Aus aktuellem Anlass: Proteste sind für heute in Nairobi (Birgitt hatte das gestern schon in den Sicherheitshinweisen gepostet) und in Kampala angekündigt. In Nairobi sind möglicherweise zahlreiche Zufahrtsstraßen und selbst der Flughafen betroffen.
In Kampala betreffen die Proteste gegen Korruption vor allem Downtown, ein Marsch ist vom Bahnhof zum Parlament angekündigt. Schon jetzt sind zahlreiche Militärs unterwegs. Gewalt kann nicht ausgeschlossen werden.
Am besten sollten die beiden Städte heute gemieden werden. Für Nairobi sind die neuerlichen Proteste für eine Dauer von zwei Wochen angekündigt.
Die Proteste in Kenia gehen weiter. Sie finden meistens dienstags und donnerstags nach Aufrufen in den sozialen Medien und mit unterschiedlicher Teilnehmerzahl statt.
Die Probleme sind fast überall gleich - inzwischen stehen rund 50 Staaten weltweit vor dem Kollaps.
In Uganda hat die Regierung die Proteste am 23. und 24. Juli - sicher auch vor dem Hintergrund der Ereignisse in Kenia - im Keim erstickt. Anführer der geplanten Proteste wurden schon in ihren Häusern verhaftet. Insgesamt sollen 91 Protestierende festgenommen worden sein.
Und in Afrika spricht sich herum, dass - wie am Ende des Artikels beschrieben - in Nigeria im kommenden Monat die nächste Welle von Protesten droht. Senegal war ja bereits vor einem Jahr betroffen, allerdings dort in erster Linie politisch und nicht ökonomisch bedingt.
Ab morgen, 1. August, sollen die Proteste in Nigeria beginnen. Offenbar brodelt es ziemlich. Besser, sich ziemlich bedeckt zu halten.
In Kampala sollten die Proteste heute ebenfalls weitergehen und alle Geschäfte geschlossen bleiben. Allerdings hielten sich nur wenige Läden an den Aufruf.
Zu den aktuellen Protestbewegungen ein Kommentar von Tafi Mhaka ...
Die erfolgreichen Anti-Regierungs-Demonstrationen in Kenia haben junge Menschen in der ganzen Region ermutigt, ihre Träume von einem Systemwandel nicht aufzugeben [...] Sobald der Arabische Frühling in vollem Gange war, konnten weder Unterdrückung noch Gewalt noch Zugeständnisse der politischen Führer die Demonstranten davon überzeugen, ihre Träume aufzugeben und nach Hause zurückzukehren. Auch die aufkeimende Protestbewegung in Afrika südlich der Sahara hat diesen Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt. Keine noch so großen Drohungen oder politischen Anpassungen können den überwältigenden Drang nach einem dringenden gesellschaftspolitischen Wandel in Afrika aufhalten. Ein afrikanischer Frühling scheint am Horizont aufzutauchen.
Die Proteste in Kenia gehen unvermindert weiter. Obwohl Präsident Ruto in seinem am Donnerstag neu ernannten Kabinett neben zehn "alten", erst vor wenigen Wochen geschassten Ministern auch Oppositionelle eingebunden hat, fordern die Demonstrierenden weiter seinen Rücktritt. Am Donnerstag setzte die Polizei Tränengas ein. Entsprechend vorsichtig sollten Overlander sein, wenn sie in die Innenstadt von Nairobi hineinfahren (müssen). Auch in anderen Städten des Landes gilt derzeit: Vorsicht und Nachrichten verfolgen.
In vielen Ländern Afrikas geht die Jugend auf die Straße. Warum von einem Afrikanischen Frühling noch nicht gesprochen werden kann ...
2024 wird aber wohl nicht das Jahr der Putsche in Afrika, verglichen mit dem vorherigen. Es ist bisher das Jahr der Wahlen und Proteste. Das ist eine gute Nachricht. Der Zeitpunkt weiterer Proteste ist kaum vorherzusagen, aber dass die Erfolge in Senegal und Kenia inspirierend auch für Menschen in Nigeria oder Uganda sind, sagen diese selbst, genau wie in Simbabwe die Erfolge der Studierendenproteste in Bangladesch rezipiert werden. Man inspiriert sich gegenseitig, teilweise steht man im Austausch. Von einem African Spring zu sprechen, wäre jedoch noch voreilig, auch weil die jüngsten Proteste bisher eher in Ländern mit vergleichsweise freien Wahlen wie Kenia oder Nigeria stattfinden. So bleibt – wie in Senegal – auch der Wandel über die Wahlurne möglich. Eine Ausbreitung ist aber nicht unwahrscheinlich.