So, nun schlage mir mal wieder eine Nacht am Flughafen um die Ohren und habe viel Muße, den Bericht zu beenden. Sri Lanka ist ein großartiges Reiseziel, attraktive Nationalparks, herausragende Kulturstätten, alles auf ausgetretenen Touristenpfaden einfach zu besuchen. Und dennoch südasiatische Exotik, die mir von früheren Indien- und Nepalreisen nicht fremd ist, und in die ich nach langen Jahren mal wieder erleben wollte.
Das Autofahren will ich nicht empfehlen, aber es ist möglich. Für mich war es die richtige Wahl der Fortbewegung und hat sogar meistens Spaß gemacht. Man braucht übrigens eine sri-lankische Führerscheinanerkennung, die einem die Autovermietung mit einer Woche Vorlauf besorgen kann. Ich habe mein Maruti’lein auf manchen Nebenstraßen in den Bergen etwas gequält, aber die indische Wertarbeit hat durchgehalten. Gefahren bin ich 1539 Kilometer. Kraftstoff ist nach der letztjährigen Versorgungskrise immer noch rationiert. Mein Autovermieter hatte mir einen QR-Code gegeben, der mich zum Zapfen von 30 Litern pro Woche berechtigen soll. Die ersten beiden Tankfüllungen bekam ich ohne Code problemlos gefüllt, bei der dritten (bei der ich an einer Schlange Tuktuks und Mopeds vorbei gewunken wurde) hat der Tankwart den Code gescannt und nur für 8 Liter für gut befunden. Verstehe wer will. Der vom Autovermieter empfohlene Plan B kam zur Anwendung: Bakschisch.
So schön das Land ist, und so freundlich und herzlich mir alle Menschen begegnet sind, so schlecht steht es wohl um Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Trotz Demokratie stammen die Staatslenker alle aus wenigen Politiker-Clans, Korruption ist allgegenwärtig, die Wirtschaft liegt am Boden und das Land hängt am Tropf Chinas, bei dem es hoch verschuldet ist (siehe Autobahn). Der Bürgerkrieg wurde militärisch befriedet, aber die Auslöser nicht beseitigt. Eine nationalistische singhalesische Mehrheit diskriminiert nach wie vor die tamilische Minderheit. Es gibt ein Kastenwesen. Einheimische islamistische Terroristen haben 2019 verheerende Anschläge durchgeführt. Für Interessierte zieht hier die frühere Präsidentin zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit ein vernichtendes Urteil über den Staat Sri Lanka:
„Sri Lanka at 75 is a failed state”
Damit verabschiede ich mich vorerst aus der „Aktuelle Themen“-Liste - man möge mir das wüstenfremde Thema verzeihen - und überlasse das Feld wieder dem zuletzt so unterhaltsamen Meinungsaustausch der alten Sahara-Hasen und der Frage, ob es Bier in Tunesien gibt

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Viele Grüße, Wolfgang