Buchtipp: "Zurückkehren"

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Alexander
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Buchtipp: "Zurückkehren"

Beitrag von Alexander »

Zurückkehren
von Tahar BenJelloun

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Mohamed ist Muslim, Familienvater und Marokkaner - in dieser Reihenfolge. Und ein vorbildlicher Arbeiter: Vierzig Jahre hat er bei Renault in Paris am Fließband gestanden, Tag für Tag, nie kam er zu spät: Die Arbeit war sein Leben.
Jetzt steht ihm die Rente bevor, und er zieht Bilanz: wie er 1962 sein Dorf in Marokko verlässt, nur den Koran in der Hand, der eingeschlagen ist in ein Stück vom Leichentuch seines Vaters und den er nicht lesen kann; die Heirat mit seiner Cousine; seine tiefe Religiosität, die ihm keine Assimilierung an die französischen Sitten gestattet, sein Abscheu aber auch vor den Fanatikern; seine fünf Kinder, die sich ihm entfremdet haben, "Lafrance", davon ist er überzeugt, hat ihm zwar Arbeit gegeben, ihm aber seine Kinder gestohlen: Er versteht ihr Französisch nicht, der eine Sohn hat eine Christin geheiratet und der andere, Rachid, nennt sich Richard.
Halt findet er nur in einem alten Traum: nach Marokko zurückkehren, um das "Haus des Glücks und des Friedens" zu bauen, in dem er seine ganze Familie versammeln kann. Es wird das größte Haus im Dorf, überdimensioniert, mit Gebetsraum, Hamam und Schwimmbecken, nur fehlt es an Wasser und Strom - ein Zement gewordener Wahn. Hier wartet Mohamed auf seine Kinder, er hat sie zum nächsten Aid el Kebir, dem großen Hammelfest, eingeladen. Aber sie werden nicht kommen ...
In einem phantasmagorischen Schlussbild lässt Tahar Ben Jelloun seine Figur Mohamed verschwinden. Das Haus wird zum Grab. Und das Dorf hat einen neuen Heiligen, "Mohamed, den Immigranten", den Mann, "den die Rente getötet hatte".

ISBN: 3827009057
EAN: 9783827009050
Libri: 8189552
Kategorie: Roman
Originaltitel: Au pays.
Übersetzt von Christiane Kayser
Bloomsbury Berlin
März 2010 - gebunden - 141 Seiten

Zurückkehren

Grüsse
Alexander
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Turi
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Re: Buchtipp: "Zurückkehren"

Beitrag von Turi »

Denke, dieses Buch sollten in erster Linie die Einwanderer lesen, bevor sie nach Europa kommen.
Man muss nicht mal auf den anderen Kontinent.
Bei uns leben neben den Somaliern und einigen anderen aus Afrika, viele Türken, Albaner, Italiener usw, die ihre eigenen Sitten und Gebräuche leben.
Die kaum die jeweilige Landesprache beherrschen, die ihre Kinder nicht mehr verstehen, weder die Sprache noch ihre Lebensgewohnheiten.
Das ganze Gerede um Assimilierung ist doch sinnlos.
Die, die hier leben wollen, müssen sich zu ihrem eigenen Interesse anpassen wollen und sonst, auch zu ihrem eigenen Interesse, zu Hause bleiben.
Alles andere ist Augenwischerei.
Ich habe grossen Respekt vor jemandem, der in und mit einer anderen Kultur leben kann und sich darin wohlfühlt, es bedarf aber einiger Anstrengung und vor allen Dingen ein wollen und die Selbsteinsicht bei einem Scheitern rechtzeitig zurückzukehren, bevor man seine Wurzeln ganz verloren hat.
Ich selbst habe im gleichen Kulturkreis das Land gewechselt und schon das ist in der ersten Zeit nicht so einfach gewesen, da die Mentalitäten recht unterschiedlich sind.
Wie müssen erst diese Personen, zum Teil, leiden.
Nur hierherkommen zum Geld verdienen???
Ist der vermeintliche Wohlstand bei uns die Selbstaufgabe wert???
sandige Grüsse
Turi
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