Arabien Winter 2022

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen, fotografisch dokumentiert. In diesem Forum findet ihr Reiseberichte als "Fotostreckenführer" zu interessanten Reisewegen.

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WolfgangA
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Surfy hat geschrieben:
Do 3. Mär 2022, 18:54
Ansonsten ist bei diesen Touren ja "nur" das Beifahren möglich - oder hat sich das in den letzten 11 Jahren geändert?
Der Veranstalter, mit dem wir unterwegs waren, bietet auch Touren für Selbstfahrer an. Ich persönlich habe keine diesbezüglichen Ambitionen, wie ganz zu Beginn meines Berichts erwähnt.

Und danke für die Blumen :)
WolfgangA
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

An meinem letzten Tag in den Emiraten bin ich ins Nachbar-Emirat Sharjah gefahren. Die Stadt ist mit Dubai zusammengewachsen, man merkt nicht, wo das eine aufhört und das andere anfängt. Sharjah ist aber wohl deutlich konservativer, hat sich nicht dem Reichtum und Glitzer verschrieben, sondern der Kunst, Kultur und dem kulturellen Erbe. Hochhäuser gibt es zwar auch genug, aber keine so spektakulären wie in Dubai.

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Stattdessen gibt es ein interessantes Museum zur islamischen Zivilisation in einem umgebauten Souk. In mehreren thematisch fokussierten Galerien erklärt es unter anderem die Pilgerfahrt nach Makkah, die Geschichte der Wissenschaften in der islamischen Welt und islamische Kunst.

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Im Sharjah Art Museum kann man die Wüste mal mit anderen Augen sehen.

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Das Bait Al Naboodah ist ein traditionelles Haus eines reichen Kaufmanns und Perlenhändlers aus dem Jahr 1845.

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Natürlich gibt es auch wieder ein Fort, Al Hisn.

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Den letzten Abend in Dubai verbringe ich nochmal im alten Zentrum am Dubai Creek. Auf der Seite von Deira liegen die traditionellen aber immer noch eingesetzten Dhaus, Frachtschiffe, vor Anker.

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Mit einem tuckernden Boot, Abra genannt, setzt man für 1 Dirham, also 25 Cent, auf die andere Seite über.

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In den restaurierten Vierteln Al Fahidi und Al Seef kann man die typische aus Persien stammende Architektur der Windtürme sehen, die durch Kamineffekt das Haus belüften.

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WolfgangA
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Somit war ich nun 13 Tage in den Vereinigten Arabischen Emiraten, das heißt in dreien davon. Davon allerdings drei Tage auf der Expo.

Dubai kannte ich schon. Dubai ist wahrscheinlich die Blaupause für die saudische Vision 2030. Bei allem Größenwahn und aller Verrücktheit, die in dieser außergewöhnlichen Stadt steckt, ist sie doch ein bemerkenswertes Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn ein zielorientierter Mastermind (in Gestalt des Herrschers von Dubai und Premierminister der VAE Muhammad bin Raschid Al Maktum) Ideen hat und ein Klima schafft, das kreative und kluge Köpfe aus aller Welt anlockt. Nicht verschweigen darf man natürlich, dass der Herr auch seine Schattenseiten hat, es in Dubai und den Emiraten gewiss nicht demokratisch und meinungsfrei zugeht, und dass der Bauboom wie auch in Saudi-Arabien erst durch unzählige fleißige und gewiss unterbezahlte und prekär lebende Gastarbeiter vor allem aus Südasien ermöglicht wird.

Infrastruktur, Angebot, Preise sind mindestens auf europäischem Niveau. Bunter Hund ist nicht mehr, das Publikum ist international, hier fällt keiner auf. Autofahren ist herausfordernd, der Fahrstil ist zwar zivilisierter als in Saudi-Arabien und Jordanien, aber bei den vielspurigen Autobahnen und sich in mehrere Zweige teilenden Abfahrten immer die richtige Spur zu finden, ist nicht ganz einfach.

Einzige Empfehlung, die ich weitergeben will, sind die Rove-Hotels (z.B. City Walk und City Center). Neu, sehr modern, verkehrsgünstig gelegen, geboten wird alles was der urbane Nomade braucht, und die Preise sind für Dubai noch einigermaßen im Rahmen, je nach Location.
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Ich habe die Covid-Regeln in den Emiraten ganz vergessen. Der Stand ist inzwischen wohl überholt, aber trotzdem kurz meine Erfahrungen. Einreise nach Dubai ohne Impfnachweis aber mit PCR-Test. Zur „Einreise“ von Dubai nach Abu Dhabi damals erneut ein PCR-Test, der an einem Checkpoint an der Emirat-Grenze auch kontrolliert wurde. Diese Regel wurde inzwischen aufgehoben, meine zweite „Einreise“ nach Al-Ain ging ohne. In Abu Dhabi muss aber weiterhin jeder alle 14 Tage einen PCR-Test machen, der, wenn in der AlHosn-App angemeldet, automatisch dort zum grünen Status führt, zusammen mit den hochgeladenen Impfzertifikaten. Der grüne Status wird fleißig in Hotels, Restaurants, Museen, etc. kontrolliert, plus Fiebermessung. Angeblich kann man auch mit Impfzertifikaten und PCR-Testergebnis winken, aber das stelle ich mir diskussionsintensiver vor.

In Dubai gibt es eine andere App namens COVID-19-DXB, die einen in den Emiraten durchgeführten PCR-Test auch automatisch kennt, die aber niemanden interessiert. Während meines Aufenthalts wurde in Dubai die Maskenpflicht im Freien aufgehoben, die Leute tragen sie dennoch recht diszipliniert.
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Ich habe einen gewissen Hang zur Vollständigkeit und möchte, da ich nun schon mal hier bin, auch möglichst alle Länder in der Region besucht haben. Daher wird die Reiseroute etwas unlogisch, denn ich bin von Dubai zurück in nordöstliche Richtung nach Kuwait geflogen.

Kuwait hat erst Ende Februar die Quarantänepflicht bei Einreise aufgehoben, sofern man dreifach geimpft ist oder die zweite noch nicht älter als 9 Monate ist. Dazu muss man die Zertifikate bei der Einreise einer seitlich am Katzentisch wartenden Ärztin zeigen, die das in ein arabisches Papierformular überträgt und abstempelt. PCR-Test wird nicht benötigt!

Es gibt eine App namens Shlonik, die mich aber, obwohl vorgesehen, mit ausländischer Passnummer nicht einloggen lässt, die aber auch keinen interessiert. Die Maskentragedisziplin hat auch stark nachgelassen.

Ich habe mir vorab für 3 KD (9 Euro) ein eVisum besorgt. Am Flughafen hängen Plakate, die vermuten lassen, es ginge auch bei Ankunft, aber die Webseite von Kuwait Airways sagt, das wäre momentan nicht möglich. Mit dem eVisum musste ich in ein extra Büro abseits des Laufwegs, wo erst ein Beamter herzitiert werden musste, um den Pass zu stempeln und ein Dokument dazu auszudrucken.
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

In Kuwait wirkt alles wieder deutlich arabischer als in Dubai, die Stadt hat eher saudischen Charme.

Reich ist die einheimische Bevölkerung durch das Öl wohl ebenfalls (ein Abendessen im Restaurant beim Souq wurde einfach von einem jungen Herrn am Nebentisch bezahlt, mit dem ich zuvor kein Wort gewechselt hatte), aber die Stadt hat offensichtlich die irakische Besetzung und den Krieg vor gut 30 Jahren noch nicht komplett überwunden. Man sieht immer noch Häuserruinen und es gibt viel Brachland zwischen den neuen Hochhäusern. Diese sind nicht ganz so gläsern und extravagant wie in Dubai oder auch in Manama. Das damals geplünderte Nationalmuseum wird immer noch renoviert.

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Auch im Museum of Modern Art wird der Krieg von 1990/1991 verarbeitet. Ich selbst kann mich noch gut erinnern und mich erschreckt die Parallelität zu den aktuellen Ereignissen andernorts.

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Die letzten Tage herrschte sehr staubiges Wetter. Vorgestern verschwand die Sonne schon eine Stunde vor Untergang in einer milchigen Suppe. Viele Autos sind von einer braunen Schicht überzogen. Das steigert den Kontrast zu Dubai.

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Sensationell ist der Fischmarkt. Ich habe selten so ein reichhaltiges Angebot an Meeresgetier gesehen. Die zum Teil persischen Händler freuen sich wieder über Fotos.

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Daneben liegt der Hafen für die Dhaus.

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Der weitläufige Souk Mubarakiya bietet auch sonst alles was man braucht und ist voller arabischem und südasiatischem Leben.

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Ein paar Hochhäuser mit Lichtern gibt es aber auch in Kuwait City.

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In der Großen Moschee von Kuwait bekomme ich eine Privatführung von einer sehr erklärfreudigen jungen Dame. Ich darf sogar auf die Imam-Kanzel steigen und auf 7.000 Bet-Plätze runterschauen, sowie im VIP-Raum auf dem Sessel des Emirs Platz nehmen.

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Die Moschee wurde von 1979 bis 1986 erbaut, war teuer, mit Kronleuchtern aus Deutschland und Marmor aus Italien, und hat den Irak-Krieg unbeschadet überstanden.

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Ebenso wie das Wahrzeichen von Kuwait, die Kuwait Towers, Wassertürme von 1979. In der oberen kleinen Kugel befinden sich eine sich drehende Aussichtsplattform und ein Restaurant.

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Lästigerweise erlaubt man mir hier wieder einmal nicht, mit der richtigen Kamera zu fotografieren, lässt mich sie nicht mal mit hochnehmen, nur Handy-Bilder sind erlaubt. Das ist nun schon diverse Male so gewesen, in Shopping Malls, auf der Sky Bridge in Riyad, im Museum beim Bahrain Fort, auf der Promenade der Avenue Mall in Manama, etc.. Manchmal habe ich nach Diskutieren und Telefonieren eine Erlaubnis erhalten, manchmal habe ich das Verbot missachtet, aber hier ging es nicht. Allerdings waren die Fenster eh komplett verdreckt.

Zum International Women’s Day wurden die Wassertanks lila beleuchtet.

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Eine unfassbare Kollektion an Kunstgegenständen aus allen islamischen Ländern und Epochen zeigt das Tareq Rajab Museum im Keller eines Privathauses im Nobelwohnviertel. Der Namensgeber, Sammler und Gründer war wohl der erste kuwaitische „Antikenminister“. Die Museumshüter haben die Sammlung 1990 vor der Plünderung bewahrt, indem sie den Eingang zugemauert und die Treppe vermüllt hatten.

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Ein paar Schritte weiter gibt es mit dem Tareq Rajab Museum Of Islamic Calligraphy ein zweites Haus desselben Herrn.

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Das Sheikh Abdullah Al Salem Cultural Centre mit Ausstellungen zu Weltraum, Technik, Mensch, Naturgeschichte und Wissenschaft im Islam gibt einen guten und klimatisierten Lückenfüller für das Kind im Manne in der heißen Mittagszeit, wenn sonst alles lange Siesta macht.

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Nach so viel Kultur und Wissenschaft soll aber auch der Kinderfahrrad-Souq Beachtung finden.

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Sowie der Gebrauchtwagenmarkt.

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Fazit: man muss im Leben nicht unbedingt in Kuwait gewesen sein, aber nachdem ich mich anfangs gefragt hatte, was ich hier überhaupt drei Tage lang machen soll, war es nun doch ganz spannend. Insbesondere der Souq Mubarakiya mit seinen abends belebten Plätzen und Restaurants drum herum wurde zu einem meiner Lieblingsorte der Reise.

Morgen geht es zu einer weiteren kurzen Stippvisite nach Katar, bevor das letzte Reiseziel nicht mehr schwer zu erraten ist.
WolfgangA
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Kuweit war gefühlt noch in den neunziger Jahren verblieben. Doha in Katar ist definitiv im 21. Jahrhundert, mindestens. Alles ist modern, es gibt eine nagelneue fahrerlose Metro, Parks, eine glitzernde Skyline.

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Wenn ich inzwischen nicht schon einige Museen zu islamischer Kultur und Kunst gesehen hätte, müsste ich mich ärgern, dass das angeblich beste hier in Doha bis Oktober wegen Renovierung geschlossen hat.

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Der Souq Waqif schlägt den Souq Mubarakiya in Kuwait nochmal an Atmosphäre und Lebhaftigkeit, auch wenn sich hier mehr Touristen unters einheimische Volk mischen. Ein wunderschönes Labyrinth mit engen überdachten Ladenzeilen und breiteren Gassen und Plätzen mit schönen Restaurants und Cafés. Die Abende sind sommerlich lau, es tobt das Leben.

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Angrenzend kann der katarische Falkner einen Falken im Falkenmarkt kaufen. Ich habe mir sagen lassen, dass die Vögel dort alle importiert sind, aus Marokko, Saudi-Arabien, Zentralasien, Indien, etc. und zwischen 2000 und 4000 Rial, 500 bis 1000 Euro kosten.

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Gleich daneben ist der Pferdemarkt, wohlgemerkt mitten in der Stadt.

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Hübsch und stilvoll übernachten kann man in einem der Souq Waqif Boutique Hotels. Das sind mehrere renovierte alte Häuser alle der gleichen Firma angehörend, mit den belebten Gassen vor der Haustür und der gleichnamigen Metro-Station auch nur ein paar Schritte entfernt.

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WolfgangA
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Ein Ort der skurrileren Sorte ist Katara. Die Stadtplaner konnten sich nicht zwischen altem Rom und arabischer pseudo-Heritage entscheiden und haben beides vermischt. So gibt es ein Amphitheater, das erste seit Jordanien, immerhin mit schönem Blick aufs Meer.

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Sowie einen Cardo Maximus. Die spinnen, die Möchte-Gern-Römer.

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Aber auch eine glitzernde Moschee.

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Am Tag mit einer Rekordhitze von 40 Grad ermöglichte der Katara Beach immerhin ein Bad im Meer.

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Die ebenfalls hier angesiedelten Kunstgalerien und das Kulturangebot habe ich an diesem heißen Tag nicht ausreichend gewürdigt, vielleicht hätte das mich mit Katara versöhnt. Darüber hinaus war Freitag, da läuft bis weit nach dem Mittagsgebet überhaupt nichts, alles geschlossen, sogar die Metro fährt erst wieder ab 14:00.

„The Pearl“ ist das Pendant zur Palme in Dubai. Wohnraum für Betuchte in, hm, pittoresk-maritimer Eleganz?

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Die italophilen unter Euch müssen nun stark sein: Venedig auf katarisch.

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WolfgangA
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Das Nationalmuseum ist ein architektonisches Highlight und einer Sandrose nachempfunden, vom gleichen französischen Architekten entworfen wie der Louvre in Abu Dhabi. Es zeigt die Geschichte Katars von der Perlenfischerei über die vielen regionalen Konflikte mit den Nachbaremiraten im 19. Jahrhundert bis hin zu den Ölfunden und dem heutigen Staat, sowie der aus hiesiger Sicht ungerechten Blockade von 2017 bis 2021. Die schräge Gesellschaftsstruktur mit 88% Fremdarbeitern und dadurch 3,4-fachem Männerüberschuss (https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsmigranten_in_Katar), die vorgeworfene Islamisten-Unterstützung und die trotz Al Jazeera eingeschränkte Meinungsfreiheit findet keine Erwähnung.

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Der alte Palast von Sheikh Abdullah bin Jassim Al Thanis ist restauriert und in den Neubau hübsch integriert.

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Vor dem aktuellen Emirpalast bekomme ich die Palastwache auf Kamelen vor die Linse.

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Nicht alle sind mit voller Aufmerksamkeit bei der Sache.

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Die Corniche ist auf ganzer Länge eine einzige große Baustelle. Hier ist nicht bis 2030 Zeit, das muss bis zur Fußballweltmeisterschaft im November 2022 fertig sein. Das Maskottchen steht schon mal daneben und hält den Druck aufrecht.

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Die Hochhäuser in West Bay sind offensichtlich alles Bürotürme und haben wieder eher extravagante Formen. Ich lese mehrere Firmenschilder von Öl- und Gas-Firmen, tja, das wird wohl nun die bevorzugte Einkaufsadresse für die deutsche Energieversorgung werden.

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WolfgangA
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Gefühlt stehen in Doha nochmal mehr Security-Leute an jeder Ecke als anderswo. Oft schmächtige junge Ostafrikaner, die mir sagen, wo ich überall nicht mit der „professional camera“ fotografieren darf, z.B. in The Pearl, aber auch in West Bay auf der Straße. Ja, sie machen nur ihren Job und ich habe auch freundlich mit einigen geplaudert und nach der Herkunft gefragt. Aber ich bin zunehmend davon genervt, vielleicht bin ich schon zu lange unterwegs.

Ich will nicht schadenfroh sein, aber insgeheim freue ich mich ein bisschen auf die Konfrontation von katarischen Sicherheits- und Ordnungsvorstellungen mit englischen Fußballfanhorden.

Zur Einreise gibt es ein Visum für 90 Tage bei Ankunft. Katar hatte seit Anfang Januar eine lange rote Liste mit Ländern geführt, deren Ankömmlinge in Hotelquarantäne müssen. Erst Anfang März wurde die Liste zusammengestrichen und hat mir den Besuch nun doch noch ermöglicht. Es braucht aber einen PCR-Test und man muss bis spätestens 3 Tage vor Ankunft eine Online-Anmeldung vornehmen und die Impfzertifikate hochladen. Die Genehmigung dieser Anmeldung hatte ein paar Stunden gedauert, d.h. das hat sich jemand tatsächlich angeschaut. Dies erzeugt dann in der App Ehteraz einen grünen Status, ohne den nichts geht, kein Hotel, keine Metro, kein Museum. Wenn Security-Leute grade mal nicht das Fotografieren verbieten, dann prüfen sie allüberall den Ehteraz-Status. Man trägt auch diszipliniert Maske.
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von Birgitt »

Danke Wolfgang, für Bericht und die schönen Bilder.
WolfgangA hat geschrieben:
So 13. Mär 2022, 14:37
Gefühlt stehen in Doha nochmal mehr Security-Leute an jeder Ecke als anderswo ... die mir sagen, wo ich überall nicht mit der „professional camera“ fotografieren darf ... ich bin zunehmend davon genervt
Bei unserem Stopover in Dohain 2027 durfte ich noch überall munter drauflos knipsen. Ok, meine kleine "Fotoflitsch" ist nun auch keine dicke "professional camera" ;-) Damals standen noch nicht an jeder Ecke Security-Leute. Das ist nun fünf Jahre her. In fünf Jahren ändert sich viel.

Bisher habe ich es erst einmal erlebt, dass man zwar mit dem Handy fotografieren durfe, aber nicht mit der normalen Kamera. Das war im Iran im Shah-Cheragh-Heiligtum in Shiraz.

Mich würde diese ständige Reglementierung auch nerven. Entweder darf man fotografieren, oder nicht. Der Sinn zwischen Handy und Fotoapparat zu unterscheiden erschließt sich mir nicht.

Gute Weiterreise,
bin schon gespannt auf die Fortsetzung!

Birgitt
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Nun bin ich im letzten bereisbaren Land in der Gegend angekommen, mit dem Potential zum krönenden Abschluss: dem Oman.

Einreise mit eVisum für 30 Tage und für 20 OMR. Single Entry, Vorsicht, wenn man nach Musandam will. Laut Auswärtigem Amt gibt es inzwischen wieder ein Visum bei Ankunft, aber nur für 14 Tage.

Bei Einreise muss man die Impfzertifikate zeigen. Nach einem Krankenversicherungsnachweis, wie es beim Auswärtigen Amt steht, hat niemand gefragt. PCR-Test ist keiner mehr vonnöten. Man trägt noch Maske, aber nicht mehr so streng wie in Abu Dhabi und Katar. Es gäbe wieder eine App namens Tarassud und eine Webseite dazu, wo man theoretisch die Impfzertifikate hochladen können soll. Die ist aber nicht auf der Höhe der Zeit, sie kann nur zwei Impfungen, keine drei, und sie nimmt die Impfzertifikate nicht ohne auch einen PCR-Testnachweis, der aber ja inzwischen nicht mehr verlangt wird. Ich hab’s somit gelassen und das einzige Mal im Nationalmuseum, wo bisher danach gefragt wurde, erfolgreich die deutschen Zertifikate in der Corona-Warn-App gezeigt.

Es gibt keine gläsernen Hochhäuser mehr in der Hauptstadt Maskat und endlich wieder Berge.

Der Sultan wohnt schön in seinem Palast im alten Maskat.

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Von wo er auf das Nationalmuseum gegenüber schauen kann.

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Worin es unter anderem eine Sammlung kunstvoller Dolche zu sehen gibt, der Stolz des omanischen Mannes.

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Im Museum und sogar im Regierungsviertel und beim Sultanspalast darf ich übrigens wieder unbehelligt fotografieren. Wo es nicht erlaubt ist, steht es deutlich angeschrieben und ohne Unterscheidung von Kamera und Handy. Mal sehen ob das so bleibt.

Es gibt mal wieder eine große Moschee in Maskat.

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Wo der Sultan einen Swarovski-Kronleuchter in die Kuppel hängen ließ, um das Volk glücklich zu machen.

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Ein paar Kilometer weiter hat er dem Volk auch ein Opernhaus hingestellt.

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Übermorgen würden sie den Nussknacker geben, aber ich kann dem Dresscode nicht genügen, kein Jackett eingepackt. Ballett ist aber eh nicht so mein Ding.

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Aber Wandersachen hab ich mit, man glaubt es kaum, es gibt einen Wanderweg über die Berge von Mutrah nach Old Muscat.

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Mit Bach.

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Mit Flora.

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Mit Fauna.

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Mit durchaus gebirgigen Passagen.

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Trotz Hitze ein Genuss für den Naturliebhaber in mir, nach all den Städten am Persischen Golf.

Der Teilort Mutrah liegt wunderschön in einer Bucht.

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In der die Jacht des Sultans vor Anker liegt.

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Beides wird bewacht von einem Fort.

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WolfgangA
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Es gibt von drei Tagesausflügen von Maskat aus zu berichten.

Nummer eins: die Küste westlich von Maskat.

Obwohl Seeb so nah an Maskat liegt, wirkt es wie ein verschlafenes ursprüngliches Fischerdorf. Die Hauptstraße ist grün-gelb geschmückt, was ist der Grund?

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Der Fischmarkt in Aktion ist nichts für zarte Gemüter.

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In Barka steht ein schönes frisch renoviertes Fort mit einem achteckigen Turm.

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Ein Stück weiter liegt der Stand von Al Sawadi mit schönen Muscheln und einer vorgelagerten Insel mit Turm, die man in der Küstenebene schon von weitem sieht.

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Bei Ebbe kann man zu Fuß hingehen, es setzt jedoch gerade die Flut ein. Also muss ein Boot her, zu dem man aber erst ein gutes Stück waten muss.

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Am Abend stehen Kamele fotogen beim Strand.

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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Nummer zwei: die Küste östlich von Maskat, wo die Küste felsig wird und von Buchten durchzogen ist.

Auf dem Weg dorthin zunächst wieder einmal etwas aus der Rubrik „Schöner Wohnen“: das Al Bustan Palace Hotel. Der Portier sagte am Eingang: „welcome, this place is your place”, aber vermutlich hat er es nicht wörtlich gemeint. Damit keine Missverständnisse aufkommen, nein, ich bin hier nicht abgestiegen.

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Die Lobby ist überwältigend und für meinen Geschmack ästhetischer als die vollgoldenen Pendants in Dubai und Abu Dhabi. Es verbreitet sich dezenter Weihrauchduft.

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Aber dann in die Natur. Die schönste der Buchten heißt Bandar Al Khairan. Der Strand da unten wird zu meinem privaten Badeplatz an einem entspannten Nachmittag.

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Den Abend verbringe ich erneut in Mutrah und lasse mir im Restaurant Bait Al Luban ein feines Abendessen schmecken. Als Willkommenstrunk wird ein Glas Wasser gereicht, das mit Weihrauch versetzt ist.

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WolfgangA
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Re: Arabien Winter 2022

Beitrag von WolfgangA »

Nummer drei: Die Tour zu den geschlossenen Schlössern. Alle wegen Renovierung zu, wie einst in Saudi-Arabien. Aber das wusste ich vorher, darum hielt sich die Enttäuschung in Grenzen. Ich habe mir die Forts eben von außen angesehen.

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Das Nakhal Fort.

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Das Al Awabi Fort.

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Das Rustaq Fort.

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In Rustaq sind die Straßen schwarz-rot geschmückt, in Seeb waren sie vor zwei Tagen ja grün-gelb, hm. Die Auflösung: gestern spielten Seeb und Rustaq Fußball im Finale um den Sultan Qaboos Cup. Seeb hat 2:0 gewonnen.

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Das Al Hazm Fort.

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Dafür haben einmal mehr die kleinen Begebenheiten und Begegnungen am Rande entschädigt, die nicht planbar aber eigentlich lohnender sind als das x-te Fort. Hätte ich die Forts alle besichtigen müssen, wäre gar keine Zeit geblieben für:

Den Schwatz mit dem alten Mann, der gerade sein Gärtlein bewässert.

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Das Mittagspicknick an der Athawarah Hot Spring in Nakhal, wo die Einheimischen ebenfalls mit Picknick ihr Wochenende einläuten. Kinder kreischen im heißen Wasser, Holzkohlerauchschwaden und Grilldüfte ziehen durch die Luft, bunte indische Saris mischen sich mit arabischen schwarzen Abayas, schön.

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Den stolzen Papa bei der Al Kasfah Hot Spring in Rustaq, der mich das Alter seiner vier Orgelpfeifen-Kinder schätzen lässt. Die drei Mädels hatte ich alle richtig, nur beim großen Bub lag ich ein Jahr daneben.

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Die zwei indischen Familien, die mich am frühen Abend zum Mitessen einladen. Dafür bekommen sie natürlich eine Serie Familienfotos.

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Ein schöner Tag muss natürlich wieder mit einem Kamel im Abendlicht zu Ende gehen, am Rande der Autobahn zurück nach Maskat.

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