Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
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- Achim Vogt
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Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Die Reise ist zwar schon ein wenig her - genauer gesagt im Sommer 2009 - aber ich hoffe, der Bericht gibt dem einen oder der anderen doch ein bisschen Futter zum Träumen.
Natürlich hat sich manches geändert, seit ich von Amman nach Berlin und wieder zurück gefahren bin: Die Schweinegrippe hat dem E.Coli Platz gemacht und die Durchfahrt durch Syrien und damit die klassische Nahost-Route ist vorerst nahezu unmöglich geworden. Aber - inscha'allah - wird das ja auch bald wieder anders und der Arabische Frühling lässt sich im doppelten Sinne des Wortes wieder genießen.
Viel Spaß beim Lesen
Achim
Natürlich hat sich manches geändert, seit ich von Amman nach Berlin und wieder zurück gefahren bin: Die Schweinegrippe hat dem E.Coli Platz gemacht und die Durchfahrt durch Syrien und damit die klassische Nahost-Route ist vorerst nahezu unmöglich geworden. Aber - inscha'allah - wird das ja auch bald wieder anders und der Arabische Frühling lässt sich im doppelten Sinne des Wortes wieder genießen.
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Eigentlich ist es an diesem Mittwochmorgen so wie immer: Die Kinder sind in der Schule, und als ich mich ins Auto setze und durch den morgendlichen Berufsverkehr von Amman Richtung Norden fahre, könnte es auch ein normaler Arbeitstag werde. Aber an diesem sonnigen Frühsommertag ist alles anders: Unser erstes Jahr in Jordanien ist vorüber und es wird Zeit für den Heimaturlaub, wie die großen Ferien für die im Ausland tätigen Deutschen offiziell heißen. Ein Jahr lang habe ich mich mit Träumen und Plänen beschäftigt, Fährverbindungen, Grenzübergänge und Hotels ausgetüftelt und nun bin ich auf dem Weg, on the road to Berlin.
Dabei ist diese umgekehrte Reise nicht ganz ohne. Zwar habe ich einige Vorerfahrungen mit Überlandreisen in den Nahen Osten, doch was die Zöllner sagen werden, wenn ich mit einem jordanischen Kennzeichen vorfahre, habe ich mir zwar immer wieder ausgemalt, bin aber trotzdem gespannt wie ein Flitzebogen. Immerhin ist das Auto in Deutschland versichert, was eine Grüne Versicherungskarte eingebracht hat, neben dem Fahrzeugschein am Ende das einzige Dokument, das an den Grenzen verlangt wird.
Am Anfang ist noch alles vertraut, die Ausfallstraße über Zarqa nach Norden kenne ich von vielen Projektbesuchen gut, auch die Tankstelle, wo ich vor der syrischen Grenze noch einmal volltanke, ist mir längst vertraut geworden. An der Grenzabfertigung dann die erste Veränderung: Wegen der Schweinegrippe müssen wir zunächst zum Health Office, wo ein Thermometer ins Ohr gehalten wird. Ich bin leicht amüsiert, muss allerdings noch mehr schmunzeln, als an der türkischen Grenze einen Tag später der Verdacht auf H1N1 durch die simple Frage „Sind Sie gesund?“ und die ebenso einfache Antwort „Ja!“ ausgeräumt wird.
Mehrfach habe ich in den vergangenen Monaten jordanische Gastarbeiter getroffen, die in nur drei Tagen nonstop von Stuttgart nach Amman durchgefahren sind. Das aber kann und soll nicht das Ziel der Reise sein. Um die Fahrt nicht zu einer reinen Strapaze werden zu lassen, habe ich mir für jeden Reisetag eine Unterbrechung ausgedacht. Am ersten Tag ist das die Kreuzfahrerburg Crac de Chevaliers, wo ich die eindrucksvolle Anlage und die wunderbare Hügellandschaft nördlich der libanesischen Grenze nur mit wenigen anderen Touristen teilen muss.

Irgendwie hatte Syrien schon immer eine spezielle Art, die Dinge zu sehen: Parkplatz am Crac des Chevaliers

Reisen auf syrisch am Crac des Chevaliers - Trip in die Vergangenheit im doppelten Sinn
Auch den zweiten Vorsatz werde ich auf der Fahrt nur selten brechen und nie bereuen: Möglichst früh am Zielort ankommen und Zeit zur Entspannung haben. In der Nachmittagssonne sitze ich in Lattakia in einem neuen Strandcafé, dem ersten an der ansonsten so zugebauten und kaum erschlossenen Mittelmeerküste. Später bleibt genug Zeit, um im Meer und im Hotelpool zu entspannen und den Tag Revue passieren zu lassen.

Neues Café an der Strandpromenade in Lattakia - vermutlich heute genauso leer, nur aus anderen Gründen
Dabei ist diese umgekehrte Reise nicht ganz ohne. Zwar habe ich einige Vorerfahrungen mit Überlandreisen in den Nahen Osten, doch was die Zöllner sagen werden, wenn ich mit einem jordanischen Kennzeichen vorfahre, habe ich mir zwar immer wieder ausgemalt, bin aber trotzdem gespannt wie ein Flitzebogen. Immerhin ist das Auto in Deutschland versichert, was eine Grüne Versicherungskarte eingebracht hat, neben dem Fahrzeugschein am Ende das einzige Dokument, das an den Grenzen verlangt wird.
Am Anfang ist noch alles vertraut, die Ausfallstraße über Zarqa nach Norden kenne ich von vielen Projektbesuchen gut, auch die Tankstelle, wo ich vor der syrischen Grenze noch einmal volltanke, ist mir längst vertraut geworden. An der Grenzabfertigung dann die erste Veränderung: Wegen der Schweinegrippe müssen wir zunächst zum Health Office, wo ein Thermometer ins Ohr gehalten wird. Ich bin leicht amüsiert, muss allerdings noch mehr schmunzeln, als an der türkischen Grenze einen Tag später der Verdacht auf H1N1 durch die simple Frage „Sind Sie gesund?“ und die ebenso einfache Antwort „Ja!“ ausgeräumt wird.
Mehrfach habe ich in den vergangenen Monaten jordanische Gastarbeiter getroffen, die in nur drei Tagen nonstop von Stuttgart nach Amman durchgefahren sind. Das aber kann und soll nicht das Ziel der Reise sein. Um die Fahrt nicht zu einer reinen Strapaze werden zu lassen, habe ich mir für jeden Reisetag eine Unterbrechung ausgedacht. Am ersten Tag ist das die Kreuzfahrerburg Crac de Chevaliers, wo ich die eindrucksvolle Anlage und die wunderbare Hügellandschaft nördlich der libanesischen Grenze nur mit wenigen anderen Touristen teilen muss.

Irgendwie hatte Syrien schon immer eine spezielle Art, die Dinge zu sehen: Parkplatz am Crac des Chevaliers

Reisen auf syrisch am Crac des Chevaliers - Trip in die Vergangenheit im doppelten Sinn
Auch den zweiten Vorsatz werde ich auf der Fahrt nur selten brechen und nie bereuen: Möglichst früh am Zielort ankommen und Zeit zur Entspannung haben. In der Nachmittagssonne sitze ich in Lattakia in einem neuen Strandcafé, dem ersten an der ansonsten so zugebauten und kaum erschlossenen Mittelmeerküste. Später bleibt genug Zeit, um im Meer und im Hotelpool zu entspannen und den Tag Revue passieren zu lassen.

Neues Café an der Strandpromenade in Lattakia - vermutlich heute genauso leer, nur aus anderen Gründen
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Am nächsten Morgen bin ich früh unterwegs und durchquere eine faszinierende Waldlandschaft, bevor in dem kleinen Ort Kassab völlig unvermittelt die Grenze auftaucht.

Der Übergang hier lohnt sich vor allem, weil hier keine Lkw unterwegs sind und die Abfertigung bei den wenigen Fahrzeugen auf beiden Seiten kaum eine Stunde dauert. Schon unmittelbar nach der Grenze wird der Unterschied zwischen Syrien und der Türkei deutlich. Selbst in dem winzigen Weiler Yayladaği ist die Moderne eingezogen, die ganze Atmosphäre ist anders, ohne dass sich erklären ließe, woran das im Einzelnen liegt. Geschockt bin ich erst, als an der ersten Tankstelle 1,70 Euro pro Liter Superbenzin fällig werden, der höchste Spritpreis, den ich je erlebt habe.
Mittags ist wieder Zeit zur Entspannung, ich erhole mich an einem der zahllosen menschenleeren Strände westlich von Mersin, wo die Welt noch in Ordnung ist und die türkische Mittelmeerküste zeigt, wie schön sie sein könnte, gäbe es den Massentourismus nicht. Wer weiß, wie lange dieses Idyll noch besteht.

Strandabschnitt im Südosten der Türkei - Erinnerung an eine gar nicht so ferne Vergangenheit, als die Mittelmeerküste überall so aussah
Der Nachmittag bestraft mich für den einzigen Fehler in meiner minutiösen Reiseplanung: Ich habe völlig unterschätzt, wie anstrengend 200 Kilometer Kurvenfahren sein können. Die Bilderbuchstrecke ist wunderschön, jetzt im Frühsommer buhlt die Blütenpracht mit dem Ausblick auf die Buchten des Mittelmeeres um die Aufmerksamkeit – die aber gehört ausschließlich der Straße, auf der die türkischen Lkw-Fahrer jede denkbare Abkürzung, vor allem die auf der Gegenfahrbahn nehmen. Völlig erledigt erreiche ich Alanya, werfe mich in den schon geschlossenen Hotelpool und esse abends in „Rudis Kneipe“ meine erste Currywurst seit einem Jahr.

Schöne Strecke - in Erwartung des nächsten Lkw


Ich kann nicht begreifen, wie Menschen freiwillig die kostbarsten Wochen des Jahres in diesen dicht an dicht stehenden Stadthotels verbringen können. Frühes Schlafen ist angesichts der Travestie-Show am Pool des Nachbarhotels unmöglich, später folgt noch die obligatorische Disco. Zwei Wochen in so einem Schuhkarton und ich wäre ernstlich urlaubsreif.

Bettenburg statt Kreuzfahrerburg ...
Positiv überrascht bin ich von Pamukkale, meinem nächsten Erholungsstopp. Ich kenne die Kalksinterterrassen noch aus den achtziger Jahren und bin auf das Schlimmste gefasst. Doch jetzt, in der Vorsaison, hält sich der Ansturm in Grenzen, die Terrassen führen Wasser und im Antique Pool bin ich dank der vorausschauend mitgebrachten Schwimmbrille der Einzige, der unter den meist ukrainischen Schwimmern einsam seine Bahnen zwischen den antiken Säulen ziehen und die Ruhe unter Wasser genießen kann. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die den großen Unterschied machen.



Pamukkale - fast - ohne Touristen

Tourist I

Tourist II
Am Abend erreiche ich die Grenzen Asiens im Hafenstädtchen Çeşme, wo ich mein Ticket für die Fähre am nächsten Tag abhole und danach nur noch so schnell wie möglich ins Hotel will – was mir das einzige Knöllchen auf der gesamten Fahrt einbringt.
Auf der Ertürk I sind wir sozusagen unter uns: Nur ein „türkischer Holländer“ ist außer mir mit seinem Auto auf dem Boot. „In der Garage unten gibt es noch Platz für 16 Autos,“ erklärt ein Matrose, angesichts der Größe der Fähre kaum zu glauben. Mit uns Exoten sind ansonsten nur Touristen an Bord, die zum Tagesausflug nach Chios wollen. Nebenan legen noch zwei Schiffe an. Wie auf dem einen überhaupt Autos mitfahren sollen, bleibt mir schleierhaft. Auf dem anderen ist sogar ein großer Reisebus dabei. Heute ist das nach der Einstellung der Fähre von Çeşme nach Ancona die einzig verlässliche Verbindung nach Europa.


Der Übergang hier lohnt sich vor allem, weil hier keine Lkw unterwegs sind und die Abfertigung bei den wenigen Fahrzeugen auf beiden Seiten kaum eine Stunde dauert. Schon unmittelbar nach der Grenze wird der Unterschied zwischen Syrien und der Türkei deutlich. Selbst in dem winzigen Weiler Yayladaği ist die Moderne eingezogen, die ganze Atmosphäre ist anders, ohne dass sich erklären ließe, woran das im Einzelnen liegt. Geschockt bin ich erst, als an der ersten Tankstelle 1,70 Euro pro Liter Superbenzin fällig werden, der höchste Spritpreis, den ich je erlebt habe.
Mittags ist wieder Zeit zur Entspannung, ich erhole mich an einem der zahllosen menschenleeren Strände westlich von Mersin, wo die Welt noch in Ordnung ist und die türkische Mittelmeerküste zeigt, wie schön sie sein könnte, gäbe es den Massentourismus nicht. Wer weiß, wie lange dieses Idyll noch besteht.

Strandabschnitt im Südosten der Türkei - Erinnerung an eine gar nicht so ferne Vergangenheit, als die Mittelmeerküste überall so aussah
Der Nachmittag bestraft mich für den einzigen Fehler in meiner minutiösen Reiseplanung: Ich habe völlig unterschätzt, wie anstrengend 200 Kilometer Kurvenfahren sein können. Die Bilderbuchstrecke ist wunderschön, jetzt im Frühsommer buhlt die Blütenpracht mit dem Ausblick auf die Buchten des Mittelmeeres um die Aufmerksamkeit – die aber gehört ausschließlich der Straße, auf der die türkischen Lkw-Fahrer jede denkbare Abkürzung, vor allem die auf der Gegenfahrbahn nehmen. Völlig erledigt erreiche ich Alanya, werfe mich in den schon geschlossenen Hotelpool und esse abends in „Rudis Kneipe“ meine erste Currywurst seit einem Jahr.

Schöne Strecke - in Erwartung des nächsten Lkw


Ich kann nicht begreifen, wie Menschen freiwillig die kostbarsten Wochen des Jahres in diesen dicht an dicht stehenden Stadthotels verbringen können. Frühes Schlafen ist angesichts der Travestie-Show am Pool des Nachbarhotels unmöglich, später folgt noch die obligatorische Disco. Zwei Wochen in so einem Schuhkarton und ich wäre ernstlich urlaubsreif.

Bettenburg statt Kreuzfahrerburg ...
Positiv überrascht bin ich von Pamukkale, meinem nächsten Erholungsstopp. Ich kenne die Kalksinterterrassen noch aus den achtziger Jahren und bin auf das Schlimmste gefasst. Doch jetzt, in der Vorsaison, hält sich der Ansturm in Grenzen, die Terrassen führen Wasser und im Antique Pool bin ich dank der vorausschauend mitgebrachten Schwimmbrille der Einzige, der unter den meist ukrainischen Schwimmern einsam seine Bahnen zwischen den antiken Säulen ziehen und die Ruhe unter Wasser genießen kann. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die den großen Unterschied machen.



Pamukkale - fast - ohne Touristen

Tourist I

Tourist II
Am Abend erreiche ich die Grenzen Asiens im Hafenstädtchen Çeşme, wo ich mein Ticket für die Fähre am nächsten Tag abhole und danach nur noch so schnell wie möglich ins Hotel will – was mir das einzige Knöllchen auf der gesamten Fahrt einbringt.
Auf der Ertürk I sind wir sozusagen unter uns: Nur ein „türkischer Holländer“ ist außer mir mit seinem Auto auf dem Boot. „In der Garage unten gibt es noch Platz für 16 Autos,“ erklärt ein Matrose, angesichts der Größe der Fähre kaum zu glauben. Mit uns Exoten sind ansonsten nur Touristen an Bord, die zum Tagesausflug nach Chios wollen. Nebenan legen noch zwei Schiffe an. Wie auf dem einen überhaupt Autos mitfahren sollen, bleibt mir schleierhaft. Auf dem anderen ist sogar ein großer Reisebus dabei. Heute ist das nach der Einstellung der Fähre von Çeşme nach Ancona die einzig verlässliche Verbindung nach Europa.

- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Nur eine Stunde dauert die Überfahrt, dann erreichen wir Chios, meinen ersten Eintritt in die EU.
Zu meiner Überraschung dauert die Zollprozedur nur wenige Minuten, ich hatte mit wesentlich mehr Fragen gerechnet. Dann verlasse ich das kleine Hafengelände und fahre gemächlich durch den Hauptort der Insel. An einer Lilliput-Tankstelle, die nur aus einer Zapfsäule am Straßenrand besteht, tanke ich voll.

Nach den horrenden Benzinpreisen war der Sprit in Griechenland eine Wohltat - wohlgemerkt: das Tanken fand vor der Finanzkrise in Griechenland statt
Nach drei Tagen, an denen ich 2.000 Kilometer zurückgelegt habe, ist dies ein Ausruhtag.
In aller Ruhe erkunde ich die Insel, esse in dem kleinen Fischerdorf Lithi zu Mittag und unterhalte mich mit dem Besitzer des winzigen Restaurants am Strand. Vor zwölf Jahren kam er aus Nürnberg zurück auf seine Insel und wurde Fischer. Inzwischen aber gibt es kaum noch Fisch. „Bei dem Wind heute hat es sich gar nicht gelohnt, überhaupt rauszufahren,“ meint er resigniert. Auf dem Rückweg passiere ich winzige Ortschaften, in einem Dorf führt die Gasse durch ein Haus, die Durchfahrt gelingt nur mit eingeklappten Außenspiegeln.

Kein Parkplatz sondern eine "Straße"!

Verlassenes Dorf im Inselinnern von Chios
Aus dem Fenster sehe ich, wie in einem kleinen Laden die Besitzerin, zugleich die Friseurin des Ortes, einer alten, zierlichen Dame die Haare schneidet, die vor einem halb blinden Taschenspiegel sitzt.
Nachmittags bleibt Zeit, um an einem Hotelpool gemütlich auszuspannen. Abends sitze ich in einer Kneipe in Chios beim Abendessen und beobachte die Einfahrt der Fähre, die mich in der Nacht nach Piräus bringen wird. Das Schiff ist um diese Jahreszeit kaum gefüllt und so verlasse ich den Hafen von Piräus am nächsten Morgen exakt fünf Minuten nach dem Einlaufen. Ich habe gar nicht darüber nachgedacht, dass der Sonntag der mit Abstand beste Tag ist, um Athen zu durchqueren. Eine halbe Stunde später bin ich auf der langen Fahrt nach Norden.
Wieder ist viel Zeit zum Nachdenken, genau das, was ich mir nach einem Jahr harter Arbeit gewünscht habe. Noch aber ist der Kopf erst mal damit beschäftigt, ganz leer zu werden, die Gedanken fliegen völlig zufällig umher, nur die Veränderung der Landschaft prägt sich ein: Nach einem Jahr in der Wüste ist jedes Fleckchen Grün eine Wohltat fürs Auge, so zum Beispiel, als ich am Olymp vorbeifahre. Ein wenig Melancholie hat sich eine Stunde vorher bei der Abfahrt „Volos“ eingestellt. Nicht nur haben wir hier, auf der Halbinsel Pilion, in den letzten Jahren wunderschöne Urlaube verbracht, sondern von Volos aus habe ich 1981 zum ersten Mal Europa – ebenfalls überland – verlassen. Damals habe ich einen Lkw-Fahrer auf seiner Reise von Dänemark nach Jordanien begleitet. Im doppelten Sinn schließt sich hier also ein Kreis.
Zu meiner Überraschung dauert die Zollprozedur nur wenige Minuten, ich hatte mit wesentlich mehr Fragen gerechnet. Dann verlasse ich das kleine Hafengelände und fahre gemächlich durch den Hauptort der Insel. An einer Lilliput-Tankstelle, die nur aus einer Zapfsäule am Straßenrand besteht, tanke ich voll.

Nach den horrenden Benzinpreisen war der Sprit in Griechenland eine Wohltat - wohlgemerkt: das Tanken fand vor der Finanzkrise in Griechenland statt
Nach drei Tagen, an denen ich 2.000 Kilometer zurückgelegt habe, ist dies ein Ausruhtag.
In aller Ruhe erkunde ich die Insel, esse in dem kleinen Fischerdorf Lithi zu Mittag und unterhalte mich mit dem Besitzer des winzigen Restaurants am Strand. Vor zwölf Jahren kam er aus Nürnberg zurück auf seine Insel und wurde Fischer. Inzwischen aber gibt es kaum noch Fisch. „Bei dem Wind heute hat es sich gar nicht gelohnt, überhaupt rauszufahren,“ meint er resigniert. Auf dem Rückweg passiere ich winzige Ortschaften, in einem Dorf führt die Gasse durch ein Haus, die Durchfahrt gelingt nur mit eingeklappten Außenspiegeln.

Kein Parkplatz sondern eine "Straße"!

Verlassenes Dorf im Inselinnern von Chios
Aus dem Fenster sehe ich, wie in einem kleinen Laden die Besitzerin, zugleich die Friseurin des Ortes, einer alten, zierlichen Dame die Haare schneidet, die vor einem halb blinden Taschenspiegel sitzt.
Nachmittags bleibt Zeit, um an einem Hotelpool gemütlich auszuspannen. Abends sitze ich in einer Kneipe in Chios beim Abendessen und beobachte die Einfahrt der Fähre, die mich in der Nacht nach Piräus bringen wird. Das Schiff ist um diese Jahreszeit kaum gefüllt und so verlasse ich den Hafen von Piräus am nächsten Morgen exakt fünf Minuten nach dem Einlaufen. Ich habe gar nicht darüber nachgedacht, dass der Sonntag der mit Abstand beste Tag ist, um Athen zu durchqueren. Eine halbe Stunde später bin ich auf der langen Fahrt nach Norden.
Wieder ist viel Zeit zum Nachdenken, genau das, was ich mir nach einem Jahr harter Arbeit gewünscht habe. Noch aber ist der Kopf erst mal damit beschäftigt, ganz leer zu werden, die Gedanken fliegen völlig zufällig umher, nur die Veränderung der Landschaft prägt sich ein: Nach einem Jahr in der Wüste ist jedes Fleckchen Grün eine Wohltat fürs Auge, so zum Beispiel, als ich am Olymp vorbeifahre. Ein wenig Melancholie hat sich eine Stunde vorher bei der Abfahrt „Volos“ eingestellt. Nicht nur haben wir hier, auf der Halbinsel Pilion, in den letzten Jahren wunderschöne Urlaube verbracht, sondern von Volos aus habe ich 1981 zum ersten Mal Europa – ebenfalls überland – verlassen. Damals habe ich einen Lkw-Fahrer auf seiner Reise von Dänemark nach Jordanien begleitet. Im doppelten Sinn schließt sich hier also ein Kreis.
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Nach dem Ausruhtag auf Chios vergeht die Fahrt wie im Flug, durch die Zeitverschiebung an der Grenze zu Mazedonien gewinne ich eine zusätzliche Stunde. An der Grenze erlebe ich die erste von vielen humorvollen Szenen: „Woher soll ich denn wissen, dass das überhaupt Ihr Auto ist,“ entrüstet sich der griechische Grenzbeamte mit einem Lachen im Gesicht, „ich habe schließlich kein Arabisch in der Schule gehabt!“ Eine Stunde später bin ich in Skopje bei meinem Freund und Kollegen Stefan, zum ersten Mal sitze ich wieder in einer Wohnung, spüre einen Hauch von Normalität auf dieser ganz und gar nicht normalen Reise. Später gehen wir ums Eck, wo Albaner dem Wagen eine Dusche geben. Dann bummeln wir durch die Altstadt, die am Sonntag leider verwaist ist, aber eine Ahnung davon gibt, wie schön es hier ist. In einer alten Karawanserai essen wir gemütlich zu Abend, es tut gut, mit einem guten Freund das Erlebte auszutauschen.

Erste Autowäsche in Skopje

Sonntagabend in der Altstadt von Skopje
Der Montag ist ein Tag für die Sinne: Durch den Westen Mazedoniens geht es Richtung Ohrid-See. Das Grün ist überwältigend, wann habe ich zuletzt solche Wälder gesehen? Irgendwie macht es mir nichts aus, dass der Plan durcheinander gerät, weil die Straße wegen Asphaltarbeiten gesperrt ist. In dem engen Tal gibt es keine Ausweichmöglichkeit und so fahre ich zu einem kleinen Platz am nahen See und genieße die Stille, rieche am Gras, schaue in eine Bilderbuchlandschaft. Ähnlich schön ist Ohrid, die Stadt am See, die auch Weltkulturerbe ist. Auch wenn diese Schönheit unbedingt sehenswert ist, bleibt es mir ein Rätsel, was die Gruppe japanischer Touristen ausgerechnet hierher verschlagen hat. Aber wahrscheinlich denken sie das über mein komisches Kennzeichen ebenso.


Nach dem Orient war das Grün auf der Strecke zum Ohrid-See eine Wohltat für die Augen

Ein Bild für Uwe und mich: Charleston-Ente in Ohrid

Am Ohrid-See

Erste Autowäsche in Skopje

Sonntagabend in der Altstadt von Skopje
Der Montag ist ein Tag für die Sinne: Durch den Westen Mazedoniens geht es Richtung Ohrid-See. Das Grün ist überwältigend, wann habe ich zuletzt solche Wälder gesehen? Irgendwie macht es mir nichts aus, dass der Plan durcheinander gerät, weil die Straße wegen Asphaltarbeiten gesperrt ist. In dem engen Tal gibt es keine Ausweichmöglichkeit und so fahre ich zu einem kleinen Platz am nahen See und genieße die Stille, rieche am Gras, schaue in eine Bilderbuchlandschaft. Ähnlich schön ist Ohrid, die Stadt am See, die auch Weltkulturerbe ist. Auch wenn diese Schönheit unbedingt sehenswert ist, bleibt es mir ein Rätsel, was die Gruppe japanischer Touristen ausgerechnet hierher verschlagen hat. Aber wahrscheinlich denken sie das über mein komisches Kennzeichen ebenso.


Nach dem Orient war das Grün auf der Strecke zum Ohrid-See eine Wohltat für die Augen

Ein Bild für Uwe und mich: Charleston-Ente in Ohrid

Am Ohrid-See
Zuletzt geändert von Achim Vogt am So 5. Jun 2011, 15:08, insgesamt 1-mal geändert.
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Wieder schüttelt ein Grenzer ungläubig den Kopf, als ich nach Albanien einreise. Nein, erklärt er bestimmt, ein solches Auto und vor allem so einen Fahrzeugschein habe man an dieser Grenze definitiv noch nicht gesehen. Erstmals kommt hier die englische Übersetzung zum Zug, die ich sicherheitshalber mitgenommen habe und die eigentlich für Israel bestimmt ist. Das Land, in dem neben Hebräisch Arabisch die zweite Amtssprache ist (sic!), besteht aus unerfindlichen Gründen bei Einreise auf dieser Übersetzung.
Albanien, dieses einst so verschlossene Land, versuche ich mit allen Sinnen aufzunehmen. Kaum zu glauben, dass die Grenze kaum fünf Minuten gedauert hat. Überall sind noch die Überreste der stalinistischen Vergangenheit zu sehen, die Industrieruinen von Elbasan ebenso wie das Skanderbeg-Denkmal in Tirana.

Industrieruinen in Elbasan im Südosten Albaniens

Revolutionsromantik im Stadtzentrum von Tirana

"Highway nach Tirana"
Die Landschaft auf dem „Highway“ nach Tirana, einer kurvenreichen Gebirgsstraße, ist grandios. Auf den ersten Kilometern wirkt es, als sei Autowäsche die einzige Einkommensquelle, alle paar Meter wird ein Truck gewienert. Tirana selbst macht einen farbenfrohen Eindruck, die Sonne des Sommers trägt zu der entspannten Atmosphäre sicher das Ihre bei. Auffällig ist die Zahl von Autos mit britischem Kennzeichen, es scheint, als lebten besonders viele Albaner in Großbritannien. Nicht behaupten lässt sich allerdings, dass das britische Understatement abgefärbt hätte: So verrückt wie die Albaner war keine Autofahrer-Nationalität auf meiner Reise unterwegs! Abends beim Essen mit Kollegen dreht sich alles um die bevorstehenden Wahlen im Land. Selbst in Deutschland lebende Albaner sind mit fahnengeschmückten Autos in der Stadt als Wahlkämpfer unterwegs.

"Landschaft in der Stadt": Zentrum von Tirana

"Deutsche" Wahlkämpfer in Albanien

Britannia rules the Roads of Albania
Die Fahrt nach Norden ist unspektakulär, erst bei der alten Brücke kurz vor Skhodër wird es wieder interessant. Im Internet habe ich gelesen, dass es an der Küste einen kleinen Übergang nach Montenegro gibt. Gespannt fahre ich hin – und treffe auf eine Gruppe polnischer Motorrad-Reisender. Ganz offensichtlich ist die Grenze längst bekannt – manches stellt sich in der Realität eben ganz anders dar als beim Planen am heimischen Schreibtisch.

Berühmte Brücke kurz vor Skhodër
Albanien, dieses einst so verschlossene Land, versuche ich mit allen Sinnen aufzunehmen. Kaum zu glauben, dass die Grenze kaum fünf Minuten gedauert hat. Überall sind noch die Überreste der stalinistischen Vergangenheit zu sehen, die Industrieruinen von Elbasan ebenso wie das Skanderbeg-Denkmal in Tirana.

Industrieruinen in Elbasan im Südosten Albaniens

Revolutionsromantik im Stadtzentrum von Tirana

"Highway nach Tirana"
Die Landschaft auf dem „Highway“ nach Tirana, einer kurvenreichen Gebirgsstraße, ist grandios. Auf den ersten Kilometern wirkt es, als sei Autowäsche die einzige Einkommensquelle, alle paar Meter wird ein Truck gewienert. Tirana selbst macht einen farbenfrohen Eindruck, die Sonne des Sommers trägt zu der entspannten Atmosphäre sicher das Ihre bei. Auffällig ist die Zahl von Autos mit britischem Kennzeichen, es scheint, als lebten besonders viele Albaner in Großbritannien. Nicht behaupten lässt sich allerdings, dass das britische Understatement abgefärbt hätte: So verrückt wie die Albaner war keine Autofahrer-Nationalität auf meiner Reise unterwegs! Abends beim Essen mit Kollegen dreht sich alles um die bevorstehenden Wahlen im Land. Selbst in Deutschland lebende Albaner sind mit fahnengeschmückten Autos in der Stadt als Wahlkämpfer unterwegs.

"Landschaft in der Stadt": Zentrum von Tirana

"Deutsche" Wahlkämpfer in Albanien

Britannia rules the Roads of Albania
Die Fahrt nach Norden ist unspektakulär, erst bei der alten Brücke kurz vor Skhodër wird es wieder interessant. Im Internet habe ich gelesen, dass es an der Küste einen kleinen Übergang nach Montenegro gibt. Gespannt fahre ich hin – und treffe auf eine Gruppe polnischer Motorrad-Reisender. Ganz offensichtlich ist die Grenze längst bekannt – manches stellt sich in der Realität eben ganz anders dar als beim Planen am heimischen Schreibtisch.

Berühmte Brücke kurz vor Skhodër
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Durch eine Gartenlandschaft mit engen Hecken geht es zur Küste mit seinen berühmten Orten wie Sveti Stefan, der mittelalterlichen, inzwischen zum Hotel umgebauten Inselstadt. Leider ist das Areal geschlossen. Das Ansinnen des Parkwächters, dennoch 12 Euro Gebühr zu nehmen, empfinde ich als grotesk. In einer Bank in Budva stifte ich Verwirrung, als ich mit meinen aus dem Automaten überraschend erhaltenen Euro an den Schalter komme und Landeswährung erbitte: Dass Montenegro dem Euroraum de facto angehört, hatte ich nicht erwartet. Abends wandere ich durch die Altstadt von Budva und genieße die laue Abendluft und das Treiben auf der Strandpromenade Slovenska Plaža.

Blick auf die Hotelstadt Sveti Stefan

In der Altstadt von Budva
Am nächsten Tag treffe ich auf der Fähre, die die Bucht von Kotor abkürzt, auf Überlandreisende ganz anderer Art: Die Mercedes-Roadshow ist unterwegs, mit den Fahrern der Trucks komme ich schnell ins Gespräch. Seit drei Monaten sind sie unterwegs, von Riga über Moskau nach Odessa und nun den Balkan hoch. Sie freuen sich auf zuhause, erzählen sie – und ich? Ich bin irgendwie gespannter Erwartung, aber andererseits auch glücklich unterwegs zu sein. Zu dieser Reise gehört das Ankommen ebenso wie der Weg selbst. Natürlich hätte ich diese Fahrt nicht unternommen, wenn ich nicht unbedingt nach Berlin gewollt hätte. Aber zugleich ist es auch eine Reise, auf der die Seele, anders als im Flug, Zeit hat mitzukommen – mit der Einschränkung, dass die Vielzahl von Eindrücken in so kurzer Zeit für die Seele auch eine Herausforderung ist.

Mercedes-Roadshow und Oriental-Homerun auf der Fähre über die Bucht von Kotor
Dubrovnik gehört sicher zu den Höhepunkten. Wieder freue ich mich über meine Entscheidung, die Adria auf der Hinfahrt zu besuchen, vor Beginn der eigentlichen Urlaubssaison. In einer kleinen Felsenbucht, unter Einheimischen, verbringe ich den Nachmittag am Wasser. Abends geht es in die Altstadt, die allein eine Reise lohnt. Glücklich falle ich ins Bett, das Auto steht wie überall auf der Fahrt sicher in einer Garage, was zur Entspannung maßgeblich beiträgt.
Am nächsten Tag protestiere ich innerlich heftig: Von Dubrovnik geht es durch den kurzen bosnischen Küstenkorridor in den Rest Kroatiens, dann wieder nach Bosnien, wo ich den Mittag in der Altstadt von Mostar (und den letzten islamischen Bauwerken auf der Hinreise) verbringe, wieder zurück zur Küste und weiter nach Split – einschließlich der Ausreise im Hafen von Split passiere ich also neun Grenzkontrollen im Flickenteppich des Balkan. Dreimal werde ich trotz meines jordanischen Kennzeichens einfach durchgewunken, die restlichen Passkontrollen dauern zusammen kaum eine Viertelstunde, die Autopapiere will überhaupt niemand sehen. Was, schreibe ich nach Hause, soll ich denn bloß unseren guten arabischen Grenzbeamten mit ihrer zum Teil kafkaesken Bürokratie sagen? Dass Grenzkontrollen so einfach sein können, auch wenn man jahrelang Krieg gegeneinander geführt hat? Das glaubt mir im Orient ja doch niemand! Erst als mir jemand erzählt, dass Serben oder Russen in Kroatien nach wie vor in vielen Restaurants oder Geschäften nicht bedient werden, wird klar, dass Grenzkontrollen nicht alles sind. Jetzt erst fällt mir auf, dass ich russische Autos in der Tat nur in Montenegro gesehen habe.

Ankunft in Dubrovnik

Letztes Symbol des Islam auf der Reise nach Berlin: Moschee in Mostar in Bosnien

Die berühmte Brücke von Mostar, die den kroatischen (christlichen) vom bosnischen (muslimischen) Stadtteil trennt


Blick über die Adria: Nicht immer ist die Küstenstraße die beste Option

Abschied vom Balkan: Fähre von Split nach Ancona

Blick auf die Hotelstadt Sveti Stefan

In der Altstadt von Budva
Am nächsten Tag treffe ich auf der Fähre, die die Bucht von Kotor abkürzt, auf Überlandreisende ganz anderer Art: Die Mercedes-Roadshow ist unterwegs, mit den Fahrern der Trucks komme ich schnell ins Gespräch. Seit drei Monaten sind sie unterwegs, von Riga über Moskau nach Odessa und nun den Balkan hoch. Sie freuen sich auf zuhause, erzählen sie – und ich? Ich bin irgendwie gespannter Erwartung, aber andererseits auch glücklich unterwegs zu sein. Zu dieser Reise gehört das Ankommen ebenso wie der Weg selbst. Natürlich hätte ich diese Fahrt nicht unternommen, wenn ich nicht unbedingt nach Berlin gewollt hätte. Aber zugleich ist es auch eine Reise, auf der die Seele, anders als im Flug, Zeit hat mitzukommen – mit der Einschränkung, dass die Vielzahl von Eindrücken in so kurzer Zeit für die Seele auch eine Herausforderung ist.

Mercedes-Roadshow und Oriental-Homerun auf der Fähre über die Bucht von Kotor
Dubrovnik gehört sicher zu den Höhepunkten. Wieder freue ich mich über meine Entscheidung, die Adria auf der Hinfahrt zu besuchen, vor Beginn der eigentlichen Urlaubssaison. In einer kleinen Felsenbucht, unter Einheimischen, verbringe ich den Nachmittag am Wasser. Abends geht es in die Altstadt, die allein eine Reise lohnt. Glücklich falle ich ins Bett, das Auto steht wie überall auf der Fahrt sicher in einer Garage, was zur Entspannung maßgeblich beiträgt.
Am nächsten Tag protestiere ich innerlich heftig: Von Dubrovnik geht es durch den kurzen bosnischen Küstenkorridor in den Rest Kroatiens, dann wieder nach Bosnien, wo ich den Mittag in der Altstadt von Mostar (und den letzten islamischen Bauwerken auf der Hinreise) verbringe, wieder zurück zur Küste und weiter nach Split – einschließlich der Ausreise im Hafen von Split passiere ich also neun Grenzkontrollen im Flickenteppich des Balkan. Dreimal werde ich trotz meines jordanischen Kennzeichens einfach durchgewunken, die restlichen Passkontrollen dauern zusammen kaum eine Viertelstunde, die Autopapiere will überhaupt niemand sehen. Was, schreibe ich nach Hause, soll ich denn bloß unseren guten arabischen Grenzbeamten mit ihrer zum Teil kafkaesken Bürokratie sagen? Dass Grenzkontrollen so einfach sein können, auch wenn man jahrelang Krieg gegeneinander geführt hat? Das glaubt mir im Orient ja doch niemand! Erst als mir jemand erzählt, dass Serben oder Russen in Kroatien nach wie vor in vielen Restaurants oder Geschäften nicht bedient werden, wird klar, dass Grenzkontrollen nicht alles sind. Jetzt erst fällt mir auf, dass ich russische Autos in der Tat nur in Montenegro gesehen habe.

Ankunft in Dubrovnik

Letztes Symbol des Islam auf der Reise nach Berlin: Moschee in Mostar in Bosnien

Die berühmte Brücke von Mostar, die den kroatischen (christlichen) vom bosnischen (muslimischen) Stadtteil trennt


Blick über die Adria: Nicht immer ist die Küstenstraße die beste Option

Abschied vom Balkan: Fähre von Split nach Ancona
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Die Einfahrt nach Ancona, meine zweite Einreise in die EU, setzt dem Erlebten die Krone auf: Am Tor steht ein gut gelaunter italienischer Zöllner, der mich lapidar fragt, ob ich Zigaretten eingekauft habe. Als ich das verneine, wünscht er mir gute Fahrt – ohne meinen Pass oder die Fahrzeugpapiere überhaupt verlangt zu haben. Viel früher als erwartet bin ich im morgendlichen italienischen Berufsverkehr und fahre in aller Ruhe nach San Marino, wo ich viel Zeit zur Besichtigung des mittelalterlichen Stadtkerns habe. Nachmittags geht es weiter nach Verona, wo ich das Auto im Hotel abstelle, zum Flughafen fahre und für zwei Tage meine Fahrt unterbreche, um an einer Konferenz in Rom teilzunehmen. Der Nahe Osten hat mich, wenn auch nur virtuell, wieder. Daran kann auch die ewige Stadt nichts ändern. Es wirkt bizarr, auf einer derartigen Fahrt zu sein und sich über die Entwicklung im Iran nach den Präsidentschaftswahlen zu diskutieren. Unsere iranischen Konferenzteilnehmer sind stündlich mit Teheran im telefonischen Kontakt – welch ein Kontrast zu meiner Reise!

Ankunft in San Marino


Altstadt von San Marino

Intermezzo in Rom und beim Souveränen Malteser Ritterorden, dem kleinsten völkerrechtlichen Gebiet der Welt und vermutlich mit den wenigsten Autos eines Gebietes - sehr seltenes Kennzeichen!

Ankunft in San Marino


Altstadt von San Marino

Intermezzo in Rom und beim Souveränen Malteser Ritterorden, dem kleinsten völkerrechtlichen Gebiet der Welt und vermutlich mit den wenigsten Autos eines Gebietes - sehr seltenes Kennzeichen!
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Roger-Tecumseh
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Schoener, von leiser Nostalgie durchzogener, Bericht! 
"Intermezzo in Rom und beim Souveränen Malteser Ritterorden, dem kleinsten völkerrechtlichen Gebiet der Welt und vermutlich ... !"
(So ganz stimmt diese Feststellung nicht: Es handelt sich tatsaechlich um ein voelkerrechtliches Kuriosum, da dieser "Staat" zwar viele hoheitliche Funktionen ausuebt - z.B. Paesse austellt, Botschafter in vielen Laendern und Beobachterstatus bei den UN hat -, aber ueber kein eigenes Staatsgebiet verfuegt.)
"Intermezzo in Rom und beim Souveränen Malteser Ritterorden, dem kleinsten völkerrechtlichen Gebiet der Welt und vermutlich ... !"
(So ganz stimmt diese Feststellung nicht: Es handelt sich tatsaechlich um ein voelkerrechtliches Kuriosum, da dieser "Staat" zwar viele hoheitliche Funktionen ausuebt - z.B. Paesse austellt, Botschafter in vielen Laendern und Beobachterstatus bei den UN hat -, aber ueber kein eigenes Staatsgebiet verfuegt.)
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Dank Dir, lieber Roger!
In der Tat ist das mit dem Malteser Ritterorden so eine Sache. Genau weiß es irgendwie keiner. Aber immerhin: Der Orden hat zwei Gebäude in Rom, eines davon - das ich besucht habe - in der Nähe der Spanischen Treppe. Die Gebäude gelten als "exterritoriale Territorien", ähnlich einer Botschaft. Insofern gibt es eine Art staatliches Gebiet, wenn auch noch so klein:

Sitz des Malteser Ritterordens in Rom: "Sede Extraterritoriale"
Viele Grüße
Achim
In der Tat ist das mit dem Malteser Ritterorden so eine Sache. Genau weiß es irgendwie keiner. Aber immerhin: Der Orden hat zwei Gebäude in Rom, eines davon - das ich besucht habe - in der Nähe der Spanischen Treppe. Die Gebäude gelten als "exterritoriale Territorien", ähnlich einer Botschaft. Insofern gibt es eine Art staatliches Gebiet, wenn auch noch so klein:

Sitz des Malteser Ritterordens in Rom: "Sede Extraterritoriale"
Viele Grüße
Achim
- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum

stimmungsvolle Atmosphäre am Gardasee

dito

Fellow Travellers
In Seefeld mache ich zum ersten Mal Station bei einem alten Freund aus Schultagen. Der Weltenbummler auf dem langen Weg in die Heimat trifft da auf den Jungen aus dem Heimatdorf, der mit Mitte vierzig dem Ort seiner Familie am Rhein den Rücken gekehrt hat und in Tirol ein völlig neues Leben begonnen hat. Abends im Bett, als ich das Schweizer Messer „made in China“ betrachte, dass er nun an russische Touristen verkauft, liege ich lange wach, ohne wirklich zu begreifen.

Auffahrt zum Timmelsjoch - grün und noch leidlich warm

Abfahrt auf österreichischer Seite - Schnee im Juni
Durch ein regnerisches Land fahre ich gedankenverloren weiter, nehme kleine Nebenstraßen, die mich in eine heimelige Welt führen, und dann, in der Leutaschklamm, nach 4763 Kilometern, stehe ich vor einem unscheinbaren Hinweisschild, das mich darüber informiert, dass ich nun die Bundesrepublik Deutschland betrete. Sonst nichts, nicht mal eine Haltebucht für das obligatorische Erinnerungsfoto.

Irgendwo in einem Seitental des Ötztals

- Achim Vogt
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
So, liebe Wüschis,
und damit Ihr Euch schon ein wenig auf die Fortsetzung und die Schilderung der "Heimreise" nach Amman freuen könnt, hier zwei Appetithäppchen:

Straßenschild in Gauting bei München

Viele Grüße
Achim
und damit Ihr Euch schon ein wenig auf die Fortsetzung und die Schilderung der "Heimreise" nach Amman freuen könnt, hier zwei Appetithäppchen:

Straßenschild in Gauting bei München

Viele Grüße
Achim
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Alexander
- Administrator
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Hallo Achim,
vielen Dank für deinen außergewöhnlichen Reisebericht. Außergewöhnlich nicht nur, weil er Gegenden beschreibt, von denen wir hier normalerweise nichts hören. Außergewöhnlich auch, weil in deinem Bericht gleich zwei meiner Lieblingsthemen Erwähnung finden: schöne, alte Gebäude und alte Autos
Viele Grüsse
Alexander
vielen Dank für deinen außergewöhnlichen Reisebericht. Außergewöhnlich nicht nur, weil er Gegenden beschreibt, von denen wir hier normalerweise nichts hören. Außergewöhnlich auch, weil in deinem Bericht gleich zwei meiner Lieblingsthemen Erwähnung finden: schöne, alte Gebäude und alte Autos
Viele Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
Danke, Achim, fuer den tollen Bericht!
Wenn ich mal wieder in die alte Heimat komme, dann fliege ich (auch wenn das selten geworden ist) und bekomme dann immer eine Art Kulturschock! Diese Art des Heimaturlaubes gefaellt mir ausserordentlich gut: langsam, stetige Steigerung von "Gruen"...ich bin richtig neidisch!!!
Wenn ich mal wieder in die alte Heimat komme, dann fliege ich (auch wenn das selten geworden ist) und bekomme dann immer eine Art Kulturschock! Diese Art des Heimaturlaubes gefaellt mir ausserordentlich gut: langsam, stetige Steigerung von "Gruen"...ich bin richtig neidisch!!!
Gruesse aus Baharia
Stefanie
Voltaire: „Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst.“
Stefanie
Voltaire: „Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst.“
- Uwe Schmitz
- Moderator
- Beiträge: 2781
- Registriert: So 31. Jul 2005, 19:07
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Re: Amman Berlin - Urlaub einmal andersrum
hallo achim,
danke für den tollen rückreisebericht und für (unser) entenfoto... die scheints ja wirklich überall zu geben, diese "alten dinger"
sag' mal: ist es wirklich möglich, mit deutschem pass, aber syrischen kennzeichen am auto nach D einzureisen?
gibts da nicht den zwang, irgend sowas wie internationale papiere vorzeigen zu können?
die situation unlesbarer dokumente hab' ich mir schon so oft vorgestellt an mitteleurop.grenzen, die ich selbst mit deutschen papieren irgendwo in den tiefen afrikas erleben durfte... in afrika kein problem, mesh muschkila, hakuna matata, aber bei ordentlichen deutschen beamten???
viele grüsse
uwe
danke für den tollen rückreisebericht und für (unser) entenfoto... die scheints ja wirklich überall zu geben, diese "alten dinger"
sag' mal: ist es wirklich möglich, mit deutschem pass, aber syrischen kennzeichen am auto nach D einzureisen?
gibts da nicht den zwang, irgend sowas wie internationale papiere vorzeigen zu können?
die situation unlesbarer dokumente hab' ich mir schon so oft vorgestellt an mitteleurop.grenzen, die ich selbst mit deutschen papieren irgendwo in den tiefen afrikas erleben durfte... in afrika kein problem, mesh muschkila, hakuna matata, aber bei ordentlichen deutschen beamten???
viele grüsse
uwe




