Geld in Algerien

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

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friedlh
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Geld in Algerien

Beitrag von friedlh »

xxx
Zuletzt geändert von friedlh am Do 1. Jan 2009, 12:05, insgesamt 1-mal geändert.
Roger-Tecumseh
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Re: Geld in Algerien

Beitrag von Roger-Tecumseh »

friedlh hat geschrieben:Liebe KollegInnen, ich war das letzte Mal vor 19 Jahren in Algerien, danach nur noch im Niger und in Libyen, bin darum nicht mehr ganz up-to-date :shock: und bitte Euch um folgende Fragen:

Wie sind die Preise für Tuareg-Schmuck in Algerien im Vergleich zu Libyen?
Und wie ist das Angebot, und wo bekommt man den besten Schmuck? Djanet?

Ist es "riskant" :roll: schwarz zu wechseln? Wo ist das möglich? Wie ich im Forum sehen konnte, ist der Unterschied zum off. Kurs nicht dramatisch (1:10 statt 1:7,8).

Ist es sinnvoll, Dinar hier zu kaufen und zu schmuggeln? (war vor 20 Jahren noch der totale Tipp...)

Wie genau wird man am Flughafen Tam gefilzt? Komme mit einer Reisegruppe :oops: als Reiseleiter...Harry



Hallo Reiseleiter!

Auch vor 19 Jahren gab es schon etliche Algerier, die ausgezeichnet deutsch sprachen - meist waren sie in der DDR auf verschiedenen Gebieten geschult worden. Vielleicht liest einer von ihnen hier mit und kann Deine Fragen zuverlässig und bündig beantworten. Immerhin sind manche nun im Staatsdienst (z.B. beim Zoll) und werden sich Dir (und Deiner Gruppe) sicher gern widmen!


Frohe Fahrt! :cry:
Klaus
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Re: Geld in Algerien

Beitrag von Klaus »

Komme mit einer Reisegruppe als Reiseleiter...
und dann solche Fragen
Ist es "riskant" schwarz zu wechseln? Wo ist das möglich? Wie ich im Forum sehen konnte, ist der Unterschied zum off. Kurs nicht dramatisch (1:10 statt 1:7,.

Ist es sinnvoll, Dinar hier zu kaufen und zu schmuggeln? (war vor 20 Jahren noch der totale Tipp...)

Wie genau wird man am Flughafen Tam gefilzt?

Mir läufts kalt den Rücken runter :kotz:
Die Reisenden haben jetzt schon mein Mitleid

Mal am Rande , verschiedene Behörden lesen hier gerne mit;
auch die Algerier.
Guten Rutsch
Klaus
ursula
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Algerien

Beitrag von ursula »

hallo Harald

willst du uns hier testen? Denn nach deinem Buch "Respektvoll reisen" und deinen anderen Veröffentlichungen
kann es dir doch nicht ernst mit diesen Fragen sein :shock:

Grüsse
Ursula
friedlh
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Re: Geld in Algerien

Beitrag von friedlh »

Liebe Ursula,
ich danke Dir für Deine Antwort und ich freue mich natürlich, dass Du mein Buch "Respektvoll reisen" kennst und scheinbar auch schätzt, wenn ich Dich richtig verstanden habe. Dafür vielen Dank, und dazu auch sogleich näheres.

Ich muss zugeben, auf meine Frage überhaupt nicht mit Antworten der eingetroffenen Art gerechnet zu haben, was mit Sicherheit ein gewisses Maß an Naivität mit sich bringt, was den Umgang mit dem Sahara-Forum anbelangt. Meine Erfahrung hält sich hier in Grenzen, wie sich an der Zahl meiner Beiträge zeigt. Denn hätte ich geahnt, dass jemand für das Stellen einer "falschen" Frage derart massiv kritisiert wird... wobei ich Deine Formuskollegen angesichts ihrer heftigen Reaktionsweise meine. Bien, so ergeht es eben "Fremden", wenn sie ahnungslos in "Shorts" in das virtuelle Reich der Verschleierten eintreten... Ich verstand unter einem Forum etwas anderes: einen Ort der Begegnung, wo man etwas lernen kann.
Nun, ich habe etwas gelernt, eben auf die harte Tour.

Damit darf ich zu Deiner Antwort kommen, wenn Du erlaubst.
Ich stehe nach wie vor voll und ganz zur Kernaussage meines damaligen Buches und auch über weite Strecken zu den darin angeführten Details. Doch kann ich mich nicht erinnern, Schwarzwechsel als generell verurteilenswert bezeichnet zu haben. Denn in diesem Sinne darf ich Deine Antwort interpretieren.

Mir ist schon klar, dass Schwarzwechsel eine Wirtschaft unterminieren und dadurch die Bevölkerung schädigen kann. Dann wäre Schwarzhandel von Devisen auch abzulehnen. Im Fall von Algerien allerdings, dessen Wirtschaft zu ca. 98 % vom Ölexport abhängt und somit eine weitgehende Rentenwirtschaft darstellt, von der vor allem eine kleine gesellschaftliche Elite (Militärs etc.) profitiert, ist diese Gefahr äußerst verschwindend. Hier spielen vielmehr der Dollarkurs und der Ölpreis eine Rolle für das BNP, und das wiederum sagt gar nichts aus über den Wohlstand der breiten Bevölkerung, der - nach meinen Informationen (vgl. Klaus Werner: Schwarzbuch Öl) - in den letzten 30 Jahren permanent gefallen ist: ein typisches Merkmal für Bodenschatz-basierende Rentenwirtschaften....

Hier vertrete ich somit eine ähnliche Position wie gegenüber dem Kauf von Pfeilspitzen von Nomaden: Ich halte es dann für ok, wenn dadurch die handelnden Nomaden profitieren - und der Käufer, vorausgesetzt, dass es sich nur um ein paar Pfeilspitzen handelt , da hier der Schaden eher ein ideell-potenzieller ist, und nicht um größere, bedeutsamere Stücke.
Beim Schwarzwechsel im kleinen Maß - insbesondere unter den Umständen einer bevölkerungsfeindlichen Rentenwirtschaft: Hier profitiert der kleine Wechsler ein klein Wenig und schadet (minimal) einer ohnedies reichen, militärisch und darum machtpolitisch abgesicherten Wirtschaftselite.

Darum sah ich bei meiner Frage auch das relevante praktische moralische Problem nicht, es sei denn, man sei der Ansicht, Schwarzwechsel sei etwas grundstätzlich Unmoralisches und Verdammenswertes, weil Gesetzwidriges. Dann würden wir aber unweigerlich bei der Problematik des zivilen Widerstandes gegen ungerechte Gesetze landen, oder der Tatsache, dass der Verbrauch von Öl und Gas (durch Autos oder daheim am Herd) genau jene politisch-militärische Elite unterstützt, die im Wesentlichen für die Entwicklung in Algerien hin zum Bürgerkrieg verantwortlich war (man nehme auch die Irak-Kriege, Burma und viele andere Beispiele).

Ich denke aber, so weit muss man gar nicht erst gehen. Was ist mit den alltäglichen Übertretungen von Gesetzen - wie Telefonieren im Auto ohne Freisprechanlage, ein wenig über den Durst trinken und fahren, oder geringfügige Geschwindigkeitsübertretungen... alles Vergehen, die im dümmsten Fall sogar Menschenleben kosten können; oder kleine Ungenauigkeiten bei der Steuererklärung - angesichts systematischer Betrügereien und Verzockereien von Spekulanten, Banken etc., für die der Steuerzahler einstehen muss. Hier geht es meines Erachtens um die Frage der Verhältnismäßigkeit...
Darum ist für mich als praktischer Ethiker - und darum immer auch als 08/15-Person im alltäglichen Leben (und auf Reisen) die Frage des spürbaren, hinreichend großen Schadens von zentraler Bedeutung, wogegen ich prinzipiellen "Verboten" eher skeptisch gegenüber stehe (siehe dazu sogleich). Aber auch hier bin ich im konkreten Fall des Schwarzwechsels in Algerien lernwillig, denn woher soll ich alle Konsequenzen kennen... (unabhängig von der Problematik, Infos darüber in diesem Forum einzuholen..., aber auch hier bin ich lernwillig).

Zu Deiner Frage, ob ich die Mitglieder des Formus testen wolle: Sorry, aber dererlei steht mir nicht zu, und ich hielte dererleich auch für äußerst überheblich. Als Ethiker versuche ich das Verhalten von Menschen als Ausdruck von Prägung (als deren Hintergrund) und Wahrnehmung einer konkreten Situation zu verstehen (wie ich es in meinem Artikel über "Kybernetische Ethik" zum Ausdruck zu bringen versucht hatte). Zu moralisieren, also grundsätzliche, universell gültige Urteile zu fällen, ist mir ein Greuel, weil meiner Ansicht nach unhaltbar und darum überheblich. Insofern halte ich wenig von Pauschalurteilen über "gute" und "schlechte" Touristen. Jede Situation ist letztlich ein Sonderfall (wie letztlich auch bei Gericht, und ich bin ja Jurist...)

Menschen handeln, weil sie aufgrund ihres persönlichen Hintergrundes in gewissen Situationen etwas für gut befinden. Andere Menschen können genau dieselbe beobachtete Handlung für schlecht befinden. Daraus ergeben sich Konflikte: Und genau das ist ja aufgrund meiner Frage geschehen: verschiedene Vorstellungen und Wahrnehmungen trafen aufeinander: Jene, die meine Frage gesehen haben, halten sie für saublöd und zudem für unmoralisch. Woher sollen sie auch wissen, was ich meine, und woher sollte ich wissen, wie sie meine Frage anders als beabsichtigt verstehen würden?

Vielleicht war meine Frage tatsächlich naiv angesichts des allgemeinen Terror-Wahns, vielleicht aber verwehre ich mich ganz einfach gegen einen gewissen wachsenden Verfolgungswahn ("Al Khaida ist überall"), weil ich sonst als kritischer Schriftsteller gar nichts mehr sagen und schreiben dürfte, aus Angst vor irgendwelchen Konsequenzen, denn das wäre das Ende jeder Demokratie. Das "wie" aber, das richtige Maß, ist stets eine Gratwanderung.

In jedem Fall darf ich Dir nochmals versichern: meine Absichten waren bloßer Wissensdurst, sicherlich auch etwas beeinflusst von einer Prise Nostalgie, eben aufgrund der Tatsache, dass ich vor 19 Jahren das erste Mal in der Sahara war, und seit damals nur noch einmal, vor 18 Jahren, in Algerien. Jedenfalls habe ich etwas über Sahara-Foren gelern.

Vielen Dank, nichts für ungut, liebe Grüße, und ein gesundes Neues Jahr.

Harald
Klaus
Beiträge: 243
Registriert: So 31. Jul 2005, 21:40

Re: Geld in Algerien

Beitrag von Klaus »

Lieber Harald,
hier noch einige Infos zu dem Thema Pfeilspitzen.
viewtopic.php?t=1756
Eine solche Vorgehensweise der Behörden durfte ich 2005 auch in Libyen erleben ein älteres Paar hatte eine ganze Menge an "Reiseandenken"im Fahrzeug geladen.auch sie wurden festgenommen
Gerade bei so heiklen Fragen eignet sich übrigens die Suchfunktion dieses Forums.
Abgesehen davon gibt es für mich keine Begründung Kulturgüter eines Landes zu entfernen.
Klaus
friedlh
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Pfeilspitzen

Beitrag von friedlh »

Lieber Klaus,
Danke für Deine Anregung, die mir bekannt war.

Dieses Thema wurde in diesem Forum bereits vor Jahren bis zum Exzess ausdiskutiert. Abgesehen davon betonte ich ausdrücklich: "verhältnismäßig" und vor allem der zentrale Vorteil von Nomaden. Was Du hier als Gegenargument bringst, ist der völlig anders gelagerte Fall von systematischen Sammlern im großen Stil.

Anders formuliert: Ich nehme nicht an, dass Du jemanden, der die 100 Euro Geschenk von der Oma für das Herrichten des Gartens nicht für die Einkommenssteuer deklariert, in eine Kategorie mit Gewerkschaftlern oder Bankern steckst, die zig-Millionen hinterziehen, oder?

Insofern denke ich, dass wir doch beide die gleiche Ansicht vertreten.

Beste Grüße,
Harald
Jürgen Kempe
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Registriert: Di 18. Jul 2006, 17:26
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Re: Geld in Algerien

Beitrag von Jürgen Kempe »

Es war mir ein Vergnügen, zu lesen, wieviele Worte ein "Praktischer Ethiker" benötigt, eine Schummelei klein zu reden :? . Ich bin überzeugt, da hätte jeder Zöllner Verständnis für den Handelnden aufgebracht :wink: .

Jürgen Kempe
mikepiller
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Re: Geld in Algerien

Beitrag von mikepiller »

Ein schönes und erneutes Beispiel

wie engstirniger Starrsinn versucht, einen offenen Geist zum schweigen zu bringen...

Zu moralisieren, also grundsätzliche, universell gültige Urteile zu fällen, ist mir ein Greuel...
Mir auch, Harald! Aber sie können nicht anders! Und differenzieren schon gar nicht!

Ganz allgemein vielleicht nicht so falsch gedacht:
Mittelmäßige Geister verurteilen gewöhnlich alles, was über ihren Horizont geht. (Francois Duc de La Rochefoucauld)


Gruß an Dich
Micha
Roger-Tecumseh
Beiträge: 2066
Registriert: Mi 6. Jun 2007, 16:37

Re: Geld in Algerien

Beitrag von Roger-Tecumseh »

friedlh hat geschrieben:... auf meine Frage überhaupt nicht mit Antworten der eingetroffenen Art gerechnet zu haben, was mit Sicherheit ein gewisses Maß an Naivität mit sich bringt, was den Umgang mit dem Sahara-Forum anbelangt. ...Bien, so ergeht es eben "Fremden", wenn sie ahnungslos in "Shorts" in das virtuelle Reich der Verschleierten eintreten... Ich verstand unter einem Forum etwas anderes: einen Ort der Begegnung, wo man etwas lernen kann.
Nun, ich habe etwas gelernt, eben auf die harte Tour.
Darum sah ich bei meiner Frage auch das relevante praktische moralische Problem nicht... Dann würden wir aber unweigerlich bei der Problematik des zivilen Widerstandes gegen ungerechte Gesetze landen, oder der Tatsache, dass der Verbrauch von Öl und Gas (durch Autos oder daheim am Herd) genau jene politisch-militärische Elite unterstützt, die im Wesentlichen für die Entwicklung in Algerien hin zum Bürgerkrieg verantwortlich war (man nehme auch die Irak-Kriege, Burma und viele andere Beispiele).
... Was ist mit den alltäglichen Übertretungen von Gesetzen - wie Telefonieren im Auto ohne Freisprechanlage, ein wenig über den Durst trinken und fahren, oder geringfügige Geschwindigkeitsübertretungen... alles Vergehen, die im dümmsten Fall sogar Menschenleben kosten können; oder kleine Ungenauigkeiten bei der Steuererklärung -
Darum ist für mich als praktischer Ethiker - ... denn woher soll ich alle Konsequenzen kennen... (unabhängig von der Problematik, Infos darüber in diesem Forum einzuholen..., aber auch hier bin ich lernwillig).
Als Ethiker versuche ich das Verhalten von Menschen als Ausdruck von Prägung (als deren Hintergrund) ... und ich bin ja Jurist..
Menschen handeln, weil sie aufgrund ihres persönlichen Hintergrundes in gewissen Situationen etwas für gut befinden. ... Jene, die meine Frage gesehen haben, halten sie für saublöd und zudem für unmoralisch. Woher sollen sie auch wissen, was ich meine.
In jedem Fall darf ich Dir nochmals versichern: meine Absichten waren bloßer Wissensdurst, sicherlich auch etwas beeinflusst von einer Prise Nostalgie, eben aufgrund der Tatsache, dass ich vor 19 Jahren das erste Mal in der Sahara war, und seit damals nur noch einmal, vor 18 Jahren, in Algerien. Jedenfalls habe ich etwas über Sahara-Foren gelern.
Harald

Hallo Harald,

nachdem ich sehe, daß Du Deinen Thread-begründenden Beitrag nachträglich gelöscht hast (ein Zeichen intellektueller und ethischer Unredlichkeit, wie ich finde - unter dem freien Himmel der Sahara, würde man es Feigheit nennen), muß ich Dich in meiner Stellungnahme "konservierend" ausführlicher zitieren, als Dir Recht sein wird.

Du bist also ein Jurist, der kleine gesetzliche "Unregelmäßigkeiten" durchaus goutiert. (Da ich davon ausgehe, daß Du Dein Studium erfolgreich abschließen konntest, muß man vermuten, daß Du Dein ganz privates Rechtsgefühl dabei nicht unbedingt an die große Glocke gehängt hast!) Wahrscheinlich geht das jetzt noch reibungsloser, weil Du ja zugleich ein "Tourismusforscher" (siehe "Sahara-Info") bist, der sich weitschweifig in Allgemeinplätzen über die Problematik der Touareg ausläßt, ohne auch nur einen einzigen vertiefenden oder neuen Aspekt zu eröffnen - was dem Begriff "Forscher" eine recht unerwartete Dimension verleiht.

Den traditionell hauptsächlichen Lebensbereich der Touareg (Algerien) hast Du in 20 Jahren zweimal betreten! - Ich kenne Menschen, die dort lange lebten, sehr viel wissen und da geschwiegen hätten, wo Dir ungebremst die Tinte aus der Feder rinnt (und der Mund überfließt).

Deine offensichtlich fehlende eigene Erfahrung mit dem komplexen Gefüge der Nomaden-Realität versus Industriegesellschaft, wäre einem simplen Reisenden kein Mangel. Bei Dir aber erweckt der zwanghaft hergestellte Bezug der "von Pfeilspitzen profitieren Nomaden" mit "der ohnehin reichen, militärisch und machtpolitisch abgesicherten Wirtschaftselite" einfach nur den Eindruck einer krampfhaften Rechtfertigung; verstärkt noch durch die eilfertige Erwähnung allfälliger Konflikte dieser Welt! Du hast da ein merkwürdiges Koordinatensystem der "Frage der Verhältnismäßigkeit" entwickelt. Wahrscheinlich hilft es dabei sehr, wenn man "praktischer Ethiker" ("denn woher soll ich alle Konsequenzen kennen") ist. So wie es dem Politiker geschmeidig aus der Kehle rinnt, wenn er sich als "Realpolitiker" (zuständig, aber nicht verantwortlich) bezeichnet, um gar nicht erst den Grund der jeweiligen Problematik zu tangieren.

Du hältst es für möglich, daß man Deine augenzwinkernden Fragen als "saublöd" empfindet. Da kann ich Dir ehrlicherweise nicht widersprechen. Wenn Du aber noch erklärend hinzufügst: "woher sollen sie auch wissen, was ich meine", dann allerdings gebe ich dem Forscher/Juristen den Rat, demnächst erst zu denken und dann zu fragen. Es ist doch einfach auch ein Gebot der Höflichkeit, Fragen so zu formulieren, daß die Last eines eventuellen Mißverständnisses nicht listig dem Antwortenden aufgeladen werden kann.

Nimm es mir meinetwegen auch übel, aber diese Masche von nabelschauend, weinerlicher Klage: "...ein gewisses Maß an Naivität, was den Umgang mit Sahara-Foren anbelangt- ...habe nun etwas gelernt, auf die harte Tour" ist für einen studierten, schreibenden Soziologen einfach peinlich!


Gruß

Roger-T.
friedlh
Beiträge: 6
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Re: Geld in Algerien

Beitrag von friedlh »

Lieber Roger-Tecumseh,
es ist erleichternd, dass es so weise und gerechte Menschen wie Dich gibt. Das lässt zuversichtlich in dieses neue Jahr blicken.

Mit lieben Grüßen,
Harald
mikepiller
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Re: Geld in Algerien

Beitrag von mikepiller »

Wow!!!

Hi Foristen-

Hi Roger:

Dass man über Haralds hier verfasste Meinung zu vielerlei Aspekten ausgezeichnet debattieren kann, sehe auch ich-
Er selbst hat ja in seinem ausführlichen Posting eindeutig die Bereitschaft dazu gezeigt, zudem in einer sehr höflichen Form, obwohl er sich ein wenig angegriffen fühlte- ein Grund für nicht wenige hier im Forum, wie eine Rakete an die Decke zu gehen!

Die Art und Weise, wie er schrieb, zeigte zumindest mir, dass er offensichtlich fähig ist zur Selbstkritik und fähig ist, sich auch Kritik von außen zu stellen- wünschenswerterweise in ähnlich höflicher Form, wie er hier auftrat?

Deine letzte Antwort, Roger, setzt sich mit den Einwänden von Harald detailliert auseinander- damit unterscheidest Du Dich deutlich von Klaus und Jürgen!

Meine Frage an Dich:
Kennst Du Harald schon länger? Die Art und Weise, wie Du Deine Antwort formulierst, lässt bei aller rhetorischer Finesse zumindest mich vermuten, Du würdest eine alten Hass auf Harald hegen- lange Zeit gepflegt und nun, hier und jetzt, in sehr vernichtender Form zum Ausdruck bringen.

Wieso kann man z.B über Rechtsempfinden nicht in vernünftiger Form debattieren?
Immerhin reden wir hier über algerisches Recht- einem Staat, dessen Regierungsform ich mal gepflegt "eine Militär- Demokratie " nennen möchte.

Es ist geltendes Recht dort im Lande, aber macht es das automatisch zu gerechtem Recht? Wir hatten auch lange Zeit geltendes Recht hier in Deutschland- China hat auch geltendes Recht..... wo soll ich aufhören?

Ohne auch nur einen einzigen Punkt dieser Diskussion hier ansprechen zu wollen-
denn die Form, wie hier debattiert wird, gefällt mir absolut nicht
stelle ich einfach mal pauschal die Frage:

Geht das nicht auch anders?
Wäre es nicht für alle Leser und Beteiligten zudem um ein Vielfaches fruchtbarer, wenn hier bestimmte Punkte auf ein Für und Wieder in vielseitiger Meinung
höflich
abgeklopft und vertieft würde?

Statt eine solche, verbale Hinrichtung zu versuchen?

So kluge Köpfe, so destruktives Vorgehen...

Gruß
Micha
Roger-Tecumseh
Beiträge: 2066
Registriert: Mi 6. Jun 2007, 16:37

Re: Geld in Algerien

Beitrag von Roger-Tecumseh »

mikepiller hat geschrieben: Wieso kann man z.B über Rechtsempfinden nicht in vernünftiger Form debattieren?
Immerhin reden wir hier über algerisches Recht- einem Staat, dessen Regierungsform ich mal gepflegt "eine Militär- Demokratie " nennen möchte.
Es ist geltendes Recht dort im Lande, aber macht es das automatisch zu gerechtem Recht? Wir hatten auch lange Zeit geltendes Recht hier in Deutschland- China hat auch geltendes Recht..... wo soll ich aufhören?
denn die Form, wie hier debattiert wird, gefällt mir absolut nicht
stelle ich einfach mal pauschal die Frage:
....um ein Vielfaches fruchtbarer, wenn hier bestimmte Punkte auf ein Für und Wieder in vielseitiger Meinung
höflich
abgeklopft und vertieft würde?

Statt eine solche, verbale Hinrichtung zu versuchen?

Gruß
Micha


Hallo Micha,

es geht hier nicht um den Staat Algerien - oder willst Du tatsächlich einen Zusammenhang herstellen, zwischen den "kleinen Tricks" eines Reiseleiters (die dann in jedem Fall auch wieder von anderen Reisenden ausgebadet werden müssen) und dem Widerstand gegen eine Militärdiktatur?? Und dann noch gar mit Hinweis auf deutsche Vergangenheit und chinesische Gegenwart! (Willy Brandt hätte jetzt gesagt: "Haben Sie's nicht ein bißchen kleiner?!") Ich denke, es sind doch wahrhaftig genug überflüssige schiefe Bilder - wie ich schon schrieb - konstruiert worden.

Wenn Du mir mangelnde Höflichkeit unterstellst, dann möchte ich Dir eine Überlegung anbieten, über die nachzudenken, sich vielleicht lohnt (jedenfalls leitet sie mich ): Wirkliche Höflichkeit erkennt man nicht an der Form, sondern am Inhalt! (Dazu findest Du z.B. bei Lessing ein paar schöne Beispiele.)

Mit Dir über einen sozusagen abwesenden Harald hier zu sprechen, liegt mir nicht! Zum Thema habe ich in direkter Ansprache gesagt, was ich zu sagen hatte.


Wünsche Dir eine gute Nacht! :)

Roger


(P.S. Zum traurigen Beruf des Scharfrichters habe ich - obwohl durchaus im Gebrauch des Schwertes geübt - übrigens weder Drang, noch Talent - ich bin entschieden gegen die Todesstrafe!) :)
mikepiller
Beiträge: 952
Registriert: Sa 13. Mai 2006, 20:59
Wohnort: Berlin

Re: Geld in Algerien

Beitrag von mikepiller »

Hi Roger,

grins....zweischneidiger Haudegen (real und verbal)!

Es ging mir bei meinem Beispiel lediglich um die sowohl allgemein immer wieder gerne als auch hier in diesem Fred erneut hervorgeholte Keule der blinden Gesetzestreue (und das zudem noch in Afrika!!) - der auch ich so pauschal nicht folgen will und über die zu diskutieren ich durchaus lohnend finden würde!

Deiner mehrfach erwähnten, liebevollen Besorgnis um die imaginär sich in ärgster Bedrängnis befindlichen Reisegruppe folge ich nur schleppend- selbst Algerien wird wegen ein paar schwarz getauschter Kröten keine Kollektiv- Verhaftung vornehmen-
und die wohl eher zu vermutenden, kleinen Unpässlichkeiten würden im Nachhinein vielleicht die spannendste Reisestory bilden.
Unabhängig davon, dass ein Reiseleiter solchen Unbill nicht provozieren sollte- da gebe ich Dir Recht.

Und bist Du wirklich so einseitig, dass Du Höflichkeit entweder nur über den Inhalt oder nur über die Form hervor bringen kannst?
(Ich erinnere mich da an den einen oder anderen "Formvollendeten" Ausbruch von Dir, der allerdings immer dem weiblichen Geschlecht galt- besteht da ein Zusammenhang? Folgt das Lessing?)

Auch Dir eine gute Nacht
Micha
Roger-Tecumseh
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Registriert: Mi 6. Jun 2007, 16:37

Re: Geld in Algerien

Beitrag von Roger-Tecumseh »

Salut Micha,


obwohl Du über eine unvergleichliche Kenntnis (und wir beide wissen, daß dies keine Floskel ist :) ) meiner gelegentlichen Einlassungen hier verfügst, muß ich nun wohl doch noch ein paar Worte anhängen.
Wie bei allen Verhaltensweisen/Themen, gibt es auch hier mehr als nur einen Aspekt. Dem einer "blinden Gesetzestreue" (wie Du es nennst), will ich nicht folgen - das muß jeder, auch ohne Jura-Studium, für sich selbst entscheiden. Mir geht es - und Du solltest es wissen - auch nicht um moralisierende Betrachtungen. Damit sind - zumindest im Dialog mit mir - alle augenzwinkernden Relativierungen obsolet.

Algerien steht meinem Herzen sehr nahe; will sagen, ich habe das Glück, es unter vielerlei Umständen zu kennen. Nicht alle davon könnte man unter "Friede,Freude, Eierkuchen..." abhaken. - Schon vor den dunklen 90er Jahren sind dort öfter mal "unbedarfte" Touristen böse aufgelaufen, weil sie sich - wie Du gerade - nicht vorstellen konnten, daß auch geringfügige Gesetzesübertretungen nicht immer und überall als Kavaliersdelikte betrachtet werden. Wir tagesgepolten Menschen sind leider ganz offensichtlich einer selektiven Amnesie unterworfen, weshalb ein paar Jahre später so mancher nicht mehr weiß, was ihn gerade noch brennend interessierte!

Dabei geht es oft weniger um den materiell tatsächlich verifizierbaren Schaden, sondern um den viel sensibleren Bereich von vermuteter (und auch manchmal existierender) Mißachtung gegenüber einem jungen Staat. Kurz: Ich kann Dir versichern, daß Dich als, wie auch immer Betroffenen, derartige "kleinen Unpässlichkeiten" wahrscheinlich recht schnell an den Rand Deiner psychischen Kapazitäten führen würden. Das "Nachhinein" könnte dauern! Zu Deiner sensationslüsternen Erwartung, dies würde vielleicht "die spannenste Reisestory bilden", versage ich mir - Deiner Aufforderung zur Höflichkeit eilfertig folgend und Deines Beifalls sicher - die Niederschrift meiner Gedanken!

Noch einmal: Jeder tue als Individualreisender, wie ihm beliebt (und trage auch individuell die Folgen) - wer aber für Mitreisende direkt Verantwortung trägt (z.B. als Reiseleiter), sollte zumindest einen größeren Erfahrungshorizont haben!

Ich weiß ja aus manchem Deiner Beiträge, daß Dich die Frage der "Höflichkeit" - die Du nun wieder an mich richtest - umtreibt. Nein, ich bin nicht höflich! Und ich sehe auch keinen zwanghaften Gegensatz von Form zu Inhalt; man sollte allerdings nun nicht der Verkürzung folgen, das eine im anderen zu suchen.

Kühlen südlichen Gruß unter nordisch eisigem Luftstrom!

Roger-T.
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