Regie: Harun Farocki
Deutschland / Österreich 2009 - 62 min.
Kinostart: 03.09.2009
Wie arbeitet die Welt? Dieser Frage widmet sich der Film am Beispiel des Hausbauens und stellt Beispiele aus der ganzen Welt gegenüber. Das hochindustrielle Europa, das traditionale Afrika oder das frühindustrielle Indien: Alle haben die kleinste Materialeinheit, den Ziegelstein, gemeinsam und doch sind, begonnen bei der Ziegelsteinherstellung, Aussehen, Vorgehensweise, Umsetzung und Ergebnis sehr unterschiedlich.
Ziegelsteine sind Tonkörper der Gesellschaften. Ziegelsteine sind einfach sehr dicke Schallplatten. Wie Schallplatten tauchen sie in Serien auf, aber jeder Ziegelstein ist ein bisschen anders, eben not just a brick in the wall. Ziegelsteine machen Räume, organisieren Beziehungen und speichern Beziehungswissen. Sie geben Töne von sich, an denen man erkennt, ob sie 'was taugen oder nicht. Quer durch die Kulturen der Ziegelsteinproduktion gibt Harun Farockis Film das "zum" Vergleich, den Ohren und Augen zum Denken, und nicht: "im" Vergleich, nicht in Konkurrenz der Kulturen. Farocki zeigt Ziegelbaustellen in ihren Farben, Bewegungen, Geräuschen. Ohne Kommentar. Zwanzig Zwischentitel in sechzig Minuten erläutern einige Arbeitsabläufe in ihrer Zeitlichkeit. Der Film zeigt, dass bestimmte Produktionsweisen ihre eigene Dauer verlangen, und dass es Kulturen gibt, die sich an diesen Zeiten auskristallisieren.
Farocki, seit 2006 Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien, Regisseur und Produzent von zahllosen Filmen, Kurator und Installationskünstler, hat mit Zum Vergleich einen Lehrfilm und zugleich ein Kunstwerk geschaffen, das Sichtbar-Konkretes auf ungewöhnliche Art miteinander verbindet, so dass etwas Unsichtbares durchschimmert. Ganz im Stile alter Schulfilme vermittelt er auf der einen Seite die unterschiedlichen Produktionsmethoden von Ziegelsteinen, und lädt auf der anderen Seite dazu ein, einen Vergleich anzustellen, zu dem der Filmtitel bereits auffordert. Aber eines ist gewiss: Man wird nie wieder Ziegelsteine auf Baustellen ansehen können, ohne dass die Bilder des Filmes vor dem inneren Auge erscheinen.

Ein Blick auf die Website von Harun Farocki lohnt sich!
www.farocki-film.de
Gruß
Birgitt




