Der neunte Tag
Langsam wird mir bewusst, dass mein Abenteuer sich dem Ende neigt. Jeder Schritt, jede Anstrengung hatte sich bisher gelohnt. Wenn es nach mir ginge, könnte ich noch ewig weiterlaufen. Ich denke schon an meine Rückkehr, an meine nächste Reise. Ich muss bald wieder hier raus, bald…
Da meine Wanderung kürzer ausgefallen war als geplant, hatte ich noch genügend Lebensmittel übrig. Auch Wasser hatte ich vom Bir Russia mehr als ausreichend mitgenommen, just in case. Ich möchte das Unvermeidliche so lange herauszögern, wie es nur irgendwie geht und beschließe noch einen kleinen Umweg in Richtung libyscher Grenze zu laufen. Eine meiner nächsten Touren sollte mich dorthin führen. Eine gute Gelegenheit schon mal die Beschaffenheit des Geländers zu sondieren.
Wie jeden Morgen brach ich mein Lager um 05:30 Uhr ab. Die Sonne suchte noch ihren Weg über den Horizont. In einer Rechtskurve umgehe ich eine Düne und stoße auf etwas, was wie ein ausgetrockneter See mit einer Düne in der Mitte aussieht.
Das Ufer ist von Ablagerungen eingesäumt und je weiter man sich von dem Ufer entfernt, umso tiefer wird die kleine Ebene. Für mich erschließt sich nicht, ob es sich tatsächlich um den Rest eines Sees handelt und wenn ja, wann dieser entstanden sein könnte.
Je weiter die Sonne über den Horizont steigt, umso intensiver werden die Farben. Irgendwann steht die Sonne so hoch, dass ihr Licht über die Farben dominiert und sie verblassen lässt.
Harte, rissige Kalkplatten werden von Dünen eingerahmt. Die Risse in den Platten erinnern mich an den Song von Pink Floyd "Another Brick in the Wall"…
Wenn immer der Sand zu weich wird, werde ich vor besonderen Anforderungen gestellt. Nicht nur, dass ich mein ganzes Gewicht in die Riemen legen muss. Meine Wüstenkarre versucht ihren eigenen Weg zu gehen. Sie will links, ich will rechts. Wie kann diese Karre nur so stur sein. Wir sind aufeinander angewiesen und sollten uns schon darüber einig sein, wo wir hin wollen.
Steine, die von Wind, Sand und Wetter poliert und geformt wurden. Teilweise geht es über sehr scharfkantige Steinfelder und ich befürchte, dass die Reifen meines Wüstenwagens in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Ich versuche den spitzen Steinen auszuweichen und versuche so vorsichtig wie möglich meinen Weg zu wählen. Meine Befürchtungen allerdings unbegründet. Die Reifen sind stabil genug und der niedrige Reifendruck federt die Unebenheiten sehr gut ab.
Fortsetzung folgt