Auf gefährliche Fahrt....

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Alexander
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Auf gefährliche Fahrt....

Beitrag von Alexander »

Ein Kommentar von Hilmar Klute aus der Süddeutschen Zeitung zum Thema Entführungen und "Abenteuerreisen"

Es hat eine Zeit gegeben, da gehörte die Gefahr zum Reisen wie heute der Reisepass. Das Abenteuer und die damit einhergehende Möglichkeit, sein Leben zu verlieren, waren gewissermaßen der Motor jener zivilisationsmüden Europäer, die sich nach der Unordnung der Fremde sehnten.

Das Bedürfnis, in Länder mit Gefahrenpotenzial zu reisen, ist damit aber keineswegs verschwunden. Wer sich die Internetforen der Rucksack-Touristen anschaut, ist verblüfft über die naseweise Sorglosigkeit, mit der junge Leute Ratschläge verbreiten, wie man schwer zugängliche und als gefährlich eingestufte Regionen in arabischen Ländern durchtrampen kann.

hier der komplette Kommentar

Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.

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Uwe Schmitz
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Re: Auf gefährliche Fahrt....

Beitrag von Uwe Schmitz »

hier mein antwortschreiben an die redaktion zu diesen unerträglichen weil falsch recherchierten artikel:

aussenpolitik-online@sueddeutsche.de

sehr geehrte redaktion,
ihr artikel: "auf gefährlicher fahrt" ist teilweise unwissend bzw. schlecht recherchiert geschrieben. während der irak ein von nachkriegswehen erschüttertes land ist, und für den jemen eine reisewarnung des AA besteht, hat es 2003 für südalgerien in keiner form eine warnung oder sonstige hinweise des AA auf irgendeine form der gefährdung für touristen gegeben. es waren in der wintersaison 2002/03 viele hundert europäischer touristen selbstorganisiert oder mit führer in gruppen unterwegs, und bis zu dem zeitpunkt der entführungen hatte es vergleichbares in algerien nicht gegeben und war deshalb von niemandem vorher zu sehen.
es ärgert mich, dass -nun auch in ihrer zeitung- die immer gleichen falschen aussagen zu lesen sind. die sahara ist kein gewöhnliches pauschalreise-gebiet, deshalb wird sie gleich immer als kaum bereisbar und gefährlich beschrieben und die reisenden als leichtsinnige abenteurer.
ich bin erschreckt über die ignoranz der medien, diese tatsachen (zur sicherheitslage in 2003 in algerien) zur kenntnis zu nehmen und sie richtig zu stellen.
sollten zu diesem thema in zukunft weitere artikel folgen, erwarte ich eine sorgfältigere recherche und nicht nur die wiedergabe damaliger falscher Informationen.
mit freundlichen grüssen
uwe schmitz
Christoph
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Zeitungsartikel

Beitrag von Christoph »

Hallo, die Ignoranz in diesem Artikel hat auch bei mir absolutes Unverständnis hervorgerufen, deshalb habe ich mir auch ein paar Zeilen von der Seele geschrieben und Herrn Klute geantwortet:

Sehr geehrter Her Klute,

ich habe Ihren Artikel (auf gefährlicher Fahrt) im Internet gelesen und wundere mich, dass eine europäische (deutsche) Zeitung teilweise derartig schlechte Recherchen anstellt und hoffentlich unbewusst Falschmeldungen veröffentlicht.

Für den Süden Algeriens (jenes Gebiet in dem die Entführungen stattfanden) bestand 2003 keinerlei Reisewarnung, weder durch das Deutsche, noch durch das Österreichische Auswärtige Amt !!

Diese Entführungen waren nicht vorhersehbar und der Urlaub in Algerien war damals keineswegs unsicherer als z.B. Urlaub in Ägypten, auf Thailand, Ceylon usw. !

Ich habe dieses wunderschöne und überaus gastfreundliche Land mehr als 20 mal mit größter Sorgfalt und Vorbereitung bereist und lasse mich nicht als sorgloser Rucksacktourist bezeichnen.
Auch viele Berge Tirols gelten als schwer zugängliche und gefährliche Region, mit guter Vorbereitung und Ausrüstung lassen sich aber auch diese Regionen gefahrlos besteigen !

Mit freundlichen Grüßen aus Tirol

Christoph Bischofer
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Uwe Schmitz
Moderator
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Re: Auf gefährliche Fahrt....

Beitrag von Uwe Schmitz »

ich habe auf meinen brief eine antwort erhalten: :o

Sehr geehrter Herr Schmitz,
Das Auswärtige Amt in Berlin hat am 10. Januar 2003 folgenden Sicherheitshinweis für Sahara-Touristen veröffentlicht:

Reisen in und durch die Sahara sollten
nur mit Hilfe eines erfahrenen Reiseunternehmens bzw. nach
gründlicher Vorbereitung unternommen werden. Die Grenzen
Algeriens zu Niger und Mali sind offen, die Grenzräume in der
Sahara für Sicherheitsorgane jedoch schwer kontrollierbar. Hier
bilden Banden-, Schleuser- und Schmuggelkriminalität für
Reisende ein erhöhtes Sicherheitsrisiko.

Mit freundlichen Grüßen
Hilmar Klute

darauf musste ich nun unbedingt nochmal antworten: :wink:

hallo herr klute,
ich bedanke mich, dass sie sich die mühe gemacht haben mir zu antworten, das habe ich bisher bei der presse nicht so erfahren.

ich möchte ihnen zu diesen hinweis des AA etwas aufzeigen:
es stand dort geschrieben: " Die Grenzen Algeriens zu Niger und Mali sind offen, die Grenzräume in der Sahara für Sicherheitsorgane jedoch schwer kontrollierbar. Hier bilden Banden-, Schleuser- und Schmuggelkriminalität für Reisende ein erhöhtes Sicherheitsrisiko."
ich habe eine karte südalgeriens angehängt, damit sie eimal die exakte lage der haupt-entführungsorte sehen können (Ain Hadjadj: die ersten drei touristengruppen, Oued Tahaft: zwei der vier folgenden Reisegruppen). die entfernung dieser punkte zur nicht relevanten libyschen grenze beträgt mind. 250 km, wie auch am grünen 100-km-gitter zu erkennen ist, die grenze zu niger dagegen ist mind. 600 und zu mali sogar fast 800 km entfernt. kann man diese orte noch zu den "grenzräumen" ( welche als einzige als sicherheitsriskant bezeichnet wurden) zählen, zumal in der sahara abseits der strassen von tagesetappen zwischen 150 und 200 km ausgegangen werden darf?
als in sahara-erfahrenen kreisen längst klar war, dass es sich nicht um technisches oder menschliches versagen der ersten reisegruppen handeln konnte, sondern um eine politisch oder terroristisch orientierte entführung, wurde in der öffentlichkeit noch über GPS-ausfall, unwetter oder fehlverhalten der touristen spekuliert. das AA wurde immer wieder aus unseren kreisen(u.a. von bekannten reisebuchautoren und saharareise-veranstaltern) aufgefordert, endlich eine reisewarnung für ganz algerien auszusprechen, damit nicht weitere reisende entführt würden, doch es geschah nichts dergleichen. etwa 4 wochen nach den ersten entführungen wurden jedoch drei weitere reisegruppen entführt, was bei schnellem reagieren des AA vielleicht hätte vermieden werden können.
(alles nachzulesen unter www.sahara-info.ch im archiv unter februar und märz 2003)
dass die reisenden leichtsinnig oder schlecht ausgerüstet oder unerfahren waren, ist erst im nachhinein nicht mehr gesagt worden, in allen gruppen waren mind. ein oder zwei langjährig saharaerfahrene reisende dabei.
bis zu diesem zeitpunkt hatte es in zentralalgerien noch nie eine entführung von touristen gegeben, es waren hier also, wie herr chrobok nach seiner freilassung letzte woche so schön sagte, alle sicherheitsrisiken minimiert und alle hinweise beachtet worden, dass trotzdem etwas passieren könne, das war unkalkulierbar. das galt für die saharageiseln in algerien sicher in höherem masse als für ein land wie jemen mit jährlich 200 entführungen von europäern !

als letztes möchte ich noch einige sätze aus den hinweisen des AA zitieren.
auszug aus den sicherheitshinweisen zu frankreich:
Die weltweite Gefahr terroristischer Anschläge besteht fort. ... Darüber hinaus besteht sie insbesondere in Regionen, in denen bereits in der Vergangenheit Terroranschläge verübt oder Terrororganisationen aufgedeckt wurden, in denen Terroristen über Rückhalt in der lokalen Bevölkerung verfügen oder in denen Attentate mangels effektiver Sicherheitsvorkehrungen vergleichsweise leicht verübt werden können. Eine Gefährdung ist jedoch auch anderswo nicht auszuschließen, etwa in den USA, oder den Mitgliedstaaten der Europäischen Union.
Als vorrangige Ziele müssen weiterhin Orte mit Symbolcharakter gelten. Dazu zählen religiöse Versammlungsstätten, Regierungs- und Verwaltungsgebäude, Verkehrsinfrastrukturen (einschließlich Luft- , Bahn- und Seeverkehr), Wirtschafts- und Tourismuszentren sowie Orte mit großen Menschenansammlungen.
Seit den Attentaten in Madrid und London und aufgrund weiterer Anschlagsdrohungen gilt landesweit die Alarmstufe "orange" , was auf Bahnhöfen und Flughäfen verstärkte Gepäck- und Personenkontrollen zur Folge hat. Bahnreisende sollten darauf achten, dass ihr Reisegepäck mit Namen und Anschrift gezeichnet ist.
Der französische Innenminister hat seine Landsleute erst kürzlich auf die nach wie vor bestehende hohe terroristische Gefährdung Frankreichs hingewiesen.

würden sie zur zeit eine geplante städtetour in eine der europäischen hauptstädte oder ihren urlaub an die cote azur oder nach korsika aufgeben ?
das wäre heute durchaus sinnvoller als 2003 eine reise durch die algerische sahara aufzugeben...

es grüsst sie freundlich
uwe schmitz

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Albrecht(Vorname...)
Beiträge: 286
Registriert: Mo 8. Aug 2005, 21:14
Wohnort: ortenau

der liebe herr klute

Beitrag von Albrecht(Vorname...) »

hi uwe,
ein ausgezeichneter brief, klar, sachlich, obwohl einem die wut im leibe kocht.
super.
bis denne
albrecht
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