In Kuwait wirkt alles wieder deutlich arabischer als in Dubai, die Stadt hat eher saudischen Charme.
Reich ist die einheimische Bevölkerung durch das Öl wohl ebenfalls (ein Abendessen im Restaurant beim Souq wurde einfach von einem jungen Herrn am Nebentisch bezahlt, mit dem ich zuvor kein Wort gewechselt hatte), aber die Stadt hat offensichtlich die irakische Besetzung und den Krieg vor gut 30 Jahren noch nicht komplett überwunden. Man sieht immer noch Häuserruinen und es gibt viel Brachland zwischen den neuen Hochhäusern. Diese sind nicht ganz so gläsern und extravagant wie in Dubai oder auch in Manama. Das damals geplünderte Nationalmuseum wird immer noch renoviert.
Auch im Museum of Modern Art wird der Krieg von 1990/1991 verarbeitet. Ich selbst kann mich noch gut erinnern und mich erschreckt die Parallelität zu den aktuellen Ereignissen andernorts.
Die letzten Tage herrschte sehr staubiges Wetter. Vorgestern verschwand die Sonne schon eine Stunde vor Untergang in einer milchigen Suppe. Viele Autos sind von einer braunen Schicht überzogen. Das steigert den Kontrast zu Dubai.
Sensationell ist der Fischmarkt. Ich habe selten so ein reichhaltiges Angebot an Meeresgetier gesehen. Die zum Teil persischen Händler freuen sich wieder über Fotos.
Daneben liegt der Hafen für die Dhaus.
Der weitläufige Souk Mubarakiya bietet auch sonst alles was man braucht und ist voller arabischem und südasiatischem Leben.
Ein paar Hochhäuser mit Lichtern gibt es aber auch in Kuwait City.
In der Großen Moschee von Kuwait bekomme ich eine Privatführung von einer sehr erklärfreudigen jungen Dame. Ich darf sogar auf die Imam-Kanzel steigen und auf 7.000 Bet-Plätze runterschauen, sowie im VIP-Raum auf dem Sessel des Emirs Platz nehmen.
Die Moschee wurde von 1979 bis 1986 erbaut, war teuer, mit Kronleuchtern aus Deutschland und Marmor aus Italien, und hat den Irak-Krieg unbeschadet überstanden.
Ebenso wie das Wahrzeichen von Kuwait, die Kuwait Towers, Wassertürme von 1979. In der oberen kleinen Kugel befinden sich eine sich drehende Aussichtsplattform und ein Restaurant.
Lästigerweise erlaubt man mir hier wieder einmal nicht, mit der richtigen Kamera zu fotografieren, lässt mich sie nicht mal mit hochnehmen, nur Handy-Bilder sind erlaubt. Das ist nun schon diverse Male so gewesen, in Shopping Malls, auf der Sky Bridge in Riyad, im Museum beim Bahrain Fort, auf der Promenade der Avenue Mall in Manama, etc.. Manchmal habe ich nach Diskutieren und Telefonieren eine Erlaubnis erhalten, manchmal habe ich das Verbot missachtet, aber hier ging es nicht. Allerdings waren die Fenster eh komplett verdreckt.
Zum International Women’s Day wurden die Wassertanks lila beleuchtet.
Eine unfassbare Kollektion an Kunstgegenständen aus allen islamischen Ländern und Epochen zeigt das Tareq Rajab Museum im Keller eines Privathauses im Nobelwohnviertel. Der Namensgeber, Sammler und Gründer war wohl der erste kuwaitische „Antikenminister“. Die Museumshüter haben die Sammlung 1990 vor der Plünderung bewahrt, indem sie den Eingang zugemauert und die Treppe vermüllt hatten.
Ein paar Schritte weiter gibt es mit dem Tareq Rajab Museum Of Islamic Calligraphy ein zweites Haus desselben Herrn.
Das Sheikh Abdullah Al Salem Cultural Centre mit Ausstellungen zu Weltraum, Technik, Mensch, Naturgeschichte und Wissenschaft im Islam gibt einen guten und klimatisierten Lückenfüller für das Kind im Manne in der heißen Mittagszeit, wenn sonst alles lange Siesta macht.
Nach so viel Kultur und Wissenschaft soll aber auch der Kinderfahrrad-Souq Beachtung finden.
Sowie der Gebrauchtwagenmarkt.
Fazit: man muss im Leben nicht unbedingt in Kuwait gewesen sein, aber nachdem ich mich anfangs gefragt hatte, was ich hier überhaupt drei Tage lang machen soll, war es nun doch ganz spannend. Insbesondere der Souq Mubarakiya mit seinen abends belebten Plätzen und Restaurants drum herum wurde zu einem meiner Lieblingsorte der Reise.
Morgen geht es zu einer weiteren kurzen Stippvisite nach Katar, bevor das letzte Reiseziel nicht mehr schwer zu erraten ist.