Konzert, Lesung und Zeremonie
15.02.2011 - D - Mülheim, Theater an der Ruhr
Die Aïssâwa sind wahrscheinlich die ungewöhnlichste unter den nordafrikanischen Sufi-Bruderschaften. Sie leben mit Schlangen, hypnotisieren, küssen sie gar und lassen sich von ihnen beißen. Sie stechen sich Messer unter die Augen, schneiden sich, ohne zu bluten. Sie nehmen kochendes Wasser in den Mund und sprühen es auf ihre Zuschauer. Dazu spielen sie polyrhythmische, tranceindizierende Musik mit Rhaitas (Schalmeien), Bendir (Rahmentrommeln), Rohrflöten und religiösem Gesang. Dahinter verbergen sich Heilungszeremonien. Ihre magische Fähigkeit im Umgang mit Schlangen, Messern und kochendem Wasser beweist, dass die Aïssâwa über »Barakat« verfügen, die Segenskraft Gottes. Von ihnen mit kochendem Wasser bespuckt zu werden, ist kein Affront, sondern Medizin.
Der Münchener Perkussionist Thomas Gundermann wurde schon vor dreißig Jahren auf dem Djemâa Fna in Marrakech vom durchdringenden Ton der Schalmei der Sufi-Bruderschaft der Aïssâwa in den Bann gezogen. Zuhause entdeckte er eine Verwandte des Instruments: die Sackpfeife. 2006 tat er sich mit dem Reiseautor Andreas Kirchgäßner zusammen, der stets mit dem Rekorder unterwegs ist. Gemeinsam kehrten sie zurück zum Djemâa Fna, verwickelten die Aïssâwa in ein musikalisches Gespräch, das bis heute fortdauert. Das Konzert ist der erste gemeinsame Auftritt in Deutschland, eine Mischung aus Konzert, Lesung und Zeremonie.

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Gruß
Birgitt




