Reisebericht Südamerika Jahreswechsel 2025/2026

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abacus
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Reisebericht Südamerika Jahreswechsel 2025/2026

Beitrag von abacus »

Ein kleiner Reisebericht, wir waren ab Advent knapp 3 Monate im südlichen Südamerika unterwegs. Also Winter hier, Sommer dort.

Fahrzeug
unser Wahl war unser guter alter Mitsubishi Pajero BJ 1989. Der hat nicht enttäuscht und die knapp 15000km ohne Mucken erledigt.

Verschiffung
Seabridge, verschifft über Grimaldi: Angebot war gut, aber sie haben uns dann doch abgelehnt, schätze mal das Angebot war zu gut.

Container gehen über Maersk:
Caravan shipping: Antworten kamen nur zögerlich
Overlander shipping: mit denen haben wir es dann gemacht

Unser Erfahrung war erstaunlich positiv, alles klappte relativ gut und problemlos.
Buchen, dann bekommt man einen Termin in Hamburg, Auto hin, ab in den Container, die binden alles fest und es kann los gehen.
Könnte, also der Container blieb dann erst mal stehen. Unser Containerbuddy hat sich bestens drum gekümmert und mehrmals täglich angerufen, so kam der Container dann mit einer Woche Verspätung aufs Schiff. Wenn man sich nicht drum kümmert, steht der auch mal ein paar Wochen, dafür fällt natürlich Standgebühr (~500€/Woche) an. Scheint öfter mal vorzukommen. So hatten wir erst mal eine Woche Montevideo ohne Auto, ist ok, mehr braucht man allerdings wirklich nicht. Wir haben aber auch Leute getroffen die zu dem Zeitpunkt 3 oder auch 7 Wochen auf ihr Auto gewartet haben. Die hatten allerdings mit Grimaldi verschifft, da ging wohl ein Schiffsmotor kaputt. Unser Schiff legte dann mit 2 Tagen Verspätung an, da 2 Kreuzfahrtschiffe den Hafen blockierten. Unser Container war auf einem großen Schiff, die sind pünktlicher, kleinere Schiffe warten länger auf einen Liegeplatz. Wäre unser Auto wie geplant verschifft worden, dann wäre es kaum früher angekommen, da das kleinere Schiff länger warten musste. Formalitäten in Montevideo sind erstaunlich problemlos. Das kann aber auch anders laufen, im November gab's einen Streik der Hafenarbeiter, dann wurden die Container nicht abgeladen und fuhren zurück nach Europa. Andererseits habe ich auch eine nette Seabridgeanekdote gelesen, da wurde ein Auto versehentlich nach Kapstadt anstatt nach Montevideo verschifft. Also man sollte auf alles gefasst sein.

Geld
Uruguay: wir haben cash getauscht, geht überall gut. Auf dem Flughafen gibt's nur einen grauenhaften Kurs, besser in der Stadt tauschen. Automaten spucken nicht viel aus, die Gebühren sind relativ hoch, außerdem wurde dabei meine Kreditkarte gehackt (habe aber alles zurück gekommen, nur dass die Karte dann halt gesperrt war). Mit Karte zahlen geht fast überall, angeblich auch mit EC-Karten.
Argentinien: Der Kurs auf der Straße war 10-20% besser als offiziell. Da waren aber wohl auch schon mal 100% Unterschied. Wir haben immer auf der Straße getauscht. Zum Ende der Reise hatten wir Pesos übrig, da wir ungeplant mehr Zeit in Chile verbracht haben, die konnte man bei denselben Straßenhändlern zu einem vernünftigen Kurs in US-Dollar zurück wechseln.
Chile: vieles ging über Karte, Geld am Automaten kein Problem.

Sprit
Kein Problem, in Argentinien manchmal Schlangen an der Tanke. Da war unser großer Tank (160l) nett, man brauchte sich nicht so oft anstellen. Preise so um 1,10€ pro Liter Diesel.

Camping
In vielen Orten gibt es städtische Campingplätze. Manchmal besser, manchmal etwas grenzwertig (Sanitäre Anlagen). Mal kostenfrei, mal billig. An Wochenenden in der Hochsaison hin und wieder voll und laut. Touristische Campingplätze (in und um Nationalparks) zum Teil sehr teuer, 50€ pro Nacht für 2 Personen und Zelt sind keine Seltenheit. Wild campen geht, manchmal jedoch nicht einfach, da fast überall Stacheldraht ist. IOverlander ist hier sehr hilfreich.
Für uns ungewöhnlich ist die Idee des Tagcamping. Besonders am Wochenende kommen haufenweise Familien auf den Campingplatz und grillen und abends sind sie wieder fort. Da wird man dann unter Umständen auch mal gebeten den Campingplatz doch tagsüber zu räumen.

Einkaufen
Nie ein Problem. Bei manchen Supermärkten am Ende der Welt frage ich mich, wie die beliefert werden, aber irgendwie klappt es und es ist zum Glück nicht mein Problem. Preise deutlich billiger wie bei uns. Wer sich in Argentinien von Rindfleisch und Wein ernährt, kann richtig billig leben. Dafür ist der Schnaps in Chile unglaublich billig, ein Liter Weinbrand in vernünftiger Qualität ab 6€. Gemüse und Obst ist ganz im Süden natürlich etwas teurer. Das Angebot in den etwas größeren Orten ist erstaunlich gut.

Zoll
Einreise nach Chile nervt, Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst dürfen nicht eingeführt werden, zum Teil sehr genaue Kontrollen. Man darf auch kein Holz einführen, so meine eine Zöllnerin sie müsste mich wegen unserer aus Holz gebastelten Einrichtung bestrafen. Aber noch bevor ich mich richtig aufregen konnte, meinte sie ich soll halt so einreisen. Also so einen plumpen Abkassierversuch hatte ich noch nie, die Dame muss definitiv noch üben.

Polizei
immer korrekt, keine Probleme

Sprache
angeblich spanisch, da gab's fast immer Probleme :lol: also englisch ist nicht immer vorhanden, dafür kommt es manchmal unerwartet. Auf dem Campingplatz in der Touristenhochburg versteht keiner ein Wort Englisch, dann wiederum steht man beim Metzger und wird in fließend Englisch beraten und bedient. 2 argentinische Zöllner haben mich auf deutsch angesprochen :shock:
Unser Spanisch ist eigentlich gar nicht so schlecht, aber man versteht trotzdem sehr wenig. Immerhin kann man dann aber ausdrücken, was man will, also die verstehen einen. Das ist in etwa so wie wenn man deutsch kann und dann nach Niederbayern geht, da versteht man dann auch nicht so viel. Ein freundliches "bitte langsam sprechen, denn wir sind aus Deutschland" reicht meist aus um die Situation zu klären. In Chile kontrollierte mich einmal die Polizei und hat mich einfach vollgelabert. Nach "bitte langsam sprechen, denn wir sind aus Deutschland" kam nur, was, ihr seid nicht aus Argentinien? Nein, Deutschland! Na dann könnt ihr natürlich weiter fahren. Ich verwechsle öfter mal Italienisch mit Spanisch und raus kommt ein Mischmasch, ist aber auch kein wirkliches Problem. Besonders in Argentinien gab's wohl auch viele italienische Einwanderer, somit sind die das gewöhnt.

Verkehr
Ich hatte den Verkehr eher südeuropäisch erwartet, aber im Gegenteil! Es wird recht defensiv gefahren. Nähert sich ein Fußgänger der Straße wird der Warnblinker eingeschaltet und angehalten. A propos Warnblinker, immer und überall! Ein durchgezogener Mittelstreifen wird auch am Ende der Welt respektiert und wenn seit einer Stunde kein Gegenverkehr kam und man meilenweit sieht. Ich bin wirklich kein Raser und mein Pajero beschleunigt wie eine Schnecke, aber hin und wieder bin ich mit unseren mitteleuropäischen Gewohnheiten definitiv negativ aufgefallen, was die anderen Verkehrsteilnehmer dann auch zum Ausdruck bringen. Immer Licht an, Tagfahrlicht zählt wohl nicht immer (habe ich ja eh nicht). Wenn man ohne Licht fährt winkt der Gegenverkehr, Lichthupe, alles mögliche, man denkt eher man hätte den Dachständer oder schlimmeres verloren.

Essen gehen
Restaurants sind außerhalb der Touristengebiete sehr selten. Die Einheimischen können es sich halt einfach nicht leisten. In den Touristengebieten sind die Preise eher gehoben, ein Bier für 7,50€ keine Seltenheit. Für 2 Personen ein "einfaches" Essen, also nichts besonderes, kostet um die 50€. 10% Trinkgeld sind üblich und kommen direkt auf die Rechnung. Dafür wird Touristen hin und wieder die Mehrwertsteuer erlassen. Es kann also sein, dass der tatsächlich zu zahlende Betrag geringer ist als zuerst ausgewiesen. Zahlt man bar wird es manchmal nochmals billiger.

Sitten
Schlange stehen ist ganz wichtig! Brav ganz hinten anstellen! Ich dachte das sei eine Eigenheit der Engländer, aber nein, in Süd-Südamerika ist hinten anstellen allerhöchste Pflicht.

Nationalparks
Bei manchen Parks scheint es eher ums melken der Touristen, denn um Naturschutz zu gehen. Die Eintrittspreise sind nicht immer ganz klar aber immer ganz schön hoch. Manchmal bekommt man einen besseren Preis, wenn man direkt bezahlt, manchmal geht das gar nicht, man muss sich vorher online sich anmelden (z.B. Torres del Peine). Beispiel Nationalpark Feuerland: online 45€ für ein Tagesticket, schluck, wir wollten 3 Tage bleiben (2 Personen), sind dann schon mal 270€ + Camping :cry: am Parkeingang haben wir dann erst mal die Preise studiert, kapiert haben wir sie nicht. Letztendlich haben wir (ohne Verhandlung, einfach nur mal nachgefragt) 30€ für 3 Tage bezahlt, Camping musste man sich registrieren, war aber gratis. El Chalten: die Wanderung zum Cerro Torre kostet nichts, die Wanderung zum Fitz Roy 45€ pro Person. Also irgendwas in der Mitte wäre meiner Meinung nach angebrachter.

Strassen
Es gibt alles: gut, schlecht, grottenschlecht, der Zustand ist nicht vorhersehbar. Pisten sind fast immer mit ziemlich Waschbrett versehen. Geländewagen kein muss, aber nett :mrgreen: Eines haben die Straßen gemein: sie sind meist viel länger als wie man dies nach der Landkarte erwartet hätte. Merke: Südamerika ist verdammt groß!

Wetter
Im Süden sehr windig und kalt, in Chile oft regnerisch.

Landschaft
Alles ist groß! Die Felder, die Pampa, die Berge. Und wenn es mal langweilig wird, dann ist immer noch diese ungeheure Weite faszinierend. Wir haben uns nie gelangweilt, haben aber dann doch die Küste Argentiniens vermieden, da wir Langeweile befürchteten, und sind stattdessen nach Chile rüber.

Fazit
Alles lief unkomplizierter ab als erwartet, alles ist sehr entspannt. Unser Auto steht jetzt auf einem Bauernhof in Uruguay und wir freuen uns auf den nächsten Winter, dann soll es in den Norden Argentiniens und nach Bolivien gehen.

Grüße
abacus
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