Hallo Ana,
das Problem im Libanon ist, dass niemand weiß, wann etwas und was passiert. Das wissen auch die Libanesen nicht, wie der Sommerkrieg 2006 zwischen Israel und Hizbullah gezeigt hat, der tausende von in Europa arbeitenden Libanesen im Heimaturlaub erwischte. Das libanesische Mantra "Problem? Which problem?" macht das nicht besser ...
Grundsätzlich gilt, dass die Reisehinweise des AA für den Libanon sinnvoll sind
WüSchi-Thread zu Reisehinweisen Libanon. Darin heißt es u.a.
Mit Nachdruck gewarnt wird vor Reisen in die palästinensischen Flüchtlingslager Nahr al-Bared und Beddawi bei Tripoli / Trablus im Nordlibanon, in die Flüchtlingslager Ain al-Helweh und Mieh Mieh bei Sidon / Saida.
Dringend abgeraten wird von Reisen in den Nordlibanon (Stadt und Kreis Tripoli, Bezirke Akkar und Diniyye), in die gesamte Bekaa-Ebene sowie in die Gebiete südlich des Litani (mit Ausnahme der Stadt Tyros / Sur) und in das Grenzgebiet zu Israel.
In Deinem Fall gilt das also vor allem für Tripoli und Umgebung sowie die Provinz Akkar.
Die Stadt Tripoli hat häufig Auseinandersetzungen zwischen zwei ethnisch und politisch verfeindeten Stadtvierteln, die urplötzlich aufflammen können. Hier ist große Vorsicht angesagt, auch wenn beispielsweise die Zitadelle offiziell immer noch besuchbar ist.
In Beirut sollten die südlichen Stadtbezirke nur bei guten Ortskenntnissen oder in Begleitung besucht werden. Die Zufahrt zum Flughafen wurde durch Protestierende in den vergangenen Monaten mehrfach kurzfristig und kurzzeitig blockiert.
Insgesamt jedoch war die Situation bei meinem letzten Besuch im Februar OK. Da war allerdings auch der Ministerpräsident Mikati noch im Amt. Die Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zu Syrien, die der SZ-Bericht erwähnt, gab es auch damals schon, die Spannungen waren erheblich, hatten aber keine Auswirkungen auf Beirut. Bislang haben alle politischen Gruppen einschließlich der Hizbullah ein großes Interesse daran, dass der Konflikt in Syrien nicht auf den Libanon überschwappt. Es gibt eine 2012 vereinbarte offizielle Politik, sich nicht in den Konflikt hineinziehen zu lassen. Nur weiß eben niemand, ob nicht irgendwo doch ein "Trigger", ein Auslöser, lauert, der die latenten Spannungen zur Explosion bringt.
Also kurz gesagt: Eine Reise in den Libanon ist möglich, den Norden würde ich allerdings nur in kundiger, am besten - in Deinem Fall - verwandtschaftlicher Begleitung unternehmen.
Gute Reise
Achim