Naja, ich halte Ortskenntnis nach wie vor für entscheidend. Für mich spielt die Ortskenntnis nicht deswegen eine so große Rolle, weil diese hilft sichere oder unsichere Gegenden auseinander zu halten, denn das hängt ja von dem ab der was von mir will. Wichtiger ist ob ich einschätzen kann wo man mich erwartet und wo nicht.Die Ich-weiss-ja-wo-ich-hin-muss-besonders-wenn-ich-öfter-im-Land-bin-Theorie ist Unsinn.
Wenn ich mich nicht auskenne werde ich ohne es zu wollen immer an einen Ort „kanalisiert“ werden, von dem evtl. „Interessierte“ davon ausgehen können, dass ich da auftauche.
Der nächste Fehler (oder Selbstbetrug) der gemacht wird ist, dass aus dieser Ortskenntnis und aus der Ermangelung negativer Erfahrungen an einem Ort automatisch auf die persönliche Sicherheit geschlossen wird. Entscheidend ist die Einsicht, dass man u.U. vor dem entsprechenden Hintergrund eben auch mal weg bleibt. Und damit meine ich nicht einen bestimmtes Hotel, sondern u.U. auch mal ein ganzes Land.
Die Gefahr von Entführungen entsteht dadurch, dass es jemanden gibt der dich haben will und seine Möglichkeit an dich ranzukommen. Dafür muss jemand wissen wo Du bist. All das ist in der Gegend wohl mehr als gegeben. Wenn man also schon aus irgendwelchen Gründen durch eine entsprechende Region durch muss, dann sind die Plätze wo einen jemand erwartet (Hotel, Camp, Sehenswürdigkeiten..) ganz sicher die gefährlichen die man eben meiden sollte. Die Tatsache dass dort ständig andere Leute aus der „Zielgruppe“ unbeschwert rumlaufen macht es nicht sicherer, sondern macht diesen Ort erst recht gefährlich. Das gilt im Übrigen nicht nur für den Sahel, sondern auch für ALLE Länder Nordafrikas.Wenn ich die neueste Geschichte mit einem Todesopfer lese, wurden die Touristen ja wohl offenbar aus einem Hotel-Restaurant im Zentrum von Timbuktu entführt, nicht irgendwo in der Wüste.
Dazu kommt noch: Je länger man sich im Land an einem Ort aufhält, desto einfacher ist es für „Interessierte“ einen dort einzusammeln. Das ist für mich der Grund dafür, dass immer öfter Leute zu Opfern werden, die beruflich im Land sind.
Das nächste Problem ist, dass in besiedelten Gebieten ohnehin jeder schnell weiß wo ich mich als Ausländer herumtreibe. Viele der Gegenden von denen wir hier sprechen sind einfach zu dicht besiedelt, als dass man nicht überall auffällt. Da hilft auch kein wenig wertvoll aussehendes Auto oder ein T-Shirt im Ethno-Look.
Ich kann mich täuschen, aber alle bisherigen Vorfälle hatten gemeinsam, dass die Entführten erwartet wurden.
Grüße
Wolfgang




