Liebe Wüstenschifferinnen und Wüstenschiffer,
ich freue mich sehr, das Team von nun an stärker unterstützen zu können! Die Verantwortung ist groß, das ist mir bewusst. Das Erbe, das Alexander hinterlassen hat, ist noch größer - übertroffen nur von den Spuren, die er im buchstäblichen und im übertragenen Sinn nicht nur in den Wüstensand gesetzt hat.
Vor knapp zwölf Jahren habe ich mich im Wüstenschiff registriert. Damals habe ich eine
Tour von Amman in Jordanien nach Berlin und wieder zurück geplant und war vor allem auf der Suche nach Infos. Aber es gab auch gleich einiges zu berichten: Der Gaza-Krieg war in vollem Gang, es ging um die Frage der Visa-Beschaffung für Saudi-Arabien und um sinkende Benzinpreise in Jordanien. Eigentlich ein wenig die Mischung, die das Wüstenschiff so spannend macht - Tipps und Tricks für Traveller, aber auch die Politik in der Region, die es uns als eine von vielen angetan hat.
Den Bericht über die Reise nach Berlin habe ich dann erst im Sommer 2011 geschrieben. Da war der Arabische Frühling schon in vollem Gang und Syrien nicht mehr passierbar. Die Hoffnung bestand damals noch, dass alles bald vorbei sein und die Nahostroute nach Afrika bald wieder befahrbar sein würde. Es ist anders gekommen, Libyen, Syrien und Jemen sind in fürchterlichen Kriegen gefangen und ein Ausweg ist nicht in Sicht. Drei der faszinierendsten Länder für Wüstenschiffer_innen sind faktisch unpassierbar.
Der Tourismus und damit auch die Überlandreisen von Globetrottern haben sich andere Ziele gesucht: Die Seidenstraße ist eines davon. Afrika-Durchquerungen bleiben ein Traum Vieler, auch wenn die Ostroute durch den Konflikt zwischen der Türkei und Ägypten sehr schwierig geworden ist - von den innenpolitischen Zuständen in Ägypten, die viele Routen vorerst geschlossen haben oder sie nur noch im militärisch gesicherten Konvoi erlauben, ganz zu schweigen.
Aber es gab über die Jahre auch immer wieder spannende Öffnungen, von denen wir mit großer Freude Kenntnis genommen haben: Tourismus in Saudi-Arabien ist nicht mehr auf das jahrelange Nadelöhr des Drei-Tage-Transitvisums beschränkt und Myanmar, über Jahrzehnte der unpassierbare Schlagbaum auf der Trans-Asien-Strecke, erlaubt inzwischen die Durchfahrt.
Bis Corona kam! Nun ist ein großer Teil der Welt geschlossen und vielen von uns bleibt das sehnsuchtsvolle Träumen. Das Wüstenschiff hat darunter genauso gelitten wie die Pauschaltouristen, die schon im März nicht mehr die ITB in Berlin stürmen konnten. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass für Klagen kein Grund besteht. Es ist eben auch eine Zeit des Innehaltens und des neuen Hinterfragens, wieviel Tourismus unserer geschundenen Welt gut tut, wie ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Tourismus aussehen kann - gerade auch angesichts der Menschenrechtsverletzungen in vielen Ländern.
Es ist auch eine Zeit des Aufräumens und des Neu-Erfindens, die wir nutzen sollten. Und letztlich ist es auch eine Zeit, in der das Unterwegssein wieder zu einem echten Abenteuer mit ungewissem Ausgang wird. Im Sommer haben meine Frau und ich eine aufregende Reise - ja, wer würde das glauben -
von Beirut quer durch Europa unternommen, hin- und hergerissen zwischen schönen französischen Altstädten und Abenden am Laptop, um dem Virus mit immer neuen Routen ein Schnippchen zu schlagen und am Ende 25 Flugminuten von Beirut entfernt auf Zypern (wo wir von Beirut aus nicht direkt hinkommen) zu heiraten. Geplant und ein Jahr vorbereitet hatten wir für das Frühjahr eine Reise durch das südliche Afrika...
So kann es kommen und so ist das Reisen für Individualisten doch auch so spannend, wie wir es uns wünschen und wie wir es manches Mal dank Internet und GPS schon fast verloren hatten. Jetzt müssen wir stattdessen wieder mühsam recherchieren, welches Land wann womöglich seine Grenzen zum Nachbarland wieder öffnet und eine neue Reise ermöglicht. Auf dieser Suche und Recherche soll und will das Team vom Wüstenschiff helfen und ein Forum bieten. Ich bin auch in diesen Zeiten ganz aufgeregt und enthusiastisch, dabei zu sein.
Viele Grüße aus Beirut
Achim
MODERATOR-NOTE: Achim ist umgezogen! Siehe dazu
in eigener Sache - Kampala statt Beirut