Buzema ist ja eine der weniger "angelaufenen" Oasen in der Wüste Libyens. Obwohl sie für den Touristen ja durchaus ihren Reiz haben kann. Ist halt ein bischen abgelegen...
Der Platz wurde in verschiedenen alten Berichten erwähnt. Rohlfs, Forbes zum Beispiel. Dann gab es 1940 mal eine Volkszählung - ganze 80 Leute wohnten dort...
Weiss jemand mehr über den "Werdegang" dieser Oase? Würd' mich freuen, hier etwas mehr über solche abgelegenen Plätze zu erfahren!
Buzema ist seit einigen Jahren nicht mehr besiedelt. Landschaftlich sehr schön, insbesondere die Sonnenuntergänge lassen vieles Andere blass aussehen. Von der Ortschaft am Süd(?)-Rand ist noch etliches erhalten, die Brunnen aber trocken. Viel Schilf am Ufer, schöne Vögel.
Vor 4 Jahren, als wir im November dort waren, waren 2 Libyer zur Dattelernte vor Ort (die wären bestimmt die richtigen Leute gewesen, die Geschichte des Ortes zu erzählen; leider erinnere ich nicht, woher die mit ihrem Toyo kamen; man müsste wissen, wohin die Bewohner umgesiedelt wurden).
Beim letzten Aufenthalt (Anfang 07) waren wir wieder allein mit unserem Grüppchen. Diese Eisamkeit, und nach meinem Empfinden die gegenüber den Mandara-Seen (Gabron!) wesentlich geringere Belästigung durch Beiss-Fliegen, können dazu verleiten, länger als ursprünglich geplant zu bleiben. (Wer Interesse hat, kann dort einen 6Zyl.-Toyo-Rumpfmotor auflesen :D )
Da ich keine Ahnung habe, wie Fotos eingestellt werden, gib's hier keine. Ernsthaften Interessenten könnte ich aber die eine oder andere Kopie von Fotos ausdrucken und zuschicken. [Gewarnt sei allerdings, qualitative Ansprüche zu stellen.]
> Ich weiss auch nicht, wohin die Leute umgesiedelt wurden. Nehme aber an nach KUFRA.
> 2007 müsstest du das neue Touristencamp auch schon gesehen haben; oder? Wurde das je in Betrieb genommen?
> Trockene Brunnen? Ok, die, die ums Dorf herum gegraben wurden sind trocken / zugesandet. Jedoch findest du in praktisch jedem Gebäudekomplex einen eigenen Brunnen, der Wasser hat welches man auch trinken kann.
Touristen-Camp am Buzuma-See? Nie gesehen; jetzt bin ich schwer verunsichert: waren wir letztes Jahr nicht bis in's (ehem.) Dorf gefahren und nur in der Oase geblieben?? (Ich trau Dir nicht zu, dass Du das mit dem Touri-Dorf am Gabron verwechselst; pardon, dass ich's überhaupt erwähnte ) Da muss ich 'mal nachschlagen, die Unterlagen sind ausser Haus bei meiner Co-Pilotin.
Vor 4 Jahren war aber garantiert davon nichts zu sehen, und auch die Brunnen bei den Häusern -soweit inspiziert- waren trocken.
Alterbedingt sollte ich mich wohl besser nicht mehr äussern; man kann nie sicher sein, nicht doch 'was vergessen zu haben, grämt sich Jürgen Kempe
Das Touriecamp habe ich 2006 zu ersten Mal gesehen. War aber nicht im Bereich des alten Dorfes sondern ausserhalb der Palmen, vom Dorf her Richtung Süden gesehen. So etwa 1km vom Dorf weg würd ich sagen.
Hier also einige Zeilen aus Chapelles Schwarzen Nomaden, von mir gekürzt und schnell übersetzt:
S. 29/30, Chapelle schreibt über archäologische Zeugnisse der Architektur. Es gäbe Wehranlagen in Form von rechteckigen "gasr", z.B. in Tarajiguida (Madama), ..., N´Guigmi und in Bou Zeima. Häufiger seien aber runde Hütten, deren Mauern aus gemauerten Steinen bestünden oder manchmal auch aus Lehm- oder Salzblöcken. Die von Bou Zeima scheinen erst während der arabischen Invasion im 18. Jh. aufgegeben worden zu sein.
S. 49 in einem Kapitel zu den Beziehungen der Tubu mit benachbarten Regionen. "In Kufra, in den verschiedenen Oasen dieser Gruppe die sich über 200 km erstrecken, von Tazurbu bis Bou Zeima, Rebiana und Kebabo, haben sie Ruinen hinterlassen und zahlreiche Friedhöfe, wo man "Hocker-Skelette" findet und manchmal auch Mumien. Die Tubu von Kufra waren Ende des 18. Jh. noch nicht islamisiert (Kufar bedeutet Heide auf Arabisch). Sie wurden seit Anfang 18. Jh. von Banden der arabischen Zouiya angegriffen, die aus Tripolitanien kamen und mit Gewehren ausgerüstet waren. Schritt für Schritt wurden sie (die Tubu) aus einer Oase nach der anderen verjagt. Ein Militär-Expedition, ausgesandt aus Tripolis 1808 unter Jussuf Pacha Karamanli, vollendete die Niederlage der Tubu und unterwarf sie endgültig der Herrschaft der Araber in der Oasengruppe von Kufra. 3000 arabische Zouiya ließen sich dort nieder.
S. 98 wird dieses Thema erneut aufgegriffen und noch etwas detailliert: Die Angriffe erfolgten seit 1730, die arabischen Zouiya und hier insbesondere die Fraktion der Ouled-Bou-Hassan kamen aus der Cyrenaika. Die Bewohner von Tazurbu wanderten daraufhin ins Tibesti aus und bildeten dort den Clan der Taizera. Die von Bou-Zeima, zentrale Oase, verschwanden völlig, wurden massakriert oder flüchteten. 500 nicht konvertierte Tubu flüchteten nach Rebiana oder Kebabo. Wo sie erst 1808 von der oben erwähnten Truppe verjagt wurden. Die meisten wruden ausgelöscht. Hundert oder hundertfünfzig konvertierten und blieben in Kebabo. Andere, 300 an der Zahl, flüchteten nach Rebiana. Heute schätzt man die Zahl der Tubu in Kufra (Oasengruppe) auf 500, von denen in El Djorf 250 leben, im Dorf Gader-Fey. Es sind vor allem alte Leute, Kinder, Geschiedene. Die Lebenstüchtigeren bleiben Nomaden. Es sei daran erinnert, dass die Tubu des Tibesti noch immer ihre Beziehungen zu dieser Oasengruppe wahren und vor allem zur Dattelernte kommen.
Ich, G.G., meinerseits füge hier noch an, dass viele Tubu-Frauen auf verschiedenen Märkten Libyens (besonders Murzuk und Tripolis) Waren aus ihren Heimatländern anbieten. Dies ist eine auffallende Erscheinung auf diesen arabischen Märkten, wo Frauen im Gegensatz zur Sahel-Region keinesfalls als Geschäftspartnerinnen auftreten.
In diesem Buch kommt eigentlich auch deutlich das zum Ausdruck, was auch für andere Quellen in diesem Zusammenhang gilt: Die Geschichte von Bou-Zeima kann wohl nur im Zusammenhang mit den anderen Orten dieser Oasengruppe gesehen werden. In Tazurbu sind z.B. von der ehem. Stammburg Quasr Djerangedi noch Lehmreste zu sehen.
Der Gerhard
Zuletzt geändert von Gerhard Göttler am Do 12. Mär 2009, 21:44, insgesamt 1-mal geändert.
Interessante Texte. Passt wohl nicht ganz ins "offzielle Geschichtsbild" der Gegend; man liest ja sonst nur immer, wie die bösen Italiener die guten Ortsansässigen niedergemacht und vertieben haben. Hmmm; da ist wohl der eine Eroberer dem anderen gefolgt.
Am eindrucksvollsten erscheint mir Buzeima, wenn man sich von Süden über die Dünen aus dem Erg Rabiannah kommend diesem zu den Djofra-Oasen zählenden Örtchen nähert. Das Gebirge steigt urplötzlich beim Überqueren einer Düne wie eine Mauer aus der gelben Weite des Sandes auf. Die Umfahrung des NW-Rands des salzigen, blauviolett leuchtenden Sees ist ziemlich grob tiefsandig, der Weiterweg über die anschließenden Dünen verspricht fleißigen Gebrauch der Sandbleche. Die Dattelpalmen um den See sind nicht mehr gepflegt und bringen nur ziemlich trockene Kameldatteln. Aber Vögel gibt es jede Menge.
Oben auf dem Berg und den angrenzenden Hügeln findet man viele prähistorische Steinhügelgräber. In höheren Sedimentschichten liegen versteinerte Sandrippeln längst vergangener Dünen. Grundlinie des petrifizierten Fragments hier etwa 40 cm lang.
In den teils verfallenden, teils restaurierten Häuschen habe ich mehrere alte deutsche Wehrmachts-Benzinkanister gefunden.
Wüstengruß
Nach Süden!
In der Wüste triffst Du Dich selbst.
Oder Du triffst nichts.
Weiss jemand, warum und wann die Oase abgefackelt wurde?
Version 1) Damit die "evakuierten" Bewohner nicht zurückkehren können hat man alle Palmen abgebrannt.
Version 2) Damit die evakuierte Oase nicht von illegalen Einwanderern aus dem Süden (oder gar TUBU!) neu besiedelt wird hat man sie abgebrannt.
Version 3) Die koreanische Firma DONG AH hat mit ihren Kadern an einem Wochenende einen Picknickausflug gemacht (als sie 100km weiter nördlich die Brunnen bohrten und die Leitung legten). Leider hat man "vergessen", am späten Nachmittag die Feuerchen wieder zu löschen und der Wnd hat die Glut ins trockene Schilf und in die Palmblätter getragen. 3 Tage hätt's gebrannt.
ich hab' bisher nur die Version 1 gehört, die ich aber -wie auch die 2.- nicht glauben mag, weil die Umsiedler mit ihrem Los sehr zufrieden sein sollen.
Version 3 -egal ob durch jene oder andere- erscheint mit wahrscheinlicher.