Ramadan in Ägypten / Dorfleben Niltal Nord

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

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sascha04
Beiträge: 2
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Ramadan in Ägypten / Dorfleben Niltal Nord

Beitrag von sascha04 »

Hallo zusammen,

ich bin leidenschaftlicher Reisender und aufgrund eines Beitrags zur Grenzüberquerung Äthiopien-Kenia am Turkana-See auf dieses tolle Forum gestossen.

Wir sind gerade zurück von einer Ruanda-Burundi-Tansania Reise und unsere nächste Tour steht bereits fest. In den Osterferien soll es mit den Kindern auf einen kleine Tour nach Ägypten gehen:

- Kairo (4 Nächte)
- RoadTrip Rotes Meer (bis nach Luxor) (4 Nächte)
- Luxor (4 Nächte)
- RoadTrip Niltal Nord (bis Kairo) (3 Nächte)

Nun hätte ich zwei Fragen an die Ägypten-Kenner:
1. Ich habe bereits einiges über die Vor- und Nachteile als Tourist über den Ramadan gelesen. Dennoch würde ich gerne wissen wie es insbesondere in Kairo ist. Ich "befürchte" dass der Ramadan den Eindruck, den Trubel, die Hektik...das Leben auf der Strasse "verfälscht"!?
2. Ich suche noch eine Destination im Niltal Nord in der man einen Eindruck vom "typischen" Landleben im Nildelta gewinnen kann. Also keine Tempel etc...sonder ganz normales Landleben.

Freu mich auf Eure Rückmeldung! Gruß Sascha!
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Achim Vogt
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Re: Ramadan in Ägypten / Dorfleben Niltal Nord

Beitrag von Achim Vogt »

Lieber Sascha,

momentan ist Ägypten ja nicht so "in" für Individualreisende mit eigenem Fahrzeug. Deshalb gab es vermutlich bisher noch keine Antworten auf Deine Fragen. Das ist auch gar nicht so einfach, aber ich will es trotzdem versuchen.

Der Ramadan verfälscht ja eigentlich nicht, aber es ist eben ein spezieller Eindruck, der nichts mit den anderen elf Monaten des Jahres zu tun hat. Das öffentliche Leben erlahmt tagsüber, dafür ist es am Abend und bis tief in die Nacht umso trubeliger.

Ich würde folgende Punkte zu bedenken geben:

a) In Kairo - andere Länder und auch die Touristengebiete am ägyptischen Roten Meer sind da sicher toleranter - kannst Du außer in Hotels kaum essen gehen! Das ist insbesondere mit Kindern problematisch, wenn Ihr viel zu Fuß unterwegs sein wollt. Manche Restaurants haben nur die Vorhänge zugezogen, bieten für Ausländer aber Essen an. Wie es an Touristen-Hotspots ist (zum Beispiel im Khan el Khalili Basar), weiß ich nicht, weil ich lange nicht mehr im Ramadan dort war.

b) Die letzte Stunde vor der Abenddämmerung ist eine Zumutung im Straßenverkehr, die Aggressivität und das Tempo nehmen zu, weil alle zum "Iftar" (dem Fastenbrechen) zuhause sein wollen. Da solltet Ihr Euch eher von fernhalten.

c) Da alle auf der Straße sind, ist an Ruhe in der Nacht bis mindestens 1 Uhr, manchmal auch bis zum letzten Mahl vor dem Sonnenaufgang nicht zu denken. Das solltet Ihr bei der Wahl des Hotels berücksichtigen.

Zum Delta kann ich leider auch nur zwei allgemeine Überlegungen beisteuern, ich war lange nicht mehr dort.

a) Ich weiß nicht, inwieweit Ihr an den Checkpoints als Einzelreisende durchgelassen werdet, vor allem auf kleineren Straßen (wo es ja am schönsten und ursprünglichsten ist). Vielleicht solltet Ihr zuerst auf einer Hauptstraße zum Beispiel nach Tanta fahren und es ausprobieren und Euch dann vorantasten.

b) Die Sorge der ägyptischen Sicherheitskräfte an den Checkpoints hat auch damit zu tun, dass das Delta eine konservative Gegend ist, in der die Muslimbrüder vorherrschen. Grundsätzlich sind Ägypter ja ausgesprochen freundliche Menschen, gerade auch gegenüber Kindern, aber Ihr solltet das - gerade auch mit Blick auf den Ramadan, siehe oben! - unbedingt in Eure Überlegungen einbeziehen. Denkt daran, dass es auf dem Land noch viel schwieriger sein wird, tagsüber etwas zu essen zu finden!

Ich hoffe, das hilft Dir und Euch trotzdem schon mal ein wenig weiter in Euren Überlegungen.

Viele Grüße
Achim
Bäärti
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Re: Ramadan in Ägypten / Dorfleben Niltal Nord

Beitrag von Bäärti »

Hallo Sascha

Wir waren vor einigen Jahren während des Ramadans in Kairo. Uns hat diese spezielle Zeit sehr gut gefallen. Besonders eindrücklich fand ich jeweils den Abend, wenn alle Leute auf den erlösenden Ruf von der Moschee warten. Dann geht’s los mit Iftar. Überall am Strassenrand sitzen die Leute und brutzeln, essen und feiern. Und überall wird man herzlich zum mitessen eingeladen.

Wer tagsüber unbedingt auch ausserhalb seines Hotels essen will, findet da und dort Restaurant, die für die nichtmuslimischen Ägypter und/oder Touristen geöffnet haben. Zum Beispiel bei den Kopten oder am Nilufer.

Nachteilig ist während des Ramadans, dass die meisten Garküchen und Cafés tagsüber zu haben. Denn grad diese sind für mich ein wichtiger Teil von Kairos Kultur.

Gruss Bäärti
der Muger - ein Bergler auf Abwegen.
sascha04
Beiträge: 2
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Re: Ramadan in Ägypten / Dorfleben Niltal Nord

Beitrag von sascha04 »

Lieber Bäärti,
lieber Achim,

vielen Dank für Eure Beiträge welche uns sehr weitergeholfen haben!

@Achim: Ich dachte weniger ans Delta als an die Nilregion zwischen Luxor und Kairo!?! Dort suchen wir ein nettes Dorf um tiefer in das Leben einzutauchen...ganz ohne Highlights im touristischen Sinne!

Gruß Sascha!
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Achim Vogt
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Re: Ramadan in Ägypten / Dorfleben Niltal Nord

Beitrag von Achim Vogt »

Lieber Sascha,

aha, das ist etwas anders als was Du ursprünglich geschrieben hattest:
2. Ich suche noch eine Destination im Niltal Nord in der man einen Eindruck vom "typischen" Landleben im Nildelta gewinnen kann. Also keine Tempel etc...sonder ganz normales Landleben.
Aber ich denke, das tut sich nicht wirklich viel. Auch im südlicheren Niltal auf dem Weg nach Luxor finden sich mit Sohag und Assiut zwei größere Städte, in denen die Muslimbrüder dominieren und die entsprechend konservativ sind. Das ist in den Dörfern drumherum nicht anders. Das größere Problem ist in jedem Fall, dass die allermeisten Menschen ausschließlich Arabisch sprechen. Da müsst Ihr Euch gut überlegen, was Ihr in den Dörfern eigentlich wollt - außer Durchfahren ...

Übrigens ist Assiut nicht nur muslimisch konservativ, sondern gemeinsam mit Qena und Minia gleichzeitig eine der wichtigsten Städte für die koptische Minderheit im Land. Es gibt sogar kleine Dörfer, in denen sie die Mehrheit stellen.

Grundsätzlich gilt natürlich, je kleiner desto beschaulicher, vor allem näher an der Wüste und etwas weiter weg vom Fluß.

Viele Grüße
Achim
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