Algerien hat diese Woche ungewöhnliche Schritte unternommen, die als überzogene Machtdemonstration interpretiert werden könnte. Das vorübergehende und landesweite Abschalten des Internets, die Festnahme eines TV Managers und einigen Mitarbeitern, die Einleitung einer Untersuchung gegen den Grossindustriellen Isaad Rebrab, die Entlassung eines unabhängigen Parlamentsabgeordneten, dem Beleidigung eines führenden Mitglieds der Regierung vorgeworfen wird und die Verabschiedung eines Gesetzentwurfs, der die Verbreitung der schiietischen Religion unter Strafe stellt leiten eine fundamentale Einschränkung der Menschenrechte ein was eine weiter Destabilisierung und auslösen könnte.
Die staatlich angeordnete Abschaltung des Internets dürfte dem Telekommunikationssektor 300 Mio US $ an Umsatzeinbußen bescheren, wobei besonders kleine Provider betroffen sein dürften.
Die außergewöhnlichen Maßnahmen sind das Ergebnis verschiedener Problempunkte, welche die Regierung dazu zwingen restriktive Einschnitte vorzunehmen.
Als Grund für die Maßnahmen nennt die Regierung die anhaltende terroristische Gewalt. Ein weiterer Grund dürfte das Machtvakuum sein, dass durch die Krankheit des Präsidenten Bouteflika entstanden ist. Unterschiedliche politische Gruppen möchten ihre Machtpositionen für den Fall sichern, dass der Präsident das zeitliche segnet. Die Tage Bouteflikas dürften gezählt sein. Politisch könnte es in Algerien in den nächsten Jahren interessant werden.
Grüsse
Alexander
Sicherheitslage in Nordafrika - Sahara
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Alexander
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Re: Sicherheitslage in Nordafrika - Sahara
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
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Re: Sicherheitslage in Nordafrika - Sahara
Hallo Saharafahrer,
hier sind wir uns ja doch alle einig, dass auch die Sahara-Westroute latent bedroht ist, da die Kopf-ab-Terroristen wohl nicht so schnell Halt machen in ihrem Vormarsch bis an den Atlantik. Bleibt abzuwarten, ob die von Europa gestifteten neuen polizeilichen Hochsicherheitstechnologien (biometrische Erkennungsverfahren an den grenzen etc.) ihre Funktion erfüllen und die staatliche Repression gegen den islamischen Terror jeglicher Couleur uns Wüstenfahrer noch eine Weile wird schützen können. Die Sicherheitskräfte in den mehr oder weniger diktatorischen Maghrebstaaten sind dann doch objektiv unsere Verbündeten, oder wie seht ihr dies? Je enger die Zusammenarbeit unserer EU-Führungen mit Marokko, Algerien und Tunesien, die ja jetzt im Zuge der Flüchtlingsabwehr wohl noch verstärkt wird, desto sicherer wird auch unsere Hauptreiseroute, ist zumindest meine Meinung. Bin aber mal auf die sicher heftigen Reaktionen der Afrika-community gespannt. Vielleicht kommt aber außer Gift und Galle auch noch die eine oder andere nachdenkliche Meinung.
Wenn ich mal aus meinem Herzen keine Mördergrube mache muss ich zugeben, dass bei dem engmaschigen überwachungsnetz im marokkanischen Stammland und erst recht in der Westsahara das Sicherheitsgefühl bei mir am größten ist. Etwas mulmiger wird einem dann erst in Mauretanien, obwohl dort auf dem wüstenhighway mittlerweile deutlich mehr Fahrzeugkontrollen postiert sind als früher (und diese sich auch deutlich bemühter geben als früher) was zumindest die gefühlte Sicherheit bei mir erhöht. Wie geht es da den anderen Vielfahrern?
Wenn allerdings die Lage in Algerien, das noch immer einen halbwegs wirksamen, aber wohl immer löchriger werdenden Puffer gegen die Terrorgruppen aus Lybien etc. darstellt demnächst in die Luft fliegen sollte (was ich mir beim finalen Tod des lebenden Leichnams von Boutef gar nicht anders vorstellen kann) dann gibt's wohl keine Halten mehr gegen die Radikalisierung auch des Maghrebs und des Sahel bis hinunter nach Senegal und den beiden Guineas.
Also los geht die Debatte wünscht sich Doncarlos
hier sind wir uns ja doch alle einig, dass auch die Sahara-Westroute latent bedroht ist, da die Kopf-ab-Terroristen wohl nicht so schnell Halt machen in ihrem Vormarsch bis an den Atlantik. Bleibt abzuwarten, ob die von Europa gestifteten neuen polizeilichen Hochsicherheitstechnologien (biometrische Erkennungsverfahren an den grenzen etc.) ihre Funktion erfüllen und die staatliche Repression gegen den islamischen Terror jeglicher Couleur uns Wüstenfahrer noch eine Weile wird schützen können. Die Sicherheitskräfte in den mehr oder weniger diktatorischen Maghrebstaaten sind dann doch objektiv unsere Verbündeten, oder wie seht ihr dies? Je enger die Zusammenarbeit unserer EU-Führungen mit Marokko, Algerien und Tunesien, die ja jetzt im Zuge der Flüchtlingsabwehr wohl noch verstärkt wird, desto sicherer wird auch unsere Hauptreiseroute, ist zumindest meine Meinung. Bin aber mal auf die sicher heftigen Reaktionen der Afrika-community gespannt. Vielleicht kommt aber außer Gift und Galle auch noch die eine oder andere nachdenkliche Meinung.
Wenn ich mal aus meinem Herzen keine Mördergrube mache muss ich zugeben, dass bei dem engmaschigen überwachungsnetz im marokkanischen Stammland und erst recht in der Westsahara das Sicherheitsgefühl bei mir am größten ist. Etwas mulmiger wird einem dann erst in Mauretanien, obwohl dort auf dem wüstenhighway mittlerweile deutlich mehr Fahrzeugkontrollen postiert sind als früher (und diese sich auch deutlich bemühter geben als früher) was zumindest die gefühlte Sicherheit bei mir erhöht. Wie geht es da den anderen Vielfahrern?
Wenn allerdings die Lage in Algerien, das noch immer einen halbwegs wirksamen, aber wohl immer löchriger werdenden Puffer gegen die Terrorgruppen aus Lybien etc. darstellt demnächst in die Luft fliegen sollte (was ich mir beim finalen Tod des lebenden Leichnams von Boutef gar nicht anders vorstellen kann) dann gibt's wohl keine Halten mehr gegen die Radikalisierung auch des Maghrebs und des Sahel bis hinunter nach Senegal und den beiden Guineas.
Also los geht die Debatte wünscht sich Doncarlos
"Man entdeckt keine neuen Welten ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren" (frei nach A.Gide)
Re: Sicherheitslage in Nordafrika - Sahara
Menschenrechte nach unserer Definition und die Staaten des nördlichen Afrika sind nur begrenzt miteinander vereinbar.
Allerdings sind die Leute in den Staaten auch nicht daran gewöhnt, dass die Menschenrechte eine zentrale Rolle spielen. Sich und seiner Familie die Taschen voll machen steht oben auf der Prioliste. Das Ganze garniert mit einer streng hierarchischen Ordnung, die einen starken Chef vorsieht.
Historisch einfach nach zu vollziehen.
In den Oasen musste jemand über die Wasserverteilung wachen, es gab drakonische Strafen bei Verstößen. Karawanen haben genau einen Chef, ein Parteitag der Grünen käme mit der Diskussionskultur keine 5 Dünen weit.
Daher passt auch der IS gut in dieses Umfeld. Derjenige mit den geringsten Skrupeln setzt sich durch.
Wir als Ausländer haben dort vergleichsweise gute Karten, auch wir aus Versehen auf der falschen Seite stehen. Siehe Alex' Bericht über seine leider letzte Ägyptenreise.
Peter
Allerdings sind die Leute in den Staaten auch nicht daran gewöhnt, dass die Menschenrechte eine zentrale Rolle spielen. Sich und seiner Familie die Taschen voll machen steht oben auf der Prioliste. Das Ganze garniert mit einer streng hierarchischen Ordnung, die einen starken Chef vorsieht.
Historisch einfach nach zu vollziehen.
In den Oasen musste jemand über die Wasserverteilung wachen, es gab drakonische Strafen bei Verstößen. Karawanen haben genau einen Chef, ein Parteitag der Grünen käme mit der Diskussionskultur keine 5 Dünen weit.
Daher passt auch der IS gut in dieses Umfeld. Derjenige mit den geringsten Skrupeln setzt sich durch.
Wir als Ausländer haben dort vergleichsweise gute Karten, auch wir aus Versehen auf der falschen Seite stehen. Siehe Alex' Bericht über seine leider letzte Ägyptenreise.
Peter
Die schnellste Verbindung zwischen 2 Punkten ist nicht zwingend eine Gerade
Re: Sicherheitslage in Nordafrika - Sahara
Hi Peter,
du schreibst ganz richtig:
Menschenrechte nach unserer Definition und die Staaten des nördlichen Afrika sind nur begrenzt miteinander vereinbar
Hoffentlich ziehen wir Afrikafahrer aus dieser Erkenntnis auch die logischen Schlüsse, nämlich dass es wenig bis nichts bringt, wenn wir hier auf diesem Forum aus der relativen Sicherheit unserer Büroschreibsessel uns mächtig aufregen über die inflationäre Verletzung von Menschenrechten (fast) überall auf der Welt, außer auf unserer Wohlstands- und Demokratieinsel in Westeuropa.
Vielleicht erkennen wir auch -ein kleiner Blick in die Geschichtsbücher ist dabei erkenntnisfördernd- dass auch auf unserem glückseligen Europa Menschen- und Demokratierechte noch gar nicht solange allgemein garantiert sind. Natürlich ist der Pfad zwischen einer realistischen Einschätzung der politischen Situation und einem kulturellen bzw. politischen Relativismus eine schmale Gratwanderung. Ich rede hier auch nicht einer Resignation das Wort gegenüber den afrikanischen Despotien, die wir unterwegs nahezu überall antreffen aber dieses Kontraste mit unserem Demokratie- und Menschenrechtsempfinden sollten uns zunächst zum analytischen -anstatt moralistischen- Nachdenken bringen über die Gründe für diese Demokratie- etc. Defizite. Für mich handelt es sich dabei -im besten falle - um die fast unausweichlichen - Begleiterscheinungen von Modernisierungsdiktaturen auf dem Weg der "ursprünglichen Kapital-Akkumulation" (um mit Marx zu reden).
In einer vergleichbaren historischen Entwicklungsphase gab es auch in unserm heute so hochgelobten Europa sicherlich auch krasse Korruption und ebenso gnadenlose Ausbeutung wie sie heute in Afrika gang und gäbe ist.
Allerdings halte ich Peters relativistische Akzeptanz von mittelalterlichen und in diesem fall eben auch rückwärtsgewandten radikal-religiösen Strömungen wie IS nicht für hinnehmbar:
Daher passt auch der IS gut in dieses Umfeld. Derjenige mit den geringsten Skrupeln setzt sich durch
Demgegenüber stelle ich mich dann doch lieber auf die Seite der progressiven, d.h. einer wirtschaftlichen Modernisierung verpflichteten lokalen Machthabern und gerne auch auf die Seite der EU-Politik, die jene endlich etwas effektiver unterstützt. Hoffentlich ist der Spuk des islamistischen Fundamentalismus in Westafrika bald ausgeräumt und damit diese Weltgegend wieder etwas sicherer für die kapitalistische Weiterentwicklung. Oder träumt hier wirklich noch jemand von einer sozialrevolutionären alternative für Afrika?
Ciao doncarlos
du schreibst ganz richtig:
Menschenrechte nach unserer Definition und die Staaten des nördlichen Afrika sind nur begrenzt miteinander vereinbar
Hoffentlich ziehen wir Afrikafahrer aus dieser Erkenntnis auch die logischen Schlüsse, nämlich dass es wenig bis nichts bringt, wenn wir hier auf diesem Forum aus der relativen Sicherheit unserer Büroschreibsessel uns mächtig aufregen über die inflationäre Verletzung von Menschenrechten (fast) überall auf der Welt, außer auf unserer Wohlstands- und Demokratieinsel in Westeuropa.
Vielleicht erkennen wir auch -ein kleiner Blick in die Geschichtsbücher ist dabei erkenntnisfördernd- dass auch auf unserem glückseligen Europa Menschen- und Demokratierechte noch gar nicht solange allgemein garantiert sind. Natürlich ist der Pfad zwischen einer realistischen Einschätzung der politischen Situation und einem kulturellen bzw. politischen Relativismus eine schmale Gratwanderung. Ich rede hier auch nicht einer Resignation das Wort gegenüber den afrikanischen Despotien, die wir unterwegs nahezu überall antreffen aber dieses Kontraste mit unserem Demokratie- und Menschenrechtsempfinden sollten uns zunächst zum analytischen -anstatt moralistischen- Nachdenken bringen über die Gründe für diese Demokratie- etc. Defizite. Für mich handelt es sich dabei -im besten falle - um die fast unausweichlichen - Begleiterscheinungen von Modernisierungsdiktaturen auf dem Weg der "ursprünglichen Kapital-Akkumulation" (um mit Marx zu reden).
In einer vergleichbaren historischen Entwicklungsphase gab es auch in unserm heute so hochgelobten Europa sicherlich auch krasse Korruption und ebenso gnadenlose Ausbeutung wie sie heute in Afrika gang und gäbe ist.
Allerdings halte ich Peters relativistische Akzeptanz von mittelalterlichen und in diesem fall eben auch rückwärtsgewandten radikal-religiösen Strömungen wie IS nicht für hinnehmbar:
Daher passt auch der IS gut in dieses Umfeld. Derjenige mit den geringsten Skrupeln setzt sich durch
Demgegenüber stelle ich mich dann doch lieber auf die Seite der progressiven, d.h. einer wirtschaftlichen Modernisierung verpflichteten lokalen Machthabern und gerne auch auf die Seite der EU-Politik, die jene endlich etwas effektiver unterstützt. Hoffentlich ist der Spuk des islamistischen Fundamentalismus in Westafrika bald ausgeräumt und damit diese Weltgegend wieder etwas sicherer für die kapitalistische Weiterentwicklung. Oder träumt hier wirklich noch jemand von einer sozialrevolutionären alternative für Afrika?
Ciao doncarlos
"Man entdeckt keine neuen Welten ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren" (frei nach A.Gide)
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Birgitt
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Marokko - Behörden gehen gegen Islamisten vor
Die Behörden in Marokko haben 52 Menschen festgenommen, die Verbindungen zum IS haben sollen. Auch in Spanien wurden zwei Marokkaner festgesetzt ...
27.07.2016 - tagesschau
Morocco arrests 52 suspected militants, foils several attacks
27.07.2016 - Reuters
Gruß
Birgitt
Kampf gegen den IS - 52 Verdächtige in Marokko festgenommenIn Marokko sind 52 mutmaßliche Extremisten mit Verbindungen zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) festgenommen worden. Außerdem seien Waffen und Material zum Bombenbau beschlagnahmt worden, teilte das Innenministerium in Rabat mit. Durch den Polizeieinsatz hätten mehrere Anschläge in dem nordafrikanischen Königreich vereitelt werden können. Ziele sollten Touristen, Sicherheitspersonal und das Militär sein.
27.07.2016 - tagesschau
Morocco arrests 52 suspected militants, foils several attacks
27.07.2016 - Reuters
Gruß
Birgitt




