nachfolgend hat uns artois seinen Reisebericht aus Australien zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank Wolfgang
DOWN UNDER
Von MELBOURNE nach ALICE SPRINGS (Teil I)
Vorbereitung in Melbourne
„Warum kommst Du nicht einmal zu uns nach Aussieland?“ hatte mich Thomas, mein Freund und Geschäftspartner aus Melbourne, bei seinem letzten Deutschlandauf¬enthalt gefragt.
Jetzt stehen wir beide an einem regennassem Augustmorgen am Hafen und warten auf den Container, in dem mein HDJ 80 – „Klötzchen“ 6 Wochen lang hierher geschippert ist. Alles ist in Ordnung und auch der offensichtlich frierende Beamte der Gesundheitsbehörde hat nichts auszusetzen. Nicht einmal eine halbe Stunde später sind wir linksseitig unterwegs nach Research VICROAD. Die weit aufgerissenen Augen meines „Gegners“ im ersten round-about erinnern mich nachhaltig daran, in Zukunft nach links in den Kreisverkehr einzufahren. Reiner BERG/Iserlohn hatte mir bei der Montage des Zusatztankes und der 9.00 Bereifung geraten, den Reservereifen auf dem Tank zu montieren; am nächsten Tag steht die geniale Lösung dieses Problemes neben mir auf dem Parkplatz: KAYMAR! Schon für den folgenden Tag bekomme ich von Ken einen Termin zur Montage seiner modifizierten Stosstange mit schwenkbarem Reserveradhalter. Die Reifen¬größe sowie das stattliche Gewicht von ca. 55 kg einschließlich Felge beeindrucken ihn schon. Auch das SCHMUDE-Dachzelt findet seinen ungeteilten Beifall. „Wegen Deines Fahrwerkes wendest Du Dich am besten an Sam von ARB. Die haben das Richtige für Dich!“ Sam rät mir zu S-Heavy-Duty-Federn (+100 mm), OME Dämpfern und hinteren Zusatzbalgen mit regelbarem Luftdruck.
Unterwegs
Thomas, Andrea und Hexe verabschieden mich am nächsten Tag; Thomas wohl mit einem weinenden und einem lachendem Auge. Zu gerne säße er neben mir. Bei strahlendem Sonnenschein fahre ich auf dem Maroondah Hwy.-34-nach Norden; bei Benalla stoße ich auf den HUME Hwy, einen der beiden freeways, die Melbourne mit Sydney verbinden. Als ich kurz hinter Albury die Brücke über den Lake Hume befahre, wird es bereits dunkel. Es regnet und ist ziemlich kalt; das Dachzelt bleibt zu und ich bei HERBS&HORSES in der Nähe von Wodonga über Nacht. Jane findet das gut; sie hat nur wenige Gäste in dieser Jahreszeit: Zwei frierende Koreaner, eine Finnin und ein grosses Rotes Känguruh drängen sich vor dem Kamin zusammen; alle auf Stühlen, das Känguruh auf dem Sofa.

Der Morgen zeigt sich kühl, jedoch ohne Regen. Über Jingellic, Towong und Khancoban geht es in den südlichen Teil des KOSCIUSKO N’l Park. Die zahlreichen, engen Kehren auf stetig ansteigender Straße lassen nur selten den Ausblick genie¬ssen. Das Asphaltband geht über in einen lehmigen track. Eine Hinweistafel fordert zum Aufziehen der Schneeketten auf! 5 KM weiter und ca. 600 m höher weiss ich dann auch warum! Erst ein wenig Schnee rechts und links, dann eine geschlossene Schneedecke. Die grobstolligen Pirellis sind gute Schneewanderer, jedenfalls bergauf. Auf dem Pass bei ca. 1850 m angekommen relativiert sich dieser Eindruck jedoch schnell. Der PKW mit der wehenden Russwolke von vorhin fährt rasselnd an mir vorbei. Ich schleiche im ersten Gang die enormen Gefällstrecken hinunter und fühle mich überhaupt nicht wohl. Erst als die Asphaltstraße wieder sichtbar wird, beginne ich die Schneelandschaft zu geniessen.
Die Zahl der Fahrzeuge mit Skigepäck auf dem Dach nimmt zu: Ich fahre durch Australiens einziges Wintersportgebiet, die Snowy Mountains. Als Tumut erreicht ist, hat sich auch jedes Anzeichen für Schnee verflüchtigt. Auf dem Mid Western Hwy. geht es durch endloses Farmland weiter nach Westen, um dann bei Hay auf den Stuart Hwy. in Richtung Mildura abzubiegen. Obwohl das Städtchen mit seinem Einkaufszentrum alle Annehmlichkeiten bietet, ziehe ich es vor, ohne Aufenthalt weiter zu fahren. Silver City Hwy heißt nun die 79, die erst in Tibooburra enden wird. Fast 300 KM führt der Hwy. schnurgerade nach Norden, nach Broken Hill. Die reichen Silber-Blei-Zink-Vorkommen, die Charles Rasp hier um 1883 entdeckte, liessen eine wohlhabende Stadt im Kolonialstil entstehen. Ich lerne dieses hübsche Städtchen näher kennen auf der Suche nach einer Toyota-Werkstatt; die ABS-Leuchte zeigt an, dass das System seine Funktion eingestellt hat, hier draußen sicherlich zu verschmerzen, jedoch trotzdem störend. Schräg gegenüber der Post finde ich sie. Das fremde Nummernschild, die Reifengröße und das Dachzelt bewirken einen sofortigen Arbeitsbeginn. Neben mir steht Frank, Eigentümer eines martialisch ausstaffierten HZJ 75: Riesiger Suchscheinwerfer auf der Kabine, Gewehrauflagen an beiden Türseiten, eine stählerne bull-bar, die sicherlich auch afrikanisches Großwild tief beeindruckt hätte.

Frank war früher auf der Mine beschäftigt; nach seiner Entlassung wurde er Känguru-Jäger und zieht heute drei-bis viermal pro Woche auf nächtliche Jagd. Seine Jagdbeute verkauft er an Schlachtereien, für gutes Geld, wie er bemerkt. Bis Tibooburra sind es 350 KM. Frank rät mir noch, über White Cliffs zu fahren, einer Siedlung, deren Einwohner zum größten Teil mit der Suche nach Opalen Ihren Lebensunterhalt verdienen und praktischerweise gleich in Höhlen wohnen. Ich be¬schliesse, daß ein nächstes Mal zu einem Besuch geeigneter sei, und stehe nach 5 Stunden in dem Pub, den ich auf Tibooburra’s einziger Straße finde. Das erste, eiskalte Bier zahle ich noch selbst, die unzähligen, folgenden darf – und später muss -ich auf Einladung der anwesenden Gäste trinken. Nach drei Stunden kenne ich fast alle Bewohner des Distrikts. Nette Leute, und unglaublich trinkfest!
Strzelecki Desert
Nur eine Stunde weiter nördlich fahre ich durch das Warri Gate, ein Bestandteil des Schutzzaunes, der von den Farmern in einer Länge von fast 3500 KM auf der Grenze zwischen NSW und Queensland zum Schutz Ihrer Schafe vor den Dingos gebaut wurde. Die gravel road hat sich zu einem wunderschönen, rotsandigen track gewan¬delt. Cameron Corner, genannt nach John Cameron, der 1881 diesen Grenzpunkt festlegte, bildet die gemeinsame Grenze dreier australischer Staaten: NSW, SA und Queensland. Auf halbem Weg bis Bollards Lagoon biege ich nach Norden ab in Rich-tung Innamincka. Der track wird enger, um dann nur noch als kaum sichtbare Rei¬fenspur durch das rote Land zu führen. Bis zu einem Meter tiefe Furchen lassen an manchen Stellen unschwer erkennen, dass wohl der eine oder andere Fahrer deutlich zu früh nach den Regenfällen hier entlang steuerte. Ich genieße 180 km angenehm weicher Fahrt durch eine unberührte Landschaft. Fünf festgefügte Häuser, 1 Pub, 2 Zapfsäulen, 1 solarversorgte Telefonzelle und ein öffentliches Toiletten-und Duschhaus, das und nicht mehr ist Innamincka. Zuerst teste ich die Telefonzelle auf Funktion; klar und deutlich meldet sich Thomas in Melbourne: „Wo bist Du, in Innamincka? Nie gehört, wo liegt das. Ich werde nachher mal auf der Karte nachsehen. Ist alles in Ordnung?“ Für 1 AUS $ kann ich ihm über mehr als 2500 km hinweg noch versichern, dass Fahrer und Fahrzeug wohlauf sind. Nach einem ausgiebigen Duschbad, dessen wohltuenden Wert man übrigens durch einen freiwilligen Obulus selbst bestimmen kann, lande ich im Pub, wo auch sonst? Vier angestaubte Figuren sitzen vor einer großen Zahl leerer stubbies am Tisch in der Ecke, sicherlich die Insassen der beiden Troopies (HZJ 75) vor dem Eingang. Neben mir stehen Eric Kronborg und seine Frau am Tresen. Vor 50 Jahren aus Dänemark nach Australien eingewandert baute er zusammen mit seiner Frau eine Angus-Rinderfarm in der Nähe von Holbrook auf. „Aber in den letzten Jahren seien sie jedes Jahr mindestens 4-5 Monate im Jahr unterwegs durch Australien.“ Unauffällig vergleiche ich die Anzahl der leeren Flaschen vor uns auf der Theke mit der auf dem Tisch. Wir haben bereits zahlreiche Themen erörtert, als Eric vorschlägt, ich solle doch mit Ihnen an den Cooper Creek kommen, dort stünde Ihr Wohnwagen. Wie ist es möglich, mit diesem 8,5m Schiff in diese Gegend und an dieses Ufer zu gelangen? Eric lacht! Für das abendliche Lagerfeuer wollen wir Holz suchen! Ich mache mich auf, um Zweige zu sammeln. „Nein, komm her, das machen wir anders.“ Eric schultert die Motorsäge, um dann gekonnt riesige Zweige vom Red Gum zu trennen. „Wenn wir ein Lagerfeuer machen, dann aber richtig.“ Diese Devise legt er offensichtlich überall zu Grunde: Bei der Tiefkühltruhe, die mit unzähligen seiner Angus-Steaks gefüllt ist, beim Stromaggregat, das die Wasserpumpe antreibt und die Leuchten versorgt. Dieser Komfort! Bei mehreren Flaschen guten Roten erzählen Martha und Eric, wo sie dieses Jahr schon waren und wie ihre Reise weiter verlaufen werde. „Jetzt müssen wir aber noch die Angeln auslegen!“ Der Cooper führt auf Grund der diesjährigen, starken Regenfälle recht viel Wasser; unzählige Wasser¬vögel tauchen und fischen. Weiße und rosafarbene Kakadus fliegen in Schwärmen auf, um dann wieder auf einem der vielen Red Gums einzufallen und ihr wenig melodisches Gekkern anzustimmen. Ein idyllisches Fleckchen. Das Lagerfeuer lodert hell, kein Wunder auch bei diesen Holzmengen, die Steaks duften auf dem Grill; überhaupt spricht alles dafür, wie von Eric vorgeschlagen, die nächste Woche noch gemeinsam hier zu verbringen. Der Aufstieg ins Dachzelt fällt etwas schwerer als sonst, der australische Rotwein ist wohl schuld daran. Das Ergebnis ist überraschend gut: An drei Angelschnüren mit jeweils mehreren Haken zappeln vier Yellow Bellies, jeder etwa 1 kg schwer. Frisch gegrillt machen sie das Frühstück zu einer Gourmet-Mahlzeit. Die nächsten 2 Tage vergehen rasch mit faulenzen, baden und erzählen am Lagerfeuer. Eric besteht auf meiner Zusage, ihn auf dem Rückweg in Holbrook zu besuchen, Martha packt mir noch den Kühl¬schrank voll mit Steaks, dann bin ich auf dem Strzelecki Track unterwegs Richtung Norden. Auf diesem nach dem polnischen Geologen Paul Edmund de Strzelecki benannten Track wurde einst das Vieh von Innaminca nach Lyndhurst getrieben, um von dort weiter Richtung Adelaide befördert zu werden.
Stuart Stony Desert
Der weiche, rote Sand weicht immer mehr einer harten, steinigen Oberfläche, ich fahre in die Stuart Stony Desert. Eine riesige ebene Fläche, die ähnliche Tempe¬raturen aufweist wie ein heißer Grillstein, nur dass eben diese Grillsteine auch noch derart scharfkantig sind, daß ich das erste Mal wirklich um meine Reifen fürchte. Und das zu Recht, wie die tiefen Schnitte in den Laufflächen und den Flanken zeigen. Auf dem Inside Track entlang dem Diamantina River wurden noch bis in die 60-er Jahre riesige Rinderherden nach Süden getrieben, sicherlich begünstigt von den zahlrei¬chen, natürlichen Wasservorkommen entlang dieses Weges. Von weitem wird der Sendemast von Birdsville sichtbar, dann fahre ich die einzige Straße entlang durch den Ort. Auch hier beherrschen Pub und Tankstelle das Bild. Nachdem mehr als 200 ltr Diesel in die Tanks geflossen sind, schaut der Inhaber doch irritiert unter den Wagen, ob vielleicht irgendwo ein Leck sei? Eine Menge guter Ratschläge für die vor mir liegende Strecke, immer wieder die Mahnung zu vorsichtiger und besonnener Fahrweise, dann melde ich mich beim Polizeiposten ab. Bevor ich jedoch Birdsville verlasse, erhalte ich noch die Einladung, eine Schule der besonderen Art zu besu¬chen: School On The Air. Ein kleines Schulgebäude mit einem riesigen Sendemast, aber nur einer Klasse mit 15 Schülern verschiedener Altersstufen; der Unterricht wird per Funk zu den weit entfernt liegenden Farmen übertragen, wo die Farmerskinder in gleicher Weise am Unterricht teilnehmen. Nur zu gewissen Prüfungsterminen müs¬sen sie dann persönlich anreisen, bei Entfernungen bis zu 800 km doch recht beschwerlich. John, der junge Lehrer aus Perth, lädt mich nach Unterrichtsende noch zu dem unvermeidlichen Bier in den Pub ein: Schon 1860 hatten Burke und Wills bei der Erkundung der großen Wüste hier ihr Lager aufgeschlagen. John McKinlay, der ausgesandt wurde, nach Ihnen zu suchen, berichtete bei seiner Rückkehr von den reichen Wasservorkommen in dieser Region. Zahlreiche Siedler brachen daraufhin hierher auf und gründeten die Siedlung, die noch bis 1882 Diamantina Crossing hieß. Nach A.E.Burt, dem Besitzer des ersten Kaufladens am Ort, wurde sie Burtsville, auf dessen Einspruch hin jedoch später Birdsville genannt. Heute leben hier 85 Weiße und in der nahen Umgebung 120 Aborigines. Aber einmal im Jahr, am ersten Wochende im September, erwacht dieser Ort zu unvorstellbarem Trubel. Fast 5000 Besucher reisen aus ganz Australien zum Birdsville Horserace an, die Hauptstraße wird zur runway und zum Parkplatz für Privatflugzeuge. Schon Wochen vorher rollen unzählige roadtrains in den Ort, beladen mit Lebensmitteln und noch mehr Bier. Am Dienstagabend ist der Spuk dann wieder vorbei.
Simpson Desert
The Big Red ist mit etwa 40 m Kammhöhe die erste und höchste Düne der French-line, obwohl ihr noch etwa 1200 weitere bis nach Dalhousie folgen. Da der Wind fast immer aus Westen weht, sind die Dünenkämme nach Osten ausgerichtet, eine Eigenschaft, die ich noch sehr unliebsam kennenlernen sollte. Die Mannschaften dreier Troopies, die wohl gerade von Westen angekommen mittels Handpumpe ihre Reifen wieder auf Normaldruck füllen, raten mir dringend zu niederem Luftdruck. Die 9.00-er irritieren sie schon, und ich bemerke, wie sie mir auf dem Weg nach oben nachschauen. Die Auffahrt ist sandig und so steil, daß ich kaum sehe, wohin ich fahre. Als der Vorderwagen endlich wieder nach unten in die Waagerechte fällt, habe ich es geschafft, denke ich. Vor mir liegt jedoch ein zweites, kurzes Stück, noch steiler und völlig zerfurcht am Grund. Die von der anderen Seite kommenden Fahrzeuge sind wohl jeweils so richtig in dieses Loch reingefallen. Sehr langsam aber stetig kriecht das „Klötzchen“ nach oben. Ein letztes Nachvorne-Kippen und ich bin oben. Ich fahre hinunter in ein kurzes Tal, um dann die nächste Düne wieder hochzukriechen. Rechts und links von mir ist die rote Sandwüste bedeckt mit einem Meer von Blumen in allen Farben. Der wohl in diesem Jahr reichliche Niederschlag hat ein kleines Wunder geschaffen. Durch diese Farbenpracht fahre ich weiter, eine Düne nach der anderen hoch und runter. Etwas mutiger gehe ich nun die Steigungen an, bis ich an einem Kamm um ein Haar gegen eine massive Mauer aus hartge¬backenem Erdreich pralle. Der track macht hier eine 90°-ige Biegung nach links, natürlich nicht einsehbar auf Grund der Steigung. Dieser Schreck verlangt nach einer Stärkung. Auf dem nächsten Kamm wacht ein Wüstenbussard, ein lohnendes Motiv. Als er davon schwebt, habe ich zwar kein Bild, dafür aber einen herrlichen Platz zum Lagern. Bei untergehender Sonne bilden die umstehenden Büsche und Krüppel¬eichen geheimnisvolle, geisterhafte Figuren mit ausgestreckten Armen und viel¬fingrigen Händen.
Poeppel Corner, benannt nach dem Landvermesser Augustus Poeppel, erreiche ich nach unzähligen weiteren Dünen; hier bilden NT, QLD und SA einen gemeinsamen Grenzpunkt. Eine weite Sicht über die sich nach Norden ausdehnenden Salzseen mit ihrer makellos weißen Oberfläche lädt zum Verweilen ein. Über das solarbetriebene Emergency Radio ließe sich im Notfall Hilfe herbeirufen. Eine phantastische Ein¬richtung, die sicherlich jeder, der in dieser einsamen Gegend unterwegs ist, sehr zu schätzen weiß. Nach ca. 750 Dünen halte ich es mit meinem Vorreísenden, der in gekonnter Graphik auf einem Blechschild die Folgen der bisherigen Dünenquerung festgehalten hat: Ein Gebiß, aus dem sich ein Zahn zu lösen beginnt, darunter sein Urteil: Not any further, I’ve got enough and turn North! Um ähnlichen Schäden vorzubeugen, ändere auch ich die Fahrtrichtung. Der tiefsandige Colson Track führt ziemlich genau nach Nord -Westen. 2 Tage lang verläuft er in gleicher Richtung durch das selbe Dünental. Dann verändert sich die Landschaft völlig, die Dünen bleiben zurück und ich fahre hinauf ins Allitra Tableland. Der weite Blick über die endlose Hochebene läßt den schlechter werdenden track für kurze Zeit vergessen. Dann ist er gänzlich zuende, wie weg¬gewischt. Mittels GPS und Karte bestimme ich meinen Standort und lege die Rich-tung zur Numery Station fest. Der Abstieg vom Plateau ist deutlich schwieriger als von Weitem erkennbar; über Geröll und durch tiefe Wasserrinnen rutscht und tram-pelt das „Klötzchen“ nach unten. Aber irgendwann ist auch das geschafft und es geht weiter nach Kompaß, Richtung Nord-Westen. Dann die große Überraschung: Inmit¬ten vom Nichts lädt ein dam zum Lagern ein. Ein herrliches Bad in wohltemperiertem Wasser und genügend Feuerholz lassen keine Wünsche offen. Spuren im feuchten Uferbereich deuten auf gelegentlichen Besuch von Kamelen, Kängurus und Dingos hin. Früh am Morgen geht es weiter, immer in der gleichen Richtung. Der Bewuchs wird dichter und höher, schließlich reichen die Wildbüsche und Farne über das Wagen¬dach. Hinter mir bleibt eine Tunnelspur durch das dichte Grün zurück, sicherlich aber wird sie sich in kürzester Zeit wieder schließen. Noch immer nicht das geringste Anzeichen, daß schon andere vor mir hier entlang fuhren. Dann endlich einige Rinder im Busch, und ganz zaghaft beginnt der track. Aber noch einmal vergeht fast der ganze Tag, bis ich auf dem Hof der Numery Station stehe. „Woher kommst Du denn, welchen Weg bist Du gefahren?“ Ich beschreibe kurz die Route und lasse drei fürbass erstaunte Farmarbeiter zurück. Ein gut ausgebauter track führt durch die Fergusson Range weiter nach Westen, um dann ca. 30 km östlich von Alice auf die Asphaltstraße zu stoßen.


























