Theoretisch klingt das ja ganz gut.
weg vom Massentourismus in abgeschotteten Hotelanlagen, gesteuert von wenigen großen Reiseveranstaltern, hin zum individuellen Reisen mit Raum für Begegnungen mit Einheimischen, von dem kleine Unternehmen profitieren.
Wenn ich nun die Statistiken nehme, wo angeblich nur 30% Einbruch im Vergleich zu 2010 stattgefunden haben soll, dann weiss ich, dass die so nicht stimmen koennen und lediglich die "Massenbunker-Touristen" beinhalten.
Nehme ich unsere Gegend eimal als Massstab, dann ist der Einbruch wesentlich groesser. Durch die gefuehlte Unsicherheit traut sich eben kaum jemand abseits der Bettenburgen das Land zu besuchen. In den grossen Touristengebieten faellt kaum auf, ob auch Individual-Touris kommen. Die Leute verdienen genug von den Pauschaltouristen um immer noch irgendwie ueber die Runden zu kommen. Dort, wo es keinen Pauschal-Tourismus gibt, ist der Einbruch fatal.
Die All-Inclusive-Touristen werden sich auch nicht daran stoeren, wenn ein Grossteil der Bevoelkerung auf "religioese Abwege" geraet. Sie erleben es ja nicht. Der Individualist hingegen koennte schon ein wenig irritiert sein, wenn ploetzlich nur noch Baertige und Vollverschleierte in den Nebenstrassen wandeln, wenn der Besuch eine Strassencaffees mit Frau abschaetzig beaeugt wird. ...und zu allem Ueberfluss dienen sie gleich noch als Abschreckung und Beispiel fuer die Dekadenz des Westens, es sei denn, dass die Frauen auch bedeckt reisen wie zB im Iran... Wenn sich der Individual-Reisende allerdings auch im Touristenbereich bewegt, dann fuehlt er sich zwar "individual", ist es aber eigentlich nicht. Er bewegt sich im Gebiet des "Ausnahmezustands", der Touristen mehr Freiheiten zugesteht. Beispiel Khan el Khalili, Kairo, nur eines von vielen. Ich kann meinen Urlaub selber organisiert haben und fahre mit dem Taxi dorthin, doch die Haendler "sprechen" diverse Sprachen, leben in einer isolierten Tourismus-Welt. Wenn eine Reisegruppe kommt, nehmen sie noch Provision, kommt ein Einzelreisender,schlagen sie die Provision auf den Preis drauf. Ihnen ist es also egal! Sinn wuerde es fuer die Einzelreisenden machen, wuerden sie die Strassenseite wechseln und auf den Einheimischen-Markt gehen. Dort werden sie zwar wie Ausserirdische angestarrt, sie bekommen keine Souveniers, doch einen Eindruck, wie das Leben in Kairo wirklich ist - und sie unterstuetzen die kleinen Haendler...
Noch ein Beispiel, Hurghada. Ich kann als Tourist im Stadteil Sakkala alles kaufen, mich frei bewegen, ohne angestarrt zu werden, im Cafe sitzen... Einzelreisender oder Pauschalreisender, egal. Dort ist es relativ sauber, sicher und irgendwie "out-law". Ueberall kann ich mein Bier trinken, kann anziehen was ich will... Gehe ich nun 10 Minuten weiter weg vom Tourismuszentrum, dann stelle ich fest, warum in Hurghada die Salafisten die Wahl gewonnen haben. Hinzu kommt, dass es ziemlich dreckig ist...eben Aegypten. Doch: will das wirklich jemand erleben?
Wenn nun der Tourismus Miniter davon ausgeht, dass im Jahr 2014 mehr Touristen als 2011 hier sein werden, dann "nur" in den typischen "attraktiven" Reisezielen. Wer das erste Mal nach Aegypten reist, will in der Regel entweder Sonne oder die Geschichte erleben. Wo ist dort die Moeglichkeit der "Begegnung mit Einheimischen"??? Klar, der Kamel-Treiber an den Pyramiden ist "Einheimischer". Der Caufehaus-Kellner ist "Einheimischer". Der Souvenier-Verkaeufer ist "Einheimischer", sogar der Taxifahrer... Doch lerne ich "Mohammed-Normal-Einheimischen" kennen???
Gege ich denn in D auf Touristen zu, lade sie in mein Haus ein und spreche mit ihnen zB japanisch, wenn ich aus meiner religioesen Auffassung heraus sie eher "abstossend" empfinde???