Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
Moderator: Moderatoren
Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
Damaskus / Syrien
22.01.2010
Hallo,
Mustahil bedeutet unmöglich in Arabisch. Dieses Wort höre ich seit zwei Tagen von jedem Syrer, der meine Geschichte erfährt. Mein Motorrad ist hier in Damaskus gestohlen worden. Es war vor dem Hotel Alrabie geparkt. Der Hotelier hatte mir versichert es ist absolut sicher und nachts um vier Uhr wurden die Schlösser aufgebrochen, es wurde kurzgeschlossen und entwendet.
Meine zweizylinder Tenere ist wirklich weg, die Polizei arbeitet an dem Fall, die deutsche Botschaft hilft wo sie kann. Leider beiss ich mir die Zähne aus an der staatlichen Presse, da natürlich in Syrien keine negativen Meldungen erscheinen dürfen und ich am liebsten in den Abendnachrichten über den Diebstahl berichten würde.
Ich selbst hätte so einen Diebstahl hier in Syrien auch für unmöglich gehalten, aber man lernt nie aus. Eine Überwachungskamera hat die Diebe gefilmt, doch noch habe ich das Video nicht gesehen. Die nächsten Tage oder Wochen werde ich noch hier bleiben, aber wie es aussieht ist diese Reise sehr schnell zu Ende gegangen.
Gruss aus Damaskus
Mika
22.01.2010
Hallo,
Mustahil bedeutet unmöglich in Arabisch. Dieses Wort höre ich seit zwei Tagen von jedem Syrer, der meine Geschichte erfährt. Mein Motorrad ist hier in Damaskus gestohlen worden. Es war vor dem Hotel Alrabie geparkt. Der Hotelier hatte mir versichert es ist absolut sicher und nachts um vier Uhr wurden die Schlösser aufgebrochen, es wurde kurzgeschlossen und entwendet.
Meine zweizylinder Tenere ist wirklich weg, die Polizei arbeitet an dem Fall, die deutsche Botschaft hilft wo sie kann. Leider beiss ich mir die Zähne aus an der staatlichen Presse, da natürlich in Syrien keine negativen Meldungen erscheinen dürfen und ich am liebsten in den Abendnachrichten über den Diebstahl berichten würde.
Ich selbst hätte so einen Diebstahl hier in Syrien auch für unmöglich gehalten, aber man lernt nie aus. Eine Überwachungskamera hat die Diebe gefilmt, doch noch habe ich das Video nicht gesehen. Die nächsten Tage oder Wochen werde ich noch hier bleiben, aber wie es aussieht ist diese Reise sehr schnell zu Ende gegangen.
Gruss aus Damaskus
Mika
-
Hans-Jürgen M.
- Beiträge: 74
- Registriert: Do 27. Aug 2009, 20:12
- Wohnort: Hessen - Dreieich
Motorraddiebstahl in Damaskus
Hallo Mika,
das hört sich aber nicht gut an. Ich hoffe Du bekommst Dein Moped bald wieder.
Meine Frage hierzu, hätte eine elektronische Wegfahrsperre, eine Alarmanlage und ein Bremsscheibenschloss mit Alarmanlage den Diebstahl verhindert.
Ich fahre nämlich mit meiner RT 1200 im Mai nach Syrien/Damaskus, die hat diese Ausstattung.
Gruß
Hans-Jürgen
das hört sich aber nicht gut an. Ich hoffe Du bekommst Dein Moped bald wieder.
Meine Frage hierzu, hätte eine elektronische Wegfahrsperre, eine Alarmanlage und ein Bremsscheibenschloss mit Alarmanlage den Diebstahl verhindert.
Ich fahre nämlich mit meiner RT 1200 im Mai nach Syrien/Damaskus, die hat diese Ausstattung.
Gruß
Hans-Jürgen
Re: Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
Hallo Hans Juergen,
jede Diebstahlsicherung ist ein Plus hier in Syrien. Lass es einfach Nachts nicht auf der Strasse ... auch wenn alle sagen es ist sicher.
Gruss aus Damaskus
Mika
jede Diebstahlsicherung ist ein Plus hier in Syrien. Lass es einfach Nachts nicht auf der Strasse ... auch wenn alle sagen es ist sicher.
Gruss aus Damaskus
Mika
- Uwe Schmitz
- Moderator
- Beiträge: 2755
- Registriert: So 31. Jul 2005, 19:07
- Wohnort: Rhein-Main
Re: Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
hallo mika,
wir lesen alle mit entsetzen, was du geschrieben hast: mobilität verloren, reise wahrscheinlich zu ende, ganz abgesehen vom finanziellen schaden.
ich hätte nicht gedacht, dass so etwas so massiv in syrien passiert, taschendiebstahl vielleicht, aber ganzes moped mit kette gesichert... unglaublich!
wie ist denn der der aktuelle stand der dinge?
vielleicht taucht dein moto doch noch wieder auf, ich drücke dir die daumen
grüsse
uwe
wir lesen alle mit entsetzen, was du geschrieben hast: mobilität verloren, reise wahrscheinlich zu ende, ganz abgesehen vom finanziellen schaden.
ich hätte nicht gedacht, dass so etwas so massiv in syrien passiert, taschendiebstahl vielleicht, aber ganzes moped mit kette gesichert... unglaublich!
wie ist denn der der aktuelle stand der dinge?
vielleicht taucht dein moto doch noch wieder auf, ich drücke dir die daumen
grüsse
uwe
-
ThomasAT91
- Beiträge: 2
- Registriert: Di 2. Sep 2008, 11:07
Re: Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
Hallo zusammen,
Jan ( http://camelrallye.spaces.live.com/ auf dem Weg nach Südafrika und Mika's Reisegefährte) hat mich gebeten, hier im Forum die Info zu posten, daß auf youtube ein Film mit weiteren Details zur gestohlenen Tenere zu sehen ist
Zugegeben, die Kamera liefert nicht wirklich scharfe Bilder, aber vielleicht könnt ihr den beiden einen Tip oder einen Hinweis geben.
Grüße
Thomas
Jan ( http://camelrallye.spaces.live.com/ auf dem Weg nach Südafrika und Mika's Reisegefährte) hat mich gebeten, hier im Forum die Info zu posten, daß auf youtube ein Film mit weiteren Details zur gestohlenen Tenere zu sehen ist
Zugegeben, die Kamera liefert nicht wirklich scharfe Bilder, aber vielleicht könnt ihr den beiden einen Tip oder einen Hinweis geben.
Grüße
Thomas
aus Damaskus
Hallo liebe Forumristi,
es ist jetzt fast ein Monat seit dem Diebstahl. Ich bin immer noch in Damaskus und kaempfe gegen Windmuehlen.
Wir glauben der Dieb ist Schwarz und aus dem Sudan, aber bis jetzt haben wir ihn nicht gefunden. Vielleicht heute abend ...
Mal sehen wie lange ich noch durchhalte hier ...
Gruss aus Damaskus
Mika
es ist jetzt fast ein Monat seit dem Diebstahl. Ich bin immer noch in Damaskus und kaempfe gegen Windmuehlen.
Wir glauben der Dieb ist Schwarz und aus dem Sudan, aber bis jetzt haben wir ihn nicht gefunden. Vielleicht heute abend ...
Mal sehen wie lange ich noch durchhalte hier ...
Gruss aus Damaskus
Mika
-
martin1101
- Beiträge: 1252
- Registriert: Fr 21. Okt 2005, 09:35
- Wohnort: Linz/Austria
- Kontaktdaten:
Re: Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
Hallo Mika!
Wir halten dir die Daumen und ... DURCHHALTEN !!!
Martin
Wir halten dir die Daumen und ... DURCHHALTEN !!!
Martin
Der Kampf gegen syrische Windmühlen
Der Kampf gegen syrische Windmühlen
Damaskus. Im Februar 2010.
Die Tage werden länger, die Zeit seit dem Diebstahl bleibt aber nicht stehen. Der Stadtteil Souq Saruja ist zu so etwas wie meinem temporären Zuhause geworden. Ich kenne die vielen Betreiber der keinen Geschäfte in der Strasse, immer wenn ich vorbei gehe höre ich die Laute „Moto“ und „Aleman“. Im Hotel Elrabie kenne ich die Angestellten und die Besitzer fast alle beim Namen, schon lange zahle ich nicht mehr für Tee. Ala, der Kellner vergisst trotzdem jeden Morgen, dass ich keine Oliven zum Frühstück esse.
Am Morgen gegen 1 Uhr, des 21. Januar 2010, komme ich von einer kleinen Party im Haus eines Arabisch Lehrers, mit einigen australischen Bekannten zurück zum Hotel. Die Stimmung ist ausgelassen, wir haben viel Fruchtsaft, Bier, Wein und Wodka getrunken. Meine zwei Zylinder Tenere steht vor dem Hotel, der Nacht-Rezeptionist ist etwas ungehalten über unseren alkoholisierten Zustand.
In der gleichen Nacht um 3.50 Uhr kommen auch die Diebe. Wie ein Zeuge berichtet, kommen sie in einem grauen Auto, Marke Kia Rio, zu fünft angefahren. Das Video der Überwachungskamera zeigt wie zwei Männer sich für einige Minuten an der Tenere zu schaffen machen und sie kurzschliessen und wegfahren. Der Zeuge berichtet von einem Sturz des Diebes mit dem grossen Motorrad.
Um 9.30 Uhr, nach dem einfachen Hotel Frühstück, mache ich mich auf den Weg zur Saudiarabischen Botschaft. Die Tenere steht nicht mehr an der gewohnten Stelle vor dem Hotel. Ich bin geschockt. Zusammen mit einem Hotelangestellten eile ich zur Kriminalpolizei, die ihre Büros nur zwei Blocks entfernt hat. Mein Kampf gegen die syrischen Windmühlen beginnt.
Houssam ist mein Übersetzer und Gehilfe im Kampf gegen die Windmühlenflügel. Er ist Arabisch Lehrer und hat Europa schon viele Male bereist, er spricht gutes Englisch und zu viel Arabisch. Houssam begleitet mich auf den meisten meiner Angriffe gegen die Windmühlen, er erzählt viel aber verschweigt auch viel.
Am Nachmittag des ersten Tages erfahre ich von der Überwachungskamera, sie ist fünf Meter über der Strasse angebracht und eigentlich nur für den Einsatz bei Tageslicht geeignet. Sie gehört zum geschlossenen Nachbargeschäft. Einer der Kriminalpolizisten bemüht sich das Video aus dem Recorder auf einem Computerbildschirm sichtbar zu machen und es gelingt ihm tatsächlich. Die Qualität ist erbärmlich und es ist fast nichts zu sehen, nur einige Lichtblitze.
Ein deutscher Computerexperte, der hier in Souq Saruja arbeitet, nimmt sich den schwarzen Bildern an und kann nach langen Nächten vor dem Bildschirm zwei Phantombilder erstellen. Die Kriminalpolizei braucht aber scheinbar die Adresse und die Telefonnummer des Diebes um etwas zu unternehmen. Die Verkehrspolizei ist mit unseren Anfragen überfordert.
Die wenigen Informationen, die ich neben den unzähligen Beleidsbekundungen bekomme, wieder sprechen sich. Grundtenor ist, es gibt keine grossen Motorräder in Syrien und die Grenzen sind absolut dicht.
Die syrischen Medien können nicht über den Diebstahl berichten, da keine negativen Nachrichten über ihr Land gebracht werden dürfen. Die Ausflüchte und das Geschwätz der vielen Pressemitarbeiter bin ich schnell leid. Auch habe ich schnell aufgehört zu zählen wieviele von ihnen nicht zu den verabredeten Terminen gekommen sind, nämlich alle. Nur ein englischer Bekannter hält sein Wort und in einer englisch sprachigen Tageszeitung erscheint ein kleiner Bericht mit Foto.
Drei Tage nach dem Diebstahl kommt Jan Neumann auf seiner SuperTenere hier in Damaskus an, wir wollten eigentlich zusammen durch Saudi Arabien fahren. Zunächst kümmert sich Jan um die Erstellung des Videos für das Internet. Abends sitzen wir bei Bier und Falafel zusammen und beratschlagen, was wir mit den wenigen Informationen machen können und was der Dieb gemacht hat. Uns scheint der Verkauf des Motorrades im Libanon als einzige logische Erklärung.
Über das Internet meldet sich Marwan Tarat, der Harley Davidson Händler aus Beirut. Er ist der erste Araber, der Klartext redet. Jan und ich beschliessen ihm einen Besuch in Beirut abzustatten. Houssam hat sich um die Einwanderungsbehörde gekümmert und das Polizei Protokoll besorgt. Leider haben wir die falsche Jahreszeit gewählt um die zwei Bergketten zwischen Damaskus und Beirut zu überqueren. Wir fahren auf Schnee und Eis und werden gezwungen auf der halben Strecke zu übernachten, da die Strasse gesperrt ist.
Marwan erklärt uns, dass Motorräder im Libanon gestohlen werden von organisierten syrischen Banden. Anschliessend werden die Besitzer erpresst und können die Motorräder für den halben Wert zurückkaufen, dies ist ein sehr einträgliches Geschäft für die Diebe. Von der korrupten syrischen Polizei haben sie nichts zu befürchten und die Grenzbeamten sind mit wenig Geld zu bestechen.
Auch verkauft Marwan viele Motorräder an syrische Kunden und den Transport, inklusive Bestechungsgelder an der Grenze, biete er pauschal für 300 US Dollar an. Von Marwan bekommen wir auch die Kontaktdaten eines Motorradclubs in Damaskus. Es gibt also genügend grosse Motorräder in Syrien und die Grenzen sind alles andere als dicht.
Jan und ich kehren nach Damaskus zurück, da mein Motorrad sicher noch in Syrien ist und nehmen den erneuten Kampf gegen die Windmühlen auf.
Zugelasssen ist die Tenere im Kanton Bern, hier der Orginalton der schweizer Botschaft: „Wir sind nicht zuständig für Verkehrsangelegenheiten“. Der deutsche Botschafter lehnt meine Bitte für einige Anrufe an höhere syrische Stellen ab, seine Sekretärin ruft mich nicht einmal zurück. Ein Sachbearbeiter der deutschen Botschaft nimmt sich Zeit für mein Anliegen und beantwortet meine Fragen. Andere Mitarbeiter der deutschen Botschaft verschweigen mehr als sie sagen.
Ich selbst hätte so einen Diebstahl in Syrien für unmöglich gehalten. Aus diesem Grund habe ich der Aussage des Hoteliers vertraut, der mir versicherte, dass der Parkplatz vor dem Hotel sehr sicher ist. Doch musste ich lernen, dass der Eindruck der Sicherheit in diesem Land täuscht und dass mehr Kriminalität existiert, als ich geglaubt hätte. Leider kümmert sich die Polizei auch hier nur um die kleinen Fische und wartet auf die Rente, wie wohl in vielen Ländern.
Schiesslich erfahre ich von anderen Reisenden, dass nur zehn Tage vor dem Diebstahl versucht wurde ein anderes Reisemotorrad zu stehlen. Leider habe ich bis heute den schwedischen Reisenden, dem die Elektrik erheblich beschädigt wurde bei dem Versuch sein Bike zu stehlen, nicht ausfindig machen können. Dies wirft für mich auch die Frage auf, in wie weit das Hotel über diesen Diebstahlversuch wusste, wenn es einige der Gäste wussten.
Als ich beim Hauptzollamt hier in Damaskus die Beherrschung verliere und den einzigen englisch sprechenden Beamten anschreie, da er mir erklärt ich müsse zurück zur Grenze und zum Amtsgericht, ist der Punkt erreicht für mich den Diebstahl zu akzeptieren.
Der Kampf gegen die syrischen Windmühlenflügel, sprich die Behörden hier, bringt nichts und kostet zuviel Kraft. Doch irgendwie kann ich nicht anders und will versuchen den Syriern eine Möglichkeit zu geben diesen Diebstahl wieder auszugleichen, und meinen Glauben in dieses Land zurück zu gewinnen. Doch das geschieht nicht.
Einen Teil der Schuld gebe ich dem Hotel, da sie von dem Diebstahlversuch hätten wissen müssen und mich hätten warnen müssen, den zweiten Teil der Schuld gebe ich mir selbst. Das Motorrad sah zu neu aus und war nicht genug gesichert.
Syrien ist ein tolles Reiseland, die Menschen sind sehr nett und hilfsbereit. Ich bin sehr gerne hier, das Hotel Elrabie ist wirklich ein guter Ort um ein bisschen Zeit zu verbringen. Aber jetzt bin ich lange genug hier und es geht weiter, Reiseroute und Verkehrsmittel haben sich geändert.
Mika Kuhn
Damaskus. Im Februar 2010.
Die Tage werden länger, die Zeit seit dem Diebstahl bleibt aber nicht stehen. Der Stadtteil Souq Saruja ist zu so etwas wie meinem temporären Zuhause geworden. Ich kenne die vielen Betreiber der keinen Geschäfte in der Strasse, immer wenn ich vorbei gehe höre ich die Laute „Moto“ und „Aleman“. Im Hotel Elrabie kenne ich die Angestellten und die Besitzer fast alle beim Namen, schon lange zahle ich nicht mehr für Tee. Ala, der Kellner vergisst trotzdem jeden Morgen, dass ich keine Oliven zum Frühstück esse.
Am Morgen gegen 1 Uhr, des 21. Januar 2010, komme ich von einer kleinen Party im Haus eines Arabisch Lehrers, mit einigen australischen Bekannten zurück zum Hotel. Die Stimmung ist ausgelassen, wir haben viel Fruchtsaft, Bier, Wein und Wodka getrunken. Meine zwei Zylinder Tenere steht vor dem Hotel, der Nacht-Rezeptionist ist etwas ungehalten über unseren alkoholisierten Zustand.
In der gleichen Nacht um 3.50 Uhr kommen auch die Diebe. Wie ein Zeuge berichtet, kommen sie in einem grauen Auto, Marke Kia Rio, zu fünft angefahren. Das Video der Überwachungskamera zeigt wie zwei Männer sich für einige Minuten an der Tenere zu schaffen machen und sie kurzschliessen und wegfahren. Der Zeuge berichtet von einem Sturz des Diebes mit dem grossen Motorrad.
Um 9.30 Uhr, nach dem einfachen Hotel Frühstück, mache ich mich auf den Weg zur Saudiarabischen Botschaft. Die Tenere steht nicht mehr an der gewohnten Stelle vor dem Hotel. Ich bin geschockt. Zusammen mit einem Hotelangestellten eile ich zur Kriminalpolizei, die ihre Büros nur zwei Blocks entfernt hat. Mein Kampf gegen die syrischen Windmühlen beginnt.
Houssam ist mein Übersetzer und Gehilfe im Kampf gegen die Windmühlenflügel. Er ist Arabisch Lehrer und hat Europa schon viele Male bereist, er spricht gutes Englisch und zu viel Arabisch. Houssam begleitet mich auf den meisten meiner Angriffe gegen die Windmühlen, er erzählt viel aber verschweigt auch viel.
Am Nachmittag des ersten Tages erfahre ich von der Überwachungskamera, sie ist fünf Meter über der Strasse angebracht und eigentlich nur für den Einsatz bei Tageslicht geeignet. Sie gehört zum geschlossenen Nachbargeschäft. Einer der Kriminalpolizisten bemüht sich das Video aus dem Recorder auf einem Computerbildschirm sichtbar zu machen und es gelingt ihm tatsächlich. Die Qualität ist erbärmlich und es ist fast nichts zu sehen, nur einige Lichtblitze.
Ein deutscher Computerexperte, der hier in Souq Saruja arbeitet, nimmt sich den schwarzen Bildern an und kann nach langen Nächten vor dem Bildschirm zwei Phantombilder erstellen. Die Kriminalpolizei braucht aber scheinbar die Adresse und die Telefonnummer des Diebes um etwas zu unternehmen. Die Verkehrspolizei ist mit unseren Anfragen überfordert.
Die wenigen Informationen, die ich neben den unzähligen Beleidsbekundungen bekomme, wieder sprechen sich. Grundtenor ist, es gibt keine grossen Motorräder in Syrien und die Grenzen sind absolut dicht.
Die syrischen Medien können nicht über den Diebstahl berichten, da keine negativen Nachrichten über ihr Land gebracht werden dürfen. Die Ausflüchte und das Geschwätz der vielen Pressemitarbeiter bin ich schnell leid. Auch habe ich schnell aufgehört zu zählen wieviele von ihnen nicht zu den verabredeten Terminen gekommen sind, nämlich alle. Nur ein englischer Bekannter hält sein Wort und in einer englisch sprachigen Tageszeitung erscheint ein kleiner Bericht mit Foto.
Drei Tage nach dem Diebstahl kommt Jan Neumann auf seiner SuperTenere hier in Damaskus an, wir wollten eigentlich zusammen durch Saudi Arabien fahren. Zunächst kümmert sich Jan um die Erstellung des Videos für das Internet. Abends sitzen wir bei Bier und Falafel zusammen und beratschlagen, was wir mit den wenigen Informationen machen können und was der Dieb gemacht hat. Uns scheint der Verkauf des Motorrades im Libanon als einzige logische Erklärung.
Über das Internet meldet sich Marwan Tarat, der Harley Davidson Händler aus Beirut. Er ist der erste Araber, der Klartext redet. Jan und ich beschliessen ihm einen Besuch in Beirut abzustatten. Houssam hat sich um die Einwanderungsbehörde gekümmert und das Polizei Protokoll besorgt. Leider haben wir die falsche Jahreszeit gewählt um die zwei Bergketten zwischen Damaskus und Beirut zu überqueren. Wir fahren auf Schnee und Eis und werden gezwungen auf der halben Strecke zu übernachten, da die Strasse gesperrt ist.
Marwan erklärt uns, dass Motorräder im Libanon gestohlen werden von organisierten syrischen Banden. Anschliessend werden die Besitzer erpresst und können die Motorräder für den halben Wert zurückkaufen, dies ist ein sehr einträgliches Geschäft für die Diebe. Von der korrupten syrischen Polizei haben sie nichts zu befürchten und die Grenzbeamten sind mit wenig Geld zu bestechen.
Auch verkauft Marwan viele Motorräder an syrische Kunden und den Transport, inklusive Bestechungsgelder an der Grenze, biete er pauschal für 300 US Dollar an. Von Marwan bekommen wir auch die Kontaktdaten eines Motorradclubs in Damaskus. Es gibt also genügend grosse Motorräder in Syrien und die Grenzen sind alles andere als dicht.
Jan und ich kehren nach Damaskus zurück, da mein Motorrad sicher noch in Syrien ist und nehmen den erneuten Kampf gegen die Windmühlen auf.
Zugelasssen ist die Tenere im Kanton Bern, hier der Orginalton der schweizer Botschaft: „Wir sind nicht zuständig für Verkehrsangelegenheiten“. Der deutsche Botschafter lehnt meine Bitte für einige Anrufe an höhere syrische Stellen ab, seine Sekretärin ruft mich nicht einmal zurück. Ein Sachbearbeiter der deutschen Botschaft nimmt sich Zeit für mein Anliegen und beantwortet meine Fragen. Andere Mitarbeiter der deutschen Botschaft verschweigen mehr als sie sagen.
Ich selbst hätte so einen Diebstahl in Syrien für unmöglich gehalten. Aus diesem Grund habe ich der Aussage des Hoteliers vertraut, der mir versicherte, dass der Parkplatz vor dem Hotel sehr sicher ist. Doch musste ich lernen, dass der Eindruck der Sicherheit in diesem Land täuscht und dass mehr Kriminalität existiert, als ich geglaubt hätte. Leider kümmert sich die Polizei auch hier nur um die kleinen Fische und wartet auf die Rente, wie wohl in vielen Ländern.
Schiesslich erfahre ich von anderen Reisenden, dass nur zehn Tage vor dem Diebstahl versucht wurde ein anderes Reisemotorrad zu stehlen. Leider habe ich bis heute den schwedischen Reisenden, dem die Elektrik erheblich beschädigt wurde bei dem Versuch sein Bike zu stehlen, nicht ausfindig machen können. Dies wirft für mich auch die Frage auf, in wie weit das Hotel über diesen Diebstahlversuch wusste, wenn es einige der Gäste wussten.
Als ich beim Hauptzollamt hier in Damaskus die Beherrschung verliere und den einzigen englisch sprechenden Beamten anschreie, da er mir erklärt ich müsse zurück zur Grenze und zum Amtsgericht, ist der Punkt erreicht für mich den Diebstahl zu akzeptieren.
Der Kampf gegen die syrischen Windmühlenflügel, sprich die Behörden hier, bringt nichts und kostet zuviel Kraft. Doch irgendwie kann ich nicht anders und will versuchen den Syriern eine Möglichkeit zu geben diesen Diebstahl wieder auszugleichen, und meinen Glauben in dieses Land zurück zu gewinnen. Doch das geschieht nicht.
Einen Teil der Schuld gebe ich dem Hotel, da sie von dem Diebstahlversuch hätten wissen müssen und mich hätten warnen müssen, den zweiten Teil der Schuld gebe ich mir selbst. Das Motorrad sah zu neu aus und war nicht genug gesichert.
Syrien ist ein tolles Reiseland, die Menschen sind sehr nett und hilfsbereit. Ich bin sehr gerne hier, das Hotel Elrabie ist wirklich ein guter Ort um ein bisschen Zeit zu verbringen. Aber jetzt bin ich lange genug hier und es geht weiter, Reiseroute und Verkehrsmittel haben sich geändert.
Mika Kuhn
Re: Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
Viel Glück auf deiner weiteren Reise wünscht
sven
sven
-
schu achbar ?
Re: Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
Hallo Mika,
inwieweit sind die syrischen Behörden denn jetzt so schlimm ?
Ich kann verstehen, dass der Verlust Dich anspannt;
das ganze wenig zielgerichtete Verhalten Deiner Ansprechpartner u. der Papierkram ist jedoch nichts aussergewöhnliches.
In einem etwas reicheren arabischen Land hättest Du ev. ne neue Maschine
gestiftet bekommen um Dir als Gast zu helfen.
Aber solche Dinge sind für den Kontinent Europa , Syrien u. die meisten anderen Länder wohl undenkbar.
Diebstahl u. Überfaelle gibts überall,mal mehr mal weniger, sogar in KSA.
Alles Gute u. mehr Glück für Dich auf der Weiterreise !!
inwieweit sind die syrischen Behörden denn jetzt so schlimm ?
Ich kann verstehen, dass der Verlust Dich anspannt;
das ganze wenig zielgerichtete Verhalten Deiner Ansprechpartner u. der Papierkram ist jedoch nichts aussergewöhnliches.
In einem etwas reicheren arabischen Land hättest Du ev. ne neue Maschine
gestiftet bekommen um Dir als Gast zu helfen.
Aber solche Dinge sind für den Kontinent Europa , Syrien u. die meisten anderen Länder wohl undenkbar.
Diebstahl u. Überfaelle gibts überall,mal mehr mal weniger, sogar in KSA.
Alles Gute u. mehr Glück für Dich auf der Weiterreise !!
-
Franz (UNI)Murr
- Beiträge: 357
- Registriert: So 29. Jan 2006, 17:42
- Wohnort: unterfränkische Diaspora
- Kontaktdaten:
Re: Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
Hallo Forum, hallo Mika,
das ist eine schlimme Sache. Blauäugig war es allemal. die syrischen Behörden sind nicht schlimmer, als andere arabische Behörden. Es ist einen Mentalitätsfrage. Kein Staatsangestellter in Arabien ist begeistert, wenn er plötzlich was Tun muss. In keinem arabischen Land würde zugegen werden, das es Kriminalität gibt. Das ist nicht nur gegen die Ehre, sondern es ist auch unhöflich.
Syrien ist nicht nur von Syrern bewohnt. Es treibt sich viel Gesindel aus dem Libanon und dem Irak im Land herum. Mich hätten 2007 irakische Diebe um ein Haar erschossen.
Man muss also differenzieren.
Es ist trotzdem die Kriminalitätsrate in den arabischen Ländern deutlich kleiner, als in Europa. Extrem klein ist sie hier in Kairo.
Ich würde nie mit einem nagelneu aussehenden Motorrad auf Reisen gehen. Grundsätzlich würde ich kein Motorrad auf der Straße stehen lassen und auch im Hof wäre es an einem massiven Gegenstand angekettet. Und zwar überall auf der Welt. Motorräder sind eben viel leichter zu klauen, als Autos.
Ich wünsche Dir Glück. Und bedenke, du hast über die Geschichte Erfahrungen im Land gesammelt, die dem Touristen in der Regel verborgen bleiben. Lebenserfahrung kann nicht teuer genug sein und es ist das am Besten investierte Geld.
Grüße aus Kairo
Franz
das ist eine schlimme Sache. Blauäugig war es allemal. die syrischen Behörden sind nicht schlimmer, als andere arabische Behörden. Es ist einen Mentalitätsfrage. Kein Staatsangestellter in Arabien ist begeistert, wenn er plötzlich was Tun muss. In keinem arabischen Land würde zugegen werden, das es Kriminalität gibt. Das ist nicht nur gegen die Ehre, sondern es ist auch unhöflich.
Syrien ist nicht nur von Syrern bewohnt. Es treibt sich viel Gesindel aus dem Libanon und dem Irak im Land herum. Mich hätten 2007 irakische Diebe um ein Haar erschossen.
Man muss also differenzieren.
Es ist trotzdem die Kriminalitätsrate in den arabischen Ländern deutlich kleiner, als in Europa. Extrem klein ist sie hier in Kairo.
Ich würde nie mit einem nagelneu aussehenden Motorrad auf Reisen gehen. Grundsätzlich würde ich kein Motorrad auf der Straße stehen lassen und auch im Hof wäre es an einem massiven Gegenstand angekettet. Und zwar überall auf der Welt. Motorräder sind eben viel leichter zu klauen, als Autos.
Ich wünsche Dir Glück. Und bedenke, du hast über die Geschichte Erfahrungen im Land gesammelt, die dem Touristen in der Regel verborgen bleiben. Lebenserfahrung kann nicht teuer genug sein und es ist das am Besten investierte Geld.
Grüße aus Kairo
Franz
Der Mensch braucht zuweilen etwas Wüste. Das Sein in der Wüste ist wie Yoga für meine Seele.
Re: Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
Hallo Franz aus Kairo,
du schreibst:
mit freundlichem gruß
Franz
du schreibst:
Liegen da offizielle/inoffizielle Zahlen vor? Oder wo könnte man Zahlen/Statistiken zu dieser Thematik finden?Es ist trotzdem die Kriminalitätsrate in den arabischen Ländern deutlich kleiner, als in Europa. Extrem klein ist sie hier in Kairo".
mit freundlichem gruß
Franz
kurze Antworten auf eure Kommentare
Hallo liebe Forumristi,
Die syrischen Behörden sind nicht schlimmer wie irgendwelche anderen Behörden im arabischen Raum, denke das habe ich auch nicht geschrieben.
Als ich dem Boss der Kriminalpolizei ein Phantombild des
Diebes vorlege, fragt er mich allen Ernstes ob ich ihm nicht auch die Adresse und Telefonnummer geben kann. Die Polizei konnte+wollte nichts tun.
Mir gingen das Geschwätz, die Lügen, das Verschweigen von Tatsachen und die leeren Versprechungen am Meisten auf die Nerven.
Vielleicht ging mir damit die Höflichkeit (obwohl ich unter Höflichkeit etwas anderes verstehe), wie Franz (UNI) Murr geschrieben hat, der Araber auf die Nerven.
Ich hatte eine gute Zeit in Damaskus, ich habe fantastische Menschen kennen gelernt, aber auch viele Idioten.
Die Reise geht weiter, aber im Moment habe ich genug vom Geschwätz der Araber und werde eine andere Richtung zum Ziel einschlagen (die Welt ist ja zum Glück rund)
Vielen Dank für die Kommentare
Gruss
Mika
Die syrischen Behörden sind nicht schlimmer wie irgendwelche anderen Behörden im arabischen Raum, denke das habe ich auch nicht geschrieben.
Als ich dem Boss der Kriminalpolizei ein Phantombild des
Diebes vorlege, fragt er mich allen Ernstes ob ich ihm nicht auch die Adresse und Telefonnummer geben kann. Die Polizei konnte+wollte nichts tun.
Mir gingen das Geschwätz, die Lügen, das Verschweigen von Tatsachen und die leeren Versprechungen am Meisten auf die Nerven.
Vielleicht ging mir damit die Höflichkeit (obwohl ich unter Höflichkeit etwas anderes verstehe), wie Franz (UNI) Murr geschrieben hat, der Araber auf die Nerven.
Ich hatte eine gute Zeit in Damaskus, ich habe fantastische Menschen kennen gelernt, aber auch viele Idioten.
Die Reise geht weiter, aber im Moment habe ich genug vom Geschwätz der Araber und werde eine andere Richtung zum Ziel einschlagen (die Welt ist ja zum Glück rund)
Vielen Dank für die Kommentare
Gruss
Mika
-
Franz (UNI)Murr
- Beiträge: 357
- Registriert: So 29. Jan 2006, 17:42
- Wohnort: unterfränkische Diaspora
- Kontaktdaten:
Re: Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
Brauchbare Statistiken wirst Du in totalitären Staaten nicht finden. In arabischen Staaten noch viel weniger.Franz hat geschrieben:Hallo Franz aus Kairo,
du schreibst:
Liegen da offizielle/inoffizielle Zahlen vor? Oder wo könnte man Zahlen/Statistiken zu dieser Thematik finden?Es ist trotzdem die Kriminalitätsrate in den arabischen Ländern deutlich kleiner, als in Europa. Extrem klein ist sie hier in Kairo".
mit freundlichem gruß
Franz
Aber man kann es erleben. Das tue ich nun seit fast zwei Jahren in Kairo.
Grüße
Franz
Der Mensch braucht zuweilen etwas Wüste. Das Sein in der Wüste ist wie Yoga für meine Seele.
-
agentorange
- Beiträge: 15
- Registriert: So 9. Nov 2008, 21:37
- Wohnort: Wien umgebung
Re: Syrien - Motorrad Diebstahl in Damaskus
Hallo,
es tut mir leid das dein Motorrad gestohlen wurde und ich hoffe, mir passiert das nie. Sicher ein sch... gefühl
Wo es gestohlen wurde spielt doch eigentlich keine Rolle. Oder denkst du, dass in Deutschland die Diebe geschnappt worden wären und du das Moped wieder zurückbekommen hättest? ( Dann doch eher einen Lotto 6er machen
) Hier wird zwar so getan als wäre man darum bemüht. Aber im Grunde ist es das Selbe. 
es tut mir leid das dein Motorrad gestohlen wurde und ich hoffe, mir passiert das nie. Sicher ein sch... gefühl
Wo es gestohlen wurde spielt doch eigentlich keine Rolle. Oder denkst du, dass in Deutschland die Diebe geschnappt worden wären und du das Moped wieder zurückbekommen hättest? ( Dann doch eher einen Lotto 6er machen



