Werner Lenz hat seinen fernwehverursachenden Reisebericht mit zahlreichen Fotos zur Verfügung gestellt. :D
Herzlichen Dank Werner!!!
Kurzbeschreibung unserer Libyen-Reise 2008-2009
Werner Lenz, 20.01.2009
Vom 12.12.2008 bis zum 10.01.2009 unternahmen wir mit einer Gruppe von 7 Leuten in 4 Autos eine Reise nach Libyen.
Hauptziele waren die Harudsch (das große zentrale Vulkangebiet), der N-Rand des Erg-Murzuk und der Messak.
Die Reise wurde über die Agentur WATANI organisiert und zu unserer vollen Zufriedenheit dann auch abgewickelt. Durch deutschsprachige Ansprechpartner auf libyscher Seite (Kuno Gross und Khaled Elakab) vereinfachten sich diese Vorgänge deutlich.-
Die Anreise fand, wie üblich, über die Fähre Genua-Tunis statt. Die libysche Grenze erreichten wir dann aber erst recht spät, da schon die Fähre in Genua mit starker Verspätung gestartet war. Wir wurden an der Grenze erwartet und die restlichen Formalitäten waren dann schnell abgewickelt. An demselben Abend reisten wir noch zu Kuno Gross in Tripolis, wo wir übernachteten (danke für die Gastfreundschaft!) und am nächsten Nachmittag dann mit unserer Begleitung nach Süden starteten.
Über Mizda-Hun-Waddan erreichten wir dann Zella und starteten von dort zu unserem
1. Abstecher in die E-Harudsch zu den 3 bekannten „Löchern“. Dies sind ein Krater mit senkrechten Wänden

und zwei eingebrochene, kugelförmiger Blasen, wobei die eine nur eingebrochene Felsen, die andere jedoch Bewuchs von mehreren Palmen enthält. In das 3. „Loch“ (das mit den Palmen) stieg Christian dann mithilfe von Strickleitern und Seilsicherung ein.

Anschliessend verliesssen wir die Harudsch Richtung E um das in der Nähe des Naga-Ölfeldes abgestürzte Flugzeug (eine Antonov) zu besuchen. Trotz des Crashs ist sie überraschend gut erhalten. Angeblich erlitt nur ein Passagier einen Armbruch?!?!?

Ab hier starteten wir unseren
2., deutlich längeren Abstecher in die E-Harudsch, der uns zunächst auf einer von Jens Edelmann (http://www.saharatour4x4.de/berichte/haroudj/lib_00.php) beschriebenen Piste hineinführte. Dabei besuchten wir den „Krater mit Loch“

und weitere imposante Krater.

Auch die häufigen Lava-Flüsse, die uns immer wieder den Weg versperrten, waren beeindruckende Zeugen der noch nicht allzu lange vergangenen Vulkantätigkeiten in diesem Gebiet.

Schließlich suchten wir uns einen nach E hin aus der Harudsch hinausführenden Weg.
In den weiten Ebenen E-lich der Harudsch fuhren wir dann flott nach Süden bis zum schönen Dj. Maaruf, in dessen Talungen, Senken und Anstiegen mit ihren vielen Farben, Formen und versteinertem Holz wir uns dann fast verloren.

Nach W zu starteten wir dann unseren
3. Abstecher in die Harudsch, der uns auf einem speziell ausgesuchten Weg zur Querungs-route von DORA führen sollte.
DORA war eine 1942 von der deutschen Wehrmacht durchgeführte wissenschaftliche Erkundung in diesem Raum, deren detaillierten Berichte mir vorliegen und deren zugehörigen Karten vor einigen Jahren veröffentlicht wurden. Eine schöne Beschreibung dieser Reise findet sich in N.B. Richter; „Unvergessliche Sahara“.
Schon 1998 hatten wir den Einstieg von DORA in die Harudsch entdeckt (alte Kübelwagen-Spuren), waren ihnen aber nur ca. 25Km gefolgt. Dieses Mal hatten wir geplant, über einen Seiteneinstieg diesen ersten (in unserer Erinnerung sehr steinigen) Einstiegsteil zu umfahren und dann dem weiteren Streckenverlauf von DORA zu folgen.
Wie gut bzw. wie schlecht eine solche Wegplanung per Satellitenbild gelingen kann, haben wir dann direkt erlebt. Wir benötigten mehr als 2 Tage (hier verbrachten wir Weihnachten) intensiver Suche in einer z.T. von großen Felsen oder auch nicht fahrbaren Steinfeldern versperrten Landschaft, um nur in das Gebiet zu gelangen, das wir schon 1998 erreicht hatten. Eine tolle Überraschung war dort dann die Auffindung eines mithilfe kleiner Steine ausgelegten Pfeils, den wir aus diversen Gründen DORA zuschreiben können.

Dort dann beschlossen wir, auf unseren alten 1998-er Spuren zurückzufahren, was dann auch in ca 2-3h gelang.
Naja, da werden wir schon nochmals eine Anlauf machen müssen.-
Auf schneller Wegstrecke fuhren wir dann nach Wau-El-Kebir und Tmessa und von dort über Teer nach Murzuk und Tesawa, um von dort aus Richtung W die Landschaft um die beiden Gasrs (Mara und Scharaba) aufzusuchen.

Die an den Orten befindlichen Friedhöfe werden nach wie vor von Einheimischen besucht (verschiedenen Utensilien wie Fahnen, Weihrauch, Brenngefäße etc.) und unser Sadiek besprenkelte wie ganz selbstverständlich die Gräber mit Wasser.

Auch die in der Umgebung liegenden U-Gräber und viele auf den Anhöhen thronenden garamantischen Gräberfelder besuchten wir.

Aus Zeitgründen wurde der geplante längere Abstecher in den Erg-Murzuk auf eine 1-tägige Dünentour in der NW-Ecke des Ergs beschränkt und über den Abahoa-Pass, inzwischen wohl das Einfallstor für alle Touren aus dem Akakus zum Mathendous, fuhren wir nach W aus dem Messak hinaus, um dann an seinem W-Rand nach N zu schwenken.
Unser nächstes Ziel war dann das große Wadi Aramas, an dessen Oberlauf wir eine spezielle Gravur und das Vorhandensein eines Passes in den Messak hinein überprüfen wollten. Hier verbrachten wir Silverster und fuhren dann in das weite Tal hinein. Fast am Ende des fahrbahren Bereichs des Wadi’s liegt ein herabgestürzter Felsblock, auf dem ein Elefant und seit 1942 (DORA-WEST) auch ein Hakenkreuz eingraviert ist.

Ein fahrzeuggeeigneter Pass (in Karten nennt er sich Tehin-Aghalad) Richtung E konnte nicht aufgefunden werden.
Dieses große Wadi verliessen wir wieder nach N, um dann in das weite Wadi Icherat von NW her einzusteigen. Diese Landschaft kannten wir schon von früheren Reisen. Ab der „3-chemin“-Kreuzung besuchten wir zunächst das Wadi In-Ebolu mit seinen schönen Felsbildern, speziell auch den eindrucksvollen Bubalus-Felsen.

Anschließend erklommen wir die Hochfläche und zielten die Fundstelle des „garamantischen Apolls“ weiter E-lich an. Dies ist eine interessante Fundstelle mit einen großen (neolithischen?) Steinkreis und einigen Gravuren, darunter auch der bekannte „garamantischen Apoll“.

Heinrich Barth besuchte diese Stelle auf seiner „Großen Reise“ und machte diese Gravur somit berühmt.
Die schnurgerade, nach SE zielende Bulldozerpiste 112 brachte uns zurück zum Mathendous (In Habeter II), von wo aus wir über den Kontrollposten Elauen nach Germa fuhren.
Über Teer in Sebha angekommen trafen wir dort im schönen „Campement Allal“,

das speziell für Touristen angelegt ist, unseren zweiten Begleiter, da sich hier unsere Reisegruppe aufteilte:
Gruppe 1: Fuhr über Teer direkt zurück.
Gruppe 2: Machte noch einen Abstecher in den Dj. Akhdar und kam dann eine Woche später zum Schiff.
Die Ausreise aus Libyen gestaltete sich aufgrund des gemeinsamen Zolls mit Tunesien recht einfach.
Resumee:
Wer den Kontakt zu einer einheimischen Begleitung nicht scheut, kann nach wie vor wunderschöne Wüstenreisen in Libyen durchführen.
Nochmals herzlichen Dank Werner
Viele Grüsse
Alexander




