Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Paradies

Unterwegs zu Fuß, mit Kamel oder Muli, mit dem Drahtesel

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Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Hallo Maja und TGerd,

danke für die Aufklärung. Jetzt, wo ihr es erwähnt. Ich lag tatsächlich falsch. Das sieht eher nach alten Korallen o.ä. aus.

Diese Koralle mit den Löchern, oder was immer es auch sein mag, gefiel mir besonders gut:

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Grüsse
Alexander
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Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Aufbruch im Dunkeln

Das Lager breche ich im Dunkeln ab. Meine Taschenlampe hatte sich entschieden, ihren Dienst einzustellen. Die Batterien konnten es nicht sein. Ich zerlegte meine mini Maglite, soweit es mir im Dunkeln möglich war. Evtl. lag es nur an einem Kontakt. Doch das brachte das Leben nicht zurück in meine Taschenlampe. So tastete ich mich durch das schummrige Sternenlicht. Schliesslich hatte ich alles in meinem Rucksack verstaut. Ich nahm mir vor, die Taschenlampe im Tageslicht einer gründlicheren Untersuchung zu unterziehen.

Wie am Vortag beschlossen, mache ich mich bereits in der Dunkelheit auf den Weg. Anfangs laufe ich aufgrund des schroffen Felsuntergrundes fast in Zeitlupe. Der unebene Boden macht auch meinen Blasen zu schaffen. Nach kurzer Zeit jedoch wechselt der Untergrund wieder, da der Fels von einer dicken Sandschicht bedeckt wird. Das GPS zeigt mir den Weg. Der nächste Waypoint liegt hinter einer Dünenkette. Der Sand wird plötzlich weich und ich sinke tief ein. Trotzdem kämpfe ich mich auf den Dünenkamm, um eine bessere Aussicht zu bekommen. Auf der anderen Seite sehe ich, immer noch im Dunkeln, Dünentrichter und steile Auf- und Abstiege. Im Dunkeln ist mir das zu problematisch. Auch möchte ich mir die anspruchsvolle Dünenpassage mit dem zusätzlichen Gewicht der aufgefüllten Wasservorräte nicht antun. Ich gehe daher wieder zurück und folge der Dünenkette Richtung Süden bis es dämmert und ich das Gelände im aufgehenden Sonnenlicht besser einschätzen kann.

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Im Osten, ca. 8 Kilometer von meinem Standort erhebt sich der Jabal Shawshaw, ein über 400 Meter hoher Berg, der die nordwestliche Begrengzung eines Plateaus bildet. Es würde mich reizen, die Gegend näher zu erforschen. Es würde mich einfach aber mindestens einen Halbtagesmarsch kosten und mich weit von meinem letzten Wasserdepot wegführen. Da ich mir aber sicher bin, nicht zum letzten mal diese Gegend besucht zu haben, hebe ich mir den Ausflug für ein anderes mal auf.

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Die letzten grösseren Dünen. Sie werden immer kleiner, je weiter ich nach Süden laufe.

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Was war das für ein Vogel, der hier vor längerer Zeit sein Ende gefunden hat?

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Die Landschaft wechselt nur häufig zwischen Sand und Fels. Der Boden ist aber meist solide, der Sand federt meinen Schritt und ist angenehm für die Füsse. Immer mehr Felsen bedeutet immer mehr Schatten und ich habe häufiger die Möglichkeit eine Pause einzulegen. Obwohl ich nun schon fast zwei Wochen unterwegs bin, spüre ich noch keine deutlichen konditionellen Probleme. Nur die Füsse und der Rücken melden sich gelegentlich zu Wort und beschweren sich über das Pensum, das sie jeden Tag leisten müssen.

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Fortsetzung folgt
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Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Ein letzter Blick zurück, bevor es weiter Richtung Dakhla geht. Es wird mir immer mehr bewusst, dass sich meine Reise dem Ende nähert. Ich werde nachdenklich....

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Je mehr sich die Felsen häufen, um so öfter stosse ich auf Schlangenspuren. Obwohl ich immer wieder den Spuren folge und auch Felsnieschen absuche, finde ich keine Schlange. Es ist ihnen wahrscheinlich, wie mir an diesem Tag etwas zu heiss. An diesem Morgen hatte der Wind wohl wieder einmal verschlafen.

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Ich frage mich, warum sich Fliegen immer auf die Nase setzten müssen. :roll: Ich spreche nicht von diesen kleinen Fliegen. Nein, ich meine diese dicken zwei Zentimeterbrummer. Sie setzten sich immer auf die Nase. Und wenn die Nase gross genug ist, dann gesellt sich bestimmt noch eine zweite Fliege dazu. Und wehe die Nase ist besetzt und eine dritte Fliege meldet noch ihren Anspruch an. Dann gibt es Streit um die Landebahn. :cry: Ein Gewirr von Fliegen. Und ist die Nase besetzt, dann gibt es ja noch die Brillengläser. Die eignen sich auch sehr gut als Lande- und Startoberfläche für Fliegen. :roll: Während ich so durch die Landschaft schländere gesellen sich immer mehr Fliegen dazu. Ich wedle mit den Händen, was die Fliegen nur kurz davon abhält, mich weiter zu belästigen. Bei Fliegen scheint es sich um eine ganz besonders sture Spezies zu handeln. Sie sind unerschrocken und unbelehrbar. Immer wieder fuchtle ich vor meinem Gesicht herum, aber erfolglos. Ich bin ein ruhiger und gutmütiger Mensch, besonders in so einer ruhigen und friedlichen Landschaft. Ich merke aber trotzdem, dass ich immer ungehaltener werde. Es regt sich in mir der Wunsch, die Fliegen vom Dieseits ins Jenseits zu befördern. Meine Hemmschwelle sinkt....

Als die Hitze nun immer grösser wurde und diese dicken Plagegeister immer noch nicht von mir lassen wollte, nutze ich den nächsten schattenspendenen Fels, um eine Pause einzulegen. "Jetzt seid ihr drann", dachte ich mir. Da ich mir selbst nicht auf die Nase schlagen wollte, um die Fliegen zu erledigen, wedelte ich wieder mit den Händen herum und wartete, bis die Fliegen sich irgendwo im Sand oder auf meiner Jeans breit gemacht hatten. Ich bewege mich ganz vorsichtig. Ich erhebe die Hand, ziele sicher und schlage zu. 1:0 für mich. Nach wenigen Minuten bin ich wieder alleine und die Wanderung geht weiter. :mrgreen:

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Immer noch kein Windzug. Da kommt der Schatten gerade zur rechten Zeit. Ich nutze die Gelegenheit zur Blasenversorgung und versuche erneut meiner Taschenlampe wieder Licht zu entlocken. Wiederum zerlege ich sie. Im Schraubverschluss befindet sich ein kleiner Behälter, in der sich eine Ersatz-LED befindet. Ich wechsle sie aus und voila, sie erstrahlt wieder im alten Glanz. 8)

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Die Sonne scheint an diesem Tag unerbittlich. Es ist gleich Mittag und es rührt sich immer noch kein Windhauch. Das Sonnenlicht wird von grauen, von Wind und Sand spiegelglatt geschliffenen Felsen reflektiert. Das Licht blendet. Ohne Sonnenbrille wäre es zu grell.

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Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Die letzte Nacht

Eigentlich müsste ich mich in diesen endlosen Weiten total verloren vorkommen. Sie müsste beängstigend sein. Für viele Menschen ist diese Ruhe und Stille erdrückend. Sie beschäftigen sich zu sehr mit sich selbst und ihren scheinbaren nicht wirklich existenten Problemen. Sie zerstören sich damit selbst. Ich glaube, um die Wüste in vollen Zügen geniesen zu können, muss man zunächst mit sich selbst im Reinen sein und die Wüste und ihre "Gesetze" so akzeptieren, wie sie ist. Wer sich gegen die Regeln der Wüste stellt, gibt sich der Verdammnis preis. Wer die Wüste hingegen achtet, dem offenbar sie ihre ganze Schönheit.

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Der letzte Abend neigt sich dem Ende. Morgen früh wird für mich der letzte Tag anbrechen und ich das letzte mal meine Wasservorräte auffüllen. Bei diesen Gedanken wird mir ganz anders. Bald würde es wieder zurück in die "Zivilisation" gehen, zurück dorthin, von wo ich vor einigen Wochen noch geflüchtet bin. Ich verdränge diese Gedanken und geniese den letzten Abend und die intensiven Farben, welche die untergehende Sonne auf die Landschaft zaubert.

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cspr
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von cspr »

Wunderbare Mitschrift! Vielen, vielen Dank dafür! Finde es vorallem beeindruckend wie die Menschen vor Ort mit absolut Fremden umgehen.
Darf man fragen wie die finanzielle Seite deines Abenteuers aussah? Ich würde gerne etwas Ähnliches planen, aber als Student sind die finanziellen Mittel da etwas eingeschränkter.

Beste Grüße!
Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Hallo cspr,

vielen Dank und willkommen auf dem Wüstenschiff.

Um die Kosten für deine Reise wäre es wichtig zu wissen, wo willst du hin, welche Strecke willst du zurücklegen, wie viel Tage planst du ein und wie fit bist du.

Das Teuerste war bei mir der Flug mit 400 Euro, den ich aber auch noch billiger hätte buchen können. Ich war nur zu voreilig. :oops:

Gehen wir mal davon aus, du möchtest nach Baharia, dann zahlst du bei der Einreise für das Visum 15 Euro, das Taxi vom Flughafen bis zum Busbahnhof ca. 120 LE, die Busfahrt nach Baharia ca. 30 LE, Hotel in Baharia, je nach Ausstattung 50 – 100 LE. Für meine Wanderung hatte ich eine Spezialnahrung dabei, was mich ca. 20 Euro pro Tag kostete. Dazu kommt Ausrüstung wie Rucksack, Schlafsack, GPS, Satellitentelefon (vermutlich ausleihen, bedenke aber, dass du teilweise hohe Kautionen hinterlegen musst) Evtl. benötigst du die Unterstützung eines Führers/Guides. Wie gesagt, es kommt darauf an, wie deine Reise aussieht.

Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Erfolg bei der Durchführung deiner Reise. Du wirst es nicht bereuhen. Solltest du weiter Fragen haben, dann immer her damit :wink:

Grüsse
Alexander
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cspr
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von cspr »

Wow, erstmal vielen Dank für die ausführliche Antwort!
Beim Reiseort bin ich noch nicht ganz sicher, wobei ich nach den Bildern doch sehr eingenommen bin :wink:
Wie hast du das denn mit dem Flug gemacht? Hinflug kann man ja ganz gut planen, aber Rückflug? Hattest du dann ein bis zwei Tage Puffer? Und gab es die Spezialnahrung wegen des Gewichtes oder aus Praktibilitätsgründen?

Kann den nächsten Teil der Erzählung kaum erwarten :-)

Grüße,
cspr
Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Für den Rückflug hatte ich noch einige Tage Puffer eingebaut. Ich habe schon einmal einen Flug verpasst. Das brauche ich nicht mehr :-)

Die Spezialnahrung Peronin hatte ich nur aus Gewichtsgründen verwendet. Vergleicht man z.B. Datteln, die schon an sich ein hochkonzentriertes Nahrungsmittel darstellen, würde ich das 1,6 fache Gewicht gegenüber Peronin benötigen. Dazu kommt, dass bei normalen Nahrungsmitteln, also auch bei der Dattel die Nahrung erst verdaut werden muss und nur ein Teil vom Körper absorbiert wird. So dürfte der Faktor eher bei 1,7 oder 1,8 liegen. Bei kürzeren Wanderungen würde ich auf jeden Fall zur Datten greifen, wobei ich die getrockneten bevorzugen würde. Bei der Schüttlerei im Rucksack kann mit nicht getrockneten Datteln eine ziemliche Pampe entstehen.

Und die Fortsetzung des Reiseberichtes gibt es in Kürze. 8)

Grüsse
Alexander
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Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Der letzte Tag

Am Morgen des 15. und letzten Tages erreiche ich das letzte Wasserdepot, das Mohammed sorfältig an einem Felsen angelegt hatte. Zusätzlich hatte Mohammed auf dem Felsen einige Steine aufgehäuft, damit ich das Versteck auf keinen Fall übersehe. 8)

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Als die Sonne ihr Licht über das Land wirft, sehe ich, was für eine Herausforderung auf mich wartet. Das Gelände ist bestückt mit grossen und kleinen Hügeln. Ein Irrgarten, durch den ich meinen Weg finden muss. Oft stehen sie so eng, dass ich einen Umweg in Kauf nehmen muss. Die Navigation ist nicht ganz einfach, obwohl das GPS die genaue Richtung angibt.

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Besonders schön sind hier die Farben und Kontraste am Morgen. Schatten werfen sich über den harten grauen Fels. Die Wellen des Sandes brechen und reflektieren das Licht.

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Über weite Strecken breitet sich der graue Fels aus. Irgendetwas hat im Laufe der Zeit Linien in den Stein gefräst. Alle Linien verlaufen in eine Richtung. Ähnliches habe ich anderen Ländern gesehen, wo in Urzeiten Eisgletscher die Landschaft formten.

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Sackgasse

Aus verschiedenen Karten hatte ich mir Koordinaten herausgeschrieben, da ich auf Satellitenkarten schon erkannt hatte, wie unübersichtlich das Gebiet sein könnte. Somit hätte ich zumindestens eine grobe Richtung, an die ich mich halten würde. Immer wieder führt mein Pfad zwischen Bergen, Hügeln und engen Durchgängen hindurch.

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Plötzlich geht es nicht mehr weiter. Einige Berge versperren mir den Weg. Ich entdecke einige Reifenspuren, die eine andere Richtung eingeschlagen hatten. Mir war aber nicht klar, wie gross der Umweg sein würde, den ich in Kauf nehmen müsste. Ich suchte in allen Himmelsrichtungen nach einer kürzeren Alternative, aber vergeblich. Ich schalte mein GPS ein, um nochmal den nächsten Waypoint und die Richtung zu prüfen. Das GPS empfängt, auch nach längerer Wartezeit keine Satelliten. Nur eine Nachricht erscheint auf dem Display: POWER DOWN AND RE-INITIATE. Also schalte ich das GPS aus und wieder ein. Mein GPS aber zeigt nur die gleiche Nachricht. Nach dem fünften Versuch endlich. Das GPS zeigt mir wieder die Richtung. Der nächste Waypoint liegt genau hinter den Bergen.

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Ich frage mich, warum kletterst du nicht einfach auf einen der Berge rauf? Zumindestens wüßte ich danach, was hinter den Bergen liegt und ob es dort weiter geht. Zwischen zwei der Bergen liegt eine Sandverwehung, die ich für den Aufstieg nutze. Der Aufstieg ist steil, liegt aber im Schatten, was die Kletterei erträglicher macht.

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Kurze Zeit später erreiche ich den Berggipfel. Ich sehe mich um und hoffe darauf, einen Weg Richtung Bab el Qasmund zu finden. Vom Gipfel wieder herunter führt eine lange Sandzunge. In grösserer Entfernung erkenne ich erneut ein Gewirr von engstehenden Bergen. Die Aussicht ist überwältigend. Die Entscheidung ist schnell gefällt. Ich folge der Sandzunge weiter in Richtung zu den Hügeln.

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Reifenspuren erwecken in mir die Befürchtung, dass ich bald nicht mehr alleine sein werde. Zumal die Spuren immer mehr zunehmen und in eine teilweise gute Piste übergehen. Meine Befürchtung war aber unbegründet.

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Eigentlich handelt es sich bei dieser Piste um eine Passstrasse, die kommend von der Darb el Farafra, der alten Karawanenstrasse, über den Bab el Cailliaud und dem 490 Meter hohem Bab el Qasmund zur Oase el Qasr führt.
Die Piste ist überwiegend gut zu befahren, teilweise sogar mit Steinen gepflastert. Einige Stellen jedoch erfordern das ganze Können von Fahrer und Fahrzeug. Diese Stellen sind nicht nur steil. Sie sind mit tiefem Weichsand bedeckt. Alle Spuren, die ich dort oben entdeckt habe, waren schon älteren Datums. Weiter unten wird die Piste von einer Düne überlagert, die auch schon seit Längerem nicht mehr durchquert wurde.

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In dieser Gegend kann man sich weder verfahren noch verlaufen. Die Piste befindet sich in gutem Zustand und kennt nur eine Richtung: hinunter nach el Qasr.

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Links und rechts wurde die Piste teilweise mit Steinen markiert. Jemand hat sich dafür viel Mühe gemacht.

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Einige weiche Sandpassagen stellen immer wieder eine Herausforderung dar, selbst für Geländefahrzeuge. Besonders, wenn man bergauf fährt und der Wagen schwer beladen ist.

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Wer die Möglichkeit hat, sollte diese Gegend besuchen. Bizzare Bergformationen und die Aussicht, die sich dem Reisenden bietet sind einen Abstecher wert. Man sollte sich auch die Zeit nehmen, um das Gebiet zu Fuss zu erkunden. Es gibt einiges zu entdecken.

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Steile Auffahrt zum Bab el Qasmund. Hier kann es vorkommen, dass der Fahrer die Passagiere bittet, ein Stück zu Fuss zurückzulegen 8)

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Teilweise wurde die Piste mit Steinen gepflastert, um die Weichsandstellen zu entschärfen.

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Hin und wieder sieht man Felsen, die aus der Höhe herabgestürzt sind.

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Von nun an gehts nur noch bergab in Richtung Oase el Qasr.

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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Der Abstieg nach el Qasr

Ein herabgestürzter Felsblock bildet den idealen Platz für die Mittagspause. Ein schattiger Unterschlupf in der stillen Einsamkeit. In Gedanken ziehen die letzten Tage noch einmal vorbei. Ich zögere, meine Wanderung, meine letzten Kilometer fortzusetzen, denn ich weiss, dass ich in einigen Stunden in el Qasr ankommen werde und die ruhige Zeit vorbei sein wird.

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Noch einmal werden meine Anstrenungen mit einem unvergleichlichen Ausblick auf die Oase el Qasr belohnt.

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Panoramaansicht von el Qasr. Zur Vollansicht bitte auf das Bild klicken.

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Die Piste nach el Qasr

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In el Qasr treffe ich auf diese jungen Ägypter. Sie arbeiten in einem Steinbruch und fahren Sand und Steine mit ihren schweren LKWs nach el Qasr, Mut oder andere Teile der Oase Dakhla. Auch hier erfahre ich wieder die ägyptische Gastfreundlichkeit. Das Wenige, was sie besitzen, teilen sie mit mir. Vier Falaffel, etwas Käse, Zwiebeln und Brot. Danach gibt es den traditionellen Tee. Als ich ihnen meine Frage beantworte, woher ich komme, staunen sie nicht schlecht und sie bitten mich, ihnen Fotos meiner Wanderung zu zeigen. Als sie erfahren, dass ich nach Mut möchte, bietet mir einer der Arbeiter an, mich mit seinem LKW mitzunehmen. Das Angebot nehme ich gerne an. Wir warten, bis der LKW beladen werden kann und machen uns auf den Weg nach Mut. Dort angekommen verabschiede ich mich und biete Ahmed, dem Fahrer, ein kleines "Bachschisch" an, was der junge Mann kategorisch ablehnt.

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Am Busbahnhof angekommen, beabsichtige ich den nächsten Bus nach Baharia nehmen. Mir wird mitgeteilt, dass heute keine Fahrt mehr geht, da Menschen vor Farafra die Strasse gesperrt hatten, um gegen die Benzinknappheit zu demonstrieren. Erst nach zwei Tagen fährt wieder ein Bus nach Baharia, wo ich die letzten Tage meines Urlaubs bei Stefanies Familie verbringe und in Gedanken schon wieder Pläne für meine nächste Reise schmiede.

Viele Grüsse
Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Alexander »

Liebe Wüstenfreunde,

seit den Entführungen von 2003 wurde unser Reiseraum immer mehr eingeschränkt, während sich Kriminalität und Terrorismus ausbreiteten. Die Verbesserungen, auf die wir durch den arabischen Frühling gehofft hatten, lassen auf sich warten. Es gibt nur noch wenige afrikanische Wüstenländer, in denen sicheres Reisen möglich ist. Ägypten ist eines der Länder, wo man noch nicht hinter jeder Düne einen Entführer oder al Kaida Terroristen fürchten muss. Sicherlich gibt es Auflagen, wie Genehmigungsprozeduren und Führerpflicht. Und das hat m.E. bis zu einem gewissen Mass seinen guten Grund. Ich meine aber, dass diese bürokratischen Hürden wert sind, überwunden zu werden. Ägypten ist ein wunderschönes Land und hat für uns Wüstenreisende viel zu bieten. Sicherlich muss nicht jeder gleich das Land von Nord nach Süd durchwandern ;-) Auch für Selbstfahrer oder als Mitfahrer gibt es Möglichkeiten. Dazu kontaktiert ihr am Besten Stefanie hier im Forum.

Ich hoffe, dass ich bei euch mit meinem Reisebericht das Reisefieber geweckt habe. 8) Meine nächste Reise ist bereits in Planung. Drei mal dürft ihr raten, wo es hin geht. :wink:

Bis dann
Euer Alexander
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Re: Wüstenwandern Ägypten: Es war die Hölle, es war das Para

Beitrag von Jürgen Kempe »

Lieber Alexander,

Ganz lieb von Dir, dass Du mich auf Deine Wanderung mitgenommen hast (was ich ganz ohne Blasen und Sonnenbrand durchgestanden habe :-) ).

Herzlichen Dank für den sehnsuchtmachenden Bericht und die vielen schönen Fotos!

Glückwunsch zum Gelingen! Jürgen
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