Peter D hat geschrieben:Es gab eine Zeit, da wurden die "gezinkten Wahlen" vom sogenannten BokoHaram-Vorläufer unterstützt.
Ein fataler Fehler der Politmächtigen.
Als es zu spät war, schnappte sich das Militär die Familien der Boko-Haram.
Diese "historische" Schilderung bedarf etwas der Korrektur.
Die Ursachen für die Gründung der Terrorgruppe Boko Haram liegen schon weiter zurück und sind in der Zeit der englischen Kolonialisierung zu suchen.
Als die Engländer 1861 langsam Kontrolle über das Land bekamen versäumten sie den armen islamischen Norden, beherrscht durch das Sokoto Kaliphat mit ihren Warlords, mit dem wohlhabenderen Süden und deren ethnischer Gruppen zu vereinen. Durch das Entdecken des Erdöls im Süden wurde der Norden immer mehr isoliert. Während der Süden reicher und modernisiert wurde, partizipierte der Norden nicht am schwarzen Gold.
Als die Engländer sich aus Nigeria zurückzogen, verstärkten sich die Unterschiede. Repressionen, Putschs und die unterschiedlichen Werte der unterschiedlichen Gruppen trugen das Ihre zur weiteren Spaltung des Norden und Südens bei, was 1980 im Maitatsine Aufstand in Kano vorübergehend seinen Höhepunkt erreichte. Der Aufstand wurde von dem radikalen Prediger Mohamad Marwa AKA Maitatsine (Der, der verdammt), der aus Nord Kamerun stammte angeführt. Weitere Aufstände gab es in den Jahren 1982 und 1985.
Interessant aus historischer Sicht ist zu erwähnen, dass der jetzige Präsident Nigerias, Muhamadu Buhari an der Niederschlagung des Aufstandes beteiligt war und der Onkel Muhammad Yusufs, dem späteren ersten Führer Boko Harams an der Seite Marwa’s als Leutnant teilnahm.
Die zunehmende wirtschaftliche Polarisierung Nigerias führte dazu, dass die Worte des radikalen Predigers Muhammad Yusuf auf fruchtbaren Boden fielen und er eine Schar von jungen Studenten aus Maiduguri um sich versammeln konnte. 2002 stellet Osama bin Laden 3 Millionen US$ zur Verfügung, um den Grundstein für die Gründung Boko Harams zu legen.
Yusuf predigte radikalen Islamismus, lehnte jeglichen westlichen Einfluss ab und war davon überzeugt, dass die Erde eine Scheibe ist.
Zunächst brachte es Yusuf fertig, arme Kinder als einfache Soldaten anzustellen. Kontakte zu lokalen Politikern verschafften ihm Reichtum und er konnte mehrere Mercedes und eine große Villa sein Eigen nennen und konnte auch seine Tochter auf eine westliche Privatschule schicken, obwohl er selbst gegen den Westen predigte.
2009 organisierte Yusuf einige Aufstände, die ihm hohe Verluste beibrachten und er selbst im späteren Verlauf selbst festgenommen, gefoltert und anschließend getötet wurde.
Das wäre eigentlich fast das Ende Boko Harams gewesen. Die verbliebenen Kämpfer flohen in den Maghreb und schlossen sich AQIM an. Dort bekamen sie eine entsprechende Ausbildung und viele kehrten später wieder nach Nigeria zurück.
Ein ehemaliger Kämpfer Yusufs, Abubakar Shekau, nahm sich den Rückkehrern an und ließ Boko Haram wieder aufleben. Mit den Folgen, die wir in den vorherigen Beiträgen nachlesen können.
Grüsse
Alexander