Hallo,
Der neue Präsident hatte bei Amtsantritt einen 100-Days-Action-Plan angekündigt. Jedes Ministerium sollte konkrete Maßnahmen benennen und umsetzen, um in 100 Tagen die Wirtschaft anzuschieben. Die 100 Tage sind um. Da niemand weiß, was überhaupt Inhalt des Plans war, kann nun nach 100 Tagen auch niemand den Erfolg messen. Clever.
Die Stimmung mag sich etwas verbessert haben. Die wirtschaftliche Lage hat sich kaum verändert.
Unter Mugabe war das Land auf Kurs, im ersten Halbjahr 2018 wirtschaftlich ganz zu kollabieren. Selbst von China hat Zimbabwe kein Geld mehr bekommen, weil Zimbabwe mehrere alte China-Kredite auch nicht mehr bedient hat. Nach dem Coup haben China und eine afrikanische Entwicklungsbank wieder etwas Kredit gegeben. Das hat etwas Luft verschafft, ist aber ausgegeben. Aktuell läuft der Verkauf der neuen Tabakernte an. Das wird exportiert, verschafft harte Währung und temporär noch mal ein wenig Luft. Die "Fremdwährungs"-klemme im Land ist laut offiziellen Angaben (Zentralbank) schlimmer als je zuvor. Ohne Liquidität bekommt man aber keine Wirtschaft in Gang. Weil echtes Geld fehlt, werden Zahlungen im Land überall fast nur noch elektronisch abgewickelt.
Die Zimbabwer sehen heute irgendwelche Zahlen auf ihren Konten, die theoretisch harte US-Dollar repräsentieren. Praktisch kann man diese US-Dollar nicht von der Bank holen und auch nicht elektronisch ins Ausland transferieren. Das sind gar keine US-Dollar mehr. Zimbabwe hat mit dem nur elektronisch existierenden Geld defacto wieder eine eigene - diesmal rein elektronische - Währung geschaffen. Da wird mit großer Pumpe schon wieder eine Blase aufgepumpt. Wenn Zimbabwe das nicht bald in den Griff bekommt, wird das wohl wieder in hoher Inflation enden. Offiziell liegt die Inflation bei 3,5%. Aber das ist gemessen in harten US-Dollar. Mit US-Dollar-Scheinen kann in der Praxis aber kaum jemand etwas bezahlen. Immer mehr Händler gehen wohl dazu über, mit 2 oder 3 Preisen zu arbeiten (was offiziell illegal und verboten ist). Einen bei Zahlung mit echten US-Dollar, einen bei Zahlung mit Bond-Notes und einen bei elektronischer Zahlung (RTGS). Der bei elektronischer Zahlung ist der schlechteste Preis. Theoretisch sollte alles jederzeit 1:1 konvertierbar sein, ist es aber praktisch schon lange nicht mehr.
Zimbabwe tönt auch, dass es bis Ende dieses Jahres seine Altschulden bei der Weltbank und anderen Hilfsbanken nun wirklich tilgen will, um danach bei IWF, Weltbank und Co. wieder kreditwürdig zu sein. Da ist aktuell unklar, woher die das Geld für die Tilgung nehmen wollen. EU und andere haben Hilfen in Aussicht gestellt, aber erst wenn es anerkannt freie und faire Wahlen gab. Entsprechende Lippenbekenntnisse von Präsident und Zanu-PF gibt es zuhauf. Es bleibt unklar und abzuwarten, ob es wirklich freie und faire Wahlen geben wird.
Aus eigener Kraft kann sich Zimbabwe aus der Situation auf absehbare Zeit kaum noch befreien. Um die Wirtschaft in Gang zu bekommen, braucht es Milliardenzuflüsse aus dem Ausland (Kredite/Investitionen). Bis schätzungsweise Herbst braucht Zimbabwe eine grundsätzliche Trendwende. Ein weiter so dürfte in Inflation, Wirtschaftskollaps und Chaos enden.