Tunesien baut seine Infrastruktur aus

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Marokko/Sahara, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten.

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Nabeul
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Tunesien baut seine Infrastruktur aus

Beitrag von Nabeul »

Tunesien baut seine Infrastruktur aus

Geld für Großinvestitionen aus den VAE und von privaten Betreibern
Tunis (bfai) - Tunesien will sich aus der Lethargie der vergangenen Jahre befreien und
durch den Aufbau einer modernen Infrastruktur wieder zum Vorreiterland im Maghreb werden.
Die Liste der geplanten Großprojekte reicht vom Tiefwasserhafen und internationalen
Flughafen über den Autobahnbau bis zur Entwicklung neuer Städte. Die Finanzierung
der Projekte wird in großem Umfang von privaten Unternehmen übernommen. Besonders
Großinvestoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sehen in Tunesien einen
sicheren Hafen für ihre Gelder.Tunesien will sich zur Drehscheibe für den
Mittelmeerhandel in Nordafrika entwickeln. Deshalb plant die Regierung einen umfassenden
Ausbau der Infrastruktur. Der Straßenbau wird vorangetrieben, Eisenbahn und
Nahverkehrssystem werden modernisiert und ausgebaut, ein Tiefwasserhafen und ein neuer
internationaler Flughafen sollen in Enfidha entstehen.
Viele der neuen Projekte sollen von privaten Investoren im Rahmen von
Betreibermodellen finanziert werden – sie wurden bereits international ausgeschrieben
oder stehen zur Ausschreibung an. Mit Investoren aus den Golfstaaten wurden
außerdem Vereinbarungen über die Durchführung von drei Großprojekte zur Stadtentwicklung getroffen.
Die Projekte, wenn Sie wie geplant realisiert werden, könnten Tunesien aus seiner
wirtschaftlichen Lethargie wecken. Das erscheint dringend geboten, denn im
Wettbewerb mit den beiden anderen wichtigen Ländern des Maghreb ist Tunesien
zurückgefallen - Algerien kann seit 2005 ein höheres Einkommen pro Kopf ausweisen und
Marokko hat bei den Direktinvestitionen aus dem Ausland den ehemaligen Spitzenreiter
Tunesien bereits im Jahr 2003 abgelöst. Auch das Ziel, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf
in zehn Jahren zu verdoppeln und in dieser Zeit ein durchschnittliches
Wirtschaftswachstum von über 6% pro Jahr vorzulegen, kann nur durch eine zügige
Umsetzung der Projekte erreicht werden. Kurz vor der Vergabe steht das
Flughafenprojekt Enfidha, das 2006 neu ausgeschrieben worden war, nachdem ein erster
Anlauf mangels Bewerbern gescheitert war. Die Einbeziehung des benachbarten Flughafens
Monastir in das BOT-Projekt (build-operate-transfer) hat das Interesse
von privaten Investoren wecken können. Die besten Chancen werden einem von Hochtief
geführten Konsortium, unter Beteiligung des Flughafens Nizza und einer Investmentgesellschaft aus den VAE,
eingeräumt. Der Zuschlag soll im Februar erfolgen, der Baubeginn ist für die zweite
Hälfte 2007 geplant. Der neue Flughafen soll auf eine Endkapazität von 35 Mio. Passagieren
pro Jahr ausgelegt werden, der erste Bauabschnitt sieht aber nur
Abfertigungsmöglichkeiten für maximal 5 Mio. Passagier pro Jahr vor. Die Kosten für diesen
ersten Abschnitt werden auf etwa 450 Mio. US$
geschätzt.
In unmittelbarer Nähe des Flughafen soll ein neuer Tiefseehafen entstehen. Die
Feasibility-Studie wird von der niederländischen Royal Haskoning in
Zusammenarbeit mit der tunesischen International Development Consulting
erstellt. Sie dient als Grundlage für eine Ausschreibung im 1. Quartal 2007. Das Projekt
umfasst den Bau eines Containerhafens mit einer Kailänge von 3,6 km und einer
Wassertiefe von 17m. Ein Gelände von 216 ha ist für den Containerumschlag vorgesehen.
Eine zweites Kai von 1,4 km Länge wird für die Verladung von Schüttgut gebaut. 3.000 ha
wurden für Industrie- und Logistikzonen reserviert. Das Projekt soll zwischen 500 und
750 Mio. US$ kosten, bis 2010 oder 2011
fertiggestellt sein und, wie der Flughafen,
als BOT-Projekt von privaten Investoren und Betreibern realisiert werden.
Ob der bisher wichtigste tunesische Hafen von Radès angesichts des neuen Hafenprojektes in
Enfidha weiter wie geplant ausgebaut wird, ist unklar. Zwei Ausschreibungen für Bau und
Betrieb eines neuen Containerterminals und einer Industriezone wurden im Februar 2006 veröffentlicht und Mitte 2006 noch einmal verlängert. Bisher aber liegt noch kein
Ergebnis vor. Vergeben wurden dagegen Ausbau und Management des Kreuzschiffhafens von La Goulette an die tunesische Gruppe Goulette
Shipping Cruise, die ein neues Kai für Kreuzschiffe und neue Empfangsanlagen bauen
will. Das Projekt soll rund 25 Mio. US$
kosten.
Im Städtebau werden drei Projekte von Investorengruppen aus den VAE vorangetrieben.
Die Boukhatir Gruppe will gemeinsam mit anderen Investoren aus dem Privatsektor in
Lac du Nord, nahe Tunis auf einem Gelände von 250 ha eine Siedlung für 100.000 Einwohner
entwickeln. Das "Ville Sportive" wird neben Wohngebäuden der oberen Klasse
zwei Fußballstadien, zwei Schwimmbäder, Golfplatz, Tennisanlagen, Geschäftviertel und
Hotels umfassen. Die Kosten des Gesamtprojektes werden auf 5 Mrd. US$
geschätzt, der Baubeginn ist für Ende 2007 vorgesehen. Ebenfalls in unmittelbarer Nähe
der Hauptstadt investiert Dubai Holding in die Erschließung eines Gebietes von 683 ha.
Das Projekt läuft unter dem Namen Lac du Sud. Hier entsteht eine komplette Vorstadt mit
Büro-, Wohn- und Geschäftshäusern und Freizeitanlagen, darunter ein Yachthafen. Das
Gesamtprojekt wird nach Schätzungen Investitionen von rund 10 Mrd. US$ erfordern,
allerdings über mehr als zehn Jahre
gestreckt. In der Nähe von Enfidha, in Hergla, baut die Gruppe Emaar ein Touristikressort auf einem Gelände von 442 ha. Geplant sind 4.000 Luxuswohnungen, sechs Hotels, ein Yachthafen, ein Golfplatz und andere Freizeiteinrichtungen. Die Entwicklungskosten
werden auf 1,9 Mrd. US$ geschätzt. Der Autobahnbau wird von der tunesischen Regierung forciert. Ein Teil der Einnahmen von 2,3 Mrd. US$ aus dem Verkauf von 35% der
Telecom-Gesellschaft Tunisie Telecom an Dubai
Holding Ende 2006 soll zur Finanzierung eingesetzt werden. Eine Beteiligung privater
Betreiber ist im tunesischen Straßenbau aufgrund des relativ geringen Verkehrsaufkommens und entsprechend geringer Rendite nicht möglich. Ende 2007 wird das Autobahnnetz eine Länge von 364 km haben, bis Ende 2010 soll es auf 850 km anwachsen. Die
Kosten für den weiteren Ausbau werden auf mindestens 700 Mio. US$ geschätzt. Nach
Fertigstellung wird die Nordstrecke Tunis mit der algerischen Grenze verbinden, die Südstrecke bis zur libyschen Grenze führen. Hinzu kommt die bereits fertiggestellte
Verbindung zwischen Tunis und Bizerte.Für den Großraum Tunis ist neues regionales
Eisenbahnsystem mit einer Länge von 85 km geplant, das auf fünf Teilstrecken eine
Kapazität von 20.000 bis 40.000 Passagieren pro Stunde haben und eine
Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 km/h garantieren soll. Die Kosten dieses Projektes
werden auf mehr als 500 Mio. US$ geschätzt, der Baubeginn ist für 2009, die
Fertigstellung für 2016 geplant. Inzwischen wird die Elektrifizierung der Eisenbahn in
Südtunis vorangetrieben und die Gleisanlagen der Strecke zwischen Tunis und Gabès im Süden
des Landes werden modernisiert. Der Bau einer neuen Bahnlinie von Tunis zur algerischen
Grenze wird diskutiert, bisher haben sich diese Pläne aber noch nicht konkretisiert.
Um die Stromversorgung sicherzustellen, muss in Tunesien etwa alle fünf Jahre ein neues
Kraftwerk mit einer Kapazität von 400 MW gebaut werden. Für das Gaskraftwerk Ghannouch
bei Gabés (400 MW) läuft Anfang 2007 die Ausschreibung über den schlüsselfertigen Bau,
der Betrieb wird vom staatlichen Stromversorger Steg übernommen. Weitere
Kraftwerke, auch mit privaten Betreibern, sind in der Planung.
Ein weiterer infrastruktureller Entwicklungsschwerpunkt ist die
Informationstechnologie. Über die Einrichtung
eines landesweiten Wimax- Netztes zur drahtlosen Übertragung von Daten will Tunesien die Internetnutzung förder
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