Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

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mikepiller
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Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von mikepiller »

Hi,

vor einigen Monaten hatte der Kuno einen Beitrag hier eingestellt- eine Gruppe Wohnmobilsten betreffend, die ihm begegneten. Obwohl dieser Beitrag durch das kürzlich Erlebte von Mafra-den ich in diesem Forum sehr schätze, sowohl wegen seines vielfältigen Wissens als auch und besonders wegen seiner mit entsprechender Mühe verbundenen Freude, dieses Wissen immer und gerne zur Verfügung zu stellen- ein Revival verdient hätte, vertrocknete Kunos Beitrag im heißen Sand der hiesigen Wüste.

Vielleicht nicht zuletzt auch wegen teilweise recht deutlich eingeforderter Toleranz in diesem Thread.

Meine Frage an Euch: Wie weit kann, darf, muss Toleranz eigentlich gehen? Wem sollte sie gelten? Wo überschneidet sich die Toleranz?

Bei obigem Beispiel bleibend: Sicherlich gibt es viele Wohnmobil- Reisende, die sich mit entsprechendem Respekt bemühen, das von ihnen zu bereisende Land zu Er- Fahren. So, wie wir alle uns bemühen. In Kunos geschildertem Fall gab es Anzeichen für mögliche Schwierigkeiten in Bezug auf diesen Respekt, der ja unabdingbar mit einer größtmöglichen Offenheit für Land und Leute verbunden ist.

Mal ein paar dezent subjektiv bewertete Beispiele aus meinem persönlich erlebten Repertoire :

Wieso fühlen sich einige Angehörige der Spezies „Homo Sapiens Touristicus“ ( bitte um Präzisierung eines Lateinkundigen) mit der Körperfülle eines Flusspferdes berechtigt, diese auf den Rücken eines Mulis, Pferdes oder Kamels mühsam hieven zu lassen- also eindeutig keine Ameise und somit eindeutig nicht befähigt, dass Vielfache des eigenen Gewichtes zu tragen.
Darf ich erwarten, dass dieser in Selbsterkenntnis einfach mal ehrlich zugibt, keine Berechtigung zu haben, seinen zumeist undiszipliniert ekelhaften (subjektiv), fetten ( objektiv) Torso nun auch noch gewaltsam einem Wesen aufzuzwingen, welches sich nicht wehren kann? Vermutlich mit der Ausrede: Wenn die Tiere hier rumstehen, dann kann ich sie auch quälen?

Wieso erdreisten sich Wohnmobilfahrer, eine Wagenburg auf dem winzigen Campingplatzt zu errichten, ihren Kompressor die heiße Nacht hindurch laufen zu lassen, dessen nach außen abgeführtes Motorgeräusch sie wohlig träumen lässt. Abendlich betörend begleitet vom Geräusch des Fernsehers, der dank Satelliten- Technik den nervigen Gesang der Einheimischen am Lagerfeuer übertönt.
RTL für Alle!
Das Ganze dann vom fettigen Duft eben jenes Koteletts begleitet, welches teutonisch siegreich und nach außen deutlich erkennbar die ungenießbare Küche der Einheimischen in Grund und Boden rammt- kolonialer Gruß an die Bevölkerung!

Wieso fühlen sich andere wiederum berechtig, vom klimatisiertem Luxushotel direkt in den klimatisierten Luxus- Bus zu eilen, unterwegs an klimatisierten Luxus- Restaurants haltend, um nun die unbestritten hochinteressanten Bauwerke dieses Landes zu besichtigen....aber bitte doch ausschließlich diese!
Jene dreckigen, oft ekelhaft verkrüppelten Einheimischen fotografiert man am liebsten durch die Panoramascheiben des Luxus- Busses- das gibt pittoreske Fotos, die man anschließend zu Hause mit leichtem Grusel, Ekel etc. im Freundeskreis vorweisen kann-
was für ein Abenteuer, und wir haben überlebt!. Größtes Ärgernis dieser Reise: Die getönten Scheiben in den Bussen! Der wunderschöne, blaue Himmel kommt nicht richtig zur Geltung!

Wieso will ein Basar- Händler- in sagen wir mal Tunis- von mir als Einstiegspreis den 20, 30 oder auch 50 fachen Wert seiner Ware? Wer bezahlt sowas? Niemand? Dann würde er den 10fachen Preis verlangen. Das steht ihm zu, schließlich wollen wir ja den Kauf einer Ware mit einem freundlichen, sozialen Austausch verbinden.

Wieso kann ich mich 100% darauf verlassen, bei meiner geplanten Besichtigung einer einzigartigen Moschee eben dort vor dem Haupteingang lautstark fluchende Touristen vorzufinden. Er in Shorts und T- Shirt, einer Bekleidung, die ein Moslem bestenfalls im Bett trägt, sie in einem Outfit, welches man in diesem Land ausschließlich für teures Geld in einem illegalen Etablissement besichtigen und zumeist auch zeitweise mieten kann, um es anschließend zu entfernen.

Wieso treffe ich hoch oben im Himalaya eine große Yak- Karawane mit festgezurrten Klos, welche eine Reisegruppe begleitet, die anschließend geschlossen wie eine Horde Hunnen im wilden Mordrausch in jede Unterkunft einfallen wird, in „elitärer“ Gruppen- Sicherheit alles okkupierend, jeden Einfluss von außen nicht duldend.
Exakt den Karawanen der Engländer entsprechend, welche der Sommerhitze entfliehend ihre Hill Stations aufsuchten.
Belustigt, aber durchaus auch anerkennend wird zur Kenntnis genommen, welche Lasten ihre Träger bewältigen, wie Kälte- resistent sie sind ( warum sonst laufen die so unzureichend gekleidet herum und schlafen zudem noch draußen am Feuer?) und das alles mit Badelatschen! Wow, sind die TOUGH!

Ich höre an dieser Stelle mal auf, freue mich über eventuelle, erlebte Geschichten der Foristen und ganz besonders auf Standpunkte bezüglich der Eingangsfrage:

Wie weit muss Toleranz gehen?
Ab wann darf meine Toleranz aufhören, weil das Gebaren solcher Reisender meinen Respekt, die Achtung und die Toleranz für jene angreift, die dort zu Hause sind.

Und anders herum: Darf ich dem Steine werfenden Jungen, der mich gerade gezielt vom Fahrrad o.ä. geschossen hat, anschließend eine scheuern? Der furchtbar entstellten, über den Boden robbenden Bettlerin mein Hosenbein aus der Hand reißen angesichts der Vielzahl jener Gleichgestellter in unmittelbarer Nähe, die mit hungrigen Augen meine Reaktion verfolgen ?

Ich bin sicher, trotz meiner langjährigen Bemühungen, welche den Euren ähneln werden, hier noch Denkanstöße zu erhalten- zumindest fände ich es sehr erfreulich, dieses Thema gemeinsam mal zu erörtern. Ist es nicht die Basis unserer Reisen? Oder sollte es zumindest sein?

Wie viel Kotelett darf ich im Gepäck haben? Und ab wann darf ich einem Anderen sein Kotelett um die Ohren klatschen?
Lustvoll!!!
Bin auch nur ein Mensch

Gruß
Micha
Kuno
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Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von Kuno »

Ich wollte eben in den Urlaub fliegen. Da aber die Schlange zur Passkontrolle nahtlos in die vom Checkin überging konnte ich mir die Chancen ausrechnen. Ich hoffte bis zuletzt und schafte es noch ans Ende des Fingerdocks. Aber da die Türen schon zu waren flog der Vogel ohne mich. Hinter mir in der Schlange stand einer, der hat dauernd telefoniert und den Beamten versucht das Telefon an die Ohren zu halten, dass ihnen jemand ganz wichtiges sagt, wie wichtig er sei und dass er sofort vorzulassen sei. Er hat geflucht und gedrängt. Ich war blöd genug, im letzten Moment noch eine Alte Frau vorzulassen - vielleicht hätte es sonst noch für mich gereicht. Dann die ganze Immigrationprozedur rückwärts und am Ende den Koffer suchen. Natürlich waren da Säcke am Werk, die einfach nie in die Hufe kommen. Aber ich habe es keinem gesagt, denn, die, die mir zuhören, das sind auch die, die mir beim Gepäcksuchen helfen...

Der mit dem Telefon stand immer noch da. Er hat's auch nicht geschafft und war am kochen. Ihn haben die Leute ignoriert, keiner wollte sich mit ihm abgeben. Ist halt dumm gelaufen und wenn ich mich jetzt aufgeregt hätte, dann wäre der Tag komplett versaut gewesen.

Während die meisten Leute (Einheimische, Türken, Marrokaner) die Sache eher ruhig angehen und vor allem die Inder, die mit Garantie ihren Anschluss verpassen und dann mindestens einen Tag in Doha abhängen sich nichts anmerken lassen, ist es der US-Oelarbeiter (eigentlich sind das ja immer noch alles Mexikaner / Kanadier), dem die ganze Wartezeit fürstlich entlohnt wird und der Tourist, die Ausraster bekommen...

Jungs und Mädels von der Sorte der Langnasen: Ausraster beeindrucken in vielen Weltgegenden nicht... :mrgreen:

(Scheisse, ich habe meinen Flug verpasst :evil: )
liphpip
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Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von liphpip »

moin,

ich hab in mali ein gefährt gesehen das hatte mehr komfort/luxus austattung im 6x6 mobil als ich zu hause!und die hatten wirklich¡¡¡¡und das ist kein scherz!!!!fleisch und lebensmittel für 6 monate an board in der gefriertruhe eingebunkert damit sie sich nicht auf die märkte begeben müssen!eine primix anlage an board mit bier/cola im überfluß!1000l frischwasser aber die chemietoilette im nächsten fluß entsorgen statt einfach ein loch zu buddeln(auch das kein scherz!!)

wir haben ein schweizer giganten MAN getroffen in sidi ifni der uns stolz berichtete in nicht mal 10 wochen bis benin und wieder zurück gefahren zu sein.seine frau erzählte uns sie hätten einen tag pause am strand in togo gemacht und nochmal 2 auf der rücktour in der zebrabar!!!und man braucht halt ein lkw wenn man lange haare hat zum duschen!!!lange haare=lkw...wir(zumindest die mitreisenden frauen) hatten lange haare..sollte das nu heißen wir wären dreckig??

ich finde es mehr als fragwürdig mit mehr komfort im fahrzeug rumzufahren als die einheimischen zu hause haben.aber so werden die auch behandelt.
der 6x6 beschwerte sich bei uns das er an jeder grenze richtig fett zur kasse gebeten wird..wasn wunder.

da muß man sich nicht wundern das die was ab haben wollen vom grossen kuchen.

ich könnte ewig weiter darüber schreiben
so hat uns in marocco die frau von son wohnmobil fahrer angemacht wir sollten mal ne matte unter die leiter unseres dachzeltes legen wir würden ja den ganzen dreck da hoch schleppen....das während ihr mann grad die satelitenschüssel ausrichtete....und reinigte.
ich hör jetzt besser auf!!wobei es auch sehr bodenständige lkw/womo reisende gibt.
aber zu oft wurden wir enttäuscht typen die mit ihren man kat 6x6 bäume fällen die im weg stehen statt drumherum zu fahren,oder motorsägen rausholen um aus den wenigen vorhandenen bäumen n schönes lagerfeuer zu machen...was sie dann nicht mal anbekommen haben weils frische holz noch zu naß war.

oder sardinien ein platz an einem einsamen strand gefunden hier drei extrem ruhige tage verbracht traumhaft.
am dritten tag lugt ein mann ums gebüsch und verschwindet wieder nur um zehn minuten später mit seinem und drei weiteren wohnmobilen wieder aufzutauchen.
die bauen obwohl ca.100tausend m2 platz vorhanden ihre burg keine 5m von uns entfernt auf.dann kommen erstmal drei aggregate raus und rattern fröhlich bis weit nach sonnenuntergang.zu guter letzt hat jedes der mobile die ganze nacht seine aussenlampe angelassen sterne gucke war damit auch gegessen.am nächsten morgen erscheint die carabinieri und löst das fröhliche geklüngel auf.drei tage und nächte hat sie unsere anwesenheit,trotz mehrer besuche, offensichtlich nicht gestört dann mußten auch wir gehen.

ich will hier nicht über einen kamm scheren aber nach jeder reise die ich mache bekomm ich hektische flecken wenn ich wohnmobile nur sehe.
das legt sich wieder bis zur nächsten tour....

ein noch sehr schönes erlebnis hatten wir dies jahr auf einem platz an den dünen in merzourga.ein italiener der den ganzen tag damit beschäftigt war sein mobil auf hochglanz zu bringen.der hat mit ner zahnbürste die felgen gescheuert usw. und dann zogen am abend dunkle wolken auf und sturm setzte ein ätzend viel staub in der luft und dann fings auch noch an zu nieseln grad soviel das sich der staub zu einer schönen schicht auf allen autos festpappen konnte;-)))

aber das hört sich alles immer so negativ an wir haben auch ganz klasse leute getroffen in ihren mobilen.es ist halt immer 5 fiese typen können ne gruppe von 100 netten in verruf bringen
gruß liphpip
Jeanette
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Registriert: Mo 2. Jul 2007, 03:07

Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von Jeanette »

@micha

meinst Du Respekt oder Toleranz...
nur zum besseren Verständnis.


Gruß Jeanette :)
Manfred Franz
Beiträge: 2036
Registriert: So 11. Sep 2005, 17:55

Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von Manfred Franz »

... durch das kürzlich Erlebte von Mafra-.............- ein Revival verdient hätte
Der Stand der Dinge ist hier und hier zu lesen.
mikepiller
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Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von mikepiller »

Hi,

ich würde diesen Thread gerne als unseren gemeinsamen sehen, weshalb ich - auch wenn ich diese Fragen mal so in den Raum gestellt habe- nicht jede Antwort hier kommentieren möchte und will.

Um jedoch gleich am Anfang keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, hier zwei Antworten, die mir wichtig erscheinen.

Jeanette:

Laut Wiki sieht die Definition folgendermaßen aus:

Respekt:
„Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung“ ...bezeichnet eine Form der Achtung.

Toleranz:
Toleranz (auch: Duldsamkeit,...das „ertragen“, „durchstehen“, „aushalten“ oder „erdulden“, aber auch „zulassen“ bedeutet.

Ich würde von meiner Seite aus denken, dass es durchaus um beide Begriffe geht, ich persönlich jedoch den Respekt erst erbringen kann, wenn ich meine eigene Toleranz hinterfragt habe.
Somit empfand ich für mich die Wahl der Toleranz für die Ausgangsfrage zunächst als sinnvoller, weil sich ein evt. auftretender Respekt erst danach ergeben kann. Wobei der Verlust an Toleranz auf der einen Seite durchaus entstehen kann durch den Respekt gegenüber der anderen Seite.......es gehört wohl zusammen.

Mafra:
Ich habe Dein Dilemma von Anfang an an, als Du hier darauf aufmerksam machtest, verfolgt. Ich habe Deine eigene Website besucht, die verschiedenen Links dort zu entsprechenden anderen Seiten verfolgt-
ich denke, ich überschaue Deine Situation ein wenig.

Ohne Dich nun persönlich zu kennen, hat sich daraus für mich aus all dem zunächst ein Bild ergeben, welches auch gerade Dich für eine derartige Diskussion sehr wertvoll erscheinen lässt.
Kaum jemand ist näher an dieser Problematik dran als Du. Zudem hatte ich den Eindruck, dass Du durchaus persönlich mit eben dieser Thematik tief beschäftigt bist und intensiv versuchst, eigene Wege zu finden, welche den vermutlich äußerst schweren Spagat zwischen beruflicher Existenz und moralisch, ethischer Verpflichtung positiv zu vereinbaren suchen.
Da ich den Thread eröffnet habe, kann ich auch sagen: Es wäre sicher interessant, Dich hier mit einer Aussage zu sehen.

Gruß an Alle
Micha
Manfred Franz
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Registriert: So 11. Sep 2005, 17:55

Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von Manfred Franz »

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Zudem hatte ich den Eindruck, dass Du durchaus persönlich mit eben dieser Thematik tief beschäftigt bist und intensiv versuchst, eigene Wege zu finden, welche den vermutlich äußerst schweren Spagat zwischen beruflicher Existenz und moralisch, ethischer Verpflichtung positiv zu vereinbaren suchen. 
Das hast Du sehr zutreffend gesehen.
Jedoch muß ich zugeben, daß dies nicht immer der Fall war. Bis vor einigen
Jahren stand zwangsmäßig das Augenmerk auf die berufliche Existenz im
Vordergrund. Aber mit den Jahren lernt man und auch die Kundenmentalität
ändert sich - leider oft zum Negativen. Ich musste lernen, daß es auch
bei bestem Willen, fast unmöglich ist in verantwortungsvoller Weise mit
einer Gruppe Wohnmobilrentnern nach Afrika zu fahren.
Harte Worte, aber wahr.
Bereits vor längerer Zeit habe ich mich deshalb neu orientiert um einen
gleitenden Übergang in eine andere Tätigkeit zu schaffen. Deshalb bin ich
auch nicht mehr, wie früher, 9 Monate im Jahr unterwegs. Im Nov./Dez.
mache ich zum 20-jährigen meine Jubiläumstour nach Gambia und danach
fahre ich privat nach Afrika und nur noch 1-2 Mal im Jahr mit Kunden, die
ich mir selbst aussuche.
Kuno
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Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von Kuno »

Harte Worte, Manfred. Trifft mich vor allem, da ich ja irgendwann auch ins Wohnmobilalter kommen werde :mrgreen:

Aber im Ernst; ich glaube, dass jemand, der 10 Jahre lang Reisen mit "Motorradhorden" gemacht hat auch irgendwann mal genug hat und nicht nur positives zu berichten weiss.

Bustouristen.

...und sicher nerven auch die Oekotouristen den, der für sie nach drei Tagen "Glutofen Sahara" dann doch noch auf die Schnelle ein klimatisiertes Hotelzimmer auftreiben muss.

Die mit den WoMos fallen halt im Verkehr einfach schon mal durch ihre Konvoifahrten und die "seltsamen" Fahrzeuge auf.
Jürgen Kempe
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Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von Jürgen Kempe »

@Mafra:

Erbitte PN, da es mir nicht gelingt, eine eMail abzusetzen oder auf der Hompage einen Eintrag zu hinterlassen. Danke. Jürgen Kempe

(Sorry, dass ich die übrigen mit dem Lesen meines Problems behellige.)
mikepiller
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Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von mikepiller »

Hi Manfred,

etwas ähnliches hatte ich vermutet. Wenn Sicherheitsdenken zu groß wird- dahinter steckt ja nichts weiter als Angst mit dem Wunsch, sich abzuschotten- und dieses Abschotten dann in in Gruppendynamik mündet, dann dürfte es sehr schwer sein- selbst mit bestem Willen, ausgeprägt sozialen Fähigkeiten und überzeugter Motivation- dies aufzubrechen.
Unmöglich glaube ich, und Du hast diese traurige Erkenntnis ja eben bestätigt, aus anderen Beiträgen hier ging es ja ebenfalls hervor.

Mir sind Fahrer von Rotel begegnet- tolle Leute, Afrika- Erfahren, die richtige Einstellung, soziales Engagement- und nach drei, vier Bieren sagen sie alle das Gleiche:
Sie leiden darunter, dass es ihnen immer nur in Einzelfällen gelingt, ein offenes Denken und Handeln bei ihren Gästen zu wecken. Und noch mehr leiden sie anscheinend darunter, immer wieder einen Haufen von Menschen umher zu karren, die in einer All You Can Eat- Anlage viel besser aufgehoben wären. Einer sagte mal, diese Leute dürfte man überhaupt nicht nach Afrika bringen!

*

Viele aus diesem Forum haben zu diesem Thema hier im Laufe der Zeit wunderbare Denkanstöße geliefert- leider versteckt in Threads mit einem völlig anderem Thema und somit schwer durchgängig zu lesen.

Jürgen Kempe,
Du bist einer von Ihnen. Ich hoffe doch, dass mein kleiner Epigonen- Satz- in einem anderen Thread an Dich mit großer Selbstironie verfasst- nicht falsch rüber kam und Du vielleicht Lust bekommst, hier etwas stehen zu lassen zum Thema.

Schon die wenigen Beiträge hier zeigen auf, wie schwer es oft ist mit der eigenen Toleranz, wenn sie so krass zerschellt an der Intoleranz anderer.

Wie geht ihr damit um? Stillschweigen? Soll doch jeder Egomane sein Ding durchziehen in der Fremde, egal, was er damit anrichtet.....ich mache halt meines?
Und was heißt meines? Sind wir besser? Immerhin reisen wir ja an Orte, die von touristischen Einflüssen oft weitgehend oder völlig unberührt sind.
Orte, an denen das kleinste, unbedachte Verhalten eine nachhaltig negative Wirkung haben kann.

Gruß
Micha
mikepiller
Beiträge: 952
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Wohnort: Berlin

Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von mikepiller »

Noch eine Winzigkeit:

Dieses Forum hat über 1600 Mitglieder- davon haben ca. 800 noch nie einen Beitrag geschrieben, weitere 600 haben maximal 10 Beiträge eingestellt.
Wenn mich meine Rechenkünste nicht verlassen haben (das habe ich gestern Nacht nach einigen Bier überschlagen), dann wird dieses Forum aktiv von etwa 200 Mitgliedern getragen.

Möglicherweise wirkt sich die hohe Kompetenz in den Beiträgen ein wenig lähmend aus- nach dem Motto: Was könnte ich schreiben, da kommt gleich irgend ein Spezialist und schreibt mich in Grund und Boden mit seinem fundierten Wissen.

Das wäre schade, und zu einem Thread wie diesem kann ganz sicher JEDER etwas beitragen.

Ich persönlich fände es sehr schön, die eine oder andere "Null" unter ihrem Namen hier auch mal zu begrüßen. Schließlich war jeder hier mal eine unbekannte Null, und frisches Blut hat noch nie geschadet- man achte nur auf die Nachkommen einiger Adelsfamilien, lach.

Für die Abteilung " Egomanen unter sich" gibt es ein anderes Forum unter ähnlicher Flagge, gerade dass es hier NICHT so ist, macht doch das Wüstenschiff so interessant.

Gruß Micha
Wolfgang K
Beiträge: 2200
Registriert: Fr 25. Nov 2005, 13:50
Wohnort: bei Mainz

Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von Wolfgang K »

Brumml….schwer verdaulich


@Micha

Meine grundsätzlichen Bedenken sind folgende:
Um etwas zu tolerieren oder nicht zu tolerieren, muss ich erst mal das Recht (unabhängig vpn der Möglichkeit) haben, zu entscheiden ob es stattfinden oder nicht. Daher habe ich seit je her Probleme, über den Auftritt anderer in fremden Ländern zu urteilen, zumal ich dort auch nur Gast/Fremder bin. Die Beurteilung meines Verhaltens obliegt in erster Line den Leuten vor Ort. In der Beurteilung von Außenstehenden (in Bezug auf die fremde Kultur) durch mich als ebenfalls Außenstehenden schwingen zwei unangenehme Implikationen mit: Einheimische sind nicht in der Lage das Verhalten zu beurteilen und nicht in der Lage die Beurteilung auch zu kommunizieren, geschweige denn entsprechen zu reagieren. Das ist aber nicht der Fall und es ist eine respektlose Unterstellung. Eben diese Bevormundung ist genau das, was bemängelt wird: Das Aufspielen derer, die es besser wissen. Nichts anderes sind die Empörungen der Gutmenschen, wenn es Fahrzeugverkauf, Eintausch von gebrachten Klamotten oder Geräten geht. Man glaubt die dummen Einheimischen vor den klugen Europäern schützen zu müssen. Ich glaube aber, dass in allen Ländern der Anteil der auf den Kopf gefallenen etwa gleich ist.
Toleranz ist nicht gefordert, wenn ein sich jemand ein Kotelett brät, sondern wenn Länder selbst was „dagegen tun“, bzw. wie reagieren wir selbst, wenn wir von Restriktionen betroffen sind? Man beleuchte mal viel gescholtene Einreise- und Einfuhrrestriktionen bestimmter Länder und die eigene Reaktion unter diesem Aspekt.

Bitte glaub mir, dass mich die gleichen Sachen ärgern die angeführt worden sind. Bisweilen (nein, ganz häufig) könnte ich darüber Abende lang lästern, wobei ich sicher bin, dass in der von mir gescholtenen Wohnmobilburg auch genug Gehässigkeiten über mich kursieren könnten. Evtl. Treffen die ja auch zu. Daher halte ich es besser es bei einer gepflegten Lästerei zu lassen und im Zweifellsfall auch mal über mich selbst schmunzeln zu dürfen. Urteilen und gepflegt lästern sind aber zwei grundlegend verschiedene Dinge. Aber woher bitte nehme ich das Recht nicht tolerieren zu müssen wie andere reisen?

Um es noch mal auf den Campingplatz - Jargon zu übertragen:

Der Schiedsrichter im Kampf zwischen Kotelettbrätern und Müslikauern ist der Platzwart. Und dessen Anweisungen ist – jenseits aller theoretischen Betrachtungen - jederzeit folge zu leisten.

Micha, könnte es sein, dass wir das gleiche meinen :wink:

Grüße
Wolfgang
Manfred Franz
Beiträge: 2036
Registriert: So 11. Sep 2005, 17:55

Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von Manfred Franz »

... oder auf der Hompage einen Eintrag zu hinterlassen
Auf meiner Homepage kannst Du auch keinen Eintrag machen!
Das kannst Du jedoch nach Registrierung auf dieser Seite
mikepiller
Beiträge: 952
Registriert: Sa 13. Mai 2006, 20:59
Wohnort: Berlin

Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von mikepiller »

Hi Wolfgang,

Dein " Brummeleinwand" kam sehr gut bei mir an.

Zwei Sätze, welche ich mal in einem Buch gelesen habe, haben mich lange beschäftigt- beschäftigen mich auch heute noch und werden es wohl immer tun:
" Er hat die seltene Fähigkeit, die Dinge zu Ende zu denken"

" Wir hören oft auf, über uns selbst nach zu denken, wenn es weh tut."

Fast jede Reise in die eigene Persönlichkeit- egal ob professionell begleitet oder eben im Selbstversuch- beginnt mit einem Schlag nach außen. Meist ist es erst danach möglich, den Schlag nach innen zu richten.

Meine mitunter "provokant populistischen" Aussagen hier bitte ich somit NICHT nahtlos auf mein Denken oder Handeln zu übertragen.
Micha, könnte es sein, dass wir das gleiche meinen?
Das könnte sehr gut sein, Wolfgang, aber wie schon früher erwähnt: Es kommt überhaupt nicht darauf an, wie ich denke.
Was ich schön fände, wäre ein anregendes Sammelsurium dessen, was andere denken-
um mir und anderen die Möglichkeit zu geben, die Dinge zu Ende zu denken- zumindest diesem näher zu kommen, mehr wird bei diesem Thema nicht möglich sein.

Somit vielleicht zurück zum Thema und weg von den Motiven- weg von mir, ich habe ja die Hoffnung, dass dies hier mehr Leute interessiert als nur mich.


Gruß an alle
Micha
Jürgen Kempe
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Re: Toleranz...Wieviel Kotelett darf ich mitnehmen auf die Reise

Beitrag von Jürgen Kempe »

@ Micha,
mich als Epigonen blosszustellen :evil: ! Etwas mehr Mitgefühl mit meinen seelischen Nöten hatte ich erhofft, hab' aber schnell eingesehen, dass derartiges nicht von Leuten zu erwarten ist, die ihre (wenn auch nur gering vorhandenen, so doch wohl) gesamten Emotionen auf ein "Fahr?"-Zeug konzentrieren. Bedenken hätte ich können und müssen, das auch bei Eltern den Kindern die grösste Fürsorge zuteil wird, die mit den schlimmsten Handikaps geschlagen sind. (Ich hoffe, auch meine Satire wird als solche erkannt.)

Zum Thema: So ähnlich hab' ich schon Wolfgang K verstanden: Toleranz, ja oder nein, steht mir in (fremden Ländern) nicht zu, abzuwägen; zumal solange nicht, als ich die kulturellen Regeln dort noch nicht durchschaue; wenn ja, kann ich ggf. eine Abweichung von den dort gültigen Regeln konstatieren. Das hat aber nichts mit Toleranz zu tun. Ähnliches ist zur Akzeptanz zu sagen: Wenn ich nicht akzeptieren kann, dass dort Menschen nach anderen Normen leben, warum bin ich da? (Ich schreib' hier nicht von Krieg und Frieden, Verstümmelungen oder [ggf. doch noch zu differenzierender] Kinderarbeit, sondern meine die kulturellen Besonderheiten.)
Klar "verachte" ich die Touristen, die in ihren Hotel-Ghettos den Urlaub verdösen, finde es aber besser, sie bleiben den Einheimischen (und mir!) fern. Aber daraus zu schliessen, dass ich dass einzig seeligmachende Rezept habe, wäre auch anmassend.

Jedoch ist meine Toleranzschwelle sehr niedrig, wenn Mitglieder meiner Gruppe sich gegenüber den Gastgebern unangepasst verhalten. (Schon Short-Träger müssen in "Arabien" meinen Sarkasmus ertragen; und besonders liebe ich Reisende, die ihre Reisekasse zu Lasten der einheimischen Bevölkerung zu schonen versuchen.)

Bin ich eigentlich noch beim richtigen Thema, will das etwa irgendjemand wissen? Ich geb' mich jetzt erstmal zur Beschimpfung frei)

Gruss Jürgen Kempe
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