Libyen / Touareg

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Gerhard Göttler
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von Gerhard Göttler »

Hi Kuno,

sag ichs doch - endloses Thema! Doch, ich denke schon, es gibt bestimmte Elemente, warum man die Tuareg als "edel" (dafür brauchts dann gleich wieder eine Definition) bzw. ihre Zivilisation als "überlegen" betrachten kann. Soll ich jetzt davon anfangen? Ich nenne nur mal zwei Aspekte (es gibt viele andere), die von den Tuareg stets betont und von ihren Nachbarn (vor allem im Süden) auch entsprechend anerkannt werden: Sie essen statt mit der Hand mit Löffeln; sie verfügen über eine eigene Schrift. Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob das gleichbedeutend ist mit "überlegen sein", aber Tatsache ist halt schon, dass die Leute das so sehen! Und ich kann nur wiederholen, dass z.B. die Songhai, die Haussa usw. diese Überlegenheit auch weitgehend anerkennen - was heute dennoch nicht gleichbedeutend damit ist, über die anderen bestimmten zu können. Mir wäre es dennoch nicht unlieb, dieses Thema wieder zu den Akten legen zu können. Warum? Weil es immer Wertungen erfordert - und wie will man objektiv eine Kultur bewerten?

Die Felsbilder älteren Datums, nicht die von vorgestern, wurden ganz klar nicht von den Tuareg geschaffen. Aber dass hier die Vorfahren der heutigen Fulbe, insbesondere der Wodaabe, am Werk waren, erscheint mir ganz eindeutig. Hampate Ba weiß da als Fulbe natürlich sehr viel mehr als ich, aber aus meiner Sicht drängt sich dies Autorenschaft geradezu auf - wobei man betonen muss, dass es dabei vor allem um Malereien geht und die auch nur aus ganz bestimmten Regionen; bei den Gravuren sieht es wieder etwas anders aus.

Ursula, mit der Literatur zu diesen Frühzeiten bin ich nicht so firm; hab mich jeweils auch nur auf die Sekundärliteratur beschränkt (wer liest schon Herodot in einer Gesamtausgabe?). Und irgendwie ist mir das immer alles zu spekulativ, als dass es mein echtes Interesse hätte wecken können. Im Detail finde ich dann vieles sehr spannend, etwa die oben beschriebenen Parallelen in den Felsbildern zu den Wodaabe. Oder (ich wurde da durch Dein Beispiel der (Schrift)zeichen auf Potery daran erinnert) die Verzierungen auf Topfscherben, die in Assodé (Air-Bergland)zu finden sind.

Sagt mal, seid Ihr denn alle in Rente, dass Ihr Euch so viel Zeit für diese Themen nehmen könnt? Wenn - dann beneide ich Euch drum!

Der Gerhard
PeterM
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von PeterM »

Abgesehen vom Begriff "edel", den ich bei Völkern per se für ungeeignet halte - die Touareg haben schon auch selbst Handel betrieben und selbst Karawanen organisiert, "Wegzoll" für Fremde ist in der europäischen Geschichte auch nicht ganz unbekannt und das durchaus komplexe verhältnis zwischen voneinander auch gegenseitig abhängigen Gruppen - ich würde "Kastensystem" dazusagen - unter dem Begriff Sklaverei abhandeln... bitte etwas differenzierter.

Grüsse,
Peter

P.S. Wenn wir schon bei Literaturtipps sind:

Jeremy Keenan, The Tuareg: People of Ahaggar
Publisher: Sickle Moon Books (January 2003)
ISBN-10: 1900209144
ISBN-13: 978-1900209144
Roger-Tecumseh
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von Roger-Tecumseh »

Gerhard Göttler hat geschrieben: Sagt mal, seid Ihr denn alle in Rente, dass Ihr Euch so viel Zeit für diese Themen nehmen könnt? Wenn - dann beneide ich Euch drum! Der Gerhard

Zumindest bei diesem Thema gehören Deine Beiträge zu den längsten. Die Rentengeschichte wirst Du dann wohl gut im Griff haben! :D

(Es soll übrigens auch Leute geben, die schon vor dem Rentenalter viel herumgekommen sind und ab und an Interesse für den Ort entwickelten, an dem sie sich aufhielten. Dabei könnte es vorgekommen sein, daß diese fremdartigen Wesen an alles mögliche dachten, nur leider nicht an ihre späteren Rentenansprüche. :) )
Kuno
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von Kuno »

Vergiss doch die Rente - man hat sein Geld in Bankaktien angelegt :evil:
Roger-Tecumseh
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von Roger-Tecumseh »

Kuno hat geschrieben:Vergiss doch die Rente - man hat sein Geld in Bankaktien angelegt :evil:

Ein Beweis dafür, daß Du es nicht wirklich brauchst............








jedenfalls nicht jetzt! :lol:


(Keine Panik - alles wird wieder gut! Du bist doch wahrscheinlich noch jung - odrr? :evil:)
Kuno
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von Kuno »

Was ist jung? Ist man denn alt, wenn man merkt, dass die Rente nicht reicht?
Roger-Tecumseh
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von Roger-Tecumseh »

Kuno hat geschrieben:Was ist jung? Ist man denn alt, wenn man merkt, dass die Rente nicht reicht?


Man ist vielleicht alt, wenn man schon in jungen Jahren an die Rente denkt!
:wink:


(Aber ich meinte eigentlich - zugegeben etwas hintergründig: Wer jetzt in Aktien angelegt hatte, muß wahrscheinlich ein wenig warten, bis der Markt wieder dauerhaft "bullisch" wird. Und da hilft es schon, wenn man die Wartezeit überleben kann, weil man noch jung ist! :D )
Gerhard Göttler
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von Gerhard Göttler »

Hallo PeterM!

Bin noch eine Antwort schuldig!

Der Begriff "edel" war hier von Beginn an in Anführungsstrichen gesetzt, eben weil er nicht passt. War von Kuno auch eher ironisch gemeint, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Ich hatte aber versucht etwas deutlich zu machen, warum auch heute noch die Tuareg sich selbst und ihre Nachbarn sie als die mit der höherstehenden Zivilisation sehen. Wenn sich Dir ein bislang Unbekannter als "von Habsburg" vorstellt, bemühst Du Dich ihm gegenüber vielleicht auch um eine noch gepflegtere Ausdrucksweise, um noch besseres Verhalten, auch wenn der Adel in Österreich schon 1919 abgeschafft wurde. So ähnlich geht es den Tuareg z.B. im Niger, wenn sie erfahren, dass ein Gesprächspartner ein Kel Nan ist. Und die Wodaabe z.B. sind seit Jahren dabei, die Attribute der Tuareg für sich zu übernehmen: Die bis in die Siebziger Jahre hinein durchweg üblichen Lederdurchziehschurze wurden zu Gunsten der Tuareg-Hosen aufgegeben, wenn ich ein besonders schönes Tuareg-Schwert erwerben will/muss, suche ich ein solches bei Wodaabe. Die Durchziehschurze übrigens sind auf vielen Felsbildern sehr gut und bis in die Details zu erkennen. Und noch eine Geschichte: Auf einer Reise waren mir riesige Lederzelte im Rand eines Dorfes bei Boré/Mali aufgefallen, wahre Hallen; eine Gruppe Schijuchan war in der Dürre aus der Region w von Timbuktu hierher geflüchtet und ließ sich von den Dorfbewohnern durchfüttern; diese hielten das für völlig normal, waren diese adligen Tuareg doch früher ihre Herren gewesen und deshalb sie denselben bis zum heutigen Tag auf eine gewisse Weise tributpflichtig. (Geschichte Fortsetzung: Ein solches Zelt musste ich haben! Kauft sich natürlich nicht so einfach, a) brauchten die Leute einen Ersatz, b) hatte ich nicht genug Bares bei mir. Verabredung auf eine kommende Reise. Ich wieder dort nach Boré, die Schijuchan waren weitergezogen, ließen sich von einem anderen Dorf durchfüttern, etwa 30 km entfernt. Leider hatten sie meinen Zusagen misstraut, Ersatz war nicht vorhanden, ich zog erneut erfolglos ab, wieder Verabredung auf kommende Reise. Beim dritten Anlauf wars etwas schwieriger, weil sie jetzt in eine andere Region umgezogen waren und nicht so rasch zu finden waren, die Leute nicht genau sagen konnten, wohin sie gezogen waren, es war etliche Zeit mehr ins Land gegangen. Schlussendlich fand ich sie doch, wieder bei einem Dorf - und wieder war es völlig normal, dass sie verpflegt wurden. Jetzt konnte ich das Zelt mit vollständigem Inventar erwerben. Schwieriger Transport nach Niamey, die Grenze ...! Sehr schwierige Luftfracht, waren doch die Firststangen über 5 m lang! Wer half? Die Bundeswehr! Die hatte damals noch eine Einheit in Niamey stationiert, auch wenn das kurz zuvor nach einer Anfrage im Bundestag geleugnet wurde. Die wurden per Transportflugzeug versorgt und im leer zurückfliegenden Flugzeug konnte man Frachtraum nach Köln/Wahn/militärischer Teil erwerben. Amerikaner in Mali heute? Die Bundeswehr war früher da! Das Zelt ist heute übrigens Eigentum des Staatl. Museums für Völkerkunde in München.)

Kaste: Der Begriff wird vor allem für Indien verwendet. Natürlich gibt es Ähnlichkeiten bei den Tuareg, aber ich denke, man sollte den Begriff hier nicht verwenden. War mal auf einem universitären Vortrag von Bernhard Gard (Sohn von René Gardi), Thema war sein damaliges Spezialgebiet Mopti. In der Diskussion wurde heftig darum gestritten, ob der Begriff "Kaste" in Afrika angebracht sei, zu sehr seien die Konzepte auf Indien zugeschnitten. Und nicht wenige Autoren lehnen den Kastenbegriff außerhalb des indischen Subkontinentes ganz ab (siehe z.B. Gardi: Ein Markt wie Mopti, S. 91 ff und den hier grundlegend diskutierten Kastenbegriff).

Klar haben Tuareg Karawanen organisiert und organisieren sie noch heute. Aber gerade die Besseren unter ihnen, sprich die adligen Gruppen, haben sich für derlei harte Arbeit nie hergegeben! Eine Karawane plündern ja, eine durchführen - pfui deibel, das überlässt man den niedrigrangigen Malochern.

Und wenn wir schon bei Literatur sind:
Gerhard Göttler: Die Tuareg - Kulturelle Einheit und regionale Vielfalt eines Hirtenvolkes. DuMont/Köln 1989, ISBN 3-7701-1714-X. Leider seit langem vergriffen, aber in manchen Bibliotheken auszuleihen.

Ein schönes Wochenende und nette Literatur wünscht

der Gerhard
ursula
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Libyer Berber Libu-Berber Luwata

Beitrag von ursula »

1989 :shock: unterdessen sind ein paar Jahre vergangen und man kann neue An und Einsichten nachlesen

"The origin and meaning of the name Twareg has long been debated with various etymologies advanced, although it would appear that Twārəg is derived from the "broken plural" of Tārgi, an Arabic name whose former meaning was "inhabitant of Targa" (the Tuareg name of the Libyan region commonly known as Fezzan. Targa in Berber means "(drainage) channel", see Alojali et al. 2003: 656, s.v. "Targa").

A misinterpretation of Twārəg as a name connected with the Arabic root ṬRQ made up a false etymology "abandoned (by God)", which has no real linguistic support and is sometimes quoted by those who want to defame this ethnic group."

Übrigens: wie sich die Garamanten selbst nannten, weiss man nicht. Diese Bezeichnung stammt von den Griechen.

Grüsse
Ursula

http://amazighroots.blogspot.com/2007/0 ... ology.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Libyer
Gerhard Göttler
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von Gerhard Göttler »

Hallo Ursula,

na, neu ist das auch nicht. Das steht doch bei mir auch schon 1989 drin, Seite 12. Etwas knapper als bei Alojali. Aber immerhin. Geht das nicht auf Lhote zurück? Ehrlich gesagt weiß ich das gerade nicht mehr ...

Ein schönes Wochenende und goldene Oktobertage Dir!

Der Gerhard
ursula
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Libyen - die Fezzani 1000 Jahre vor und 1000 nach Chr

Beitrag von ursula »

Gerhard, was auf Seite 12 steht, hat nicht viel mit meinem Zitat gemein. Liegts an deinen Englischkenntnissen :wink:
Nicht wegen "Tuareg = Fezzani" (alt) oder "Targa ungleich Verlassenen" (neu) habe ich Alojali zitiert, sondern wegen
"Targa = Kanal"! DAS ist die brisante Neuigkeit!

Wenn die Araber den Bewohnern im Fezzan den Namen Tuareg gegeben haben, Targa auch noch "Kanalbauer"
bedeuten soll und damals nur die Garamanten solche in grosser Anzahl gebaut haben (bauen LIESSEN von Sklaven,
die machten sich die Hände nicht selbst schmutzig nach Herodot) lässt das doch neue Schlüsse zu.

Die Ruinen von Zitadelle und Schloss Aghram Nadharif 1 und 2 südlich von Barkat, sowie Fehwet und der grosse
Felsen auf dem Pass Irlarlaren, welcher über und über mit Schriftzeichen graviert ist, werden seit ein paar Jahren
von Mori und Nachfolger auch den Garamanten zugeordnet.

zum letzten Mal zu diesem Thema
grüsst herbstgoldbunt
Ursula

PS weder halte ich die Tuareg für edler, noch die Garamanten für geheimnisvoller als andere Völker
Gerhard Göttler
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von Gerhard Göttler »

Gut, Ursula,

meinetwegen auch gerne Schluss damit. Aber dieses TARGA = Kanal ist ja eher noch umstrittener als die anderen Mutmaßungen.

Ob Du oder ich die Tuareg für edler halten, war m.E. auch nicht Frage; ob sie selbst sich dafür halten und ihre Umgebung - so sah ich das. Auffallend in der gesamten Menscheitsgeschichte: Viele Eigenbezeichnungen von Gruppen sind ja einfach nur "Freie" oder - fast noch schlichter - "Menschen". Halten sich halt viele für das auserwählte Volk!

Der Gerhard
Alexander
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von Alexander »

Das Alphabet der Tuareg:

Alphabet

Grüsse
Alexander
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philipp aka fipsicola
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Re: Libyen / Touareg

Beitrag von philipp aka fipsicola »

hallo alexander,
wo wir beim hebräischen gelandet wären...
alef (also a), bet (b )
alef bet->
alphabet
grüße philipp
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