Mala­ria­pro­phy­laxe

In diesem Bereich findest du aktuelle Hinweise zu Epidemien und gesundheitliche Risiken im Reiseland und wie man sich davor schützt bzw. vorbeugt, Informationen zur Gesundheitsversorgung, Ärzte und Krankenhäuser.

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Mitzi1008
Beiträge: 30
Registriert: Mi 18. Jan 2023, 11:03

Mala­ria­pro­phy­laxe

Beitrag von Mitzi1008 »

Moin, in einem anderem Beitrag schreibt jemand, dass er nicht versteht warum man sich in einem Reiseforum medizinische Tipps holt wo es da doch extra Tropenmediziner gibt.

Ich war vor einigen Tagen beim Tropeninstitut um mir meine ersten Impfungen zu holen und mich hat die Beratung zur Mala­ria­pro­phy­laxe verunsichert. Da es hier Menschen mit viel praktischer Erfahrung gibt interessiert mich sehr wohl die Meinung anderer.

Frau Doktor hat mir eine Liste mit rot markierten Ländern gezeigt und mir gesagt, dass sie mir für den Aufenthalt in diesen Ländern auf jeden Fall zu einer Mala­ria­pro­phy­laxe rät. Das würde bedeuten, 1 Tag vor Einreise 1 Tablette+während des Aufenthaltes täglich 1 Tablette+7Tage nach Ausreise täglich 1 Tablette. Das wären in meinem Fall ca. 200 Tabletten!!! Was mich verunsichert hat war, dass sie kein Wort über Nebenwirkungen verloren hat.

Was ich auch nicht verstehe ist, dass meine Krankenkasse zwar die Mala­ria­pro­phy­laxe bezahlt, Stand-by Medikamente aber nicht. Es handelt sich dabei um exakt das gleiche Medikament! Selbst wenn ich mir für 3 Notfallbehandlungen z.B. Malarone (empfiehlt das Tropeninstitut für beides und ist auch bei meiner Krankenkasse gelistet) mitnehmen würde käme es der Krankenkasse wesentlich billiger als 200 Stk. für die Prophylaxe zu bezahlen.

Natürlich versuche ich auf bestmöglichen Mückenschutz zu achten.

Bin sehr gespannt was ihr dazu für Erfahrungen habt.
Was mich auch interessieren würde ist ob ihr Erfahrungen mit Malaria-Schnelltest habt.

LG, Bernhard
middeldorfklaus3
Beiträge: 423
Registriert: So 11. Sep 2022, 19:29

Re: Mala­ria­pro­phy­laxe

Beitrag von middeldorfklaus3 »

Dann lass dir doch von der Krankenkasse das für Prophylaxe bezahlen und bimm es stand by mit wenn du es nicht als Prophylaxe einnehmen willst. Glaub nicht dass die fir jemanden hinterher schicken der das kontrolliert :lach: :h:
Surfy
Beiträge: 585
Registriert: Mo 30. Mai 2011, 12:50

Re: Mala­ria­pro­phy­laxe

Beitrag von Surfy »

Wir haben für unsere Transafrika über die Westroute die Malariaprophylaxe genommen und stichfeste Kleidung getragen und sind ohne Issues durchgekommen.

Ich verfolge die Reisenden auf der Westroute intensiv und führe auch eine Linkliste

Unter den verlinkten Reisenden gab es jetzt mehrere mit mehreren :!: Malaria-Infektionen, die das Thema Vorsorge entspannter angegangen sind.

Daraus würde ich jetzt keinen Kausalzusammenhang ziehen, Reisedauer, Wetter/Saison, Reiseverhalten sind einfach zu verschieden dafür.

Zumindest starkes Deethaltiges Repellent, Stichfeste Kleidung, Netz oder Mückengitter - und Vorsicht zur Dämmerung - würde ich auf einer Reise durch betroffene Regionen immer wieder machen. Die Malariaprophylaxe je nach Reisedauer - bis 3 Monate würde ich es selber vermutlich wieder einnehmen.

Wenn man 1 Jahr mitten in den Hochrisikogebieten unterwegs ist - wären dann Nebenwirkungen & Langzeit-Einnahme genauer zu beäugen.

Aber da tickt jeder anders. Andere haben auch auf der Transafrika Westroute 5-6mal mit Malaria flach gelegen - umd nicht so sehr gelitten dass eine Lernkurve zu erkennen gewesen wäre, als aussenstehender virtueller Mitreisender.

Surfy
globenomaden
Beiträge: 126
Registriert: Mi 13. Jan 2016, 17:58

Re: Mala­ria­pro­phy­laxe

Beitrag von globenomaden »

Jemanden für eine Langzeitreise eine Prophylaxe zu empfehlen ist ja schon fast fahrlässig. Kein Arzt der Welt würde jemand eine Antibiotika Prophylaxe für irgendwelche Infektionskrankheiten verschreiben und genau das selbe ist eine Malaria Prophylaxe. Es hat sich vor vielen Jahrzenten ausschliesslich für die Malaria eine Chemoprophylaxe in der Medizin durchgesetzt, aus welchen Gründen auch immer und leider kann kaum ein Arzt aus diesen Vorgaben ausbrechen. Für Kurzzeitreisen noch vertretbar aber für längren Zeit aufgrund von Nebenwirkungen etc. fahrlässig. Niemand der längere Zeit in Afrika in einem Risiko Gebiet lebt, würde auf die Idee kommen eine Prophylaxe zu nehmen.

Was ist eine Prophylaxe ?

Eine Prophylaxe ist eine niedrigere Dosis mit einem Medikament das auch teilweise zur Behandlung der Malaria eingesetzt wird, in der Hoffnung, dass trotz Unterdosierung die Infektion unterdrückt wird bzw. hoffentlich nicht ausbricht. Gesichert ist das keineswegs und die Symptome können dadurch massiv verschleiert werden und machen die Krankheit dadurch in Wahrheit noch gefährlicher.

Das gefährliche an der Malaria tropica ist einfach, dass wir nicht immune Personen (im Unteschied zu den Einheimischen) nicht viel Zeit haben, diese Infektion zu behandeln damit diese dann nicht schnell lebensgefährlich wird.

Ein Schnelltest ist eine sehr gute Sache um eine Infektion zu bestätigen oder auszuschliessen, hat aber folgende Eisnchränkungen:

Zu Beginn einer Infektion mit noch einer sehr geringen Anzahl von Parasiten kann es zu falsch negativen Ergebnissen kommen und muss dementsprechend immer wieder wiederholt werden. Die Medizin rät von Schnelltest oft ab, weil man der Meinung ist, dass der Patient einfach zu blöd ist den Test richtig anzuwenden und das Ergebnis zu evaluieren. Am besten hat man jemand zweiten der nicht krank ist und den Test durchführt (zu Hause üben !!). Ansonsten sind die Tests sehr zuverlässig und millionenfach im Einsatz (sogar in Mitteleuropa im Spital, weil die meisten Labormitarbeiter keine Erfahrung mit dieser Erreger Bestimmung haben bzw. die Zeit zu lange dauern würde die Blutprobe irgendwo hinzusenden die sich damit auskennen). Ich würde mich niemals nur auf ein Labor irgendwo in Afrika verlassen. Aber wie gesagt, die arbeiten überwiegend nur mehr mit Schnelltests.

Das Beste ist wie immer sich möglichst wenig stechen zu lassen, also die sog. Expositionsprophylaxe. Ansonsten zur Behandlung von Europa aus RIAMET mitnehmen bzw, in Afrika COARTEM kaufen - ist daselbe Medikament. Malarone geht auch. Auf keinen Fall in Afrika kaufen oder sich mit einem Medikament behandeln lassen, dass nur Artesunate enthält. Das führt zwar schnell zu einer Reduktion der Parasiten ( die Halbwertszeit ist aber zu gering), es fehlt jedoch der zweite Wirkstoff mit einer längeren Halbwertszeit um die Parasiten wirklich komplett zu eleminieren.

P.S. Doxycycline ist übrigens auch ein hervorragendes Medikament zur Malaria Prophylaxe (und günstig). Von der WHO empfohlen, in D nicht zugelassen (wieso auch immer !?). Darf aber nicht zur Behandlung eingesetzt werden, da zu langsame Reduktion der Parasiten.

Gesunde Rückkehr von der Reise wünscht

Alfred
Miles Away
Beiträge: 15
Registriert: Mi 4. Mai 2022, 16:14

Re: Mala­ria­pro­phy­laxe

Beitrag von Miles Away »

Wir waren jetzt 7 Monate in Afrika unterwegs und haben auf die Malariaprophilaxe verzichtet. Wir haben Schnelltests gekauft die sehr einfach anzuwenden sind und Malarone als Notfallmedikament mitgeführt. In Uganda hat es meine Partnerin mit der Malaria Tropica erwischt. Gemäss Rezept während 3 Tagen 4 Tabletten (auf einmal) eingenommen und es war wieder gut. Sicherheitshalber haben wir in einem Spital nach 3 Tagen einen Bluttest machen lassen, es war alles wieder bestens. Übrigens sind die Malarias Schnelltests in Südafrika erheblich billiger zu kaufen als in Europa.
Urs
sysiphus
Beiträge: 393
Registriert: Mi 28. Dez 2022, 16:18

Re: Mala­ria­pro­phy­laxe

Beitrag von sysiphus »

globenomaden hat geschrieben:
Fr 9. Jun 2023, 02:49
Jemanden für eine Langzeitreise eine Prophylaxe zu empfehlen ist ja schon fast fahrlässig. Kein Arzt der Welt würde jemand eine Antibiotika Prophylaxe für irgendwelche Infektionskrankheiten verschreiben und genau das selbe ist eine Malaria Prophylaxe....
“Kein Arzt der Welt würde jemand eine Antibiotika Prophylaxe für irgendwelche Infektionskrankheiten verschreiben und genau das selbe ist eine Malaria Prophylaxe.”

Er würde es nicht tun, weil es eben nicht “das selbe” ist. Malaria wird durch Plasmodium falciparum ausgelöst - also einen Parasiten. Ein Antibiotikum wird gegen Bakterien therapiert (!) und nicht als blinde prophylaktische Schrottladung. (Wenn man es trotzdem gelegentlich auch in Verbindung (!) mit viralen Infektionen einsetzt, dann deshalb, weil ja eine Infektion - also Krankheit - vorliegt, welche - z.B. bei Kinder und Alten - eine umfassende Schwächung verursachen kann, die nun auch Viren ein Terrain bieten kann.)

“Es hat sich vor vielen Jahrzenten ausschliesslich für die Malaria eine Chemoprophylaxe in der Medizin durchgesetzt, aus welchen Gründen auch immer und leider kann kaum ein Arzt aus diesen Vorgaben ausbrechen.”

Nein, denn die Expositionsprophylaxe (zu Recht nennst sie ja selbst) ist ebenfalls ein sehr bedeutender Faktor, den jeder Arzt anrät; nur verschreiben kann er sie eben nicht! Die Expositionsprophylaxe ist leider nicht wirklich in allen Situationen, so wie die systematische Chemoprophylaxe, kontrollierbar.

“Gesichert ist das keineswegs und die Symptome können dadurch massiv verschleiert werden und machen die Krankheit dadurch in Wahrheit noch gefährlicher.”

Dann also gar keine Chemoprophylaxis?

Jedes Medikament kann (muss aber nicht bei Jedem) Nebenwirkungen haben. Auch deshalb ist es klug, bereits zu Hause zu beginnen. So lässt sich noch in sicherer Umgebung die Verschreibung ändern!

“Ich würde mich niemals nur auf ein Labor irgendwo in Afrika verlassen. Aber wie gesagt, die arbeiten überwiegend nur mehr mit Schnelltests.”

Afrikanische Hospitäler kennen sich beim Nachweis hier meist weit besser aus, als europäische (Tropenärzte ausgenommen).

“...oder sich mit einem Medikament behandeln lassen, dass nur Artesunate enthält.”

Artesunate sind Teil einer Kombinationstherapie bei schwerer Malaria und haben also nichts mit Prophylaxe zu tun.
globenomaden
Beiträge: 126
Registriert: Mi 13. Jan 2016, 17:58

Re: Mala­ria­pro­phy­laxe

Beitrag von globenomaden »

sysiphus hat geschrieben:
Fr 9. Jun 2023, 10:38
“Kein Arzt der Welt würde jemand eine Antibiotika Prophylaxe für irgendwelche Infektionskrankheiten verschreiben und genau das selbe ist eine Malaria Prophylaxe.”

Er würde es nicht tun, weil es eben nicht “das selbe” ist. Malaria wird durch Plasmodium falciparum ausgelöst - also einen Parasiten. Ein Antibiotikum wird gegen Bakterien therapiert (!) und nicht als blinde prophylaktische Schrottladung. (Wenn man es trotzdem gelegentlich auch in Verbindung (!) mit viralen Infektionen einsetzt, dann deshalb, weil ja eine Infektion - also Krankheit - vorliegt, welche - z.B. bei Kinder und Alten - eine umfassende Schwächung verursachen kann, die nun auch Viren ein Terrain bieten kann.)
Mir ist vollkommen klar, wie und von welchen Parasiten Malaria ausgelöst wird und welcher Unterschied zu einer bakteriellen Infektion besteht.
Ob ich jedoch ein Antibiotkum in niedriger Dosierung gegen irgendwelche baktieriellen Erreger als Prophylaxe verschreibe oder eine Chemoprophylaxe gegen die Malaria Parasiten ist ganz genau dasselbe.
Und wie ich schon schrieb, kein Arzt der Welt verschreibt (zum Glück) eine Prophylaxe gegen baktierielle Erreger. Aber genau das Gegenteil wird gegen die Infektion mit den Malaria Parasiten gemacht. Genau das hat dazu geführt, das die Erreger gegen über Chloroquin über die Jahrzente komplett resistent wurden und die Behandlung nicht mehr funktionierte.
Da auch Doxycycline erfolgreich (ein Antibiotikum) zur Chemoprophylaxe der Malaria eingesetzt werden kann, sieht man das das genau dasselbe ist.

Zum Glück gibt es jetzt Medikamente die zur Prophylaxe nicht mehr zugelassen sind. Doch auch der großflächige Einsatz dieser Wirkstoff Kombinationen führt bereits teilweise zu Resistenzen in Südost Asien.


Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben verschiedene Dinge hier anzusprechen, die man leider so nur von den wenigesten Ärzten erklärt bekommt. Weiters hoffe ich, dass mein Posting genau gelesen wird damit manche Misverständnisse gar nicht erst aufkommen und es auch einige Leser gibt, die meinen kurzen Versuch manche Dinge klarzustellen auch zu schätzen wissen.

Gruß

Alfred
sysiphus
Beiträge: 393
Registriert: Mi 28. Dez 2022, 16:18

Re: Mala­ria­pro­phy­laxe

Beitrag von sysiphus »

globenomaden hat geschrieben:
Sa 10. Jun 2023, 03:51
Ob ich jedoch ein Antibiotkum in niedriger Dosierung gegen irgendwelche baktieriellen Erreger als Prophylaxe verschreibe oder eine Chemoprophylaxe gegen die Malaria Parasiten ist ganz genau dasselbe.
Aber genau das Gegenteil wird gegen die Infektion mit den Malaria Parasiten gemacht. Genau das hat dazu geführt, das die Erreger gegen über Chloroquin über die Jahrzente komplett resistent wurden und die Behandlung nicht mehr funktionierte.
Da auch Doxycycline erfolgreich (ein Antibiotikum) zur Chemoprophylaxe der Malaria eingesetzt werden kann, sieht man das das genau dasselbe ist.....
Nein, ich denke, Du unterliegst da einer falschen Interpretation. Jeder, der wie Du - wovon ich überzeugt bin - mit offenen Augen reist, wird erkennen, wie sehr unser Leben immer eine Gratwanderung ist. Die Medizin hilft bei dieser Wanderung, macht aber den Grat nicht zur harmlosen Ebene.

Konkret: Seit Jahrhunderten kannte man in S-Amerika die Wirkung von Chinin gegen allerlei Beschwerden und setzte es schließlich auch in Europa gegen Malaria ein, obwohl es schwerwiegende Nebenwirkungen haben kann, die man schon damals erkannte. Ergebnis: als es dann auch noch zu Resistenzen kam, half es weniger und war oft nur noch gefährlich (siehe medizinisches Prinzip: Risiko vs Nutzen). Und trotzdem hatte es zuvor Menschenleben gerettet!
Genau so ist es bei einer Chemoprophylaxe; irgendwann werden sich immer Resistenzen ergeben. Sollte man aber deswegen darauf verzichten und Menschen nicht mit dem, was man hat, vor der Malaria schützen? (Übrigens: eine konsequente Expositionsprophylaxe ist dort und unter denen, wo die Malaria die meisten Opfer fordert, kaum realisierbar.)
Auch gegen die kommenden Seren werden sich Resistenzen entwickeln. Es bleibt also immer ein Wettlauf - eine unvermeidliche Gratwanderung zwischen Übeln. Und das ist eine sehr aktuelle globale Entwicklung nicht nur auf medizinischem Gebiet.
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