Ausländische Arbeitskräfte müssen derzeit zu Hunderttausenden das Land verlassen. Saudisierung heißt das aktuelle Zauberwort von MBS. Nur: es funktioniert momentan nur auf dem Papier. Viele Unternehmen beschäftigen Saudis nur zum Schein, d.h. sie erhalten ein Gehalt, dürfen aber zu Hause bleiben. Der Grund: in der Firma kann sie niemand gebrauchen, weil sie gar nicht arbeiten wollen ...
Mit seinem Reformprojekt „Vision 2030“ will er die Nation aus ihrer Lethargie herausreißen, seine Landsleute ans Arbeiten kriegen und den aufgeblähten Staatsapparat auf Trab bringen. Denn nur so lässt sich das erklärte Ziel seiner gesellschaftlichen Agenda erreichen: die Abhängigkeit von den Petrodollars verringern, die Arbeitslosigkeit unter den Jüngeren verringern und Saudi-Arabiens Wirtschaft wettbewerbsfähig machen für die Zeit nach dem Öl. Doch das ehrgeizige Modernisierungsprogramm des Thronfolgers stockt [...] Der gewohnte Müßiggang ist den 21 Millionen Saudis nicht so leicht auszutreiben [...] Die Mehrzahl der Saudis denkt nicht daran, in frei werdende Stellen nachzurücken und sich die Finger schmutzig zu machen als Koch oder Kellner, Taxifahrer oder Bauarbeiter, Krankenpfleger oder Automechaniker. Solche Jobs, die bisher Inder, Pakistani oder Filipinos machten, sind für sie unter ihrer Würde.
Arbeitsmoral im Keller
20.07.2018 - Frankfurter Rundschau
Gruß
Birgitt