doncarlos hat geschrieben:Den von Dir angepriesenen Arte-film konnte ich nun leider nicht mehr anschauen
Die Sendungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten werden nach wenigen Wochen depubliziert. Das sollte sich rumgesprochen haben.
doncarlos hat geschrieben:
So konnte man früher auf dem Damaskuser Souk el Hamidiye am Wochenende folgendes Phänomen beobachten: am Freitag hatten die moslemischen Bazaris geschlossen während die jüdischen und christlichen Ladenbesitzer geöffnet hatten, [...]
Darum ging es in dem Film sicher nicht.
doncarlos hat geschrieben:
Kurz, es war schon fast ein Idyll, wie in früheren Zeiten die Religionen koexistierten, was uns heute nach jahrzehntelangem Aufheizen der interreligiösen Spannungen gerade in dieser region fast schon wie ein traum vorkommt.
Damit näherst Du Dich dem eigentlichen Thema. Mich begeisterte daher das, was ich in Albanien gesehen hatte, denn dort leben Christen (römisch-katholische und griechisch-orthodoxe) mit Moslems (viele Bektashi) friedlich zusammen.
doncarlos hat geschrieben:
Ich will nicht verhehlen dass dieser Religionsfriede auch schon früher immer wieder Phasen der abgrundtiefen Störung durchlief und es entsprechende Pogrome gegeben hat. Leider ist davon, d.h. von grausamen Massakern an Andersgläubigen (fast) keine Religionsgruppe und natürlich erst recht keine Volksgruppe in diesem Flickenteppich von unterschiedlichen Religions- und Stammeskulturen frei geblieben, d.h. fast alle haben sich nicht erst jetzt sondern auch schon in früheren Jahrhunderten die Hände mit dem Blut ihrer Nachbarn besudelt.
Meine Grundannahme vor etlichen Jahren war die, daß durch das "Zusammenwachsen" der Kulturen auf dieser Welt mehr Wissen über die anderen entsteht, was zu einer friedlichen Koexistenz von Religionen und Kulturen führt. Das riesige Informationsangebot im Web hätte in den vergangenen 15 Jahren ebenso dazu beitragen sollen. Denn im Vergleich zu "damals" verfügen wir heute über erheblich mehr Informationen als frühere Generationen.
Durch die Aufklärung war meine Erwartungshaltung zusätzlich, daß die Bedeutung von Religion nachläßt und von Bildung abgelöst wird. Das stellte sich leider als falsche Hoffnung heraus.
doncarlos hat geschrieben:
Eigentlich fand ich früher immer das syrische Assad-Regime gerade unter dem Gesichtspunkt des von ihm garantierten Religionsfriedens recht sympathisch und nicht nur wegen seiner sozialistisch-modernistischen Ausrichtung.
Die Assads schafften es für ein paar Jahrzehnte, daß in ihrem Land keine religiös motivierten Konflikte ausgetragen wurden. Wer das von den Assads geschaffene Gleichgewicht wie gestört hat, werden vielleicht nachfolgende Generationen herausfinden. Ich klammere hier ausdrücklich alles nicht-religiöse der Methoden der Assads aus.
doncarlos hat geschrieben:
Dieser Hoffnungsträger ist nun aber leider auch in den Orkus der Religionskriege geraten bzw. seine Minderheitsreligion hat halt auch nicht die religiöse Aussöhnung gesucht sondern die Religionszugehörigkeit politisch in ihrem Machtinteresse instrumentalisiert. Dennoch sollten wir uns von außerhalb nicht zum Richter über die Jahrtausende alten Religionstraditionen im Vorderen Orient aufwerfen meint doncarlos
Vielleicht sind wir partiell gleicher Meinung

Die Kriege im Nahen Osten betreffen uns in Europa nicht nur am Rand. Dabei spielt es für die Auswirkungen keine Rolle, ob die Kriege stattfinden, weil die religiös motiviert sind, Religionen nur vorgeschoben werden, oder die US-Amerikaner was anzetteln, weil nach ihrer Meinung "irgendwelche Araber" ein paar 100m oberhalb von "ihrem" Öl leben und nicht das tun, was US-Konzerne wünschen.
Gäbe es die Ausreden der Religionen nicht, würde das so manchen Konflikt eher entlarven. Und weil uns diese Konflikte hier in .de betreffen, haben "wir" eine Meinung, unsere Staatsratsvorsitzende eine andere als ich, soviel am Rand.
Warum spielen Religionen und deren weltlichen Organisationsstrukturen heute noch eine solch bedeutende Rolle? Abschaffen. Sofort! Direkt anfangen mit Diakonie und Caritas, den kirchlichen Trägern von Kindergärten und Schulen, Religionsunterricht in Schulen, usw.! Solange wir noch solche Verhältnisse haben, sieht es schon sehr merkwürdig aus, wenn wir über ausgesuchte Staaten mit ähnlicher Verquickung von Staat, Wirtschaft und kirchlichen Strukturen die Nase rümpfen.
Gruß, Ralf