck. Zu allen Kabinen erhalten die Passagiere einen Schlüssel und die Kabinen werden auch von den Einheimischen abgeschlossen, wenn man herumspaziert. Wir hatten also unsere Kabine ganz für uns allein und die anderen 3 Schweizerinnen hatten ihre 2 Kabinen auch für sich allein. Wir haben für unsere Kabine für 2 Personen inklusive Essen für die Strecke bis Timbuktu ca. Fr. 500.—bezahlt und die 3 Schweizerinnen habe den vollen Preis für 2 Kabinen bezahlt. Problematisch ist es nun nur, wenn man als Einzelperson nur für 1 Bett bezahlen will, dann muss man die Kabine teilen. Auf unserer 2. Reise war eine Französin in dieser Situation. Zuerst war sie allein in der Kabine, in Segou stieg eine Frau zu, mit Tochter und Dienstmädchen und sehr viel Gepäck, das sie auch in der Kabine haben wollte. Sie vereinbarten dann, dass sie das Bett der Französin ganz frei halten müssen, was auch klappte.
Für uns war die Reise in Ordnung, ohne Komfort, aber sehr interessant, Berührungsängste darf man natürlich keine haben. Wir hatten auch keine gesundheitlichen Probleme, das Essen ist einfach, aber gut, kühle (meistens) Getränke gibt es an der Bar, auch Bier. Es war noch ziemlich heiss, die Klimaanlage im Essraum/Bar funktionierte nicht, am schönsten war es ohnehin draussen zu sitzen und die Landschaft zu geniessen. Nachts war es leider immer noch heiss, wir mussten zum Schlafen die Kabinentüre offen lassen, und die Betten an die Tür schieben, so spürte man immerhin den schwachen Fahrtwind, gelegentlich auch den stärkeren Wind, wenn Sturm aufkam, und Stürme und Regengüsse gab es noch anfangs Oktober 2002. Das Duschwasser wird direkt aus dem Niger gepumpt. Das einzige Problem für uns Ausländer in der 1. Klasse waren Toilette und Duschen, die man ja mit den Passagieren von 5 Kabinen teilen muss. Diese Türe ist nicht mit Schlüssel versehen, also benutzen die Passagiere der unteren Klassen auch dieses WC und auch die Duschen als WC. Nun hatten wir zum Glück unsere ältere Schweizerin. Sie sah, dass die Einheimischen auf der anderen Seite Ihr WC/Dusche mit Mahlschloss verriegelt hatte. Da sie ein Mahlschloss bei sich hatte, machten wir nun auf unserer Seite dasselbe und gaben einen Schlüssel den Einheimischen und ein Schlüssel verwaltete die Frau selbst. So blieb die Toilette doch auch für uns noch benutzbar. Das Problem ist vor allem zwischen Mopti und Timbuktu, denn da sind die Schiffe vor allem anfangs Oktober hoffnunslos überladen, wenn das Schuljahr beginnt und viele Lehrer- und Beamtenfamilien von der Hauptstadt zu ihrem Arbeitsort reisen und umgekehrt die Studenten von ihren Familien auf dem Land zurück in die Stadt. Bis Mopti ist es recht gemütlich und von Timbuktu nach Gao hat es nur noch ganz wenige Passagiere, denn wo gute Strassen vorhanden sind, werden von den Einheimischen die kürzeren, schnelleren und billigeren Busverbindungen vorgezogen.
Neben der beschaulichen Fahrt durch wunderschöne abwechslungsreiche Landschaft, hat uns aber vor allem das Leben auf und ums Schiff fasziniert. Das Schiff trifft an der Anlegestelle ein, aus den Lautsprechern der Musikanlage (die einfach dazugehört und besser funktioniert als vieles sonst auf dem Schiff) dröhnt laute malische Musik und es entsteht sofort am Hafen ein farbiger, lebhafter Markt: die Passagiere, vor allem die Frauen, die damit ihre Reisespesen verdienen können, bringen ihre Ware aus dem Kabinen zum Verkauf und die Dorfbewohner kommen mit ihren Produkten vorbei. Es entsteht also ein reger Austausch. Die Frauen nehmen vor allem Früchte, wie z. B. riesige Wassermelonen, aus der fruchtbaren Gegend bei Segou mit und verkaufen diese in den trockeneren Gebieten östlich von Mopti oder in Timbuktu.

Die Reise hat uns sehr gut gefallen. Wir wollten auch noch die Strecke von Timbuktu nach Gao, also durch eindrückliche Wüstenlandschaft, mit dem Kursschiff fahren, so dass wir Ende September 2003 nochmals nach Bamako geflogen sind. Dieses Mal haben wir das Schiff bereits von der Schweiz aus direkt bei der Comanav per fax reserviert, dieses Mal eine Luxuskabine, gewisse Bequemlichkeiten schätzt man halt schon, wenn man nicht mehr so jung ist, und es hat geklappt. Die Schulferien sind leider fix und wir mussten das Schiff nehmen, das anfangs Oktober in Koulikoro abfährt und das war, wie uns bereits per fax mitgeteilt wurde, das grössere und etwas neuere Schiff Kankou Moussa mit 4 Luxukabinen, das aber wegen seiner Grösse nur bis Timbuktu fahren konnte, denn ab Kabara, dem Flusshafen bei Timbuktu, hat es viele Sandbänke. Nun machten wir also nochmals die gleiche Flussstrecke wie das Jahr zuvor und fuhren zudem mit dem Schiff von Timbuktu wieder zurück bis nach Mopti. Abends nach 22 Uhr kamen wir in Kabara an, durften unsere Kabine gleich behalten und konnten am nächsten Tag noch Timbuktu besuchen, das Schiff verliess erst gegen 16 Uhr wieder den Hafen. Der Fahrplan wurde auch dieses Mal recht gut eingehalten, hingegen hatte aber der vorherige Kurs, die Tombouctou, eine Verspätung von mehreren Tagen.
Die 2. Reise war noch schöner, trotz der gleichen Strecke. Im Gegensatz zum Jahr 2002 war im 2003 die Regensaison sehr gut, der Niger führte deshalb im Herbst noch Hochwasser, ganz anders als im trockenen Jahr zuvor. Auch in Bamako war der Garten des Hotel Mande noch überschwemmt und die Fahrt Richtung Mopti sehr malerisch, kleine Dörfchen oder Mangohaine bildeten Inseln in der Flusslandschaft. Es regnete dieses Mal nur noch in Bamako und gab noch ein heftiges Gewitter kurz vor der Abfahrt des Schiffes in Koulikoro, danach war das Wetter herrlich, zwar noch heiss aber nicht so feucht wie im Jahr 2002. Damals hatte es im August und September viel zu wenig geregnet und es gab dafür im Oktober noch heftige Sandstürme und Gewitter mit viel Wind und Regen. In Timbuktu selbst hatten wir schliesslich den heftigsten Regen erlebt, zuerst Sturm, danach etwa 2 Stunden Regen, so dass leider das Meschoui bei den Touareg, zu dem wir eingeladen waren, nicht in der Wüste stattfinden konnte.
Es waren beide Schiffe gut, aber die Kankou Moussa war schon ein wenig besser. Da sie grösser ist, was das Schiff nicht so überladen zwischen Mopti und Timbuktu wie das Jahr zuvor. Auf der Général Soumaré war die Stimmung auf dieser Strecke etwas aggressiv, da die Leute um einen Schlafplatz kämpfen mussten, es war wirklich jedes Plätzchen belegt. Der Commissaire war sehr nett und tat sein Möglichstes, um die Leute zu beruhigen. Der Commissaire auf der Kankou Moussa war extrem nett und konnte sehr gut mit Mannschaft und Passagieren umgehen, er hatte auch einen sehr guten Kontakt zu den jungen Passagieren. Das offene Oberdeck auf der Kankou Moussa wurde ab Mopti für die Passagiere geöffnet, so dass es auf diesem Schiff weniger Platzprobleme gab und deshalb die Stimmung auf dem Schiff sehr gut war. Der Commissaire ist auch zuständig für Probleme, also wenn die Kabine von Leuten belegt wird, die nicht berechtigt sind, wird er sicher helfen.
Wir haben also vor, diese Reise nochmals zu machen und vor allem auch noch die Strecke Timbuktu – Gao zu fahren, und hoffen, dass es die Schiffe noch ein paar Jahre machen.

Susann und Hans Peter Schlumpf

http://www.mali-nord.de/gebiet/staedte/dire.html
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