Roger-Tecumseh hat geschrieben:[... Es geht auch nicht darum, daß "Libyen eine Reise wert" ist.
Erstaunlich ist aber die Art und Weise, wie völlig überraschend, ja rücksichtslos, diese Verfügung praktiziert wird. Das widerspricht sehr brutal allen internationalen diplomatischen Gepflogenheiten. Dies um so mehr, als westliche "Öffnung und Absolution" verbunden mit libyschem Honeymoon eher auf weitere Erleichterungen deuteten und gegenwärtig enorme libysche Touristen-Projekte verhandelt werden. Wer also hier nur eine bürokratische Maßnahme sieht, demonstriert - für mein Verständnis - eine ausgeprägte Naivität (die ich ihm natürlich nicht nehmen will

). Politik aber dort zu sehen, wo sie wirksam ist, hat ganz sicher nichts mit "Panik-Mache" zu tun. Ich halte eher die Verwendung solcher Vokabeln für panisch.)
Ich weiss nicht, wie geschickt es ist, in einem halb öffentlichen Reise-Forum die von den Libyschen Behörden wieder eingeführte Pflicht zur Passübersetzung in einer politischen Perspektive zu diskutieren. Es steht jedem frei, auf Reisen in dieses Land zu verzichten, wenn er mit den Einreisevorschriften, einem plötzlichen Dieselmangel, einer unerwartet langen Dauer bei der Ausfertigung des Dreieckstempels oder anderen Gepflogenheiten von Libyen nicht einverstanden ist und nicht damit leben kann. Solange Reisenden keine Meschenrechtsverletzungen widerfahren und an Leib und Leben gefährdet sind, sollten wir auf politische Kommentare dieser Art m.E. verzichten. Wer eine Beziehung zu diesem Land hat, verfügt eh über viele Informationsquellen und wird sich auch mit der politischen Entwicklung dieses Landes differenziert auseinandersetzen.
Ausserdem: Als Reisender wurde ich bisher auf all meinen Libyenreisen von Behördenvertretern (Grenze, Dreiecksstempel-Büro, Check-Points, Militär) immer sehr respektvoll und höflich behandelt. Bei unserer letzten Reise hatten wir bei einem Fahrzeug einen schweren Getriebeschaden. Auf einem Polizeigelände konnten wir nächtigen und versuchen, den Schaden zu beheben. Innerhalb von drei (!) Stunden wurden uns Ersatzteile organisiert. Da der Getriebeschaden nicht behoben werden konnte, wurde das Fahrzeug innerhalb 24h von einem libyschen Tieflader abgeholt und bis nach Tunis (!) zum Hafen gefahren. Mag sein, dass ich naiv bin, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Libyer in unserem Land die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erfahren würde, wie ich sie in Libyen kennen gelernt habe. Mögen internationale diplomatische Gepflogenheiten meinetwegen fehlen: Was ich persönlich in diesem Land als Gast erlebt habe, war bisher immer korrekt und ich wäre stolz, wenn mein Land ausländischen Gästen gegenüber ebenso aufgeschlossen wäre. Komplizierte Einreisevorschriften sind für mich sicher als allerletzte, was mich davon abhalten würde, dieses Land wieder zu besuchen.