Tagebuch Tour Hamburg - Abidjan Oktober 2008

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

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Oliver der Alchimist
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Tagebuch Tour Hamburg - Abidjan Oktober 2008

Beitrag von Oliver der Alchimist »

Tagebuch

Einer 11.500 km Autoreise von
Hamburg nach Abidjan (Westafrika)

27.09.2008 – Samstag

Um 9:40 Uhr ist alles eingepackt und alle sind verabschiedet. Wir können endlich starten. Peter fährt das erste Stück es geht durch die Kasseler Berge. Bei Heidelberg machen wir auf einem Rastplatz, mit einem „Burger King“ Restaurant ca. 45 Min. Pause. Jetzt fährt Andrzej weiter, kurz vor Basel geht es über den Rhein nach Frankreich und dann weiter über Lyon nach Barcelona. Gemäß dem „Navi“ liegen wir gut im Zeitplan.

28.09.2008 - Sonntag
Um 6:00 Uhr erreichen wir unser erstes Etappenziel, den Fähranleger in Barcelona für unsere Überfahrt nach Tanger. Das Tor in den Hafen ist noch geschlossen und es ist Dunkle Nacht. 500m weiter beginnt die große Fußgängerzone die „Rambla“. Es streifen noch die letzten Gestalten des Nachtlebens über die Rambla. Wir haben kaum schlaf bekommen diese Nacht. Wir parken vor dem Ticketbüro das um 10.00 Uhr öffnen soll. Andrzej schläft noch ein bisschen, die Erwachsenen erwarten den Morgen am Hafen. Die Einschecke klappt unproblematisch und um 12:30 beginnt das Boarding. Endlich geht es los.

Afrika wir kommen.
Um 14:30 legt die Fähre mit leichter Verspätung ab. Wir fahren weit von der Küste entfernt nach Süden. Erst am Abend um 19:00 Uhr sehen wir wieder die Küste, die Lichter von Alicante. Um 23:00 Uhr legen wir uns auf den Pullmannsesseln schlafen. Es sind noch viele Plätze frei, da die Saison ist zu Ende.
29.09.2008 - Montag
Um 7:00 Uhr stehen wir auf. Der Morgen dämmert, viele Schiffe sind auf den Weg durch die Straße von Gibraltar. Unsere beiden Andrzejs haben draußen auf dem Deck geschlafen, wir in unserem Gemeinschaftsraum. Gegen 14:30 kommt der Felsen von Gibraltar in Sicht es geht durch die Meerenge. Das Wetter wird schlechter der Himmel wird dunkel und es fängt zu Regnen an. Mit Verspätung erreichen wir um 17:30 Uhr endlich Tanger. Wir sind endlich in Afrika. Alle sind aufgeregt.

Doch wir sind noch nicht ganz von Board, da beginnen schon die Probleme. Die Batterie ist leer und wir müssen unser Auto anschieben, auf der Rampe vom Schiff springt er dann ohne Probleme an. Jetzt noch durch die Pass und die Zollkontrolle. Zu erst fehlen noch Stempel in den Pässen. Peter muss ins Schiff zurück, nach 20 Minuten kommt er mit den fehlenden Stempeln wieder. Jetzt haben wir unseren schönen Platz weit vorne verloren und gehören zu den letzten in der Reihe. Erst um 19:30 Uhr MEZ kommen wir aus dem Hafen heraus.

In Marokko ist noch zwei Tage lang Ramadan und es ist 2 Stunden früher, also 17:30 Uhr. Wir brettern über die Autobahn an Rabat vorbei weiter nach Fes. Nach einer kleinen Pause erreichen wir um 22:30 „La Perla“, ein Hotel in Fes. Peter und ich teilen uns ein schönes Doppelzimmer mit Bad für 40,-€ die Nacht. Die Jungs wollen Geld sparen und schlafen vor dem Hotel im Auto.

30.09.2008 - Dienstag
Um 8:15 frühstücken wir zu viert im Hotel. Danach versuchen wir Geld mit der Visa Karte abzuholen, doch die Automaten wollen uns nicht bedienen und auch in der Bank wollen Sie uns über die Karte nichts auszahlen. Also müssen wir wieder mal Bargeld tauschen 1,-€ = 11,10 Dirham. Zu Fuß gehen wir 200 m, zum nahe gelegenen Bahnhof. Dort finden wir einen Führer der uns die Medina, die Altstadt von Fes zeigen wird. Für 4,50€ fahren wir 2 km bis zur Altstadt.

Wir starten unsere 2,5 Stunden Kurz Tour am berühmten blauen Stadttor. Wir tauchen hinein in die engen Gassen der Medina. Es ist ein schnelles Programm, mit Koranschulen, königlichen Residenzen und Souks. Natürlich gehören auch Besichtigungen in den Färbereien, der Teppich- und Gewürzhändler dazu. Für mich ist es das zweite Mal, doch wir sind alle begeistert über die Atmosphäre in den Gassen.

Zurück am Bahnhof erhält unser Führer eine Extrazulage, zusammen 30.000 Dirham = 27,-€. Um 14:00 Uhr geht es dann weiter über die Autobahn, wieder an Rabat vorbei nach Casablanca. Die größte Stadt Marokkos erreichen wir um 18:00 Uhr. Wir sehen uns die große neue Mosche direkt am Atlantik an. Innerhalb der 45 Minuten die wir dort verbringen geht die Sonne unter und der Muezzin ruft zum Fasten brechen auf. Der Ramadan ist jetzt zu Ende. Wir machen noch ein paar schöne Fotos von der beleuchteten Moschee. Als wir zum 3km entfernten Mc Donald am Cornich - Strand weiter fahren ist es schon fast ganz dunkel. Die Bude ist noch Rappel voll, doch als wir gehen sind nur noch ein paar Plätze besetzt.

Nun geht es über die neue Autobahn in einem Rutsch weiter bis nach Marrakech. Um 22:30 Uhr sind wir in dem Hotel „Majorelle“. Wir buchen ein 3-Bettzimmer (Andreas, Peter + ich) für ca. 63,-€. Wir haben Glück und bekommen dafür die große Suite die sonst 120,-€ kostet. Unser Küken (er mag den Ausdruck überhaupt nicht) will wieder Geld sparen und wird das Auto über die Nacht, direkt vor dem Eingang bewachen.

Wir sind alle immer noch nicht kaputt, darum gehen wir erstmal zu Fuß in Richtung Medina. Wir verlaufen uns ein bisschen, aber nach einer guten Stunde erreichen den Hauptplatz mit seinen Gauklern und den vielen Buden. Doch ich bin etwas enttäuscht. Die Fläche des Platzes hat sich seit dem letzten Mal enorm vergrößert und die Touristen Vermarktung nimmt die Form eines Jahrmarktes an. Wir wollen jetzt abkürzen und durch die Engen Gassen der Medina zum Hotel zurückgehen. In der nähe des Hauptplatzes tobt noch das orientalische Leben, doch je tiefer wir in die Medina eindringen des so mehr Läden haben die Rolltore herunter gefahren. Bald leuchten nur noch wenige Funseln und wir begegnen nur noch vereinzelt Menschen. Wir laufen in Sackgassen und stehen immer häufiger vor verschlossenen Toren. Das Vertrauen hier noch gezielt herauszukommen schwindet und so langsam kriecht eine Untergangsstimmung in uns hoch. Also bevor wir hier endgültig die Orientierung verlieren, drehen wir um. Um 2:00 Uhr morgens sind wir wieder auf dem Hauptplatz zurück. Wir haben die Schnauze voll und nehmen zwei Taxis zurück zum Hotel. Um 3:00 Uhr schlafen wir erschöpft ein.

01.10.2008 - Mittwoch
Nach 6 Stunden aufstehen und frühstücken. Andreas legt sich unters Auto und zieht die Keilriemen nach. Wir verzichten auf die Altstadt und fahren um 10:15 Uhr weiter nach Agadir. Wir bleiben nördlich des Hohen Atlas. Die Nacht davor muss ein Unwetter in den Bergen gewütet haben, die Straßen sind überspült und teilweise weggerissen worden. Darum erreichen wir erst gegen 15:00 Uhr Agadir, den letzten Außenposten der Zivilisation vor der Wüste. Auch hier hat sich gegenüber meinem letzten Aufenthalt enorm viel verändert. Überall schießen die Häuser aus dem Boden. Die Bevölkerungszahl soll von jetzt ca. 29 Millionen bis 2025 auf ca. 42 Millionen steigen und das merkt man am Bauboom. Wir fahren mit dem Auto hinunter zur Uferpromenade. Andreas isst etwas bei Mc Donalds und der Rest isst nebenan bei Pizza Hut, danach gibt es noch ein Bier. Hier kann ich das erste Mal Geld mit dem PIN der Visa Karte abheben, dann noch tanken und um 17:15 geht es dann weiter nach Süden. Wir kommen noch über einen 1000 m hohen Pass des Antiatlas, sowie weiteren Ausläufern die sich bis zum heutigen Ziel, ca. 350km weiter nach Tan-Tan ziehen.

Wir übernachten im Hotel Sable DÒr für 200 Dirhans pro Doppelzimmer ohne Frühstück. Für umgerechnet 9,-€/Kopf entschließt sich auch unser jüngstes Teammitglied und Survival-Freund für eine Nacht im richtigen Bett. Die Zimmer sind sauber und mit Bad das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut. Andreas und ich gönnen uns noch einen Haarschnitt beim Barbier um die Ecke. Andreas zahlt 1,50€, ich 2,60€ mein Kopf hat ja auch noch mehr Haare, darum zahle ich noch einen Leistungsbonus. Um 23:30 Uhr legen wir uns schlafen.

02.10.2008 - Donnerstag
Um 7:00 Uhr aufstehen. Für 2,-€/Frühstück gibt es einen frisch gepressten O-Saft, Kaffee und Baguette mit Butter und Marmelade. Um 8:00 Uhr fahren wir weiter.
Nach 30km erreichen wir den Früheren Tan-Tan Plage, das Heute El Ouatia heißt und einen neuen Fischereihafen hat. Hier beginnt die Steilküste, die Klippen fallen ca. 50 m ab. Unten sieht man viele Schiffwracks und die Salzhaltige Luft riecht nach Muscheln und Meer. Hier machen wir erstmal einen ausgiebigen Fotostop. Überall sieht man Fischer und Angler die todesmutig auf Felsvorsprüngen sitzen und Meer-Barsche direkt aus der 50 m tiefer liegenden Brandung ziehen. Weiter geht es jetzt immer die Steilküste aus Sandstein entlang. Etwa auf halber Stecke bis ins 270 km entfernte Laayoune, der ersten größere Stadt in der ehemals „Spanischen Sahara“, befindet sich die Zollgrenze, ab hier ist das Benzin Steuerfrei und der Liter Super kostet nur noch 712 Dirham ca. 0,64€. Den Liter Diesel gibt es für 0,40€. Wir beginnen zu schwärmen.

Jetzt wird die Steilküste immer wieder von ersten Dünenfelder und Oueds unterbrochen. Wir überqueren kleine Lagunen, an denen auch Meeressalz gewonnen wird. Die Steilküstenabschnitte werden langsam niedriger und sind aus festem vulkanischem Gestein. Es ist schon komisch zu wissen, dass sich nur 100 km von uns entfernt die Touristen auf den Kanaren verwöhnen lassen. In Laayoune der zweitgrößten Stadt in der S.-Sahara mit ca. 25.000 Einwohnern machen wir erstmal eine Pause und tanken. Hier ist auch der einzige UN Stützpunkt den wir auf der Strecke sehen.

Weiter geht es ins 520 km entfernte Dakhla. Die letzten zwei Stunden fahren wir wieder im Dunkeln. Bis jetzt waren die Straßen immer super. Auf den geraden können wir unproblematisch 120 km/h fahren. Durch die gesamte Spanisch Sahara sind vor und oder hinter jeder Ansiedlung Polizeikontrollen. Wir werden immer höflich behandelt. Man fragt uns nach dem Weg und kontrolliert unsere Pässe und vergleicht die Daten mit den Angaben aus unserer Einreise. Die Daten werden per Hand in ein Kontrollbuch eingetragen. Um 21:15 Uhr erreichen wir die Stadt. Es ist eine Garnisonsstadt mit der besten Infrastruktur in der spanischen Sahara. Wir nehmen uns zwei Doppelzimmer für 2 x 10,-€ im Hotel „Bahia“ direkt am Hafen mit seiner kleinen Promenade. Der Standard läst stark zu wünschen übrig. Plumpsklo und eine Gemeinschaftsdusche im Flur. Doch wir haben immerhin ein relativ sauberes Bett. Wir gehen noch etwas spazieren und essen noch ein paar Fleischspieße vom Grill. Besteck gibt es nicht, hier wird mit den Fingern gegessen. Um 23:30 gehen wir schlafen.

03.10.2008 - Freitag
Um 7:00 Uhr aufstehen und frühstücken. Es gibt Kaffee und warmes Fladenbrot, das Stück für 9 Cent, direkt vom Bäcker. Per SMS sende ich noch eine kurze Nachricht nach Hause. Bis jetzt hatten wir fast überall Handyempfang.

Um 9:30 geht es wieder auf die Piste. Die Halbinsel von Dakhla ist berauschend schön. Wir sind begeistert von dem Spiel der Farben zwischen dem Meer, den Dünen und den Felsen. Mit Worten und Bildern ist diese Atmosphäre nicht zu schildern, man muss dieses selber erleben und fühlen.

Bis Nouadhibou kurz hinter der Grenze in Mauretanien sind es noch ca. 420 km. Zwischen Marokko und Mauretanien ist ein ca. 3 km breiter Streifen Niemandsland. Die Fahrbahn verschwindet und wir müssen durch eine Endzeitlandschaft aus Schlaglöchern und Müll. Direkt am Grenzkontrollpunkt von Mauretanien versagt nun auch noch die Kupplung. Nichts geht mehr. Doch Dank unserem eingespielten Team verlieren wir nur wenig Zeit. Andreas und Andrzej machen das Auto wieder flott. Die Leitung mit der Kupplungsflüssigkeit wird vor Ort entlüftet. Da entgeht den staunenden Einheimischen, wieder mal ein Geschäft mit uns. Peter und ich übernehmen wieder den Administrativen Teil. Pass- und Zollkontrolle, außerdem kaufen wir eine 10 Tagesautoversicherung für Mauretanien. Nach kleineren Unterstützungszahlungen geht es nach ca. 1 Std. weiter. Insgesamt dauert der Grenzübergang ca. 2 Std.

Wir entschließen uns nicht mehr nach Nouadhibou rein zufahren. Wir folgen dem Rat des deutschen Bikers den wir bei der Pause in Laayoune getroffen haben und fahren weiter in Richtung der Hauptstadt Nouakachott, nach ca. 40km finden wir dann wie empfohlen eine Zeltunterkunft. Die erste Nacht im Zelt mit einer Dusche aus Eimern ist für alle ein Erlebnis, jetzt kommt auch das erste Mal mein spezial Kochgeschirr zum Einsatz es erweist sich als hervorragend und sehr sparsam im Spiritusverbrauch. In der Nacht hat es ganz wenig geregnet.

04.10.2008 - Samstag
Heute geht es Richtig in die Wüste, alle sind gespannt wir verlassen die Küste und es geht auf die unmarkierte Piste weiter nach Choum/Atar, doch die Orientierung immer an der Bahntrasse entlang ist nicht schwierig. Auf halber Strecke kommt uns dann endlich der 2 km lange Zug entgegen, der von 4 Loks gezogen wird. Der Anblick des voll beladenen, langsam vorbei gleitenden Zuges ist faszinierend und sehr interessant. Außer dem Eisenerz werden so auch Autos transportiert, aber vor allem auch Menschen und Tiere. Andrzej übernimmt diese schwierige Tour. Am Anfang maulte die ganze Truppe über seine Fahrweise, doch er fährt sich sehr gut ein und wir alle sind sehr zufrieden wie er uns durch die Dünenfelder und bei einsetzenden Regen sicher ins 400 km entfernte Choum (Verladestation) gebracht hat. Es sollte sich später herausstellen, dass dieser Abschnitt die höchste Anforderung an Maschine und Mensch auf dieser Reise erfordert hat. Wir erreichen das Kaff Choum bei Dunkelheit. Wir tanken Benzin aus Fässern und übernachten für ein paar €, in einer einfachen Hütte, die uns vom Ortvorsteher zugewiesen wurde, auf einem dreckigen Teppich der direkt auf dem Sandboden liegt. Doch wir haben es geschafft.

05.10.2008 - Sonntag
Wir stehen im Morgengrauen auf und fahren weiter nach Atar. Ein scharfer Stein schlitzt unseren Reifen auf. Diese Panne kostete uns eine halbe Stunde Zeitverlust. Atar hat eine gute touristische Infrastruktur. Hier kaufen wir uns einen neuen Reifen. Nach Spagetti mit Dromedar- Hackfleischfrikadellen, tanken und Geld wechseln, 1,-€ ist ca. 330UA wert, geht es weiter nach Chinguitti.

Chiguitti ist eine Oasenstadt, am Rande der Sandwüste, die Dünen wehen bis in die Stadt hinein. Zuerst geht es in die Dünen den Sonnenuntergang genießen. Für meine Mitstreiter wird ein Traum wahr und wir laufen aufgeputscht vom Adrenalin durch die Dünen. Auch Andrzej ist aufgeputscht und setzt unseren Geländewagen leichtfertig in einer Sanddüne auf Grund. Wir alten Herren fluchen, doch das nützt ja nichts. Also alles Gepäck raus und es erfolgt der erste und einzige Einsatz unser Sandblech. Kurz bevor es Dunkel wird, schaffen wir es dann doch noch die Kiste wieder flott zu kriegen.

Dann wird uns auch noch eine Wüstenblume geschickt, die uns Unterkunft mit Tee und Cous-Cous anbietet. Dieses Angebot können wir natürlich nicht ablehnen. Also schlafen wir wieder Mal im Zelt und erleben einen Abend mit Familienanschluss. Nach einem Nachspaziergang zu den Dünen gehen wir erfüllt schlafen.

06.10.2008 - Montag
Peter steht beim ersten Hahnenschrei auf und geniest die Dünen für sich ganz alleine. Nach dem Frühstück und der sich anschließenden Preisverhandlung für das Quartier geht es dann zurück nach Atar und von dort, jetzt auf guter Teerstraße über ausgeglühter Erde und Sandverwehungen in die Hauptstadt Nouakachott mit seinen ca. 800.000 Einwohner. Das Thermometer steigt auf über 45 Grad und wir sind total ausgelaugt. Peter hat leichte Probleme mit dem Kreislauf. Wir entschließen uns deshalb hier zu bleiben. Wir finden nach einigen Mühen für ca. 25,-€ zwei Doppelzimmer mit Gemeinschaftsdusche und Plumpsklo und einer lauten Aircon. Der Vorteil von der „Auberge Nomades“ ist jedoch der verschlossene Innenhof, der eine Oase der Ruhe ist und der ideale Platz für die Auspuffreparatur, die unsere beiden Fachmechaniker Morgen früh durchführen wollen. Nach drei Tagen wieder eine richtige Dusche, ist das Herrlich. Wir gehen noch eine Pizza essen mit einem Glas Wasser und einem Bananen –Shake. Bier ist in Mauretanien fast nicht zu bekommen. Dann geht es ins Bett.

07.10.2008 - Dienstag
Wir stehen früh auf. Andrzej und Andreas kümmern sich um den Auspuff. Peter und ich bereiten das Frühstück vor und kaufen Croissants und Baguette.
Danach suchen wir das Versicherungsbüro der (SAR) auf und schließen eine Autoversich-erung für Westafrika für 15 Tage / 29,-€ ab. Um 11:00 Uhr können wir dann endlich starten. Wir verabschieden uns von den beiden netten Spaniern die wir hier getroffen haben und los geht es. Erfrischt und gestärkt geht es wieder auf Saunafahrt. Wir wollen jetzt möglichst schnell nach Mali, dort gibt es endlich wieder ein kühles Bier. Doch Heute gibt es noch einen letzten Aufenthalt in Mauretanien. Wir fahren bis tief in die Nacht fast 1000 km weit bis nach Ayoun el Artrus, von hier sind es nur noch 100 km bis zur Grenze von Mali. Wir erreichen die Stadt erst gegen 1:30 Uhr, da es für eine Unterkunft zu spät ist halten wir hinter der Stadt am Straßenrand an und versuchen ein Paar stunden zu schlafen. Andrej und Andreas bauen sich ein Zelt auf, ich schlafe mit Peter im Auto.

08.10.2008 - Mittwoch
Um 6:00 Uhr, nach ca. 4 Std. stehen wir mit der ersten Dämmerung auf. Unsere beiden Mechaniker basteln noch am Auto, Peter und ich machen das Frühstück, ein Einheimischer der eine Schale mit Brot trägt, liefert uns das Baguette dazu. Nach einer Stunde erreichen wir die Grenze von Mauretanien nach Mali. Auf malischer Seite werden wir von einer Polizeikontrolle um ca. 20,-€ wegen angeblicher Prüfgebühren betrogen.

An der Grenze sind die Beamten dann aber freundlich, die Visa für einen Monat sind schnell zu bekommen. In CFA bezahlen wir in etwa 23,-€ pro Visa. Sie akzeptieren auch unsere letzten UA (Mauretanien), doch der Umtauschkurs ist sehr schlecht, sodass wir für zwei Visa dann umgerechnet 61,-€ zahlen. Sehr kompliziert ist auch die Erstellung der Zollerklärung des so genannten (Laissez Passer) für das Auto in Mali. Erst geht es zum Zoll, für 5.000 CFA erhalten wir das Dokument, dann mit dem Dokument weiter zur Polizei und für 2.000 CFA einen Stempel holen, dann nach Nioro rein und eine Kopie machen. Zum Abschluss wird die Kopie dann wieder zum Zoll gebracht. So brauchen wir für den gesamten Grenzübertritt wieder mal 2 Stunden.

Jetzt geht es endlich weiter. In der nächsten kleinen Stadt suchen wir eine „Straßenkneipe“, nach tausenden von km gönnen wir uns hier in Mali wieder ein Castel – Bier. Welch ein Genus, doch ein kaltes Bier sein kann.

Im letzten Licht erreichen wir wieder mal unser Ziel, die Hauptstadt Bamako mit geschätzten 1,5-3,0 Millionen Einwohnern. Wir finden das günstige „Hotel Cola“ für 15,- / Doppelzimmer inklusive Läuse. Der Standard und die Sauberkeit sind unter aller Kanone, aber immerhin hat das Zimmer einen Ventilator an der Decke. Wie wir später herausfinden wir das von Chinesen geführte Hotel, wohl als Stundenhotel genutzt. Daher der günstige Preis und der rege „Verkehr“ von Paarchen. Nachts beißen uns die Moskitos, wie gut dass wir alle schon unsere Malaria Prophylaxe genommen haben.

09.10.2008 - Donnerstag
Wir stehen früh auf und essen Frühstück in einem Straßenrestaurant. Die Atmosphäre mit all den Menschen und Autos um uns herum ist spannend. Jeder bekommt drei Spiegeleier mit Zwiebeln, dazu Baguette und einen aufgerührten Kaffee aus der Dose. Jetzt noch eine Bank und tanken. Peter hat einen falschen PIN Code mitgenommen und so versucht er mit der Karte und seinem guten Namen Geld zu bekommen. Doch das klappt auch hier in Mali nicht, so wie davor auch nicht in Marokko und Mauretanien. Also muss ich wieder einspringen mit meinem PIN Code kann ich überall problemlos Geld abheben. Hauptsache meine Karte wird nicht wegen Überziehung gesperrt, dann sind wir in A-------.

Deshalb kommen wir erst spät aus Bamako raus und zu allem Un-Glück verfahren wir uns zweimal und verlieren weitere 2 Stunden. Unser Ziel, am Nachmittag die schöne Lehmarchitektur, der Mosche von Djenne zu erreichen ist nicht mehr machbar. Wir fahren also weiter und suchen uns eine Unterkunft in Sevare. Auf dem Weg dorthin überrascht uns schon wieder ein Regenschauer. Überhaupt überrascht mich seit Noukachott, wie grün doch alles ist. So kannte ich bisher die Sahelzone überhaupt nicht, ich kannte Sie immer nur staubtrocken und Lebensfeindlich. Doch jetzt wachsen überall Nutzpflanzen, vor allem Mais, aber auch Weizen, Reis, Baumwolle usw. Um 21:30 Uhr kommen wir in Sevare an und finden unproblematisch eine Unterkunft. Die Zimmer sind nicht sehr sauber, aber haben immerhin ein WC, Dusche und Aircondition. Wir gehen noch in einen „Jardin“ (Gartenkneipe) und trinken ein Bier und essen Rindfleisch mit den Fingern.


10.10.2008 – Freitag
Heute geht es früh hoch, das einfache Frühstück ist im Hotelpreis Inbegriffen und schnell fahren wir weiter ins 20 km entfernte Mopti. Eine sehr schöne kleine Hafenstadt, direkt am Niger belegen. Der Kontrast zwischen dem strahlenden breiten Fluss mit seinen Booten auf der einen Seite, der Enge, der Armut und dem Schmutz auf der anderen Seite ist romantisch und abstoßend zu gleich.

Nun geht es weiter über Banderagira durch das felsige Dogonland, bizarre Felsformationen beeindrucken uns. Die Falise (Ein Geländeversatz) fällt etwa 150 m hinunter auf das Mossiplateau. Jetzt geht es hinein nach Burkina Faso, für mich ist es bereits das vierte Mal, aber das erste Mal mit dem Auto auf dem Landweg. Der Grenzübertritt dauert nur ca. 45 Minuten und die Grenzer sind die freundlichsten auf der ganzen bisherigen Strecke. Wir holen uns ein sieben Tages Visum für 15,- €/Stück und den Zollpassierschein, das Laissez Passer für 13,-€. Endlich wieder in Burkina, ein bisschen fühle ich mich wieder zu Hause. Ab hier wird sicher alles etwas leichter.

In Jako machen wir noch eine kleine Pause, hier war ich bei meinem ersten Aufenthalt in Burkina, in einen Unfall verwickelt. Mit dem letzten Licht kommen wir nach Ouaga rein und finden schon in der Einfallstraße eine anständige und günstige Unterkunft, das „Hotel Rivera“. Nach dem Einchecken und dem Duschen, gehen wir in das Restaurant „Le Tam Tam“ deutschen Fleischkäse essen, alle sind begeistert. Abends fahren wir noch für einen Drink in die Stadt hinein. Es geht über die Avenue N`kruma zu den großen Hotels. Hier warten viele junge und auch nicht mehr ganz so junge Damen um Kontakte aller Art zu knüpfen.


11.10.2008 – Samstag
Heute schlafen wir erstmal bis 9:00 Uhr aus, dann kaufen wir in der Boulangerie 3 Baguette und Frühstücken in dem grünen Innenhof des Hotels. Dann geht es in die Stadt, die Botschaft von der Elfenbeinküste und die Banken haben erst wieder am Montag geöffnet und mit Peters Visa Karte können wir auch hier nichts abheben. Wir gehen in den Supermarkt „Marina Market“ einkaufen und dann zu Fuß weiter ins Zentrum. Dort gönnen wir uns eine ausgiebige Pause im Jardin „Zama Chapell“.

Dann geht es mit dem Auto auf zu einer Rundtour um den Fughafen. Zuerst in das wunderbare Kunstcenter, in dem es über Schmuck-, Holz-, Metall- und Stoffarbeiten, alles an landestypischer Kunst zu sehen gibt. Dann geht es weiter in das neue moderne und großzügig angelegte Stadtquartier „Ouaga 2000“ und von hier weiter zu der Baustelle von meinem Freund Filiga die an einem der Stauseen von Ouaga liegt.

Von hier geht es zurück ins Hotel um sich frisch zu machen und dann geht es wieder in die Stadt. Wir gehen in ein Internet Cafe, ich verschicke den ersten Zwischenbericht unserer Reise. Dann gehen wir in das romantische Italienische Restaurant neben dem „Jardin de Midi“ essen. Zum Abschluss des Tagesprogramms geht es jetzt noch in die Kneipe „Le Stade de France“. Hier gibt es Heute sogar Live Musik, alles ist voll mit Menschen, es ist für jeden spürbar wie jung diese Gesellschaft ist, 50% der Menschen sind jünger als 18 Jahre. Wir kommen erst spät ins Bett.

12.10.2008 – Sonntag
Nach dem Frühstück fahren wir erstmal in die Kirche, vielleicht will ja einer von uns beichten gehen. Wir fahren also Richtung Mopti kurz vor der Straßengebührzahlstelle geht es rechts ab und nach ca. 2 km erreichen wir die Pilgerstelle an der 1967 ein einheimisches Mädchen eine Marien Erscheinung gehabt haben soll. Auch der letzte polnische Papst war 1990 schon hier. Jetzt entsteht hier eine riesige Kirche, ein neues Wallfahrtszentrum, ein neues Lourdes, oder Czestochowa wie in Polen und wir können life die Entstehung einer solchen Kultstätte besichtigen, das ist schon sehr aufregend und für gläubige sicher sehr berührend.

Jetzt haben wir uns wieder ein kühles Bier verdient, es geht wieder ins „Zama Chapell“ wir werden von der Bedienung sofort wie alte Bekannte begrüßt. Dann wieder ins Hotel frisch machen. Wie Gestern kommt wieder etwas Regen auf, doch Heute stärker und das auch noch zum Abend hin, also müssen wir unser Abendprogramm ändern. Wir essen Heute nicht draußen im Restaurant „La Foret“, sonder gehen hinein in ein Chinesisches Restaurant.


13.10.2008 – Montag
Heute muss alles rund laufen. Also heißt es früh aufstehen. Das Hotel zahlen wir Bar und in €. Bei der Bank werden wir wieder nichts, ohne Pin Nummer keine Knete. Jetzt noch schnell die Visa in der Botschaft der Elfenbeinküste beantragen. Hier geht alles reibungslos. 3 Std. später gegen 13:00 Uhr können wir die Pässe abholen.

Gegen 15:00 Uhr können wir endlich los. Im Hellen kommen wir noch gerade über die Grenze nach Ghana. Der Unterschied zu Burkina wird schon an der Grenze deutlich hier die lockeren Burkinabe, dort die britisch korrekten Ghanesen. Die Beamten machen Probleme weil wir kein „Carnet de Passage“ haben und Peter macht auch noch den Fehler auf Französisch zu sprechen, obwohl er doch Englisch sprechen kann, das wird als eine Provokation gedeutet. Am liebsten sollen wir jetzt einen Betrag X fürs Auto, als Kaution bis zur Ausreise hinterlegen. Doch der Beamte ist noch mal gnädig mit uns und wir erhalten ein „Laissez Passer“ sogar ohne etwas zu bezahlen. 30 km hinter der Grenze, es ist schon dunkel, finden wir vor der Stadt Bogatanger ein schönes Hotel die „Sira Lodge“. Die Zimmer sind gefliest mit Dusche, warmes Wasser und WC, seit Marokko gab es nicht mehr diesen Standard das Doppelzimmer für 35,-€.


14.10.2008 – Dienstag
Das Frühstück Rührei mit Toast und Kaffee sind im Hotelpreis inbegriffen. Die nächste Pause machen wir in Tamale. Überall ist zu sehen dass der Lebensstandard in Ghana höher ist. Straßen mit Beleuchtung, die Farbanstriche, die Häuser, die viele Werbung usw. Hinzu kommt, dass es immer grüner und feuchter wird. Um 11:30 geht es weiter erst über den Weißen, dann über den Schwarzen Volta nach Kumasi, der früheren Ashanti Stammes-Hauptstadt. Mit Sonnenuntergang kommen wir in dem Moloch Kumasi rein. Natürlich fahren wir genau durchs Zentrum und geraten auf den Marktplatz mitten hinein in das größte Verkehrsgetümmel Westafrikas. Doch Peter besteht die Prüfung hervorragend und bringt uns wieder an den Stadtrand in Richtung Cape Coast.

Hier übernachten wir im Hotel „Lizzy“ für 60 Cedi ca. 40 € das Doppelzimmer, inklusive Frühstück. Es ist das beste Hotel seit Fes in Marokko. Unsere beiden Begleiter übernachten im Auto (Andrzej) bzw. im Mini Zelt (Andreas). Peter und ich entschließen uns endlich unsere mitgebrachten Dosen zu öffnen und so wärmen wir uns im Topf dem mitgebrachten Labskaus mit Rouladen auf. Das Schlemmermenu aus der Heimat, schmeckt richtig lecker.


15.10.2008 – Mittwoch
Nach dem Frühstück geht es weiter durch den Regenwald nach Cape Coast am Atlantic. Gegen 12:00 Uhr erreichen wir nach 5.000 km wieder das Meer. Unter der großen alten Festungsanlage mit seinen am Strand wild verstreuten Kanonen, liegen die kleinen Fischerboote Dicht an Dicht. Wir haben ein Riesenglück das gerade jetzt die Fischer ihren Fang an Land bringen. Am Meer, geht es vor der Festung entlang. Hier treffen wir auf eine Gruppe von Studenten aus Accra, die uns begierig ausfragen. Hinter der Festung liegt dann ein ca. 10 Kilometer langer Sandstrand mit Palmen. Der Strand ist zwar nicht sehr sauber, doch wenn es hier Duschen geben würde, gebe es für uns kein halten mehr und wir würden uns in die erfrischenden Fluten stürzen.

Weiter geht es die Küste entlang, doch selten in Meeresnähe, weiter in Richtung der Elfenbeinküste. Unterwegs kaufen wir uns für 0,80€ ein Beutel mit frisch gerösteter Bananen. Sie schmecken uns allen sehr gut. Schon Gestern probierten wir frittierte Yamswurzeln, auch die waren sehr lecker und schmeckten fast wie Pommes bei uns.

Um 4:00 Uhr erreichen wir die Grenze. Die Grenzer auf beiden Seiten sind korrekt und sehr geschäftsmäßig. Die der Elfenbeinküste sind jedoch deutlich lockerer. Bei der Einreise werden zum ersten Mal auf der Tour unsere Impfausweise überprüft. Nach 2 Stunden sind alle Grenzformalitäten erledigt. Ein „Laizzes Passer“ wird nicht ausgestellt und es erfolgt auch keine Eintragung in den Pass.

In der nächsten Stadt rufe ich meinen Freund Sengor in Deutschland an. Er kommt ursprünglich aus der Elfenbeinküste und lebt wie mein Freund Filiga der aus Burkina gekommen war, bereits seit über 25 Jahre in Deutschland. Er erzählt mir, dass in Abidjan bereits alles für uns vorbereitet ist. Um 20:30 Uhr erreichen wir Abidjan. Abidjan ist eine richtige moderne Großstadt mit ca. 3-6 Millionen Einwohnern. Die Einfallstraßen sind breit, überall gibt es große Supermärkte und im Zentrum sind riesige beleuchtete Hochhäuser zu sehen. Die Skyline kann sich mit der von Frankfurt durchaus messen. Zumindest das Zentrum ist nicht mehr die dritte Welt. Eine weitere halbe Stunde später haben wir den vereinbarten Treffpunkt erreicht. Im besten Hotel der Stadt, dem „Hotel Ivory“ treffen wir „American“ den Bekannten von Sengor.

Er bringt uns in ein günstiges Hotel, in dem Stadtteil D´Abobo. Auf dem Weg durch die Schlaglöcher erkennen wir schnell, dass die dritte Welt, direkt hinter den Hochhäusern beginnt. Das Hotel „DJo“ ist ein ganz besonderes, das Zimmer mit Klimaanlage, WC (ohne Brille) mit Dusche (ohne Wasserdruck), dafür aber zwei volle Wassereimer. Außerdem einen angeketteten Fernseher auf dem man Erotikfilme sehen kann und einen breiten Spiegel am Bett. Nachdem wir uns frisch gemacht haben, führt uns „American“ in ein Restaurant, also eigentlich ist es ein Straßengrill. Wir holen uns geröstete Hähnchen, dazu ein paar Biere und der Abend ist gerettet. Um 24:00 Uhr fallen wir müde ins Bett.

16.10.2008 – Donnerstag
Um 7:30 Uhr aufstehen. Zuerst wird das Auto komplett ausgeräumt und von unseren beiden „Spezialisten“, für den Verkauf vorbereitet. Um 8:30 Uhr ist dann auch schon „American“ da, nun gehen wir als erstes gemeinsam frühstücken. Dann geht es den ganzen Tag durch die Stadt, das Auto wird gewaschen und verschiedenen Interessenten vorgestellt. Zwischendurch gehen wir in ein schönes Restaurant essen. Nach dem unsere Bäuche gefüllt wurden fahren wir ins Zentrum, „Plateau“ genannt. Wir gehen in ein Büro der Air France. Die Dame erzählt uns, dass der nächste Flug erst am Montag geht und zwar für über 900,-€ und das auch nur bis nach Paris. Wir sind alle ziemlich geschockt. Es lief bisher alles so gut und nun das. Ich rufe Grazyna an, ob sie von Deutschland aus etwas organisieren kann. Doch trotz ihrem sofortigen handeln ist so auf die Schnelle von Deutschland aus nichts zu erreichen. So verbringen wir also den ganzen Tag. Wir entschließen uns, Morgen Früh zum Flughafen zu fahren um zu sehen welche Alternativen es noch gibt. Abends gehen wir noch etwas Essen und dann geht es früh ins Bett.


17.10.2008 – Freitag
Nach dem Frühstück fahren wir mit „American“ in die Stadt, aber mit seinen Kontakten für den Verkauf unseres Autos, ist es nicht weit her. Er scheint mit uns auf Zeit zu spielen, um den Preis weiter zu drücken, damit er eine höhere Marge, für sich einstreichen kann. Uns stinkt das gewaltig, aber aufregen nützt erstmal wenig.

Gegen Mittag fahren wir dann zum Flughafen. Wir bekommen heraus, das außer Air France, auch Air Brüssel, Emirate Airways, Sabena und auch noch einige Afrikanische Fluglinien nach Europa fliegen. Peter findet einen Flug für 650,-€, der noch Heute um 17:00 Uhr über Dubai nach Hamburg geht. Er bucht sofort, damit er es noch rechtzeitig am Montag bei seiner Arbeit im Krankenhaus ist.

Zur Bezahlung des Tickets, mit der Visa Card müssen wir ins Emirate Büro im Zentrum von Abidjan. Jetzt wird die Zeit knapp, wir können nicht mehr Peters Gepäck aus dem Hotel abholen, also bringen wir Peter wieder direkt zum Flughafen und er checkt in kurzer Hose und ohne Jacke, aber mit einer Plastiktüte fürs herbstliche Deutschland ein. Es ist schon komisch, dass unser Quartet so abrupt auseinander gerissen wird. Doch Peter nimmt es locker, irgendwie passt dieser überstützte Abflug, zu der ganzen Reise. Wir werden es schon irgendwie schaffen, auch ohne Peter.

Während Andreas und ich Peter verabschieden, wartet Andrzej vor der Tür im Auto. Weil unsere Verabschiedung zu lange dauert, muss er mit dem Auto eine Ehrenrunde um den Flughafenplatz machen und wird prompt von der Polizei gestoppt und dann festgehalten, weil er seinen Führerschein nicht dabei hat. Also muss ich raus und unseren Andrzej und das Auto befreien. Ich beschwichtige auf Französisch und Englisch. Als ich erkläre, dass wir das Auto verkaufen wollen, wird der fehlende Führerschein auf einmal belanglos. Jetzt heißt es, was wollen wir denn haben und dann wird telefoniert. Innerhalb von 30 Minuten schaut sich die gesamte im Dienst befindliche Flughafenpolizei das Auto an. Nach etwa 1 Stunde sind wir uns mit einem Polizisten handelseinig. Jetzt muss er nur noch das Geld ranholen, also heißt es weiterwarten. Zwischenzeitlich sehen wir dann den Start von Peter. Er hat es tatsächlich geschafft und auch wir sind erfolgreich. Der Käufer kommt und nach kleineren Nachverhandlungen bekommen wir fast den vereinbarten Kaufpreis. Der erfolgreiche Tag wird damit gekrönt, das wir noch gleich im Anschluss Flugtickets für den nächsten Montag bekommen, zu einem relativ günstigen Preis von 566,-€, direkt nach Hamburg.
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Uwe Schmitz
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Re: Tagebuch Tour Hamburg - Abidjan Oktober 2008

Beitrag von Uwe Schmitz »

... was heisst hier : oktober 2008?
in 3 wochen sind die durch's halbe afrika gebraust!
hut ab vor der leistung! aber haben die was von der reise gehabt?

da hat das schreiben des threads ja fast mehr zeit in anspruch genommen als die ganze tour... :wink: , aber lesenswert ist es auf jeden fall !!!
danke schön für diesen ewig langen text
viele grüsse
uwe
Oliver der Alchimist
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Entwurf: Zeitungsartikel

Beitrag von Oliver der Alchimist »

:D Hallo Uwe, die Reise war ein Traum, gerade auch für meine drei Begleiter die das erste mal gefahren sind.
Als Anlage sende ich Dir meinen Entwurf für einen Zeitungsartikel in unserer Regionalzeitung. Ist übrigens in Teilen so veröffentlicht worden.
Gruß Oliver Franke :lol:


11.500 km, in drei Wochen, von
Hamburg nach Abidjan in der Elfenbeinküste:

Für die meisten Menschen ist es völlig Unrealistisch, eine solche Idee in die Tat um zu setzten. So eine Reise macht man am besten nur in seiner Fantasie.

Vor der Abfahrt haben wir viele Einwände gehört, hier nur die meist genannten:
-Die Strecke ist zu lang, für einen drei Wochen Urlaub. Das schafft Ihr nie.
-Sie ist viel zu Gefährlich. Überall lauern Diebe, Terroristen und wilde Tiere.
-Die Kiste werdet Ihr da unten nie los, die bricht Euch kurz hinter der Grenze zusammen.
-Die Unfallgefahr bei den Straßenzuständen und dem Verkehrschaos sind zu groß.
-Ihr fahrt in der Wüste, ohne Klimaanlage und wenn Ihr eine Panne habt, dann könntet Ihr verdursten.
-Eure Kostenplanung kann gar nicht stimmen. Ihr werdet zum Schluss nicht mal das Geld für die Rückflugtickets haben.
-Wer so etwas durchführt, der muss ein verrückter Abenteurer sein.
-Du willst mit dem eigenen Auto los. Dort kann man seinen Wagen, doch noch nicht mal Vollkasko versichern.

Die meisten Menschen in unserer westlich zivilisierten Welt, brauchen in allen Lebenslagen eine „Vollkaskoversicherung“. Wir müssen endlich wieder lernen, dass wir für unsere Ziele und Wünsche etwas riskieren und wenn wir dazu bereit sind, dann können unsere Träume Realität werden.

Wir vier haben etwas riskiert, sind aber keine verrückter Abenteurer. Unsere Reise war von langer Hand akribisch vorbereitet. Während der Fahrt wurde unser Team, bei der Aufgabenverteilung, immer eingespielter. Andreas und Andrzej hatten sämtliche Probleme, die wir auf der Tour mit dem Auto hatten voll im Griff. Mein Bruder Peter sicherte uns gegen alle medizinischen Probleme ab und außerdem spricht er am besten Französisch von uns allen. Ich konnte neben dem Organisatorischen Teil, vor allem meine Erfahrungen aus meinen früheren Afrikareisen mit einbringen.

Eine solche Fahrt kann man nicht in ein paar Zeilen schildern. Wir vier werden selber noch Wochen und Monate brauchen um all die Eindrücke zu verarbeiten. Doch eines ist sicher, die Fahrt hat jeden von uns verändert. Für mein Bruder und mich war die Reise unser eigener „Jakobsweg“. Gerne würde ich auch für eine längere Zeit in Afrika bleiben. Vielleicht bekomme ich ja ein Angebot, für eine Arbeit als Architekt in Afrika, dann würde ich diese Chance ergreifen.

Um die Erlebnisse der Fahrt zu verarbeiten, wollen mein Bruder und ich die Erfahrungen in einem persönlichen Bericht zusammenfassen. Vielleicht entsteht hieraus ja auch mal ein Buch. Überhaupt strömen einem die Ideen auf einer solchen Fahrt nur so zu. Wir wollen demnächst unsere Bilder allen interessierten in einer Lichtbildpräsentation öffentlich zeigen. Dafür filtern wir die besten Fotos aus den über 4.000 entstandenen Bildern heraus.

Unsere Reise führte uns durch sechs Afrikanische Länder. Marokko, Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Ghana und schließlich die Elfenbeinküste. Hiermit verband ich gefühlt und Räumlich die Lücke, der mir schon vorher bekannten Regionen. So sehr ich auch das Bedürfnis habe, jede einzelne Etappe dieser Reise detailliert zu beschreiben, in einem kurzen Zeitungsartikel ist dieses leider nicht möglich. So beschränke ich mich auf ein paar Höhepunkte und Erlebnisse, die ich den jeweiligen Ländern zuordne. Wer mehr hören und sehen will und vielleicht unseren Spuren folgen möchte, der sollte dann zu unserem Vortrag kommen.

Zu erst ging es in einer 20 Stunden Nonstop Fahrt direkt nach Barcelona und von dort mit der Fähre durch die stürmische Meerenge, die „Straße von Gibraltar“ hindurch, nach Tanger in Marokko.

Marokko:
Der Orient verzauberte uns vor allem in der Altstadt, der Medina von Fez und Marrakech mit seinen Menschen, den Basaren und den Gerüchen. In Erinnerung bleibt auch der Sonnenuntergang an der großen Mosche von Casablanca, die direkt am Atlantik liegt. Unvergesslich sind auch die über 1.000km lange Steilküste und die einsamen Strände von Tan Tan in Norden bis an die Mauretanische Grenze im Süden.

Mauretanien:
Die Fahrt durch die Wüste, bei Sonne und Regen entlang der Bahntrasse nach Atar war ein Traum. Wir spürten die Gefahr und die Weite und waren unendlich frei. In den Dünen von Chiguitti sprangen wir herum wie Kinder und die folgende Übernachtung in einem Beduinenzelt, bei der uns eine Wüstenblume Pfefferminztee aufgoss, war das romantische Highlight der Tour.

Mali:
Das fruchtbare Nigerdelta, war ein besonderes Kontrastprogramm nach der langen Wüstenfahrt. Jetzt waren wir in Schwarzafrika angekommen. Besonders zu erwähnen ist die Hafenstimmung von Mopti und die Felsenlandschaften des Dogonlandes an der Grenze zur Burkina Faso.

Burkina Faso:
Hier fühlte ich mich schon fast wieder zu Hause. Das vierte Mal war ich nun in Burkina, doch mit dem Auto hier anzukommen war spezielle für mich ein ganz besonderes Gefühl. Auch meine Mitstreiter spürten, dass dieses Land eine ganz besondere Atmosphäre hat. Hier erlebten wir die freundlichsten und offensten Menschen auf unserer Reise. In Ouaga der 3 Millionen Hauptstadt blieben wir drei Tage. Dort kenne ich fast jede Ecke und war so der perfekte Stadtführer für mein Team.

Ghana:
Bedrückend, aber auch spannend war die Fahrt mit dem Auto, durch das Gewühle der Menschenmassen, am zentralen Marktplatz von Kumasi, der einstigen Hauptstadt von Ghana. Beeindruckt und fasziniert waren wir bei der Ankunft in Cape Coast. Nach 5.000 km quer durch Westafrika waren wir wieder am Atlantik, der mit Palmen bewachsenen „Goldküste“. Das Glück begleitete uns auch hier. Die Fischer mit Ihren kleinen booten, brachten gerade ihren Fang an den Strand. Der pittoreske Anblick des mit Menschen und Booten überfüllten Strandes direkt unterhalb der alten Festung aus der englischen Kolonialzeit war ergreifend.

Elfenbeinküste:
Die Elfenbeinküste ist das reichste Land Westafrikas und die Hauptstadt Abidjan ist mit ihren ca. 3-6 Millionen Einwohnern das wirtschaftliche Zentrum. Neben den Slums, die es in jeder Afrikanischen Stadt gibt, findet man auch Wohnviertel, in denen man als Europäer, ohne große Einschränkungen nach westlichen Maßstäben leben kann. Die Küste mit Ihren Palmenstränden und Lagunen ist wunderschön und lädt zum baden ein. Leider sind viele Strände ungepflegt und daher mit Unrat verschmutzt, wenn hier ein Reinigungstrupp aufräumen würde, wäre es ein Paradies.

Nachwort:
Jedes Land auf unserer Reise, wäre einen eigenen Urlaub Wert gewesen. Für vieles haben wir uns zu wenig Zeit genommen. Alle vier wollen wir deshalb wieder nach Afrika gehen und die Eindrücke vertiefen. Doch auch das Tempo und die Vielfalt einer solchen Reise, haben ganz besondere Empfindungen in uns geweckt. Durch die fließenden Übergänge, zwischen den Ländern und den Kulturen, spürten wir auch die Verbundenheit zwischen den Menschen und Völkern Europas und Afrikas. Trotz unterschiedlichen Hautfarben und Religionen sind wir Teil eines ganzen, das man nicht trennen darf. Nur zusammen werden wir die Probleme der Welt lösen.
Gerhard Göttler
Beiträge: 1148
Registriert: Mi 14. Sep 2005, 12:36

Re: Tagebuch Tour Hamburg - Abidjan Oktober 2008

Beitrag von Gerhard Göttler »

Hallo Ihr Schnell- und Weitreisenden!

Interessieren würde mich die Stimmung und das Verhalten Euch gegenüber in Abidjan! Da hört man ja so manches ... Irgendwelche Feindseligkeiten verspürt?

Danke für Rückmeldung! Gerhard Göttler
Oliver der Alchimist
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Titel: Tagebuch Tour Hamburg - Abidjan Oktober 2008

Beitrag von Oliver der Alchimist »

Hallo Gerhard,
Die Menschen waren sehr freundlich. Wie in ganz Westafrika, vor allem die in Französisch sprechenden Ländern die sind lockerer und nicht so geschäftsmäßig drauf, wie die in den früheren englischen Kolonien.

Ein kleines Problem sind die vielen Polizei Kontrollen in und auch außerhalb der Stadt. Viele wollen ein kleines Geschenk. Entweder man zahlt ca. 2.000 CFA, dann kann man meist schnell passieren, oder wenn man Zeit hat fängt man an zu diskutieren. So wie bei uns haben die Polizisten Respekt, Sie sind ehrlich und für den Bürger da, wenn das immer noch nicht reicht, fragt am besten nach dem Namen und dem Dienstgrad, um den Vorfall zu melden, das reicht dann zu 99%. Im Übrigen ist es immer gut sich als Deutscher zu outen. Wenn Sie merken, das Du Deutscher bist, sind die Kontrollen gleich viel lockerer und die Polizisten viel höflicher, manche sogar richtig freundlich.

Reicht Dir die Info.
Tschüs Oliver
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