15916-57-13-26-01 und ein Motor...

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Chrigu
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

Der 15. Tag im Alleingang. Der 24. Dezember

Nach einem wundervollen Frühstück in der Herberge, buche ich einen Führer. Sidi nennt er sich.

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Sidi ist ein interessanter Mensch. Er kommt mit weniger als einem Liter Flüssigkeit im Tag aus. Im Hochsommer vielleicht 1,5l. Er mag den Tee nicht, hat äusserlich einen Asiatischen Einschlag, ist aber 100% Maure.

Ja, jeder ist ansich ein Führer, jeder kann einem irgendwas in der näheren Umgebung zeigen.
Der Mann ist enorm ruhig. Es scheint, als könne ihn nichts aus der Fassung bringen. Es geht schon in Richtung emotionslos.
Wenn er doch einmal kurz Lächeln sollte, buche ich es als unkontrollierten, emotionalen Gemütsausbruch ab.
Durch seine Sachlichkeit wirkt er kompetent.

Heute möchte ich ins Auge von Afrika. Dieses Auge wird von Astronauten gerne zur Orientierung benutzt, weil es mit seinen 40km Durchmesser vom Weltall aus lokalisierbar ist.

Einmal im Zentrum dieses "Kraters" erkennt man die Rundungen nicht mehr. Im Flugzeug vielleicht?


Nun ja, wir sind ja noch gar nicht da...
Er kennt alle Weichsandstellen und weist mir kommentarlos die Richtung. Er spricht gebrochen Französisch. Berndeutsch kann er nicht mal das typische "Chuchichäschtli" aussprechen. Aber er ist nett.

Zwei, drei Weichsandauffahrten überwinden wir relativ leicht. Einsanden ist nicht nötig, findet er.

Hier und da gibt es Nomadenfamilien, die diverse "Geschenke" zum Verkauf anbieten.

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Auf dem Weg weiter ins Zentrum gibts fast nur Sand und selten auch Schotterpiste.

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Auch hier, diese intelligenten Wüstenbewohner

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Direkt im Zentrum ist die Ernüchterung da. Unspektakulär. Sieht es doch auf Satellitenbildern so grossartig aus.

Die Landschaft ist schön, jedoch muss man dafür nicht in den Krater fahren.

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Auf der Rückfahrt will Sidi noch zu einer Nomadenfamilie auf ein Tee. Tee = Irgendetwas verhandeln.
Frauen sind sehr harte Verhandlungspartner und ich lasse mich nicht "übers Nest ab ziehen".
Während den Verhandlungen schaut mich ein kleiner Junge ganz keck an. Ich kann das noch nicht einordnen. Wie es sich gehört, zieht man die Schuhe aus, bevor man ein Zelt betritt. Die Schuhe bleiben draussen.
Nun ja, wir einigen uns preislich für ein par Gefässe aus Stein.

Als ich nun wieder aus dem Zelt will, schaut der Junge mich wieder gewunderig an. Was ich wohl zum Käfer sage, den er mir in die Schuhe gesteckt hat? Ich grinse ihn frech an und schütte die Schuhe aus. Ein Grinsen kommt zurück...

Rückfahrt durch die schöne Landschaft, östlich von Ouadane

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Sidi bietet sich an, mir noch Brot, Mandarinen und Diesel zu finden. Orangen gibt es keine.
Also nochmal hoch in die Stadt...
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Chrigu
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

An der Tankstelle gibts tatsächlich Diesel...

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Es werden Kanister hinausgetragen und ich kann immer 20l-weise kaufen. Der Preis ist eher tief (325Oug/l). Also müsste der Sprit wieder etwas gestreckt sein. Wortlos ergänze ich mit 2T Öl. Die Leute drum herum nicken mir verständnisvoll zu.

ein Motor liegt noch am Boden, als würde er niemals wieder funktionieren.
Abfall.

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Mit diesem Landrover sieht es schon etwas anders aus. Er wird bewegt. Kürzlich hat er sogar eine neue Lackierung erhalten.

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Ich stelle Sidi wieder zurück in die Herberge und verabschiede mich von der ganzen Belegschaft.
Sie sind mir einfach schon etwas ans Herz gewachsen. Ich bezahle gerne meine verursachten Futterkosten und einen Anteil an die Übernachtung im sicheren Hof der Herberge.

Weitere Sandfelder warten auf mich. Heute soll es mich noch böse erwischen...
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Chrigu
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

Ich setze mich gut erholt und mit allem nötigen Proviant Richtung Südwesten ab. So wie der Brigadekommandant es mir empfohlen hat.

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Minidünen erschweren das zügige Fahren und bringen meine Nerven sehr schnell blank. Ich hätte es nicht gedacht, dass ich mich ab solchen schönen, kleinen Dünen so aufregen kann. Hat doch der Tag so gut begonnen. Weil ich dann einfach hier und da etwas schnell drauf los fahre, schlägt auch mal die Feder durch.

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Chrigu, mach den Karren nicht kaputt!!! :evil: muss ich mir immer wieder sagen.
Ich kann die Richtung nicht ändern, Wenn ich gegen Westen fahren würde, hätte ich die Dünen längs und müsste sie nicht quer überfahren. Jedoch finde ich weder eine Piste, noch Spuren. Ich fahre "quer Feld ein".

Keinem Auto begegne ich. Alles ruhig, keine Nomaden, keine Oase. Keine Kamele, keine Esel. Einfach nur Sand und Grasbüschel, die wiederum kleine Privatdünen um sich scharen.
Muss das sein? Ich will da durch, fertig!

Der Sand ist schwierig zu fahren. Gerade noch hab ich gedacht, ich könne nun etwas Sand fahren. Nein, ich kann es nicht.
Ich bin noch nicht fähig, diese Art von Dünen zu lesen. Oft sinke ich urplötzlich an Stellen ein, wo meiner Meinung nach einfach hart sein sollten, rein von der Oberflächenstrucktur und Sandfarbe her.

Meist reicht zackig Runterschalten und volle Dose rechtes Pedal runter. Dann gehts.

Um dies der Nachwelt zu zeigen, montiere ich die Kamera auf das Stativ, als ich erstmal wieder steckenbleibe




Selbst der starke 4,2 Liter Turbodiesel muss hart arbeiten.
Ich gebe dem Motor etwas Drehzahl. Die Kupplung schnell loslassend, zeitgleich das Gas voll runterdrückend, geht die Kraft nun durch das Getriebe. Schockiert von dem Gewaltakt gibt die Welle die Kraft ans Verteilergetriebe weiter. Schon überträgt es die Kraft auf die Kardanwelle. Das vordere Kreuzgelenk flucht laut ächzend in die Leere. Hört es ja doch niemand. Der Motorensound übertönt alles, der Turbo baut Ladedruck auf... Noch dreht sich das Rad nicht...
Das hintere Kreuzgelenk gibt die Kraft unwillig an das Kegelrad weiter. Das Tellerrad beginnt sich zu bewegen.
Wo soll die Kraft nun hin? Die Differentialsperre verteilt die Kraft ausgleichend auf beide Antriebswellen.
Die fast Armdicken Stahltrosse bringen die 33er im Nu in Bewegung. Noch bewegt sich der Wagen nicht horizontal. Leider aber vertikal. Was nun?

Kraftschluss trennen. ein Krachen geht durch den Antriebsstrang...

Ich sitze fest. Auf dem Rahmen liegt der Patrol auf.

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Das ist nun meine Arbeitsstelle...

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Durch den starken Wind, bläst es mir einerseits die Augen voll Sand, andererseits hilft der Wind mit, mir die gerade ausgegrabenen Löcher wieder zu füllen. Und da kann man zuschauen. Ja, das geht sehr schnell. Nun kommt doch langsam ein Angst-Wut Syndrom auf. Wenn ich mich derart anstrengen muss, um die 3t wieder fahrbar zu machen, steigt mein Wasserverbrauch ungemein. Habe ich gut kalkulliert? Reicht mein Wasser aus?

Der Tag ist nicht zu Ende. Nicht nur einmal grabe ich meinen Patrol aus. Ich muss weiter fahren können. Resignieren kann das Ende bedeuten. So darf man aber nicht denken, wenn man alleine unterwegs ist.


Enorme Entschädigung erhalte ich ein wenig später, als ich dieses Sandfeld etwas besser kennen lerne.
Ist es nicht wunderbar? Sofort ist die ganze Wut über mich selber verflogen.

Ich kann den Moment in vollen Zügen geniessen. Hier lerne ich mich noch ein Stück besser kennen.

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Chrigu
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

So. Nun habe ich mich am Weihnachtsabend das erste Mal seit 28 Tagen in der Wüste eingegraben.
Das erste Mal habe ich heute die Schaufel nicht nur zum nivellieren des Autos für die Nacht gebraucht - und gleich mehrmals eingegraben.

Einen wunderschönen Nachtplatz finde ich bei der schönsten Akazie in der Gegend.
Gezielt richte ich auch hier mein Fahrzeug gegen Osten aus. So sehe ich am Abend den Orion am besten. Zudem kann ich den Sonnenaufgang vom Bett aus geniessen. Wenn ich in Gruppen reise, stehe ich meist vor Sonnenaufgang auf. Hier ist es jedoch sehr kalt, so dass ich den Tag etwas später starten werde.

In der Umgebung meines Nachtplatzes gibts verhältnissmässig viel Grünes.

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Vermutlich ist das eine Moschee.

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Der geneigte Leser bemerkt, dass in den früheren Morgenstunden und gegen Abend, kurz vor Sonnenuntergang die besseren Fotos entstehen. Diese will ich euch doch auch zeigen:

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Der wirklich perfekte Schlafplatz. Ein Kamel besucht mich, ergreift dann aber bald die Flucht.
Auf einer Düne sichte ich einen Nomaden. Er verschwindet sofort wieder.

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Eine Schafherde zieht an mir vorbei...
Die Sonne sinkt dem Horizont entgegen und fällt schlussendlich wie ein Stein in den nur noch lauwarmen Wüstensand...

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Der Wind lässt nach. Es wird eine ruhige Nacht, den Sternen gehört heute Abend meine Aufmerksamkeit. Der Motor gibt noch immer Wärme ab, so ist die Motorhaube der perfekte Liegeplatz.
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Chrigu
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

Der offizielle Weihnachtstag, der 25. Dezember, wohl einer der schönsten, den ich je erlebt habe.
Gänzlich ohne Geschenkschlachten. Meine liebe Familie lasse ich Zuhause zurück, sie sind in Gedanken bei mir und ich bin bei ihnen.
Auch wenn einige Tausend Kilometer zwischen uns liegen.

Ein, zwei Mal drehe ich mich auf meinem komfortablen Bett noch um schaue durch die Frontscheibe. Die Sonne geht auf - wie wunderbar. Eine willkommene Erwärmung! Es hat auf etwa 5°C abgekühlt.

Wieder einmal etwas intensivere Körperpflege...

Auf einmal macht sich ein orange gekleideter Nomade bemerkbar. Er nähert sich diskret meinem Auto. Noch stehe ich ohne Shirt an der Sonne und geniesse die letzten Löffel meines Müslis.

Geschwind was angezogen und er steht schon da. Er spricht kein einziges Wort Französisch, hat aber ständig ein äusserst herzliches Lächeln auf dem Gesicht. Selten ein derart sonniges Gemüt gesehen in Afrika!

Er lädt mich auf einen Tee ein. Zuerst behagt mir die Idee noch nicht so recht, ich bin noch absolut nicht startklar, dann gibts sicher wieder tolle Angebote und sein Zelt ist auch nicht gleich ums Eck. Das ist der Punkt, die Distanz! Er ist offenbar etwa einen Kilometer durch den Sand gestapft, um mich zum Tee einzuladen. Wo gibts denn sowas? Einmal ablehnen und dann dankend zusagen. So ists recht und anständig, der Gewinn ist auf seiner Seite, schliesslich kann er mich davon überzeugen, mit ihm zu sich nach Hause zu kommen.

Ich lade also das Material ein, biete ihm einen gepolsterten Platz im Auto an und fahre nach seinen Anweisungen zum Zelt.
Er zieht die Schuhe aus und steigt in ein Auto ein, dass genaus verstaubt ist, wie die Natur rundherum.
Jedoch respektiert er in dieser Form mein rollendes Zuhause.

Hier werde ich sehr herzlich empfangen und mit Händedruck (Erstaunlicherweise auch von den Frauen) mehrmals willkommen geheissen. So interpretiere ich es jedenfalls. Die Kommunikation beschränkt sich weiterhin auf Hände und Füsse oder ein par ganz wenige arabische Worte.

Zum Tee hole ich dann was zum knabbern. Sie mögen die Cailler Nussschokolade wohl auch so gerne wie ich, die Erndüsschen sind alle sofort vertilgt. Der Junge will sie gar mit der Schale essen... :wink:

Ich sehe, dass ihre Teedose nichtmal mehr halb voll ist. Dem kann ich abhelfen. Mit meinem 1. Qualitätstee aus der Westsahara fülle ich die Dose wieder auf. Die Freude ist riesig.
Ich kriege ein schönes, selber gemachtes Armband als Geschenk! Kein Preis wird gefordert. "Cadeau" können sie aussprechen...

Sie wollen, dass ich ein Foto von der Familie mache...
Hier hat er aber nichts zu Lachen. Doch ist ihm diese Spiegelreflex wohl etwas suspekt. Als die Sache aber vorbei ist, lacht er schon wieder.

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Ich kaufe ihnen schlussendlich noch zwei, drei schöne Dinge ab, zu einem für sie durchaus fairen Preis.
Von Pfeilspitzen, über Steinschalen bis zu weiteren Armbändern haben sie einiges auf Lager. Jedoch kein wie sonst fast immer präsenter "Kaufzwang".
Es artet fast in einem Tauschhandel aus. Den Pfirsichnektar nehmen sie gerne an.

Er deutet auf eine Ziege, die er für uns alle schlachten und dann zum Mahl bereiten möchte. Dies lehne ich jedoch ab. Die starke Kamelmilch, trinkbar gemacht mit genug Zucker, reicht mir doch vorerst. Das arme Tierchen darf doch noch eine Weile weiterleben.

Ich bin überwältigt von der Gastfreundschaft! Hut ab!

Nach 10min einseitiger Kommunikation, verstehe ich dann, dass er froh wäre, wenn wir zum 5km entfernten Brunnen fahren könnten, um 60l Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen und in dem Zuge noch seine Esel tränken würden.
Klar, ich habe alle Zeit der Welt.

Stolz zeigt er mir die bereits wartenden Esel
Er deutet zuerst auf die Esel, dann auf sich selber. "Alles meins!"
An den Tieren kann durchaus der Wohlstand gemessen werden. (10Kamelmütter mit je einem Jungen soll ca. 15'000€ Wert haben. Ob das etwa stimmt?)

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Zuerst schöpft er Wasser mit einem Ledersack und mit Hilfe eines Trichters in die grossen Kanister.

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Dann füllt er das halbierte Ölfass für die Esel auf. Gierig beugen sie ihre Köpfe zum kühlen lebenserhaltenden Nass

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Chrigu
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

Eine Karawane steht vor dem Zelt, als wir vom Brunnen zurückkommen.
Dem Familienvater gefällt das wohl nicht sehr. Er wirkt, als sei er dadurch gestört worden.

Als der Karawanenführer mich nun zum Tee einladen will, im Zelt des Familienvaters erkenne ich doch keine Zusammenhänge.
Ich werde mich nun von der lieben Familie verabschieden. Gerne werde ich zu ihnen zurückkehren und sie besuchen.

Offiziell bin ich auf dem Weg nach Chinguetti. Das weiss der Brigadekommandant der Gendarmerie in Ouadane und wohl mittlerweile auch derjenige in Chinguetti. Genug Reisezeit habe ich angegeben, um nicht eine Suchaktion auszulösen. So kann ich gänzlich Stressbefreit in den Tag starten.
Das sind nicht nur Ferien, das ist durchaus eine Lebensschulung für mich. Wir Europäer sind durchaus engstirnig, muss ich merken.

Querfeld fahre ich nun weiter in den kleinen, berechenbaren Dünen.

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Alsbald finde ich dann alte Fahrzeugspuren. Endlich eine Referenz!

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Sie können mich fast nur nach Chinguetti bringen.
Oft kann ich die Freilaufnaben öffnen um den ganzen vorderen Antriebsstrang etwas zu schonen. Hab mittlerweile Zwischenringe konstruieren und verbauen müssen, um ein rutschen der Nabe zu verhindern. Zu fest musste ich das Radlagerspiel nachstellen, der Mitnehmer ist also nach innen gerutscht. Dies hat ein sporadisches Knallen zur Folge - und das mag ich nicht. Nicht hier in dieser Gegend.

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Auf einmal sehe ich in der Sonne etwas blitzen.

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Ja, die Fahrzeugruinen aben durchaus ihren Reiz.
"Hilf mir raus, grosser Bruder!!!"
Ist das nicht ein wenig Autoromantik? :mrgreen:

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Chrigu
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Beitrag von Chrigu »

Ein solcher Landrover muss einen Grund haben, dass er nicht mehr geht. Ganz sicher.
Grundsätzlich sind Landrover bekanntermassen immer ein wenig kaputt und undicht, jedoch nie ganz defekt.
Sie tragen dennoch heute oftmals den Übernamen "Defektor" anstelle des Defender.

Untersuchen muss ich den, klarer Fall.
Kilometerleistung unergründlich. Daraus kann ich keinen Schluss ziehen

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Der Öleinfülldeckel fehlt. Offensichtlich ein gesuchtes Ersatzteil. Schon beim W160 in der Westsahara war er ab.
Ölstand kontrolliert, nichts mehr drin. Ob die Pistengeier sogar das Öl genommen haben? Oder ist der Motor an einem Ölfilmriss gestorben? Ich weiss es nicht.

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Wenn ich nicht irre, handelt es sich hier um einen 4Zyl. 2,3l Reihenmotor. Süffiger Benziner. Von dem habe ich noch Dichtsätze, Zündverteiler usw. Reicht es um die Schleuder wieder zum laufen zu bewegen?
Wohl kaum...

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Die Radnaben fehlen. Genau wie bei dem in der Westsahara liegengebliebene Serie III mangelt es hier an Teilen...
Die vordere Kardanwelle ist abgebaut. :|

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Ein Andenken schraube ich mir diesmal mit gutem Gewissen ab. Nichts wertvolles, nichts was ich den Einheimischen an brauchbarem Material wegnehme. Ein Souvenir der Extraklasse...


Der Landrover ist nicht das einzige Opfer in der Wüste. :cry:

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Meine Fahrt geht Richtung Südwesten weiter. Noch immer kann ich den Spuren folgen, die mich zielgenau nach Chinguetti führen werden.

Interessanter, aber leider schlecht sichtbarer Kontrast des Sandes an einer einzigen Minidüne

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Auch hier wird der Kontrast etwas sichtbar. Es kann durchaus sein, dass man mit einem Fuss im fast weissen Sand steht, mit dem anderen aber im rötlichen. Offansichtlich hat das etwas mit der Körnung zu tun. Hier lasse ich mich auch sehr gerne belehren, woran das liegen kann?!

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Chrigu
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Beitrag von Chrigu »

Ich nähere mich der Stadt Chinguetti. Stadt? Nicht grösser als Atar. Eher würde ich es als Dorf bezeichnen.

Vorort von Chinguetti

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In dieser Stadt ernte ich für mein Vorhaben nur Kopfschütten. Der Brigadekommandant in Ouadane hat mir einen Teil meiner Planung auf den Kopf gestellt. Nun muss ich umdisponieren.

Ich melde mich beim Hauptquartier.
Seitlich des Quartiers erweckt ein ruinös wirkender Y60 meine Aufmerksamkeit. Ich darf die Haube öffnen, die Gendarmerie erlaubt es mir. Das kleine Herz könnte darin noch schlagen. Spanier haben es im Sand wohl etwas toll getrieben. Warum nun ein RIM Blech montiert ist, verhüllt sich meinem Wissen.

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Der Brigadekommandant in Chinguetti ist froh, dass ich mich hier melde. ebeso froh bin ich, es getan zu haben. Auch er gibt mir Kontaktdaten, welche mir Sicherheit verleihen und nimmt seinerseits meine in Form des Landesweit bekannten Fiche.
Er rädt mir, eine Strecke zu wählen, die nicht direkt durch das Erg Ouarane führt. Zu hoch ist der Verschleiss und der Treibstoffverbrauch. Er empfiehlt mir, erst 55km westlich zu fahren und dann Spuren zu suchen, um 200km (Luftlinie) nach Süden zu fahren in die Nächste Stadt.
Rein Streckenmässig bedeutet das ungefähr das doppelte an Kilometer.
Hier muss mehr Diesel her. Weichsand wird es immer wieder geben, Steinige Kletterpassagen und Dünengebiete, die schwerlich umfahren werden müssen, warten auf mich. Meine grösste Herausforderung steht mir bevor!

Die Tankstelle wird per Handpumpe bedient, der pennetrant "duftende" Tankwart wirkt wenig motiviert, mir meinen grossen Tank zu füllen. Auf die Frage hin, wie viel Diesel gerechnet werden muss, um von hier nach Tadjikdja zu gelangen, meint er 240l, wenn man den Weg findet!

In dieses Gebiet ging früher die Paris Dakar. Seit dort einige Fahrzeuge das Zeitliche gesegnet hatten, liess man diese Strecke meines Wissens bleiben. Unzugänglich, zu hart.
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

Ich frage mich in der Stadt nach Brot und Internet um.
Wieso ich Brot will, ist durch meinen Menuwunsch für den Abend erklärbar. Fondue im Alleingang.
Das Brot schmeckt übrigens bestens, nach meinem Empfinden besser als das Marrokaische Fladenbrot, oder das mässig bis gar nicht gesalzene Steckenbrot. :kotz:

Ein Mann in meinem Alter, Besitzer eines Mobile-Ladens, bietet mir nun Internet an.

Ich folge ihm in den Laden und wir vereinbaren den Preis von 100 Oug pro Stunde.

Kurzer Kontakt nach Hause und mit Bekannten per Facebook.

Nun mache ich mich auf die Suche nach Tracks. Das Google Earth ist im Einsatz, das Navigationsgerät bereit, um neu mit Tracks geladen zu werden.
Nur wo?

Auf einer Französischen Seite finde ich einen Trackdatensatz. Der Link auf das Französische Forum finde ich hier im Wüschi.
Ich kann ihn herunterladen. Langsam geht es nur. Der Ladenbesitzer provitiert von der Iternetverbinung, da sie ja auf Zeit abgerechnet wird. Ich zahle ja.

Der Datensatz wirt verarbeitet, ein einigermassen schlauer Track aus den einzelnen Fragmenten zusammengebaut.
Der Besitzer gibt mir keine Hoffnung. Gerne bietet er sich als Gude an, betont immer wieder, dass ich das niemals schaffen kann! Dankend lehne ich die Führung ab.
Ich zeige ihm den Track, den er dann missmutig als doch recht gut bezeichnen muss, da ich grössere Sandfelder umgehen kann.

Bei der Abrechnung für 1 angebrauchte und 1 ganze Stunde kommt der Mann auf eine Unsumme von 1'000 Oug anstatt der 200 für 2h. Für mich ist das zwar ein Nasenwasser. Das sind vielleicht 3€ für eine lebenswichtige Streckenplanung von effektiv 450km.
Ich zahle sie ihm wortlos und steige ein.

Plötzlich kommt er angerannt und klopft an mein Fenster. Er habe die Facebook-Töne der "eine Neue Nachricht" gehört. Ob ich denn Facebook hätte?
Ich gebe ihm meinen Namen an, bin aber durch seine Einstellung, ein Touri auszunehmen etwas betrübt. Sage aber noch nichts. Er wird es noch lernen müssen. Und ich will nicht hochmütig sein, um dann plötzlich noch von ihm aus einer Misere gerettet werden zu müssen.

Der Luftdruck wird abgesenkt. Weichsand wartet schon am Beginn meiner neuen Strecke.
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Beitrag von Chrigu »

Richtung Westen fahre ich nun der Abendsonne entgegen. Ein komisches Gefühl beschleicht mich.
Sofort lande ich mit meinem geplanten Track in einem Wadi. Weichsand, trochen, staubig. Da muss ich zwingend durch. Ich durchquere es mit voller Leistung und schaffe es noch knapp ans andere Ufer. Das ist ja mal ein Einstieg.

Schöne Aussicht auf ein Tal, erleichtert mir die Wegsuche etwas. Spuren kann ich bald ausmachen und steuere sie an.

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Lustige Gewächse, die ihr Köpfchen bei hoher Luftfeuchtigkeit heben.

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Abgerundet wird der Tag mit einem Fondue. Schweizer Gerberkäse, durchgewürzt und angereichert mit den letzten Zwiebeln Marokkanischer Herkunft.

Ich falle in einen eher unruhigen Schlaf.
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

Kein spektakulärer Morgen eigentlich.

Ich fahre durch sehr abgelegene Gegenden. Einsamkeit. Nur der Wind bricht die fast schon beängstigende Stille.

Dieses Haus scheint unbewohnt zu sein.

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Durch die Geschwindigkeit, die Sicheldünen haben, ist eine genaue Trackplanung und das Folgen letzterer unmöglich.
Vor par Stunden war dieser Sand vielleicht noch nicht da. Spuren werden schnell verdeckt und vielleicht in par Jahren wieder freigegeben. Die Routenführung der Spuren macht so absolut keinen Sinn. Immer wieder müssen Alternativen gefunden werden, um die weichen, etwa 3-4m hohen Sicheldünen umfahren zu können.

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Extrem viel zu bieten hat diese Landschaft im Allgemeinen.

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Ich sehe von weitem einen weissen Wagen annähern. Seine Scheiben sind getönt. Was will denn der hier?

Beim näheren heranfahren sehe ich, dass es sich um einen nagelneuen, offenbar top ausgerüsteten Landcruiser handelt. Ein V8 Motor befeuert ihn, entsprechende Treibstoffreserven muss er mitführen. Ein Pulverfass.

Was führt den modernen, von Elektronik vollgestopften Wagen in diese Wildniss, ja in diese Lebensfeindliche Umgebung?

Der Landcruiser fährt seine Spur. Stur der Piste folgend steuert der Fahrer eine Sicherldüne an - und fährt drauf. Fast schon bin ich auf gleicher Höhe. Ist das nun eine Falle? Will man mich zum Anhalten bewegen, meine Hilfe dann erwarten um mich auszunehmen? Ich sehe nicht, wer im Auto sitzt. Bis auf die Frontscheibe sind alle anderen getönt.
Was nun?

Klar, der neue Wagen setzt sich grausam fest. Ich umfahre die Düne, fahre in gutem Abstand neben den Landcruiser und deute dem unbekannten Fahrer, er solle doch bitte aufhören, sich noch mehr zu vergraben. Schweisstreibende Schaufelei ist das Resultat.

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Nun lässt der Mann tatsächlich die Scheibe runter. Ein Chinese! Was zum ....... will der hier?
Schlussendlich sind es 4 Männer, die die Strecke in der Gegenrichtung machen wollen. Sie haben noch über 100km vor sich, teilweise schwierige Abschnitte.

Ich sage ihnen, das sie gewiss Glück hätten, dass ich sie nun rausziehen könne und sie nicht lange schaufeln müssen.
Meinen Rat, solche Dünen zu umfahren anstatt zu überfahren nehmen sie sich zu Herzen. Dass Luf ablassen im Sand eine gute Wirkung haben könnte, wissen sie nicht. Sie haben kurze, absolut schmale Sandbleche dabei. Für mehr hat es ja auch nicht Platz. Ist das nicht irgendwie paradox?
Wieso sind die Bengel noch am leben? Mit V8 ist das noch nicht gemacht, auch wenns durchaus wohltuend klingen mag.

Der Bergegurt, kinetisch, ist schnell angehängt.
Der schwarz aufsteigende Rauch und der Lärm meines Patrol scheint sie sehr zu begeistern. Freundlich wie sie sind, schütteln mir die Chinesen mehrmals die Hände und geben mir zwei, drei von ihren Drinks.
Das ganze wurde von einem Chinesen zwar gefilmt, die Aufnahme ist aber nicht brauchbar :bang:
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

Lustige Steinpisten führen auf kleine Übergänge, die ich hochfahren muss, um grosse Weichsandfelder zu umgehen.
Davon hat der Kommandant nämlich auch geredet.

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Kleine Windmühlen belegen den fast permannent stark arbeitenden Wind

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Woran erinnert denn dieser Stein?
Ist es eine Baumnuss? Ein Praliné? Oder eine getarnte Schildkröte?

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Dunkle Wolken ziehen auf.
Ja, Regen möchte dieses Land ertragen. Ob das hier und jetzt geschieht, ist mir gleichgültig. Interessante Abwechslung und durch das Wasser besser befahrbarer Sand wären nur einmal eine positive Nebenwirkung

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Der Regen scheint sich aber zurückzuhalten
Die Stimmung bleibt die selbe. Wunderschön

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Hier ist noch knapp die alte Piste zu erkennen. Die schwarzen Ränder zeugen davon

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Gut gelaunt fahre ich eine Weichseite einer Sicheldüne hoch. Poserbild - brauchts auch mal

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In der Nähe scheint es jedenfalls Wasser zu geben. Viel Gebüsch und kleinere Pflanzen säumen den Wegrand

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Ein Mann springt aus dem Busch und bewegt mich zum Anhalten.

Schlussendlich werde ich nur um ein Geschenk gebeten. Leider ist heute nicht mehr Weihnachten.
Fast zeitgleich fährt von hinten ein Buschtaxi Pickup heran.

Der mächtig wirkende Fahrer steigt aus. Auch er, ein wunderbarer Duft mit sich führend schüttelt mir die Hand.
Ihm mangelt es an Bremsflüssigkeit. Ich kann damit nicht dienen.

Er wird zusehends komisch, fordert weitere Dinge von mir. Keine Spur von Freundlichkeit.
Ich sage ihm, ich wolle die schönen Felsen da drüben fotografieren und kann mich so für kurze Zeit absetzen.

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Dafür hat sich der Abstecher doch gelohnt!

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Sofort erkenne ich diese eigenartige Steinform als Kuh.
Ich muss mich dem Objekt nähern und wirklich sehr genau hinschauen, um zu prüfen um was es sich denn nun handelt!
Eine Kuh, oder ein eigenartig ähnlicher Felsen?!

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>>>Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden!<<<
Chrigu
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

Ich fahre zurück zu den Burschen und frage sie nach der Kilometerzahl nach Tadjikdja. Zögerlich schreibt er dann auf meine verstaubte Seitenscheibe "90".
Ich weiss genau, dass es noch 250km zu fahren gibt. Nichtmal die Luftlinie beträgt 90km.
Das Misstrauen wächst.

Wieder will der Koloss Bremsflüssigkeit von mir.
Ich fordere ihn auf, die Haube zu öffnen. Er rechnet wohl nicht damit, dass ich ihm die Bremsflüssigkeit kontrolliere. Das Expansionsgefäss ist nämlich noch voll.

Ich habe hier nichts mehr verloren, verabschiede mich und fahre los. Man hält mich nicht auf.


Doch was muss ich sehen?
Man folgt mir in einem gewissem Abstand. Ich fahre einen unlogischen Zickzackkurs und halte immer wieder an um Fotos zu knipsen.

Sie folgen mir immer wieder in die Ecken, bleiben aber auch mit gutem Abstand stehen. Das ist nun mein Vorteil.

Ich suche einen kleinen, steinigen Hügelzug aus und schaue mich nach einer Lücke um. Mit einem Bogen fahre ich nun durch diese Lücke. Ich will im Anschluss links abbiegen, um mich dann zu verstecken.
So lege ich eine irritierende Spur, zuerst geradeaus und dann beim Schotter wieder rückwärts - und Abbiegen.

Einige Hundert Meter rückwärts in eine kleine Schlucht, gedeckt von einem Felsen. Fluchtweg nach hinten offen.
Motorenmässig bin ich schliesslich dem Sauger überlegen. Fahrerisch?
was wenn er mich findet? Will er dann nur wiedder Bremsflüssigkeit? Oder darf ich meinen ganzen Wagen entladen?

Wenn er also diese kleine Lücke auch durchfährt, bin ich sicher, dass er mir weiter folgt.


Genau das tut er zum Glück. Er fährt aber an meiner Position vorbei. Langsam. Ich erkenne nicht, ob er sich umschaut.

Nun ist etwas Zeit zum Tagebuch schreiben und Zeit abwarten.


Losfahren. Somit bin ich nun hinter ihm. Ich folge seinen frischen Spuren. Sehe ihn aber nicht mehr.
Niemals mit Licht fahren, ich wäre ein Leuchtturm in der Gegend.
Die Spannung wird von der Stimmung in der Luft durchaus untermauert...

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Etwa eine Stunde später beginne ich mich auf die Suche nach einem Nachtplatz zu machen.
Ich schaue mich in den Dünen um.

Doch was sehe ich da auf einer Düne kauernd? Offenbar beobachtet mich jemand. Normalerweise sind das Hirten, jedoch ist nirgends eine Herde zu sehen. Unter diesen Umständen vermeide ich eine Begegnung lieber und fahre noch ein par Kilometer weiter durch die unüberichtliche Landschaft. relativ schnell und zum Glück ohne mich einzusanden verlasse ich diese Gegend.

Nicht mit Angst habe ich es zu tun, sondern mit starkem Bedenken. Ich wills ja hier wirklich nicht vergeigen!


Erfreuen kann ich mich wieder an den schönen Stimmungsbilder, die mir heute Abend wieder geboten werden

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Doch sie lenken mich wenig ab.

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Nahrungsbeschaffung in der Abendsonne

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Kurz vor dem Sonnenuntergang finde ich einen von grossen Sicheldünen geschützen Nachtplatz

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Besuch kriege ich erstaundlicherweise keinen, auch wenn ich mich darauf eingestellt habe.
Hier gilt es für mich, Massnahmen zu treffen. Selten habe ich mich getäuscht, wenn mir komisch war. Darauf richtig und präventiv zu reagieren, um nicht ungefasst überrumpelt zu werden, ist für mich wichtig und teil der Vorbereitung für die Nacht.

Schon bald ist der Mond zu sehen. Wie in der Mauretanischen Landesfahne abgebildet, ist der Mond hier liegend sichtbar. So sieht man ihn in Mitteleuropa nicht.

Auch hier hantiere ich grundsätzlich ohne Licht, um nicht wie eine Laterne in der Nacht zu wirken.

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Draussen im Lehnstuhl zu sitzen und Sternschnuppen zu zählen ist schliesslich anstrengend.

Oder sind es die vielen Eindrücke und die fahrerisch harte Beanspruchung, die mich müde gemacht haben?


So vieles habe ich heute wieder erlebt. Zeit zum Nachdenken ist nicht viel.
Einen unruhigen Schlaf überfällt mich schon früh... Was kommt Morgen auf mich zu?
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Chrigu
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

Der Tag beginnt für mich mit den ersten Sonnenstrahlen, die bald einmal das Häuschen erwärmen...

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Nach dem Frühstück geht die Fahrweise genau so weiter, wie sie Gestern aufgehört hat. Nämlich mit haufenweise Weichsand, abgelöst durch kurze Pistenabschnitte, welche oftmals mitten unter einer Düne durchgehen.

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Sind diese Kontraste nicht einfach bezaubernd?

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Die Pflanzen werden von der Düne einfach überrollt. Nach Monaten oder wenigen Jahren wieder freigegeben.

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Von zwei Hirten werde ich angehalten. Der eine lehnt sich derart in mein Auto, damit ich nicht einfach die Frechheit besitzen kann, einfach weiterzufahren.
Sie fragen mich natürlich nach Geschenken und etwas Trinkbaren.

Sie kriegen von mir eine dieser Dosen, die ich von den Chinesen erhalten habe.

Ein junges, noch ganz "gestabiges" Kamel schaut mir verwundert zu.
Was ihm wohl durch den Kopf geht?

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Die abwechslungsreiche Landschaft geniesse ich besonders. Langsam durchfahre ich sie, um alles aufnehmen zu können, was sie bietet.
Oft halte ich an.

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Eine gefüllte Glasflasche in eine Gefrierbox zu stecken und etwa dann noch zu vergessen hat sicher eine Sauerei zur Folge. So kühle ich sie nach alter Wüstenfahrer Sitte. Mit einem nassen Tuch umwickle ich die Flasche und kann bald darauf den kühlen Tee geniessen.

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Die Kehle ist trocken, die Temperatur steigt immer noch.
Mit den angegebenen 40°C ist der Höchstwert im Schatten noch nicht erreicht. Die Front steht sonnenabgewandt am Mittagsplatz.

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Wie ihr merken könnt, faszinieren mich immer wieder die Kontraste. Sei es im kleinen Rahmen wie hier auf dem Bild, oder aber wenn grosse, mächtige, schwarze Felsen mit gelblichem Sand belegt werden...

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Chrigu
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Re: 15916-57-13-26-01 und ein Motor...

Beitrag von Chrigu »

Der geplante Track stimmt nicht schlecht.
Oft weiche ich aber willentlich davon ab. Wenn ich 30 oder 40 Kilometer östlich, oder Westlich vom Planungstrack fahre, ist das für mich nicht schlimm. Die Wüste ist gross. Noch habe ich genug Treibstoff.

Langweilig ist das fahren jedenfalls nicht. Häuffig wechseln die Herausforderungen, die an mich und meinen Patrol gestellt werden.
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