Libyen | Meine letzte Reise...

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

Moderator: Moderatoren

Antworten
Hajo
Beiträge: 146
Registriert: Mo 10. Mär 2008, 19:28

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Hajo »

Kuno hat geschrieben:
Mi 7. Okt 2009, 14:26
Jetzt ging's aber nicht nur um den Spass in den Duenen sondern auch darum, mal ueber 1'000km ohe Tankstelle auszukommen.
Wo hast Du denn beim Landy das Diesel versteckt (70 l + 7*20 l Kanister)?

Hajo
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Kuno »

Waren nur 6 x 20 Liter in Kanistern. Weiter oben siehst du ein Photo mit der offenen Hecktuere. Unter der Platte welche auf den Radkaesten aufliegt sind 4 Kanister (plus die Werkzeugkiste) und zwei weitere Kanister standen hinter dem Ruecksitz auf der rechten Seite. Diese zwei habe ich nicht angebraucht. Im Schnitt hat der Defender mit dem Tdi von Kufra nach Giarabub trotz der ziemlich schweren Ladung nur knapp 13 l / 100 km gebraucht.
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Kuno »

Und was wir 2007 trotz aller Muehe nicht gefunden hatten - "Howard's Cairn" lag nun ploetzlich vor uns. Ok, ist wahrscheinlich fuer viele nicht besonders erhebend, vor einem kleinen Haufen rostiger Treibstoffbehaelter zu stehen. Eigentlich ja nur ein weiterer Muellhaufen, der die Wueste versaut. Aber fuer andere ist es halt schon was spezielles, vor dieser Wendemarke auf der Route der LRDG durch die Sandsee zu stehen. Howard's Sohn hat es auch sehr gefreut, als er die Photos sah.

Bild

Bild

Bild
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Kuno »

'Howard's Cairn' scheint ja hier niemanden gross zu interessieren. Kein Wunder, ist ja nur ein rostiger Haufen von Blechkanistern.

Wir sollten dann auch weiterfahren. Schoen um die Mittagszeit in die Sandsee hineinzufahren erinnert einen irgendwie an die letzten Skiferien. Es ist einfach alles nur konturlos weiss. Fester Sand und weite Gassis. Und wir wollten noch so weit wie moeglich nach Norden kommen. Also ruhig ein bisschen zuegig unterwegs. Die Passagiere hinten sind eingenickt. Ich muss mich sehr konzentrieren, da man wirklich nur noch 'Weiss' sieht. Und dann auch immer noch einen Blick zurueck. Schon draussen in der Ebene, als das dritte Fahrzeug einen kleinen Schaden hatte, fiel es mir erst nach ueber 10 Kilometern auf, dass der hinterste Wagen fehlt. Waere eigentlich nicht meine Aufgabe gewesen - aber was soll's, kostet ja nichts, wenn ich etwas intensiver nach hinten schaue und mich versichere, dass noch alle da sind. Ich fahre ein wenig naeher an die Duenenkette heran, weil ich den Toyo nicht sehe. Sanfte, weite Wellen. Den Toyo sehe ich immer noch nicht...

...aber dann knallt's gewaltig.

Ich stehe oben auf einer kleinen aber relativ steilen Querduene. Das Ding ist nur etwa so hoch, wie mein Auto aber (gemaess meines GPS) bin ich da mit 73,9 km/h reingeknallt.

Hinten ist der Reifen runter. Das Haeuschen etwas gestaucht und die Spurstange macht einen etwas ungeraden Eindruck. Auch die Stange vom Gepaeckfangnetz hinter den Sitzen sind tuechtig nach vorne gebogen.

(Das Netz habe ich uebrigens von meinem RAV4 her ruebertransplantiert)

Interessanter- besser gluecklicherweise hat sich keiner der Insassen irgendwo weh getan.

Also. Zeltplane raus und Mittagessen zubereiten.

Und mit dem anderen Fahrzeug wird die Spurstange untendurch soweit geradegezogen, bis sie sich mit einigem Kraftaufwand entfernen laesst. Dann faengt die Biegerei an. Dauert etwas, kommt aber wieder recht gut hin. Zum Schluss dann noch die Raeder ausrichten und den Reifen hinten wieder auf die Felge machen.

Dann haben die anderen ihr Mittagessen auch beendet und wir koennen weiterfahren.

Dank der fortgeschrittenen Zeit sieht man nun auch die Konturen wieder besser :wink:

Bild

Bild

Bild
Wolfgang K
Beiträge: 2201
Registriert: Fr 25. Nov 2005, 13:50
Wohnort: bei Mainz

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Wolfgang K »

Mensch Kuno, das nenne ich nicht nur einen schönen, sondern auch einen ausgesprochen ehrlichen Bericht. Sonst passiert so was ja nieeeeemals jemandem *hüstl*. Und Einheimischen sowieso nicht. :mrgreen:

Aber Du hast ein riesiges Glück gehabt, dass es rauf und nicht runter ging, sonst wäre ein Überschlag fällig gewesen. Solche Sachen sind es, die mir am meisten Angst machen. Toi,Toi,Toi.

Grüße
Wolfgang
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Kuno »

Es ist halt so: Wir sind alle nur ganz klein und schwach, wenn wir uns mit der Wueste anlegen wollen. Und dann bekommt man eins auf die Kappe. Zum Glueck ist es manchmal nur eine Warnung und nicht gleich endgueltig. Aber man muss es sich zu Herzen nehmen.
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Kuno »

Noch ein paar Impressionen aus der Calansho Sandsee:

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild
martin1101
Beiträge: 1257
Registriert: Fr 21. Okt 2005, 09:35
Wohnort: Linz/Austria
Kontaktdaten:

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von martin1101 »

Danke für die traumhaften (zum Träumen verleitenden) Bilder !

lg
Martin
syncro tom
Beiträge: 84
Registriert: Do 22. Sep 2005, 16:03
Wohnort: Sindelfingen

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von syncro tom »

Den schließe ich mich an. Super!
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Kuno »

So, nach den Duenentraeumereien wieder zu einem alten Flugzeug. Die S.79 war von einem Torpedoeinsatz um Kreta nicht mehr zurueckgekehrt. Offensichtlich konnte das Fugzeug noch gelandet werden. Aber da niemand wusste, wo es zu suchen war bzw. da man davon ausging, dass es ueber See verloren ging kam nie eine Rettung. Soweit ich mich erinnere machte sich der Kommandant des Flugzeuges mit dem Kompass zu Fuss auf den Weg nach Norden, in der Hoffnung auf der Piste von Gialo nach Giarabub Hilfe zu finden. Er hat es nicht geschafft.

Das Flugzeug wurde etwa zur gleichen Zeit wie die LBG gefunden. Bei der Suche nach Oel. Wenn's mir Recht ist, war bei dieser Truppe sogar der Sohn von Ardito Desio mit dabei.

Seitdem ist das Wrack arg gefleddert worden.

Unser Mitreisender Flugzeughistoriker konnte alle soweit begeistern, dass wir die Cockpitsektion, die beim Pluendern des Flugzeuges abgerissen worden ist, wieder aus dem Sand ausgruben und in die richtige Position brachten. War eine ziemliche Arbeit.

Bild

Bild

Bild
Wolfgang K
Beiträge: 2201
Registriert: Fr 25. Nov 2005, 13:50
Wohnort: bei Mainz

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Wolfgang K »

Hier noch Näheres zur "Gobbo Volante":

http://www.gavs.it/FotodelNonno/S79K_MM_23881.htm

Ich habe den Eindruck, dass auch hier seit dem letzten Herbst einigens weg gekommen ist.

Grüße
Wolfgang
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Kuno »

Hmmm. Ich war das letzte Mal Ende Dezember 2007 vor Ort. Hatte aber nicht das Gefuehl, das weiterer 'Schwund' zu verzeichnen war. Liegt vielleicht auch am Winkel der Aufnahme, dass es nach weniger Material aussieht.
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Kuno »

Dann gab's wieder etwas Sand...

Waehrend dem wir Nachts nur die 'Wand des Zeltes' nutzten, einfach um den Wind abzuhalten war's am Mittag das Dach, welches als Sonnensgel herhalten musste. Gut, dass die beiden Teile nicht zusammengenaeht sind.

Ich war ja schon ein paar Mal in der Sandsee unterwegs. Und doch; wieder ueberrascht einen die Wueste. Als ich schon dachte, die letzte Duenenkette ist hinter uns, da hatte die man noch einmal richtig was aufgetuermt. War doch recht knifflig bei der letzten Barriere durchzukommen. Und danach war's dann haesslich steinig. Faellt einem richtig auf, wie's rumpelt, wenn man so lange im Sand gefahren ist.

Versteinertes Holz lag (bzw. stand) auch noch rum. Stehen tut ja nicht mehr viel, nachdem es ueber lange Jahre von den Autos angerempelt und umgestossen wurde. Muss sicher Spass gemacht haben :roll:

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Also die Duenen sehen ja von oben immer sehr viel steiler und hoeher aus... muss an der Kamera liegen, denn in Wahrheit waren sie schon fast ueberhaengend und mindestens 100 Meter hoch!

Bild

Bild

Bild

Bild
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Kuno »

A-Team ist an der Arbeit. Die Steckachsen haben eine leichte Bananenform bekommen und bei der linken Vorderfeder ist ein Kringel abgefallen. Da muss aber noch mehr kaputt sein - wird also vorne unten alles auseinander genommen und geprueft. Sieht wieder mal nach teurem Reisen aus :cry:
Kuno
Beiträge: 9586
Registriert: Mi 3. Mai 2006, 10:21
Wohnort: Dort wo andere Ferien machen.
Kontaktdaten:

Re: Libyen / Meine letzte Reise...

Beitrag von Kuno »

Nach viel, viel Wueste kommen wir langsam wieder naeher an die 'Menschliche Zivilisation' und erreichen das suedliche Ende vom "Zaun von Grazziani". Wenn's mir recht ist haben die Italiener im Jahre 1930 innerhalb von nur sechs Monaten einen Stacheldrahtzaun von der Kueste bei Bardia bis hinter Giarabub gezogen um die Versorgung der Rebellen/Freiheitskaempfer von Aegypten her zu unterbinden. Scheint recht gut fuktioniert zu haben. Der Zaun ist ein regelrechtes Monster, dass sich endlos durch die Landschaft windet. Mir ist nicht klar, WIE die stacheligen Draehte so ineinader verwoben werden konnten...

Waehrend des Zweiten Weltkriegs wurde Giarabub dann von den Australiern belagert und am Ende auch eingenommen. Obwohl die meisten der herumliegenden "Stuecke" offensichtlich entschaerft sind bzw. nie scharf gemacht wurden macht mir die Gegend ganz und gar nicht
den Eindruck, als dass da nicht ab und zu doch wieder was explodiert. Erinnere mich an 2007, als ein Tourist (war nicht mit uns) sich zwei scharfe Eierhandgranaten in die Taschen steckte. Der Buegel war weggerosted und auch der Sicherungssplint existierte nur noch in wenigen Fragmenten. Die Granaten waren also gefaehrlich wie sonst nie. Ich habe dann seine Freundin gewarnt und ihr geraten, dem schlauen Maennschen doch zu erklaeren, dass er doch am besten die zwei zusaetzlichen Eier ganz vorsichtig wieder aus den Taschen nehmen soll, um sicherzustellen, dass er die anderen beiden behaelt. Ist dann auch nichts passiert.

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild

Bild
Antworten