Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen, fotografisch dokumentiert. In diesem Forum findet ihr Reiseberichte als "Fotostreckenführer" zu interessanten Reisewegen.

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Alexander
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Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Alexander »

Hallo Algerienfreunde,

diesen ausführlichen Reisebericht hat uns Monika zur Verfügung gestellt.
Dafür recht herzlichen Dank :wink:

Wir werden versuchen, den Bericht und Bilder für das Forum in Format zu bringen und ihn dann peu à peu hier veröffentlichen


Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

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Text: Monika Groh
Bilder: Peter Lorenz

Unsere diesjährige Reise führte uns dieses Mal nach Algerien.

Gebucht hatten wir allerdings eine große Libyentour, wie auch im Jahr vorher. Da gab es Probleme mit der erforderlichen Einladung über eine libysche Reiseagentur, was letztendlich dazu führte, daß wir auf Vorschlag von GEO-Tours als Ausweich-möglichkeit Ende August Algerien ins Auge faßten. Leider machte der Anschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 auch diese Pläne dem Erdboden gleich. GEO-Tours hatte im Hinblick auf nicht zu kalkulierende Risiken die Reise abgesagt.

Aber so leicht sind wir nicht abzuschrecken. Dieses Jahr versuchten wir es erneut. Der Gedanke an den "großen Sandkasten" ließ uns nicht los. Wieder buchten wir Libyen, studierten Landkarten und Bildbände und freuten uns wie kleine Kinder. Wir besorgten uns das Visum einschließlich arabischer Übersetzung für Libyen. Dann erreichte uns Ende September die Nachricht, daß die erforderliche Einladung einer libyschen Reiseagentur nicht ausgestellt wurde. Die Reiseagentur gab an, keine An-frage erhalten zu haben. Vermutlich auf dem Postweg verloren gegangen. Mögliche Alternativen:

• Abwarten, ob die Einladung noch kommt und nach Libyen fahren
• Ein zweites Visum für Algerien besorgen und, falls die Einladung doch noch kommt, trotzdem nach Libyen fahren oder
• Libyen gleich sausen lassen und für Algerien umbuchen.

Wir entscheiden uns für die letzte Möglichkeit. Wir waren noch nicht in Libyen und auch nicht in Algerien, die große Sandkiste gibt es in beiden Ländern. Also bleibt es letztendlich egal, welches der beiden Länder wir zuerst besuchen. Aber können wir dann auch fahren? Wieviele der insgesamt neun für Libyen gebuchten Teilnehmer entscheiden sich wie wir? Es finden sich noch drei Unerschrockene: Klaus und Bar-bara aus Hamburg und Gerold aus Friedrichshafen. Jetzt sind wir fünf.

Die Reiseunterlagen trudeln ein, die Pässe bekommen wir allerdings erst drei Tage vor Reisebeginn mit dem algerischen Visum zurück. Wir studieren die Flugtickets und wissen, der erste Tag wird lang.

Flugroute: München – Zürich – Tunis – Touzeur. Was haben wir uns da angetan?

Und die Flugzeiten entlocken uns ein weiteres "Oh je":

München – Zürich 07:40 Uhr Abflug 08:45 Uhr Ankunft
Zürich – Tunis 11:45 Uhr Abflug 13:55 Uhr Ankunft
Tunis – Touzeur 21:45 Uhr Abflug 23:00 Uhr Ankunft

Sonntag, 27.10. Vorabend

Wir nutzen die Vorabend-Check-in-Möglichkeit des Flughafens München, damit wir morgen früh ein klein wenig länger schlafen können. Unsere Seesäcke sind inner-halb von 20 Minuten abgegeben und die Bordkarten haben wir auch schon. Jetzt kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.
Zuletzt geändert von Alexander am Sa 19. Jun 2010, 15:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Alexander
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Re: Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Alexander »

Teil 2:

Montag, 28.10. 1. Tag

Wir fliegen von München nach Zürich, nach 3 Stunden Aufenthalt weiter nach Tunis.
Bei der Ankunft in Tunis um 14:00 Uhr haben wir uns alle zusammengefunden. Klaus und Barbara berichten, daß wegen des gestrigen Sturmes in Hamburg etliche Flüge gestrichen wurden und sie viel Zeit mit Telefonieren verbracht haben, um sicherzu-stellen, daß sie noch einen Flug bekommen, der rechtzeitig in München ankommt. Jetzt ist Peter und mir klar, warum wir in München eine gute halbe Stunde Verspätung hatten.

Wir müssen heute noch mal fliegen. Unsere Reiseleitung erwartet uns in Touzeur. Die Fluggesellschaft TUNINTER bedient die Fluglinie Tunis – Touzeur nur einmal täglich, das bedeutet jetzt eine Wartezeit bis 21:45 Uhr. Die Zeit nutzen wir zum Kennenlernen, wobei wir bei dem dichten Treiben im Restaurant auf unser Gepäck aufpassen und unseren Durst stillen. Ich glaube, wir passen ganz gut zusammen und freue mich schon jetzt auf die vor uns liegende Zeit.

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Der Flieger nach Touzeur ist ein klitzekleines Propellerflugzeug, das gar nicht richtig auf Touren zu kommen scheint. Wir sind jeden Moment darauf gefaßt, daß die Ma-schine abschmiert. Nach 1 Stunde landen wir unbeschädigt und werden von Hendrik und Holger abgeholt. Übernachtung auf dem Campingplatz „Bedouin“ in Degaches. Wir müssen nur noch in die bereits aufgestellten Zelte kriechen. Von einem ruhigen und erholsamen Schlaf kann keine Rede sein, die Hunde in Degaches „unterhalten“ sich die ganze Nacht. Ist mal für 5 Minuten Ruhe, fängt der nächste an. Und natürlich muß gegen Morgen auch der Esel seine Anwesenheit beweisen. Irgendwann und irgendwie zwischen den tierischen Unterhaltungen haben wir wohl auch mal geschlafen.


Dienstag, 29.10. 2. Tag

Schon früh werden wir wieder wach, machen nach dem Frühstück auch einen Rund-gang durch den Palmenhain. Als Wegzehrung für die Weiterfahrt bekommen wir vom Campingplatzbesitzer eine größere Menge an Datteln mit.

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Wir fahren zum Grenzübergang Taleb Larbi. Die Abfertigung dort erfolgt zügig – das Auto muß noch versichert werden, wir bekommen eine Devisendeklaration in die Hand gedrückt, die wir ausfüllen und bei jedem Geldwechsel vorlegen müssen. Bei der Ausreise muß diese Deklaration wieder abgegeben werden und dann muß alles stimmen. So soll wohl dem Schwarzgeldtausch vorgebeugt werden. Keine Fotos vom Grenzübergang – ist ja eine staatliche Einrichtung. Gegen Mittag – nach ungefähr zwei Stunden Grenzformalitäten – kann es losgehen.

Sahara – wir kommen

Über El Oued und Touggort (hier werfen Kinder mit Steinen – nicht ganz ungefähr-lich) erreichen wir unseren ersten Schlafplatz vor Hassi Messaoud. Probehalber schlafen wir ohne Zelt – brr, frühmorgens hat es nur noch 7,3º C. Aber es wird schnell warm.

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Mittwoch, 30.10. 3. Tag

Unser erstes Frühstück on the Road könnte üppiger nicht sein:
Kaffee, Tee, Baguette, Remoulade, Käse, Marmelade, Frischkäse, Milch, Zucker, Müsli – alles ist da.

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Gegen 09:00 Uhr Abfahrt nach Hassi Messaoud zum Einkaufen. Wir besorgen Kar-toffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten, Gurken, Paprika – eigentlich von allem, was der Gemüsemarkt hergibt - Baguette und ganz, ganz wichtig: Zigaretten. Die sind im Gegensatz zum Gemüse verdammt teuer.

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In Rhourd el Baguel die nächste Militärkontrolle. Hendrik und Holger haben vorgefertigte Listen dabei, die sie abgeben. Vielleicht geht es damit ein bißchen schneller.

Der Beamte will es aber ganz genau wissen. Wie sind die Namen von Vater und Mut-ter? Alles wird fein säuberlich in die Listen eingetragen. Peter bekommt einen Zettel in die Hand gedrückt, den er unterschreiben muß. Was darauf steht und wofür – keine Ahnung! Wir bekommen die Pässe zurück und dürfen weiterfahren. Die Straße führt durch die Dünen des Souf – ein Wüstengebiet mit Trichteroasen. Sieht eigen-tümlich aus, wenn vom Autofenster aus plötzlich nur Palmblätter sichtbar sind, ohne Stamm.

Gegen 17:00 Uhr wird der Fahrtag für beendet erklärt und ein Lagerplatz gesucht. Wir sind mit der Auswahl des Platzes sehr zufrieden.

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Hier übernachten wir zum dritten Mal. Zum Abendessen gibt es Kartoffeln mit Bohnen – lecker. Wir schlafen diesmal im Zelt, aber ohne Überdach.


Donnerstag, 31.10. 4. Tag

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Weiter auf der Piste in östliche Richtung. Gegen diese großartigen Dünenlandschaf-ten ist Tunesien ein Sandkistchen. Während der Mittagspause wird das Gasgestänge des Lkw repariert.

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Für diesen kurzen Aufenthalt fahren wir mit der Maggy ca. 10 m von der geteerten Straße ab. Nach dem Einsteigen zur Weiterfahrt geht erst mal gar nichts mehr. Wir stecken fest. Und nun? Kein Problem – Sandbleche sind angesagt.

Am späten Nachmittag fahren wir von der geteerten Piste ab und weiter geht es im Sand, natürlich mit der Folge, daß das Auto 2 x mit Sandblechen wieder fahrbar gemacht werden muß. Wohin fahren wir? Das Rätsel löst sich, als plötzlich ein gemau-ertes Gebäude sichtbar wird. Es ist Sif Fatima – ein altes verlassenes Franzosenfort.

Zufahrt zum Sif Fatima

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Hier wollen wir übernachten. Die Suche nach dem geeigneten Platz endet vorläufig erst mal mit dem Einsatz der Sandbleche. Der Sand ist nachgiebiger als gedacht. Aber wir haben ja schon geübt, das ist kein Problem. Kaum sind die Sandbleche wieder am Lkw verstaut, sehen wir einen Toyota kommen. Wo kommen die denn her? Wir wollten doch allein sein. Die Fahrer fragen aber nur, ob wir ein Problem ha-ben und düsen dann wieder ab.

Fortbesichtigung und fotografieren, das sind unsere ersten Aktivitäten nach dem Aussteigen. Allerdings sind die Lichtverhältnisse nicht mehr die besten – das machen wir morgen früh noch mal.

Bei angenehmen 18º C sitzen wir in unserem Freiluftrestaurant beim Abendessen, bevor wir uns gegen 22:00 Uhr in unsere Zelte verkriechen.

Sif Fatima

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Alexander
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Re: Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Alexander »

Teil 3

Freitag, 01.11. 5. Tag

Die Fotos von gestern wollen wir noch ergänzen

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Das Fort hat neben dem Eingangstorbogen eine Schrifttafel, aus der ersichtlich ist, daß es seit 1934 besteht. Morgens erwarten uns 11º C. Heute sind Dünen satt auf dem Programm. Zweimal muß die Maggy mit Sandblechen wieder flott gemacht und der Reifenluftdruck verringert werden (schlappe Reifen haben eine größere Auflagefläche und fahren dann im weichen Sand besser).

Wir kehren auf die geteerte Straße zurück – Reifen wieder aufpumpen! – das sind willkommene Fotostopps. Stellenweise ist die Straße jedoch so sehr mit Sand zugeweht, daß Umfahrungen erforderlich werden – für den Lkw kein Problem und für uns Wüstenunerfahrene ein großes Abenteuer.

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neu gebaute Straße – kurz vor der Abfahrt auf die alte Straße

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So geht es eigentlich den ganzen Tag weiter. Trotzdem geht es zügig vorwärts – die Straße führt im östlichen Teil Algeriens entlang der tunesisch/libyschen Grenze.

Wir übernachten kurz vor dem Grenzübergang Deb-Deb (Übergang Algerien – Libyen) in den Dünen.

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Jeder sucht sich beim Abendspaziergang seine schönste Düne zum Fotografieren aus. Noch 17° C warm.

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Samstag, 02.11. 6. Tag

Bei 7,5º C kriechen wir aus den Zelten und fahren nach dem Frühstück um 8:00 Uhr weiter. Nach einer knappen Stunde wieder mal eine Paßkontrolle, wo wir überra-schenderweise mit Handschlag begrüßt werden. Auf der Weiterfahrt erst mal wieder eine Zwangspause – Reifenaufpumpen ist angesagt – wir verlassen die Dünen und fahren durch flaches Gebiet.

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seltener Anblick, Wasserpfütze

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Holger fährt als Ablösung und Hendrik filmt

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Wir erreichen den „Muflon-Sprung“ – eine Abrißkante des Hochplateaus mit Blick auf eine weite flache Ebene.

Muflon-Sprung, ein Blick zurück

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Bis In Amenas sind noch 40 km zu fahren, aber vorher machen wir noch Mittagspau-se vor der Kulisse einer Kette von Tafelbergen.

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Und die Karawane zieht weiter auf holprigem Asphalt. Wir schaffen 60 km in 45 Minuten. In Amenas ist Shoppingpoint für Gemüse, Obst, frisches Baguette und Mineralwasser. Den Einkauf erledigen Hendrik und Holger, wir anderen dürfen im Straßencafé einen Pfefferminztee trinken. So sind wir nicht im Weg und trotzdem gut aufgehoben. Alle wichtigen Einrichtungen wie Hospital, Gendarmerie, Distriktverwaltung sind durch hohe Mauern vor Einblicken geschützt und mit Stacheldraht obenauf abgesichert. Der Ort wirkt irgendwie trostlos. Am späten Nachmittag sind alle Einkäufe erledigt und wir fahren weiter in Richtung Illizi, sehen am Straßenrand ein riesiges Öllager und erfahren durch einen Wegweiser, daß bis nach Illizi noch 230 km zu fah-ren sind. Nach 90 Minuten Fahrt ist das Dünengebiet des „Erg Bouharet“ erreicht.

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Orangefarbene Dünenketten, von der späten Nachmittagssonne mit teilweise schwarzen Schlagschatten dekoriert, säumen den linken Straßenrand. Hendrik fährt ins Dünengebiet ab – ein weiterer Tag ist geschafft. Der erste Eindruck hat nicht getäuscht, wir sehen das Erg Bouharet in einer unveränderlichen Schönheit. Nach dem Abendessen – Nudeln mit Gemüseratatouille und Soja – gibt`s Tee mit Rum und Rotwein zum Aufwärmen. Wind kommt auf, es wird kühl und später im Zelt bläst er gar schaurig drumherum. Wir messen 18º C und frieren.
Zuletzt geändert von Alexander am Sa 19. Jun 2010, 21:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Alexander »

Teil 4


Sonntag, 03.11. 7. Tag

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Wir würden gerne noch bleiben, müssen aber weiter. Abfahrt gegen 08:00 Uhr vorsorglich mit untergelegten Sandblechen. Bis Illizi noch 160 km und früh am Morgen brennt die Sonne schon ganz schön vom Firmament.

Im Auto messen wir um 09:22 Uhr schon 23,7º C.
Letzter Fotostopp am Erg Bouharet beim Verkehrsschild „Sanddüne“ und das Dünengebiet wechselt wieder über in eine flache Ebene.

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Zum Schauen gibt es aber mehr als genug. In flachen Senken steht noch Wasser von den Regenfällen der letzten Wochen, grüne Pflänzchen sind aufgegangen, stellenweise trocknet der Boden in großen Rissen schon wieder aus.

In Illizi angekommen, begeben sich Hendrik und Holger wieder auf Einkaufstour und wir dürfen uns einen Pfefferminztee in einem kleinen Straßencafé kaufen. Kleine Verschnaufpause vor der nächsten Etappe. Um 12:30 Uhr Aufbruch nach Djanet (412 km). Die Teerstraße führt über das Plateau Fadnoun und wir schwitzen im Auto bei 30,4º C.

35 km nach Illizi Fahrtunterbrechung zur Mittagspause auf dem Plateau.

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Am späten Nachmittag erreichen wir die Paßhöhe des Fadnounplateaus in 1200 m Höhe. Vor der Fertigstellung der Teerstrasse hat man zur Bewältigung dieses Streckenabschnittes mindestens drei Tage gebraucht.

Serpentinenartig windet sich die Straße mit 17 % Gefälle nach unten.

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210 km vor Djanet verlassen wir an einer Gabelung Richtung Afara auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz die Straße.

Vor einem Oued müssen wir anhalten, der Untergrund ist ziemlich weich. Wir halten an einem flachen, steinigen Platz mit Blick auf die Kulisse der entfernten Bergketten des Tassili n’ Ajjer.

Es dauert nicht lange und wir bekommen Besuch. Ein Nomadenjunge (Tuareg?) taucht auf und bietet Pfeilspitzen für 100 AD (1,30 €) pro Stück an. Peter kauft zwei davon.

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Der Himmel ist mittlerweile wolkenverhangen, es sieht nach Regen oder Gewitter aus. Es wird empfindlich kühl mit entsprechendem Wind, wir holen die dicken Jacken aus dem Gepäck. Trotzdem wird uns auch nicht wärmer und bei unter 15º C verziehen wir uns schon kurz nach 21:00 Uhr in die Schlafsäcke:


Montag, 04.11. 08. Tag


Morgens hat sich der Wind gelegt und die Gewitterwolken haben sich verzogen. Wir sind gerade beim Frühstück, schon naht wieder Besuch. Eines nach dem anderen treffen Kinder ein, zuerst der Junge vom Vortag, nach und nach die drei anderen Ge-schwister. Schließlich stehen sie da wie die Orgelpfeifen. Ich stelle mir vor, wie karg das Leben für diese Menschen weitab von jeder Ansiedlung sein muß und wie unser gedeckter Tisch wohl auf die Kinder wirken mag – mit all den Dingen, die da aufgetischt sind und die ihnen wie ein Schlaraffenland vorkommen müssen.

Wir geben von unserem Überfluß ab – Baguette, Kekse, Schokolade usw.

Um 08:30 Uhr starten wir und fahren zurück zur Abzweigung und weiter Richtung Djanet. Die Straße schlängelt sich wie bisher in den letzten beiden Tagen durch eine Geröllwüste, gebirgig und schwarz (Saharalack). Zeitweise flache Ebenen, dann wieder wild zerklüftet mit tief unten liegenden Oueds, ab und zu ist ein bißchen Grün dazwischen. Und immer noch ist die tonangebende Farbe „Schwarz.“

Abstecher zu den Felsgravuren von Tinterhert. Am Fuß der Felsplatten warten zwei Nationalparkwächter (Tuareg aus Bordj el Haoués, früher: Fort Gardel) auf Besucher. Für 100 AD (1,30 €) pro Person dürfen wir die Gravuren besichtigen. Selbstverständ-lich laufen wir barfuß über die Platten, damit wir nichts beschädigen.

Gelockte Kuh von Tinterhert – Ausschnitt – Gesamtlänge 5 m

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Nach der Besichtigung werden wir von den beiden Tuareg eingeladen, das „Muse-um“ zu besichtigen.

Natürlich sind wir neugierig und gehen mit. Vom Museum sehen wir zwar nichts, werden aber zum Tee eingeladen. Hier erleben wir erstmals das Zeremoniell des „Wüstentees“: Insgesamt werden drei Gläser Tee ausgeschenkt, es wäre unhöflich, diese nicht anzunehmen und genauso unhöflich, nach dem dritten Glas noch ungebührlich lange sitzen zu bleiben.

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Der Tuareg rechts oben im Bild hat es tatsächlich geschafft, einem halb zerlegten Transistorradio noch ein paar Töne zu entlocken. Leider haben wir kein überzähliges Radio dabei, das wir ihm hätten schenken können.

Lageplan von Tinterhert

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Mittagspause im Oued Issadilene, umgeben von der grandiosen Tassili-Berglandschaft des Adrar Adjeleho. Felskulissen wie in Utah, USA, viel Sand und grüne Grasbüsche.

Auf, auf, wir müssen weiter.

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Es dauert nach dem Einsteigen nicht lange, bis Gerold wieder einen Halt erbittet. Fotostop für eine Kamelherde. Es stellt sich heraus, daß Holger vor kurzem mit genau diesen Tieren eine Meharée gemacht hat. Er erkennt in einem der Tuareg den Führer wieder, mit dem er erst kürzlich unterwegs war.

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Diese Kamele sind wunderschöne Tiere und jedes hat sein unverwechselbares Gesicht. Ich bin immer wieder fasziniert.

Unsere Reiseleiter fahren nicht auf der Straße weiter – vielen Dank, sondern suchen einen Weg durch die Felsschluchten des Tassili n’ Adjer. Bis Djanet sind nur noch ca. 40 km zu fahren.

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Am späten Nachmittag kommen wir in Djanet an. Im Gästehaus der Agentur ATRI sind wir ganz unter uns. Mittlerweile fühlen wir uns alle ein bißchen verwildert. Das müssen wir schleunigst ändern – wir gehen duschen!! Ach, welch ein Gefühl, wenn der Staub von der Haut und der Sand aus den Haaren gespült ist – wie neugeboren.

Wir machen uns schick, denn jetzt geht es zum Bummeln nach Djanet und heute ko-chen wir nicht selbst, wir gehen Abendessen. Im Freiluftrestaurant erwartet uns ein Menü bestehend aus:

• Soupe algerienne (Tomatensuppe mit Mehlkrümeln)
• Hammelkotelett mit Pommes frites
• Käseomelette
• gemischter Salat aus Karotten, Gurken, Tomaten, Zwiebeln
• Orangen und Datteln zum Nachtisch und
• Tee aus Minigläsern.

Wir schlafen im Gästehaus auf Holzbänken mit dicken Auflagen.

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Dienstag, 05.11. 9. Tag

Nach dem Frühstück fahren wir nach Djanet – das Gästehaus liegt am Ortsrand – zum Bummeln und Geldwechseln. Peter und ich brauchen unbedingt Nachschub an Zigaretten und wir müssen noch Schulden bei Holger begleichen (hat uns in Hassi Messaoud das Geld für Zigaretten ausgeliehen).

Peter wechselt 150 € und wir begeben uns auf Entdeckungstour. Das Museum von Djanet lockt uns. Später kaufen wir auf dem Gemüsemarkt Granatäpfel, ein gutes Kilo kostet 80 AD (1,03 €).

Jetzt noch die Zigaretten.
Für 20 Päckchen „Rothmans“ zahlen wir 3000 AD (38,78 €),
also pro Packung 150 AD (1,94 €),
für 50 Schachteln einheimische „Rym“ sind 2250 AD (29,08 €),
also pro Packung 90 AD (0,58 €) fällig.

Wir gehen noch ein bißchen bummeln und machen Teepause im Restaurant, wo wir gestern abend gegessen haben. Wir beobachten das lebhafte Treiben auf den Straßen.

Hendrik und Holger haben den Gemüsemarkt abgegrast und wieder alles Mögliche mitgebracht:

Äpfel, Bananen, Fenchel, Gurken, Karotten, Kartoffeln, Knoblauch, eingelegte Oliven, Orangen, Paprika, Rote Bete, Zucchini, Zwiebeln, Zitronen.

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Bildquelle: www.daerr.net

Mittags zurück im Gästehaus gibt es Salat aus Tomaten, Mais, Thunfisch, Oliven und frisches Baguette. Wir haben „Pause“ bis heute abend. Holger und Hendrik reparie-ren den Magirus. (Ölwechsel usw.)

Am späten Nachmittag füllen wir unsere 15 leeren Wasserkanister wieder auf.

Zum Abendessen wird Couscous serviert (wird fertig angeliefert).


Mittwoch, 06.11. 10. Tag

Heute beginnt Teil 2 unserer Tour nach Tamanrasset. Wir starten nach einer mücken-geplagten Nacht kurz nach 8:00 Uhr. Nachdem wir uns im Gästehaus verabschiedet haben, müssen wir erst mal 400 Liter Diesel tanken. Das dauert natürlich einige Zeit und ich schau’ mich ein bißchen um. Ein Mehrachser mit Anhänger steht an der Zapfsäule. Beim Drumherumgehen inspiziere ich die Reifen und glaube, mich trifft der Schlag. Dieser Lkw hat an jeder Achse Reifen mit einem anderen Profil. Zu Hause ist das völlig undenkbar. Die nächste Tankstelle ist 700 km entfernt in Tamanrasset

Nach einer kurzen Fahrt auf der Teerstraße biegen wir ab und verlassen die Zivilisation wieder. Endlich wieder Sand unter den Reifen. So weit das Auge reicht – Sand-ebene, glatt wie ein Tischtuch. Am Horizont erheben sich hellbeigefarbene Sanddünen. Der Himmel trägt ein zartes Hellblau mit weißen Wolkenstreifen.

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Temperatur im Auto um 9:08 Uhr bereits 23,5º C. Düne rauf und Düne runter, die Dünenfahrt hat begonnen. Weiter geht es auf einer breiten autobahnähnlichen Piste, wo sich jedes Fahrzeug die eigene optimale Fahrlinie sucht. Hier fährt keiner in der Spur des anderen. Deshalb sehen wir auch Reifenspuren ohne Ende.

Blick zurück auf unsere Fahrspur

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Rechts und links türmen sich Dünen auf. Die Dünenkämme schmücken sich mit schwarzem Sand. Wir sind mitten drin im Erg d’ Admer. Wieder mal Anhalten zum Luftablassen. Einmal reicht aber nicht, der Sand ist doch weicher als gedacht, also das Ganze noch mal – wir wollen über diese eine Düne! Hendrik fährt den unzähli-gen Reifenspuren derjenigen nach, die vor uns auch schon da waren. Wir schleichen peu a peu durch den Sand bergauf. Endlich haben wir es geschafft und sind oben

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Die Sicht ist unendlich weit. Wir sehen rechterhand einen schwarzen pyramidenähnlichen Hügel als markanten Orientierungspunkt.

12:15 Uhr: Gerold mit seinen Adleraugen hat etwas entdeckt. Bitte anhalten, wir wol-len das auch sehen. Das Fundstück stellt sich als Rucksack heraus, der hier schon länger liegen muß. Wir finden darin ein blaues Gewand, Musikkassetten, Streichhölzer und einen blauen Teekessel.

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Die Plaine d’Admer zieeeht sich ewig lang dahin, man schaut ins „Nichts.“ Die Sandebene verschmilzt am Horizont mit dem Himmel, die Dünen scheinen in der Luft zu schweben – wo ist mein Badeanzug angesichts der vielen Wasserlöcher, die von Fata Morganas vorgegaukelt werden?

Gegen 14:00 Uhr Mittagspause in einer flachen Sanddüne, weitab von jeder Piste. Wir genießen die sich uns bietenden Ausblicke und kommen zu dem Ergebnis, daß sich jeder Cent für diese Reise gelohnt hat.

Nachmittags kommt Wind auf und der Sand weht einem Vorhang gleich über die Ebene. Die Sicht ist recht eingeschränkt, aber dann tauchen doch wieder Hügel in dunklen Farbtönen auf, in den Oueds stehen überall noch Feuchtigkeitsinseln, zum größten Teil hat die Sonne aber alles Wasser schon wieder verdunsten lassen und übrig geblieben sind rissige Flächen.

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Der Wind treibt den Sand noch immer vor sich her, alle Orientierungspunkte sind ver-schwunden. In der Ferne sehen wir zwei Toyotas fahren. Los – hinterher. Nach einer kleinen „Orientierungsfahrt“ finden Hendrik und Holger wieder den richtigen Weg.

Abendlagerplatz ist ein mit Glimmer durchsetztes Sandgebiet im Oued Tin Hadjene.
Nach dem Abendessen beschließen wir, daß es uns jetzt zu kalt wird, weil der Wind einfach nicht aufhören will. Schlafen wollen wir aber auch noch nicht, deshalb setzen wir uns in den Lkw und ratschen noch ein bißchen.


Donnerstag, 07.11. 11. Tag

Wir lassen es uns gut gehen und genießen unser Frühstück ohne Zeitstreß – so wie bisher.

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Mannomann, sind wir hier in einem Schatzfeld gelandet? Der Sand glitzert in der Sonne, das hast du noch nicht gesehen.

Was bringt man mit aus Algerien, einem Land mit einem Wüstenanteil von mehr als 85 %? Tja, dreimal darf geraten werden.

Ich mache mich auf alle Fälle auf die Suche nach einem leeren Glas und sammle Sand.

Bevor wir weiterfahren, bekommen wir eine kurze Kartenkunde, damit wir wissen, wo wir überhaupt sind und wo wir hinwollen.

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Gegen 09:00 Uhr ziehen wir weiter Richtung Djebel Telertheba quer durchs Gelände mit GPS-Navigation, weil im weglosen Gelände niemand weiß, wo es langgeht. Trotzdem kommt hier ein Leitsatz von GEO-Tours zum Tragen:

„Wir haben uns nicht verfahren und wir sind hier nicht verkehrt, denn genau hier wollten wir hin!“

Wir durchfahren das Oued Tin Hadjene, bis wir wieder eine Piste erreichen, deren Verlauf durch in regelmäßigen Abständen errichtete „Steinmännchen“ (Redjem) mar-kiert ist.

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Fotostop wegen eines losen Aufpuffteils, das aber schnell wieder befestigt ist und später bei einem prähistorischen Schlüssellochgrab.

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Eigenartig sieht diese Grabstätte aus: In der Mitte ein Hügel, drumherum ein oder zwei Kreise wie Wassergräben. Wie alt ist dieses Grab und warum ist hier nur eines? Ein Friedhof kann es jedenfalls nicht sein. Hendrik erzählt, daß solche Gräber unter-sucht worden sind und man habe darin nichts gefunden.

Detailansicht

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Djebel Telertheba

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Auf einer Piste wie oben im Bild kommen wir ziemlich schnell vorwärts. Der Djebel Telertheba scheint zum Greifen nah. Wie gesagt – scheint. Tatsächlich dauert es fast noch zwei Stunden, bis endlich Mittagspause angesagt ist. Wir fahren eine Düne hinauf, und Hendrik stellt den Motor ab. Wir steigen aus, stellen Tische und Stühle auf, aus der geöffneten Futterluke holen wir unser Mittagessen – Brot, diverse Aufstriche, Käse, Wurst, Bifi, Saft, Tomaten, Gurken.

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Nach dem Essen allgemeines Ausschwärmen – die Kameras brauchen wieder Futter.

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Dieser Vogel hatte Pech, weshalb ist er wohl hier gelandet?

Bevor es uns auch so ergeht, wollen wir lieber weiterfahren. Die Angst ist aber unbegründet – Wasser haben wir genügend an Bord.

Während der wie bisher holprigen Weiterfahrt auf der markierten Piste sehen wir in einiger Entfernung in den Hügeln ein weiteres Hügelgrab und auf der Piste Steine ohne Ende. Die Pistenmarkierungen (Steinmännchen) reihen sich wie eine Perlenkette auf der Schnur re-gelmäßig im Abstand von ca. 20 m. Da haben viele Hände fleißig daran gebaut – und wir profitieren davon.

Völlig unerwartet nach 45 Minuten – Raucherpause. Wir steigen aus, sehen uns ein wenig um und fallen aus allen Wolken. Da steht doch mitten im Sand ein VW-Bus – aber wie der aussieht! Da ist nur noch die Karosserie. Alles andere wurde ausgeschlachtet.

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Wir ergehen uns in wilden Vermutungen, wieso und weshalb dieser VW-Bus hier an dieser Stelle aufgegeben wurde und wie die Insassen wohl von hier weggekommen sind. Für uns ist das einfacher, wir haben ein funktionierendes Fahrzeug.

Weiter geht die Fahrt über Serir-Geröll. Gegen 16:00 Uhr der nächste Halt zu einer „Guckpause“ in Richtung Amadrorebene.

Originalton Holger: „Wir wissen nicht genau, wo wir sind, aber prinzipiell sind wir hier richtig.“ Prinzipiell bezieht sich hier auf die Generalrichtung nach Tamanrasset!

Auf dieser endlosen Ebene kann man sich locker verfahren, wenn man die markierte Piste verläßt. Auf Pisten fahren ist aber auch langweilig – da muß schon der gewisse Kick dabei sein und den holen sich unsere beiden Reiseleiter immer wieder.

Alles wieder einsteigen – weiter geht es. Nachdem wir eine Wasserscheide über-quert haben, führt der Weg leicht abwärts. Immer noch Serir-Geröll. In der Ferne sichten wir unseren Übernachtungsplatz „Das Hotel zu den drei Akazien.“
Abends Fotoaufnahmen von den Verirrten aus dem Himalaya. Es ist kalt geworden und alle haben sich vermummt, als ob es minus 20º hätte.

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links: Hendrik vor der Futterluke mit Kochtopf
rechts: Klaus, Gerold, Barbara

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Zuletzt geändert von Alexander am So 20. Jun 2010, 18:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Alexander »

Teil 5


Freitag, 08.11. 12. Tag

Kurz vor Sonnenaufgang ein Blick aufs Thermometer (siehe nächstes Bild) und großes Bibbern. Trotzdem kriechen wir aus den Schlafsäcken und begrüßen den neuen Tag.

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Die Sonne geht als fahle Scheibe auf, der Himmel ist grau und diesig. Es wird doch nicht etwa regnen wollen? Um 08:30 Uhr ist die Temperatur bereits auf 11º C angestiegen.

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Nein, es ist nicht diesig, stellen wir später fest. Die Luft ist voller Staub. Das kann ja noch lustig werden. Eingedenk der gestrigen Abendtemperaturen sammeln wir Holz für das nächste Lagerfeuer und laden es auf die Dachveranda, wo Hendrik tagtäglich schläft. Holger hat seinen Schlafplatz im Auto – er muß nicht frieren.

Wir wollen los, das klappt aber nicht auf Anhieb. Die Maggy läßt sich betteln. Ist ja auch schon eine etwas ältere Dame, nächstes Jahr wird sie 40 Jahre alt und noch immer gut in Schuß. Aber nach dem dritten Versuch dieselt sie los. Weiter in Rich-tung Tamanrasset, nächste Oase ist Ideles.

„Können wir mal anhalten?“ fragt Gerold auf einer Anhöhe, von wo aus der Verlauf der Berg- und Talbahnpiste gut zu sehen ist. „Nein, hinter uns kommt einer“, antwor-tet Hendrik.

Wir lachen uns krank, in den vergangenen Tagen waren wir eigentlich ganz allein auf weiter Flur und jetzt so etwas. Das Fahrzeug hinter uns ist ein Toyota. Hendrik hält trotzdem kurz zum Aussteigen an und fährt weiter. Wir machen unsere Fotos und laufen ein Stück die Piste entlang.

100 m weiter unten haben beide Autos angehalten. Aus dem Toyota steigen zwei Tuareg und eine Frau.

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da kommen wir her

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Ein kleiner Plausch ist fällig – eine willkommene Abwechslung. Die Dame erzählt, daß sie private Wüstentouren organisiert und nie wieder nach Libyen fahren will, weil am Beginn des Erg Ubari mittlerweile die Coca-Cola-Verkäufer vor der Einfahrt ins Dünengebiet auf Touristen warten. Wir teilen ihre Begeisterung über die Landschaften Algeriens. Außerdem ist sie voll ungläubigem Staunen, daß unser Lkw voll wüstentauglich ist und wir für mehrere Tage völlig unabhängig sind.

da fahren sie auf und davon mit einem Affenzahn

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Wir kämpfen uns auf dem folgenden Streckenabschnitt im Schneckentempo vorwärts (34 km in zwei Stunden). Die Ebene rechts und links der holprigen und mit Schlaglö-chern durchsetzten Piste besteht aus faustgroßen Steinen (Hammada). Die Fahrt ist entsprechend „komfortabel.“

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Raucher- und Pinkelpause und ein bißchen Erholen vom Schütteln. Dieses Geröll ist durchzogen von Tierpfaden, die vermutlich mehrere tausend Jahre alt sind.

Am Horizont taucht Ideles auf, eine sehr fruchtbare und am Fuß des Berges Taderaz (1776 m) gelegene Oase. Für Reisende aus Djanet ist hier eigentlich Meldepflicht bei der Polizei. Da wir uns in Djanet jedoch nicht angemeldet haben und uns zeitaufwendige Fragen ersparen wollen, fahren wir auf der Hauptpiste am Ort vorbei und bleiben zumindest für die Gesetzeshüter unsichtbar. Hier tauchen wieder Überlandleitungen auf und die Wellblechpiste ist autobahnbreit.

Mittagspause direkt an der Piste zwischen Granitblöcken, die unvermittelt und einsam in der Ebene liegen.

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Krähen oder Raben – egal, auf alle Fälle sind die Vögel schwarz -beobachten uns. Ich kann die beiden Arten nicht unterscheiden. Gibt es hier was zu fressen? Logisch, einen Essensrest kippen wir auf die Felsen. Brotkrumen und Gurkenschalen finden die Vögel sicher, wenn wir wieder weg sind. Frisch gestärkt starten wir gegen 14:00 Uhr wieder durch.

Apropos – Abfall:
Unser Umweltbewußtsein haben wir an der algerischen Grenze nicht abgelegt. Wir lassen außer biologischem Abfall nichts liegen und sammeln alles wieder ein. Auch Zigarettenkippen werfen wir nicht weg, die kommen tagsüber in ein zum tragbaren Aschenbecher umfunktioniertes Glas. In den Einkaufsorten entsorgen wir unsere Mülltüten. Der Lebensraum Wüste soll durch uns nicht zur Müllkippe verkommen.

Die Piste führt im späteren Verlauf durch die Gärten von Hirhafok. Wir fahren über Rüttelpisten rauf und runter, bezwingen im Kriechgang steile Passagen. Diese „Stra-ßen“ schütteln einem alle Flüssigkeit zusammen, wir brauchen eine Raucher- und Pinkelpause. Bei dem kurzen Aufenthalt finden wir einen vertrockneten Pilz und eine grüne Insel.

a Schwammerl – auf hochdeutsch: ein Pilz

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Prompt hält ein vorbeikommender Toyota an. Die darin sitzenden Tuareg fragen, ob wir Probleme haben. Haben wir nicht, freuen uns aber trotzdem über die Aufmerk-samkeit. Keinen Moment fühlen wir uns in diesem Land unbehaglich oder unsicher.

Kurze Zeit später sehen wir den Toyota mit offener Motorhaube in einem wasserführenden schmalen Flußbett stehen. Bei dieser Panne können wir leider nicht helfen. Die Piste ist versperrt, da müssen wir rechts vorbei. Das sieht nicht ganz leicht aus, da steigen wir lieber aus und gehen zu Fuß weiter. Hendrik fährt und Holger schaut nach einer geeigneten Fahrspur. Hier muß vorsichtig manövriert werden, die Steine sind ganz schön groß.

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Nachdem diese Passage bewältigt ist, sehen wir später am Horizont das Teffe-destgebirge.

45 Minuten später geben wir auf, wir sind wegen der „Straßenverhältnisse“ nicht so weit gekommen wie geplant. Abendlicher Lagerplatz im Verlauf eines Oued, wo Aka-zien in dichten Gruppen zusammenstehen.

Übliches Procedere:

Auto ausladen, Tische und Stühle aufstellen, Zelte aufbauen, Schlafmatten auslegen und aufblasen, Schlafsäcke vorbereiten, Tee kochen, plaudern, Abendessen zusammen vorbereiten.

Menü des Tages: Rinderrouladen (aus der Dose), Blaukraut und Kartoffeln.

Weil es fast so kalt ist wie gestern, sammeln wir weiteres Akazienholz und entfachen ein Lagerfeuer. Nachdem wir lange genug am Feuer gestanden sind, holen wir uns die Sitzgelegenheiten und nisten uns ein.

Aus den Verstecken des Lkw spendiert Holger Dosenbier – da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich. Schmeckt köstlich, vor allem dann, wenn man nicht damit rechnet.

Bis 22:45 Uhr beobachten wir das Züngeln der Flammen und die Feuerglut. Nach-dem das Holz verbrannt und nur noch ein Gluthaufen übrig ist, ziehen wir uns vor-nehm zurück in unsere Zelte.

von links nach rechts: Holger, Klaus, Gerold, Monika, Barbara

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Samstag, 09.11. 13. Tag

Die steife Brise von gestern hat sich die ganze Nacht gehalten. Morgens gegen 6:00 Uhr pfeift der Wind ums Zelt, man möchte gar nicht raus.

Ein vorsichtiger Blick um 7:30 Uhr: Die Sonne ist schon aufgegangen und hinter Dunstschleiern zu sehen.

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Um 9:00 Uhr Weiterfahrt über Berg und Tal, die Granitlandschaft wechselt zu fast weißen Sandflächen. Stopp beim Schild „In Amguel 13 km.“ Die Teerstraße und die Zivilisation rücken näher.

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Die Rüttelei auf Sandpisten sind wir erst mal los. Bevor wir wieder auf die Teerstraße fahren, werden die Reifen für die nächsten 100 km bis Tamanrasset wieder aufgepumpt.

Schmierfinken gibt’s überall auf der weiten Welt

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Die Luft ist immer noch sehr, sehr diesig. Gegen Mittag wird es wärmer und die Son-ne hat den Dunst aufgelöst.

Als wir in Tam ankommen, sehen wir Unglaubliches. An der Tankstelle stehen Pkw und Lkw in langen Reihen. Ein Versorgungsproblem? Tanken müßten wir nämlich auch mal wieder.

Egal, Ruhe bewahren, wir gehen erst mal frisches Baguette kaufen und fahren weiter zum Campingplatz „Bordj 4x4.“

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In den gemauerten überdachten Nischen läßt sich’s aushalten. Jede Schattenmög-lichkeit wird genutzt und wir bauen unsere Tische und Stühle zum Essen auf. Später bauen wir in den Nischen unsere Zelte auf.

Wir unterhalten uns mit anderen Reisenden, die unsere Vermutung bestätigen. Tam wartet seit drei Tagen auf Sprit. Hendrik und Holger meinen, das ist halb so wild, für die Fahrt zum Assekrem und zurück brauchen wir sowieso drei Tage und dafür reichen unsere Spritvorräte noch, dann sehen wir weiter. Am späten Nachmittag fahren wir in den Ort, „Frischgemüse“ kaufen und bummeln gehen. Die Fotoapparate lassen Peter und ich „daheim“.

Peter und ich erstehen wieder Zigaretten, suchen mit Klaus und Barbara einen Brief-kasten, schauen uns in einem Artissanat (Souvenirladen) um, bewundern Tua-regschmuck. Wir bummeln auch an einigen Lokalen vorbei, können allerdings nir-gendwo Platz nehmen. Es gibt weder Tische noch Stühle – alles weggepackt. Während wir noch durch einen kleinen Bazar bummeln, kommt bei den Ladenbesitzern gegen 17:00 Uhr allerdings ein wenig Hektik auf, in Windeseile wird alles zusam-mengepackt. Wir stromern noch ein wenig herum und sehen, daß die Lokale eines nach dem anderen öffnen, Tische und Stühle werden aufgestellt und werden sehr schnell von Besuchern besetzt. Jetzt erinnern wir uns wieder: Es ist Ramadan und nach den Koranregeln darf nur vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang gegessen, getrunken und geraucht werden.

Da wir auch schon seit 16:00 Uhr in Tam unterwegs sind und es ziemlich warm ist, haben wir einen gehörigen Durst entwickelt. Die Zunge klebt am Gaumen, wir wollen was trinken. In einem kleinen Straßencafé bekommen wir ab 18:00 Uhr Pfefferminztee in den landesüblichen kleinen Teegläsern serviert. Wir machen es uns gemütlich und sehen dem lebhaften Treiben in unserer Umgebung zu. Nach einigen Tees machen wir uns ans Bezahlen – 1 Tee = 10 Dinar (0,13 €) – und fahren wieder zurück.

Zeit zur ausgiebigen Körperpflege – das letzte Mal war in Djanet -, die Duschen ha-ben warmes Wasser – wir sind wieder wie neugeboren. Um 20:00 Uhr gibt es Abendessen im Restaurant des Campingplatzes. Wir sitzen mehr oder weniger gemütlich auf weichen Teppichen vor großen runden Messingtabletts. Das Menü beinhaltet Suppe, Couscous mit Rindfleisch, Salat, Mandarinen und Datteln. Wir sind rundum satt und verzichten auf den angebotenen Tee. Der wird vor dem Haus stilecht nach Tuaregart serviert.

Die Nacht ist mild, die Zelte stehen windgeschützt und heute frieren wir nicht. Wir könnten eigentlich ohne Dach über dem Kopf schlafen, aber mittlerweile haben wir uns schon so dran gewöhnt, das Zelt aufzubauen, daß wir gar nicht mehr darüber nachdenken, ob wir es benutzen oder nicht..

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Zuletzt geändert von Alexander am Fr 25. Jun 2010, 20:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Alexander
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Re: Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Alexander »

Teil 6

Sonntag, 10.11. 14. Tag

Nach dem Frühstück um 09:00 Uhr bereits 22º C und wir sind bereit zu neuen Abenteuern. Vor dem Start unterhalten wir uns noch mit einem Camper, der erzählt, er habe gestern fünf Stunden an der Tankstelle gestanden und dann Sprit bekommen. Das läßt ja hoffen.

Wir sind kaum aus Tamanrasset hinausgefahren und haben die geteerte Straße verlassen, geht es schon wieder los mit der Holperei. Ziel ist der Assekrem. Wir fahren zur „Chapuis-Quelle“ (Source de Tahabort), um die Wasserkanister neu aufzufüllen. Das Wasser kommt leicht kohlesäurehaltig aus der Quelle und schmeckt hervorragend. Eine vorher angekündigte Teepause muß allerdings nach einem Blick ins „Cafe“ vom Programm gestrichen werden. Nichts mehr da, das Strohdach ist wegen den vor einiger Zeit niedergegangenen Regenfällen komplett eingebrochen. Die Reparatur war dem Besitzer offensichtlich zu aufwendig und deshalb gibt es nichts mehr.

Schade!

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Nachdem wir alle vom Wasser probiert und uns umgesehen haben, helfen wir Hendrik und Holger beim Auffüllen von 15 Kanistern á 10 Liter. Danach geht es weiter.

Iharen, der Hausberg von Tamanrasset

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Wir hoppeln weiter, aber nach etwa zwei Stunden stellt sich heraus, daß die ausgewaschene und schwer befahrbare Piste ihren Tribut gefordert hat. Auf der Hochebene (ca. 1650 m) führt die Piste weiter zum Akar-Akar, dem „Schlafenden Riesen.“ In Sichtweite zu diesem Berg halten wir an.

Federbruch vorne rechts! Der Magirus muß repariert werden, sonst geht gar nichts mehr. Keine Ahnung, wie lange das dauern wird – aber die notwendigen Ersatzteile sind in weiser Voraussicht dabei. Unsere Mittagsmahlzeit nehmen wir früher als gewöhnlich ein. Zum Rote-Bete-Salat mit Möhren, Zwiebeln, Kartoffeln, Mais und Oliven essen wir Baguette.

Kaum fertig, zieht’s die Männer zur lädierten Achse. Mit vereinten Kräften gehen sie ans Werk und werkeln und werkeln. Gegen halb drei Uhr ist das Federpaket frei und die gebrochene Hauptfeder kann ausgetauscht werden.

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Barbara und ich können bei der Aktion nicht helfen, wir beobachten und dokumentie-ren das Geschehen in Bilderform. Nachdem die kaputte Feder ausgebaut ist, bieten wir eine Kaffeepause an. Die wird zwar freudig begrüßt, wir decken auch den Tisch, können aber momentan kein Wasser heißmachen. Der Gaskocher steht im rückwärtigen Teil des Lkw und da können wir nicht rein, weil das Fahrzeug aufgebockt ist. Macht momentan nix aus, die Männer trinken derweil ein Bier und sind in ihrem Ta-tendrang eh nicht zu bremsen. Nach dem Austausch der obersten Feder und dem erneuten Zusammenbau fangen sie an, das Federpaket wieder einzubauen. 10 Minuten vor 4 Uhr nachmittags stellen sie fest, daß es jetzt zwar vorne paßt, aber an die andere Aufhängung kommen sie mit herkömmlichen Mitteln nicht ran. Sie probieren es mit Drücken und Ziehen – vergebliche Liebesmüh, paßt einfach nicht. Zwei Stunden Fummelei sind umsonst gewesen, die halb eingebaute Feder muß wieder raus. Im zweiten Versuch beginnen sie mit dem Einhängen der Feder auf der anderen Seite und siehe da – auch vorne geht es plötzlich wie geschmiert.

Dieses Werk ist um 16:45 Uhr beendet und reihum geht ein Seufzer der Erleichte-rung. Geschafft! Fünf Minuten später ist auch der Reifen wieder an der richtigen Stelle und das Auto vom Wagenheber befreit.

So – jetzt gibt’s den wohlverdienten Kaffee.

Um 17:35 Uhr Weiterfahrt zum Übernachtungsplatz am Fuß des Akar-Akar. Wir es-sen früh zu Abend (Erbseneintopf) und verkrümeln uns um 20:30 Uhr zum Schlafen.


Montag, 11.11. 15. Tag

Puh, war das kalt heute Nacht.

06:00 Uhr: 1º C
08:32 Uhr: 17,2º C

Nächstes Teilziel sind die Gueltas bei Afilal. Nach 1 Stunde Fahrzeit sind wir gerade mal 11 km gefahren. Das ist Hoppelpiste pur!

Und in Anbetracht der gestrigen Reparatur fährt Hendrik besonders aufmerksam und vorsichtig
.
Wir fahren durchs Hoggar, ein altes Vulkangebirge. Die Lavafelder sind nicht zu übersehen. Trocken, karg und vegetationslos sind sie auf den ersten Blick, aber wir sind ja wachsam und neugierig und unseren Augen entgeht nichts! Und die Wüste lebt doch – zwischen den Lavabrocken erspähen wir bunte Blumenwiesen

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Auf dieser Piste fahren wir weiter, irgendwann bleibt mir die Luft im Hals stecken, hui, da geht es aber schmal und steil und kurvig nach unten. Wüstenfahrerlos – da müs-sen wir durch, es gibt keinen anderen Weg. Unten angekommen, ist die Aufregung auch schon wieder weg. An der Weggabelung biegen wir rechts ab zu den Gueltas. Neugierig verlassen wir unser Auto und gehen zu den Wasserbecken hinunter.

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Diese Kamele sind die ersten Tiere, die wir seit langem sehen.

Wir laufen weiter, über ein paar kleine Tümpel und durch hohes Gras eröffnet sich plötzlich ein Anblick wie auf dem folgenden Foto. In dieser trockenen kargen Umgebung eine völlig andere Welt…

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Nach diesem Abstecher kehren wir zum Mittagessen ans Auto zurück und fahren danach ganz vooorsichtig weiter.

Abfahrtszeit ca. 13:00 Uhr.

Die Piste wird und wird nicht besser! Liegt wohl zum einen an der völlig fehlenden „Straßenpflege“ und zum anderen an den heftigen Regenfällen im Oktober. Kinds-kopfgroße Steine und Schlaglöcher wechseln sich ab. Wer hier fährt, muß seinen fahrbaren Untersatz mehr als gut kennen und darf auch sonst kein „Sonntagsfahrer“ sein.

Basaltschlote

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Obwohl es im Schneckentempo vorangeht, wird uns nicht langweilig. Die Ausblicke sind atemberaubend und spektakulär.

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Mal im „Göttler“ nachschauen, wie weit es eigentlich noch ist. Von Afilal zurück zur Hauptpiste 1,7 km, dann bis zur Assekremhöhe insgesamt 20,1 km. Sonnenuntergang ist voraussichtlich gegen 17:30 Uhr, bis dahin sollten wir oben auf dem Gipfel stehen.

Dieses Bergmassiv im oberen Foto ist offensichtlich ein beliebter Punkt. Seit einiger Zeit belebt sich die Piste. Ein Toyota nach dem anderen überholt uns, aber an dieser Stelle bleiben sie alle stehen.

Nachdem die Toyotas ihre Fahrt wieder aufgenommen haben, starten wir auch hinterher – wenn auch wesentlich langsamer. Wir haben auch noch Zeit, die immer wieder auftauchenden Blumenwiesen per Foto festzuhalten.

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Seit gestern früh sind wir unterwegs und haben uns gerade mal 76 km von Taman-rasset entfernt. Ja, ja, da war noch der gestrige Nachmittag mit der Autoreparatur – hätten wir ja beinahe vergessen.

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Gegen 16:00 Uhr ist Schluß. Wir steuern einen Talkessel links von der Straße an. Der Assekrem ist noch weit weg. Aber Hendrik und Holger wollen nicht nach oben fahren, für die Maggy ist das nach der Reparatur verbotenes Terrain. Der Rastplatz liegt auf 2.270m Höhe und noch 4,5 km von der Assekrem-Paßhöhe entfernt.

Wenn wir den Sonnenuntergang noch aufs Bild kriegen wollen, müssen wir uns beeilen. 10 Minuten nach vier gehen wir los, nicht ohne noch eine Wasserflasche mitzunehmen. Wie sonst auch, Peter und ich starten als letzte (liegt wohl an mir). Auf über 2000 m Höhe bin ich noch nie gelaufen, entsprechend fühle ich mich auch, nach 10 Minuten klopft mir das Herz bis zum Hals und die Kehle ist trocken. Die Bemerkung von Peter „das wird wohl nichts, wir kehren am besten um“, beschert ihm jedoch nur einen giftigen Blick meinerseits und ich gehe kommentarlos weiter. Ich lasse mich nicht unterkriegen, von nichts und niemand!! Ich will da rauf und wenn ich tot oben ankomme. Die Straße führt in weiten Kurven stetig bergan. Gegen 17:00 Uhr erreichen wir die Assekrem-Paßhöhe auf 2726 m. Leider sind wir noch nicht am Ziel.

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Jetzt gibt es nur noch einen schmalen Steig, der sich serpentinenartig nach oben windet. Aber auch das ist nach 20 Minuten geschafft. Wir sind oben auf 2780 m. Es ist leider etwas diesig, aber trotzdem ist der Ausblick fantastisch. Bis zum Sonnenuntergang ist noch ein wenig Zeit, so können wir uns noch die beste Position zum Fotografieren suchen.

Plötzlich taucht Gerold auf und sagt zu mir: „Du bist ja auch da. Ich hätte nicht geglaubt, daß Du es bis hierher schaffst.“ Was bildet der sich ein, bloß weil ich ein paar Kilo Übergewicht habe! Nee, nee, stimmt nicht, ich bin nicht übergewichtig, ich bin nur untergroß. Nun ja, auch Spötter müssen sterben.

Dieser Aufstieg ist meine persönliche Höchstleistung, 510 Höhenmeter in 80 Minuten.

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Sonnenuntergang im Hoggar

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Assekrem-Paßhöhe – wo wir eigentlich mit der Maggy hinwollten, dann wäre der Aufstieg ein Kinderspiel gewesen.

Beweisfoto für die Höhe

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Die Sonne geht langsam unter. Der Übergang von dämmrig zu dunkel dauert nur kurze Zeit. Bei Halbmond marschieren wir zurück. Glücklicherweise denkt Peter im-mer mit und hat eine Taschenlampe dabei. Sonst hätte ich irgendwo auf halber Höhe übernachtet.

Gegen 19:00 Uhr sind wir heil zurück. Holger und Hendrik haben für uns die Zelte aufgebaut und Abendessen gekocht (Blumenkohl, Kartoffeln und Fleischsoße). Zur Feier des Tages köpfen wir eine Flasche Obstler – auch zum Aufwärmen, es wird nämlich ziemlich frisch. Mangels Schnapsglas trinken wir die edle Flüssigkeit nach-einander aus dem Drehverschluß der Flasche. Nach dem Essen sitzen wir noch um ein kurz entschlossen entfachtes Lagerfeuer und wärmen uns auf. Um 22:00 Uhr ist Zapfenstreich. Es hat noch 4º C .
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Alexander
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Re: Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Alexander »

Teil 7


Dienstag, 12.11. 16. Tag

In Erwartung von Minustemperaturen schauen wir um 6:30 Uhr aufs Thermometer und staunen, es hat 3,3º C plus. Schnell aus dem Schlafsack, die Sonne geht auf!

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Wir stehen mit der Maggy so ziemlich am Anfang des Talkessels. Weiter hinten hat sich ein richtiges Feldlager etabliert. Mehrere Toyotas stehen da und etliche Zelte. Französische Touristen, die bis Tamanrasset fliegen und dann hier 14 Tage Urlaub machen?

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Dieses Frühstück lassen wir uns schmecken – nach der Anstrengung von gestern. Der lösliche Nescafé ist leer. Hendrik kocht ab sofort normalen Kaffee, der hervorragend schmeckt. Wenn die Kanne vorsichtig bewegt wird, bleibt der Kaffeesatz unten und kommt nicht in unsere Tassen.

von links: Barbara, Klaus, Monika, Hendrik

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Um 08:15 Uhr starten wir zur Rückfahrt nach Tamanrasset. Gegen Abend wollen wir wieder in auf dem Campingplatz sein - Inschallah.

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Immer wieder ergeben sich faszinierende Ausblicke, die wir natürlich zum Fotografieren nutzen.

Wir machen die Fotos aber nicht unter dem Gesichtspunkt:

„Ach schau an, da waren wir offensichtlich auch.“

Wir sind doch keine Japaner!

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Wegweiser zu den Gueltas von Afilal:
Schilderaufschrift: 2 km – Haltet diesen Platz sehr sauber


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Die beiden Torbögen kennzeichnen den Beginn des Gebietes, auch die Piste führt hindurch, aber offensichtlich fahren die meisten dran vorbei.

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Akar-Akar:
auf den eigenen Spuren – heute Mittagsplatz, gestern Abendlager


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Rüttelpisten, Steigungen, Gefälle – alles wie bereits gestern gehabt. Die Bergspitze ist der Iharen.

Um 16:30 Uhr treffen wir in Tamanrasset ohne weitere Zwischenfälle wieder auf dem Campingplatz ein.

Der Rückweg hat uns nicht an der Tankstelle vorbeigeführt und so erreicht uns die Hiobsbotschaft auf dem Campingplatz: Es gibt immer noch keinen Diesel. Heute probieren wir es nicht mehr.

Wir lassen kochen, Abendessen gibt es im besten Restaurant am Campingplatz:

• Suppe
• Reis mit Rindfleisch und Olivensoße, dazu Salat
• Orangen und Datteln
• und zum Abschluß Tee am Lagerfeuer.



Mittwoch, 13.11. 17. Tag

Heute beginnt das große Zittern: Kriegen wir Sprit?

Frisch gewagt ist halb gewonnen, um 08:50 Uhr stehen wir mitten in einem Pulk wartender Autos vor der geschlossenen Tankstelle und warten geduldig. Da stehen Lkw ohne Fahrer in der Schlange, Privatautos fahren vor, Kinder stürzen sich darauf und helfen ausladen, prügeln sich fast um die „Arbeit“, bei der sie sich ein paar Dinar verdienen, Autos hupen, es ist unbeschreiblich. Und wir stehen uns die Füße in den Bauch und warten und warten. Irgendwann geht das Gerücht, ein Tankwagen käme bald aus dem Depot (aus welchem?) und dann ginge es weiter. Wir warten und beo-bachten das Geschehen rund um uns herum.

Gegen 11:00 Uhr stellt sich heraus, daß es doch keinen Diesel gibt. Holger und Klaus fahren mit einem Taxi zum Einkaufen und kommen nach einer guten Stunde wieder. Für eine Stunde Taxi und Hilfe des Fahrers beim Einkauf und Einladen verlangt er grade mal 150 Dinar (1,94 €).

Jetzt geben wir vorläufig auf und fahren ins Camp zurück zum Mittagessen.

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Wir machen es uns in den gemauerten Nischen gemütlich und stellen uns auf Nichts-tun und Warten ein. Nachmittags um drei kommt ein anderes Fahrzeug zurück. Der Fahrer bringt gute Nachrichten, die Tankstelle hat wieder Sprit. Eine Viertelstunde sehen Bärbel und ich nur noch eine Staubwolke – die Männer sind unterwegs zur Tankstelle. Wir Frauen machen es wie bisher – faulenzen und warten. Um halb fünf sind sie wieder da. Wir haben endlich Sprit – allerdings nur 100 Liter. Aber das reicht mindestens bis Hassi Bel Guebbour, versichern Holger und Hendrik.

Morgen können wir weiterfahren – müssen wir auch, sonst wird’s zeitlich eng.

Abendessen kochen wir selber, Spaghetti mit Tomatensoße.


Donnerstag, 14.11. 18. Tag

Um 08:00 Uhr Start zur dritten Etappe – Heimreise. Die Route führt über In Amguel nach In Ecker, wo uns wieder eine Polizeikontrolle erwartet. Oh Wunder, sie wollen nur ein bißchen plaudern und nicht mal die Pässe sehen. Im Ort In Ecker gibt es zwar eine Tankstelle, die sieht aber ziemlich verlassen aus und natürlich gibt es hier keinen Tropfen Sprit.

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Nach 200 km Teerstraße, die streckenweise am ehemaligen, heute eingezäunten und gesperrten Atomversuchsgebiet der Franzosen vorbeiführt, wechseln wir um 11:45 Uhr bei dem Wegweiser „Amguid“ auf die kaum befahrene Sandpiste in Richtung Hassi Bel Guebbour.

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In Fahrtrichtung rechts Blick auf das Teffedestgebirge. Nach 125 km zügiger Fahrt (50 km/h) machen wir Rast in einem Hügelgebiet mit Tamariskenbewuchs.

Hier sind wir gut geschützt und können unsere Zelte aufbauen.

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Wir haben wieder einmal Glück und erleben einen super Sonnenuntergang im Sicht-bereich des Garet el Djenoun, der mit 2330 m der zweithöchste Berg des Teffe-destgebirges ist. Die Tuareg fürchten diesen Berg als „Geisterberg“ und meiden seine Nähe.

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Und wie beschäftigt man sich an so einem Abend? Kann ich erzählen.

Irgendwas huscht über den Sand. Was ist das? Wir warten ab, ob sich das wieder-holt. Und tatsächlich taucht nach einiger Zeit eine kleine Wüstenmaus auf. Die Gemüseabfälle vom Abendessen haben sie angelockt. Holger lacht und meint, die könnten wir mit salzlosen Erdnüssen füttern. Gesagt, getan.

Peter geht in die Knie und hält die Erdnüsse in der offenen Hand. Jetzt ist erst mal Warten angesagt. Dauert aber nicht lange, bis die Maus die neue Futterquelle entdeckt hat. Vorsichtig pirscht sie sich an und erwischt als erstes Peters Finger. Der zuckt zurück, die Maus macht einen großen Satz und ist verschwunden. Weiter warten, wir haben ja alle Zeit der Welt.

Beim nächsten Versuch ist die Maus schon vorsichtiger. Sie entdeckt die Erdnüsse und nimmt sich zwei und verschwindet wie ein geölter Blitz unter dem Lkw. Schon ist sie wieder da und bunkert weiter. Dieses Spiel gefällt ihr und uns. Wann gibt es in dieser Einöde schon mal so leckere Nüsse? Die bereichern sicherlich den Speisezettel einer kleinen Wüstenmaus. Und dafür ist diese kleine Maus zu jedem Risiko bereit.

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Während dieses Spieles sitzen wir gemütlich um unser Lagerfeuer, schauen zu und amüsieren uns köstlich. Klaus dokumentiert dieses Spiel mit seiner Videokamera, die hat einen „Nightshot“.

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Zuletzt geändert von Alexander am Mo 28. Jun 2010, 20:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Kuno
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Re: Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Kuno »

Fast schon nostalgisch!
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Re: Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Alexander »

Teil 8


Freitag, 15.11. 19. Tag

Kalt war die vergangene Nacht nicht, morgens um 7:00 Uhr bereits 17,2º C. Allerdings weht eine „steife Brise“, die den körnigen Sand durch die Luft bläst. Der Zeltabbau bei diesem Wind dauert etwas länger als sonst üblich.

Frühstück heute schneller als sonst - der Sand schmirgelt zwischen den Zähnen – und Aufbruch zu neuen Abenteuern bereits 08:10 Uhr in Richtung Bergmassiv des Edjeleh, welches wir nach 2 ½ Stunden Fahrt erreichen. Der Wind hat feinen Staub aufgewirbelt, der als Wolke auch in der Luft bleibt. Dementsprechend ist die Sichtweite wie bei dichtem Nebel. Ab und zu überholt uns unsere eigene Staubwolke von hinten und der Sand rieselt wie Regen über die Windschutzscheibe. Von Vorteil erweist sich dann ein Scheibenwischer! Anhalten und abwarten, bis sich der Staub wieder legt.

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Eine Stunde später weht der Wind immer noch mit ca. 30-40 km/h. Der vorgesehene Besichtigungspunkt fällt aus, weil sich die Staubwand einfach nicht aus dem Staub machen will. Holger und Hendrik wollten uns eigentlich einen „Wackelstein“ zeigen, aber 26 km ins Nichts zu fahren, ist einfach nicht drin.

Die Luftfilter haben sich mit Sand zugesetzt und müssen heute abend wieder durchgängig gemacht werden.

Mittags ändern wir die Fahrtrichtung und fahren mit guter Sicht nach vorne weiter. Am Horizont ist der Himmel grau und düster. Man kann fast nichts mehr erkennen. Wir befahren eine weite Serirebene, durchzogen von ausgetrockneten Wasserläufen, erkennbar an den Trockenrissen. Völlig unerwartet ändert sich die Landschaft. Hier liegen massenhaft Granitblöcke in unterschiedlichen Formationen. Fotostop und Mittagspause!

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Diese Steinformationen vermitteln bei genauem Hinsehen und mit ein wenig Phantasie den Eindruck eines versteinerten Zoos.

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Der Wind bläst immer noch unverändert heiß und stark, die Kleidung flattert und knattert und Kappe festhalten ist nicht verkehrt. Die Luft ist durch den aufgewirbelten Sand extrem staubig. Gut sichtbar sind nur die Granitfelsen, alles andere verschwindet im Dunst. Sind wir auf dem Mond?

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Bevor wir hier aber eingeweht werden, fahren wir weiter und hoffen auf bessere Sicht. Nach einer knappen halben Stunde allgemeines großes Staunen. Wir sind doch noch beim „Wackelstein“ gelandet. Holger überprüft die GPS-Daten seiner letzten Algerienreise und stellt fest, daß bei den Koordinaten der Druckfehlerteufel zugeschlagen hat. Die Nordangabe ist richtig, die Ostangabe falsch. Ein Übertragungsfehler! Gut, daß wir am Vormittag entschieden haben, nicht in die geplante Richtung weiterzufahren.

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Sand ist nicht gleich Sand – diese Dünen sind hell- oder dunkelgelb mit schwarzen Dünen-kämmen und inmitten dieses Sandgebirges wirken sowohl wir als auch unser Lkw wie kleine Spielzeugfiguren in dieser gigantischen Landschaft. Der Vergleich mit Gulliver im Land der Riesen drängt sich auf.

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Wir bauen die Zelte auf und Hendrik erklärt, er wolle hinauf auf die Düne zum Übernachten. Da hat er sich was vorgenommen, ist ganz schön weit bis oben rauf.

Gegen 20:00 Uhr ist es noch immer angenehm warm bei 21º C. Von der Seite weht ein kräftiger Wind und von oben kommt es naß. Es wird doch nicht regnen wollen? Wir verziehen uns vorsichtshalber ins Auto, bleiben aber nicht lange drinnen, war doch falscher Alarm.

Nach 1 ½ Stunden geht der Wind für heute schlafen und der Staub aus der Luft schwebt langsam herab.

Wir schweben so langsam in unsere Schlafsäcke, Hendrik macht sich auf den Weg in die Höhe und Holger schläft im Lkw.



Samstag, 16.11. 20. Tag

7:00 Uhr morgens – 13º C. Die Sonne ist aufgegangen, das Nachtlager erwacht. Krähen haben uns entdeckt und lauern auf menschliche Abfallstoffe.

Hendrik ist zurück. Der Blick von oben muß gigantisch gewesen sein. Vielleicht war es aber doch nicht der ideale Platz zum Schlafen, denn Hendrik erzählt, es wäre ungemütlich kalt gewesen.

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Wir setzen uns zu einem gemütlichen Frühstück, um 08:30 Uhr bereits 33º C warm und im Gegensatz zu gestern windstill. Die Luft ist wieder sauber und wir erhoffen uns ungetrübte klare Sicht.

Blickrichtung Düne (nächstes Bild)

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Abfahrt um 9:20 Uhr in Richtung Nordrand Erg Tifernine. Immer wieder faszinierend sind die wechselnden Farben der Wüste, je nach Tageszeit und Lichteinfall.

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ausgetrockneter Boden (vom letzten Regen)
mit Wüstenkürbis (ungenießbar)


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Nach 37 km haben wir den Erg Amguid verlassen und eine Durchfahrt zwischen zwei Bergketten gefunden. Wir halten kurz an und es dauert nicht lange, bis unvermittelt aus dem Nichts ein Nomade auftaucht. Er habe Kopfweh und wolle Tabletten haben, gibt er zu verstehen. Bekommt er – logo.

Wir haben die Durchfahrt hinter uns gelassen und nach kurzer Zeit sehen wir ein Zelt mit einigen Toyotas stehen. Scheint ein kleines Militärcamp zu sein. Hendrik will vorbeifahren, Holger besteht darauf, dies nicht zu tun. Sicher ist sicher, nur nicht auffallen. Also, dann fahren wir halt zur nächsten fälligen Paßkontrolle. Die haben uns schon lange gesehen und kommen uns entgegen. Nach der Begrüßung in Französisch fragt einer der Uniformierten, ob wir auch Englisch sprächen und schon gibt er seine Englischkenntnisse zum besten. Üblicherweise wird in Algerien französisch gesprochen und wir sind ein klein wenig überrascht.

Ob’s wohl an den Badelatschen liegt, die der Captain trägt, daß er keine Lust auf Pässe hat? Ohne Kontrolle oder andere Formalitäten dürfen wir weiterfahren.

Durch ausgetrocknete Oueds, bewachsen mit Tamarisken und Akazien, flankiert von im leichten Dunst liegenden Bergketten schaukeln wir dahin. Pfui Teufel, schon wieder „Wellblech.“ Und woher kommen diese lästigen Stubenfliegen, die ständig auf meiner Nase oder sonst wo sitzen? Hier fehlt eindeutig eine Fliegenklatsche!!

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Mittagessen! Das Freiluftrestaurant hat geschlossen, eine steife Brise schaufelt hei-ße Luft und Sand in Massen durch die Gegend. Essen wir halt im Lkw.

Weiter durch brettelebene Landschaft, bis am späten Nachmittag wieder einige kleine Dünen sichtbar werden. Etwas ist hier aber anders – über einen Großteil dieser Dünen legt sich ein grüner Schleier. Gräserbänder dicht an dicht.

32º C im Auto – wie warm mag es da wohl draußen sein? Wir suchen einen Übernachtungsplatz mitten im Grünen am Nordrand des Erg Tifernine. Vereinzelte kleine Wölkchen tauchen am ansonsten blauen Himmel auf. Abends gegen 21:00 Uhr messen wir immer noch angenehme 24º C.

Da bleiben wir doch noch ein bißchen auf. Ich muß mal für kleine Mädchen und entferne mich mit der Taschenlampe bewaffnet aus der Sichtweite des Lagerplatzes. So fertig, zurück zu den anderen. Aber wo sind sie? Ich kann den Lkw nicht finden. Habe ich mich verlaufen? So weit bin ich doch nicht gegangen, das gibt es doch nicht. Die alte Tuaregweisheit „Folge Deiner Spur!“ bringt mich dann doch wieder heil „nach Hause.“
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Alexander
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Re: Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Alexander »

Teil 9

Sonntag, 17.11. 21. Tag

Nachts war es angenehm warm, es hat eigentlich nicht richtig abgekühlt, wie ein Blick auf das Thermometer bestätigt. Es ist viertel vor sechs und hat 23,4º C. Die leichten Wölkchen von gestern abend haben sich zu einer dichten, fast schwarzen Wolkendecke zusammengeschoben. Die Sonne kämpft sich durch den Wolkenvorhang.

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ein Mauseloch?

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Es sieht doch nach Regen aus.. Die Vorahnung hat sich bestätigt, aus einer grauen Wolke fällt Regen à la Sahara – genau 20 Tropfen. Es ist 08:00 Uhr.

ein grünes Kleid für die Sahara?

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Wir wissen nicht, ob das Kapitel „Regen“ mit den paar Tröpfchen abgehandelt ist und beeilen uns mit dem Zusammenpacken. Die vor uns liegende Wegstrecke führt zum großen Teil über Schwemmtonebenen und wenn es da naß wird, haben wir keine guten Karten. Außerdem müssen wir noch einen Dünenübergang finden.

Um 08:30 Uhr starten wir bei 26º C und passieren eine schwarze Hügelkette, die von angewehtem Sand stellenweise überzogen ist.

Nach einer guten Stunde Fahrzeit scheint ein riesiger See direkt vor uns zu liegen. Wir halten kurz an und schauen uns um. Das ist kein See, das sind teppichähnliche Muster in weiß, blau und grün aus verschiedenen Mineralien. Auf alle Fälle ist dieser Untergrund für unsere Maggy ungeeignet und wir müssen versuchen, dieses Gebiet zu umfahren. Holger sprach gestern schon von „schwierigem Gelände.“

Wir fahren über eine braun-weiß gesprenkelte, mit Trockenrissen überzogene Ebene und versuchen uns vorzustellen, wie gespenstisch hier vor einigen Wochen sich eine riesengroße Wasserfläche ausgebreitet haben muß. Wir kommen ganz gut vorwärts, aber um 10:30 Uhr ist vor einem Hügel Schluß. Es geht nicht mehr weiter. Hier irgendwo sollte eigentlich eine Möglichkeit sein, um die Dünen zu überqueren. Wo ist denn der Übergang? Na gut, aussteigen, Füße vertreten und mal schauen, wo es weitergehen könnte.

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Holger und Hendrik suchen die Fliegerkarten raus. Wir sind in der Gegend des
Ta-N-Elak. Nach den Angaben der Karte müssen wir ein Stück zurück, um wieder auf eine fahrbare Piste zu kommen.

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Peter findet Muscheln, hier muß in Urzeiten also mal ein Meer gewesen sein.

Hendrik nimmt eine GPS-Peilung vor und gibt einen neuen Suchpunkt vor, dem wir folgen. 500 m zurückfahren und die Durchfahrt ist gefunden.

Die Landschaft schmückt sich mit ziegelroten Steinen und Platten in Massen. Wir fahren wieder von der Piste ab und auf die Dünen des Erg Issouane zu. Der Boden ist wieder sandfarben in wechselnden Farbtönen. Wieder sind Grünstreifen bzw. Grünwiesen vor den Dünen zu sehen.

Mittagspause am Nordwestausläufer des Erg Issouane um 13:20 Uhr. Futter gibt’s im Auto wegen des sehr kräftig blasenden Windes, der den Sand über den Boden treibt – das kennen wir jetzt schon seit einigen Tagen. Die seit morgens tiefhängende Wolkendecke hat sich immer noch nicht aufgelöst, deshalb sind Sonnenscheinmomente selten und die Lichtverhältnisse entsprechend. Immer noch sehen wir Graswiesen und Tamariskenbüschel, die jedoch schon langsam ihre grüne Farbe verlieren und vertrocknen.

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Irgendwann am Nachmittag haben wir ein Orientierungsproblem. Der Erg Issouane zeigt sich in voller Größe – es ist einfach kein Durchkommen. Da müssen wir wohl den Dünenriegel, der uns den Weg versperrt, irgendwie umfahren. Die Dünenverläufe verändern ihre Form halt doch innerhalb von 10 Jahren. Aber Hendrik und Holger sind „alte Saharafüchse“ und meistern auch diese Hürde. Nach ca. 1 km Umweg können wir den Riegel überqueren und finden uns auf einer „Hauptpiste“ wieder, was viele Reifenspuren bestätigen.

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Vom Lkw aus erspähen wir eine interessante riegelartige Bergformation, durchzogen von grünen und roten Bändern mit filigranen weißen Gebilden überzogen - wir nähern uns dem Plateau de Tinrhert.

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Nach knapp 10 Minuten endlich ein Fotostop! Vorher anhalten war nicht möglich, weil der Untergrund nicht hart genug war.

Erklärung von Holger: „Das sind Kalk und Gips, hochgeschichtet vor Jahrhunderten. Ein Paradies für Geologen.“

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Nach 2 km Weiterfahrt Ende dieses Tages. Nachtlager!

Den täglichen Abendtee gibt es noch im Trockenen. Dann verliert die tiefhängende Wolkendecke doch noch ein paar Tropfen Wasser, überlegt sich’s dann aber doch noch anders. Wir bleiben trocken.

Nach dem Abendessen frischt der Wind gewaltig auf. Peter und ich beschließen, heute ausnahmsweise auch das Überzelt aufzubauen, falls es doch noch zum Dauerregnen kommt. In der Wüste bis auf die Haut naß zu werden, ist nicht lustig, das kennen wir schon von unserer Kameltour 1998 in Tunesien. Nein danke, kein Bedarf.

Um 21:30 Uhr allgemeines Schlafengehen. Das Überzelt knattert und flattert zum Davonlaufen. Aber wohin? Irgendwann schlafen wir dann auch ein.


Montag, 18.11. 22. Tag

07:00 Uhr / 13° C; es ist windstill, der Himmel blankgeputzt und strahlt im gewohnten Blau, es sieht aus wie frisch staubgewischt.

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Um 08:30 Uhr Abfahrt in Richtung Hassi Bel Guebbour. Dort gibt’s eine Tankstelle, wir möchten noch mal nachtanken.

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Entlang der breiten Piste erheben sich plötzlich Lehmpyramiden (ehemals Kupsten von heute abgestorbenen Tamarisken), kurz danach fahren wir an Zaouia Sidi Mous-sa vorbei und erreichen bald darauf die Asphaltstraße nach Bordj Omar Driss. Es ist 09:20 Uhr. Unser gestriger Lagerplatz war also nur 9 km von BOD entfernt.

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In Bordj Omar Driss registrieren wir rege Bautätigkeit entlang der Straße – neue Wohnungen werden gebaut. Die Straße wird offensichtlich vierspurig ausgebaut, getrennt durch einen „Gehsteig“ mit Straßenlaternen. Am Ortsende kurzer Halt, wir haben wieder Teer unter den Reifen und müssen sie wieder aufpumpen. Barbara sammelt Steine.

Das steckt an und ich mache mich ebenfalls auf die Suche.

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Die Straße windet sich mit 10 % Steigung das Plateau hinauf. Ein blauer Pritschenwagen hat die Straße wohl unfreiwillig verlassen und liegt eingesandet im Steilhang.

Links geht’s nach unten, rechts erhebt sich die rot und grün gefärbte Wand, über die sich Kalkadern wie Spinnenweben ziehen.

10:00 Uhr: Die Polizeikontrolle wollte nur Zigaretten und fragt nach dem Wohin.

11:00 Uhr: Eine Oase mit artesischem Wasser, das in Tümpeln sichtbar wird – die Dünen des Erg Oriental im Hintergrund – taucht auf. Und schon wieder eine Kontrolle.

und wo sind die Kamele?

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Wir sind in Hassi Bel Guebbour.

„Un transport touriste“ – und „le passeport.“ Nach der langen Zeit in der Wüste ist das ganz schön lästig.
Die Tankstelle hat Sprit! 298 l werden nachgetankt, der Preis dafür sind 3.500 AD.

12:24 Uhr:

Wir sind kaum 30 km unterwegs und schon wieder eine Kontrolle. Diesmal muß nur Holger als Fahrer den Paß herzeigen. Wir befinden uns im Gassi Touil, rechts und links der Straße befinden sich Ölcamps. Vielleicht deshalb die ständigen Kontrollen

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Diese Hauptverbindungsstraße hat ihre Macken. Manchmal ist sie in gutem Zustand, zeitweise wirkt sie an ihren Rändern etwas „ausgelaufen“, stellenweise rüttelfrei befahrbar, oft aber welliger als jede Wellblechpiste im Saharasand und vor allem überzeugt sie durch die wohldosierte Plazierung von Schlaglöchern der Extraklasse.

Unsere Reiseleitung kündigt gegen 15:00 Uhr eine Cafépause an. Aber bitte wo in dieser Einöde? Hier gibt’s weit und breit nichts. Na, da lassen wir uns überraschen. Irgendwann erspähen wir am Straßenrand eine Art „Hütte.“ Hier halten Hendrik und Holger an. „Alles aussteigen, bitte, wir sind da.“ Ein paar Schritte laufen kann nicht schaden und neugierig sind wir auch.

Wir nähern uns vorsichtig dem unbeschreiblichen Verhau und werden von einer kläffenden Hundemeute empfangen. Ein älterer Mann taucht auf, den unsere Reiseleiter freundlich begrüßen. Wir werden aufgefordert, doch einzutreten und uns hinzuset-zen. Teegläser werden von irgendwoher auf den Tisch gestellt und mit Tee aus einer Thermosflasche aufgefüllt. Zucker und Löffel gibt’s auch. Der Tisch allerdings ist nur ein Holzbalken und die Stühle haben auch schon bessere Zeiten gesehen.

Der Besitzer dieser Ranch, hier als „Cafe de triangle“ bekannt, erzählt, er sei 1937 geboren und schon seit über 20 Jahren hier. Die algerische Regierung wolle, daß er von hier weggehe, aber das komme für ihn überhaupt nicht in Frage, schließlich sei er hier Allah näher als sonst wo. Er lasse sich nicht vertreiben und werde von den vorbekommenden Lkw-Fahrern versorgt und habe alles, was er brauche. Wir trinken noch ein zweites Glas Tee, dann wird es Zeit zum Weiterfahren. Vorher schauen wir aber noch, was der gute Mann brauchen könnte. Er bekommt Zucker, Mehl, Batterien, Feuerzeuge und einen Campingstuhl.

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Nach diesem Erlebnis machen wir uns wieder auf die Socken und beenden den Fahrtag 20 Minuten später um 16:30 Uhr in den Dünen des Grand Erg Oriental.

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Ganz schnell den Tisch aufbauen, die Zelte aufstellen und dann los. Hier gibt’s Fotomotive noch und nöcher. Hendrik hat sich schon verkrümelt und kraxelt in den Dü-nen umher, wie immer barfuß. Holger baut seine Kamera auf einem Stativ auf und sucht ebenfalls nach dem besten Motiv. Plötzlich fängt er an mit den Armen zu fuch-teln und zu rufen. Oben auf der obersten Dünenspitze steht jemand. Dieser macht aber keine Anstalten, von dort oben zu verschwinden. Jetzt wird die Zeit aber knapp. Die Sonne geht in diesen Breiten und um diese Jahreszeit ziemlich schnell unter. Was tun? Na gut, wenn Rufen nicht hilft, dann vielleicht lautes Hupen. Gedacht – getan – und der Punkt auf der Dünenspitze ist auch schon verschwunden.

Nach einiger Zeit treffen alle wieder bei unserer fahrbaren Hütte ein. Gerold ist etwas schuldbewußt und meint: „Das Hupen habe ich gehört, war ich gemeint? Ich bin auch ganz schnell verschwunden.“ Diesmal können wir ihn beruhigen. Wenn er in den vergangenen Wochen auch stets bewiesen hat, daß er das Talent hat, bei den schönsten Landschaften seinen Mitreisenden irgendwie immer in den Kamerasucher zu geraten, diesmal ist er unschuldig. Diesmal war es ausnahmsweise mal Hendrik, der das Bild verunstaltet hätte. Hendrik, unser Forscher, hat natürlich auch was gefunden: gravierte Straußeneierschalen.

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So, jetzt gibt es keine guten Lichtverhältnisse mehr, dann können wir die Fotoapparate für heute einpacken und unseren Abendtee trinken. Um 19:10 Uhr messen wir noch 14° C. Zum Abendessen verspeisen wir Kartoffeln mit Rindfleisch, Zwiebeln, Gemüse und Pilzen in einer dunklen Soße. Um 21:30 Uhr wieder ab in unsere Schlafsäcke. Saharareisen macht müde.
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Alexander
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Re: Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Alexander »

Teil 10


Dienstag, 19.11. 23. Tag

05:45 Uhr. Ich bin aufgewacht und muß mal raus für kleine Mädchen. Das Thermometer zeigt 6° C – brr, ist das kalt. Es ist sternenklar und ein fast kreisrunder Vollmond beleuchtet die Ebene. Wieder zurück im Schlafsack riskiere ich noch einen Blick auf den 1000-Sterne-Himmel, an dem mehrere Sternschnuppen am Firmament verglühen. Eine ist besonders groß und fast glaube ich, einen Knall zu hören.

Frühstück um 07:00 Uhr und Abfahrt bei 14° C um 08:20 Uhr.

In dieser Nacht war vielleicht was los. Wir finden massenweise Spuren von Kamelen, die hier durchgelaufen sind. Gestern jedenfalls waren diese Spuren nicht zu sehen.

Heute ist „Fahrtag.“ Wir müssen in der ersten Etappe bis Touggort kommen, wo zu Beginn der Reise Kinder mit Steinen geworfen haben. Glücklicherweise wurde nur die Fahrertür des Lkw getroffen.

Wir wollen am frühen Nachmittag eine längere Pause machen, das Abendessen vorziehen und nach Sonnenuntergang weiterfahren, um die Steinewerfer auszubremsen. Es ist Ramadan, die Aussichten sind gut. Übernachtungsziel ist irgendeine Düne ca. 15 km vor dem Grenzübergang Taleb Larbi.

Nach 20 Minuten sind wir wieder auf der Teerstraße. Die ist rissig und wirkt an den Rändern ausgefranst und angeknabbert.

09:30 Uhr: Paßkontrolle an einem eingezäunten Gelände der SONATRACH (Algeriens staatliche Erdölförderfirma) – Dauer höchstens 5 Minuten.

09:35 Uhr: Wegweiser nach Hassi Messaoud: 140 km.

10:15 Uhr: Es ist saukalt, ich habe kalte Füße und Gänsehaut. Wir machen eine kurze Pause, danke, da können wir uns alle ein wenig aufwärmen, im Auto zeigt das Thermometer ungemütliche 19° C.

10:45 Uhr: Polizeikontrolle!
Hendrik als Fahrer muß den Paß vorzeigen und eine Kopie der Personenliste abgeben. Dauer: 2 Minuten.

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11:30 Uhr: Noch 20 km bis Hassi Messaoud. Am Horizont stehen wir die schwarzen Qualmwolken der Erdölfelder, abgesteckte Areale, Pipelineröhren, Barackenlager, Hallen, Baumaschinen. Es ist zum Heulen aber nicht zu ändern. Die Bodenschätze der Sahara bringen Geld.

11:37 Uhr: Der Kreis ist geschlossen. Hassi Messaoud am Abzweig nach Rhourd el Baguel ist erreicht. Am Straßenrand hat ein Sandrosenverkäufer seinen Stand aufgebaut. Hier wollen wir zum Abschluß noch einige Reiseandenken mitnehmen. Die Verständigung gestaltet sich etwas schwierig. Ich spreche kein Französisch, der Sandrosenverkäufer weder Englisch noch Deutsch. Hendrik muß helfen, sonst komme ich hier auf keinen grünen Zweig. Letztendlich erstehen wir zwei wunderschöne Sandrosen für 200 AD (2,60 €) und eine große Druse für 1000 AD (12,93 €). Dem Verkäufer wäre es allerdings lieber gewesen, seine Ware gegen T-Shirts, Schuhe oder Jacken zu tauschen. Gut zu wissen, da denken wir beim nächsten Wüstentrip drüber nach und packen solche Dinge weiter oben in die Seesäcke, wo wir schnelleren Zugriff drauf haben.

12:05 Uhr: Die Zivilisation hat uns wieder. Auf einer neuen vierspurigen Asphaltstraße düsen wir weiter nach Norden.

12:20 Uhr: Die Polizeikontrolle am Ortsende von Hassi Messaoud dauert keine 20 Minuten. Natürlich kommt die unvermeidliche Frage: „Wohin fahrt ihr?“ Die Antwort: „Nach Tunis.“

13:00 Uhr: Wir beschließen, bereits jetzt eine Mittagspause einzulegen, es eilt ja nichts. Hendrik steuert die Maggy von der Straße weg nach links und beachtet auch meinen zaghaften Hinweis, er möge doch bitte, bitte ein wenig frauenfreundlicher parken. Ich mag in dieser Ebene keinen Kilometer laufen, wenn ich mal muß. Die Männer haben es ja leichter, wenn sie sich erleichtern möchten. Sie drehen einem einfach den Rücken zu und lassen es laufen. Frauen hingegen suchen immer eine Möglichkeit, sich unsichtbar zu machen. Schließlich pinkeln wir im Sitzen und das muß ja nicht jeder sehen. Hendrik tut, was er kann und findet auch einen frauenfreundlichen Platz. Danke!

Barbara geht wieder Steine suchen, was alle anderen natürlich auch machen müssen und tatsächlich finden wir auch wieder Straußeneierschalen. Gigantisch.

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Diese Mittagspause ist die letzte in Algerien und in der Sahara. Langsam, aber sicher macht sich der Wüstenkoller bemerkbar. Ich will noch nicht nach Hause, aber bis zum Rückflug sind nur noch drei Tage.

Wir zögern das Zusammenpacken so lange wie möglich hinaus und vergraben den Anblick der Dünen in unseren Herzen.

15:40 Uhr: Noch 40 km bis Touggourt.

16:00 Uhr: Wir tanken die Maggy noch mal voll. So billig kann man nur in Algerien tanken. Ein Liter Diesel kostet 11,75 AD (0,15 €) und der Tank hat Platz für 451 Liter, das sind 5300 AD oder 68,50 €.

16:30 Uhr: Zwischen Touggourt und El Oued versuchen wir ungesehen von der Straße wegzukommen und machen uns hinter den Minidünen unsichtbar. Barbara, Klaus und ich gehen noch mal auf Fotopirsch. Allen voraus ist Gerold wie immer der erste, von dem man nur noch eine Staubwolke sieht. Und da steht er, wie eine Statue völlig unbeweglich, wie festgewurzelt mitten im schönsten Motiv und rührt sich fast 15 Minuten nicht von der Stelle. Wann ist er endlich fertig? Wir wollen doch auch noch zum Schuß kommen. Die Sonne geht bald unter! Irgendwann wird’s Barbara und mir doch zu blöd und wir fordern ihn auf, doch ein Stück zur Seite zu gehen.

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Zurück am Auto macht sich bei mir Wehmut breit. Flach wie ein Brett ist die Landschaft. Wir trinken Tee und essen zu Abend.

19:45 Uhr Wir haben zusammengepackt und brechen auf zur Nachtfahrt. Kurz bevor wir wieder zurück auf die Straße kommen, sehen wir schon, daß ein Lkw angehalten hat. Der hat unsere Scheinwerfer gesehen und will wissen, was da kommt.

Die kleinen Ortschaften, die wir durchfahren, sind alle hell erleuchtet und es herrscht reges Treiben auf den Straßen. Nach dem Abendessen sind die Algerier unterwegs und genießen die warme Nacht. Das Fahren bei Nacht nützt uns nichts, in El Oued werden wir doch wieder beworfen. Wir haben allerdings den Vorteil, daß die kleinen Rambos unser Auto in der Dunkelheit nicht als „Touri-Fahrzeug“ erkennen und bis sie das kapiert haben, sind wir schon fast wieder weg. Ein Stein trifft uns trotzdem hinten links.

23:00 Uhr Ca. 15 km vor dem Grenzübergang, fahren von der Straße ab und bauen im Taschenlampenlicht im Eiltempo unsere Zelte auf. Wir sind fix und fertig und nur noch müde.


Mittwoch, 20.11. 24. Tag

Um 5:15 Uhr wache ich schlotternd vor Kälte auf. Ich kann meinen Atem sehen und das Zelt ist innen völlig naß. Kurz mal raus und ganz schnell wieder zurück in meinen warmen Schlafsack.

Die Sonne ist schon aufgegangen und ich rappele mich langsam hoch. Ein Blick auf die Uhr macht mir klar, daß es jetzt langsam Zeit wird, aufzustehen.

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Mal gucken, wie unser Lagerplatz eigentlich aussieht. Oh je, wir sind nur 20 m von der Straße weg. Aber alle Autos und Lastkraftwagen, die vorbeifahren, hupen und die Fahrer winken uns.

Nach einem gemütlichen Frühstück bereiten wir uns gegen 9:00 Uhr zur Abfahrt vor. Hendriks Schlafsack ist total naß. Damit er wieder trocken wird, bindet er ihn oben an der Dachreling der Maggy fest, damit er im Fahrtwind trocknen kann. Die Luft hat sich auf 18,5° C erwärmt, das ist angenehm. Meine Nase läuft und ich muß husten. Da habe ich mich doch noch erkältet.

Es stimmt also doch, was Holger schon am Anfang unserer Reise gesagt hat:

„Die Sahara ist ein kaltes Land mit heißer Sonneneinstrahlung.“

Nach 20 Minuten sind wir um 9:35 Uhr wieder am algerischen Grenzübergang. An der wartenden Fahrzeugschlange werden wir vorbeigewinkt.

Eine Stunde dauert die Abfertigung mit Ausreisestempeln, Rückgabe der Devisenerklärungen usw., schließlich schaut einer der Zöllner noch in die Mitfahrerkabine und ist zufrieden. Wir dürfen ausreisen.

Jetzt noch eine Raucherpause im Niemandsland zwischen Algerien und Tunesien.

Um 11:00 Uhr sind wir an der tunesischen Grenze am Übergang Hazoua. Hier dauert es 40 Minuten, bis wir fertig sind und einreisen dürfen.

Bis Degaches ist es nicht mehr weit und als letzten Übernachtungsplatz steuern wir wieder das „Bedouin Camp“ an. Peter und ich bauen wegen der Feuchtigkeit das Zelt komplett mit Überdach auf. Wir sichten auch noch mal unsere Seesäcke und packen neu.

Zum Duschen haben wir keine Lust. Es gibt kein warmes Wasser.

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Am späten Nachmittag fahren wir nach Touzeur. Wir laufen durch die wiederaufgebaute Altstadt, die alte Lehmziegelarchitektur ist sehenswert. Hier hat sich seit 1997 viel getan. Die Häuser sind wieder bewohnt und Kinder bieten sich als Fremdenführer an. Auch wenn wir keinen wollen, zwecklos.

Zum Abendessen treffen wir uns mit Holger und Hendrik ein einem typisch tunesischen Einheimischenrestaurant. Die Bestellung nimmt der Inhaber ohne Aufschreiben auf – ob das wohl gutgeht, wir sind schließlich sieben Personen. Hendrik fragt nach, aber der Inhaber meint, das könne er sich merken. Längere Zeit tut sich gar nichts, dann kommt irgendwann die bestellte Suppe (sehr scharf – nichts für Gerold), kurz darauf alle anderen bestellten Gerichte. Nicht nacheinander, nein, alles zur gleichen Zeit. Die Tische sind voll und wir wissen nicht, wo wir die Teller noch stapeln sollen.

Die „Platé des Terres“ (Pommes frites) trieft in Öl, die Pommes sind teilweise verbrannt und kalt. Das ¼ Hähnchen ist genauso temperiert, obwohl vor dem Lokal ein Hähnchengrill steht. Mit allen anderen Gerichten ist ebenfalls kein Lorbeerblatt zu gewinnen.

C’est la vie!

Nachdem wir alle mehr oder weniger aufgegessen haben, wechseln wir ins angrenzende Café, um noch einen Tee mit frischen Pfefferminzblättern zu trinken.

Um 20:00 Uhr fahren wir zurück zum Campingplatz und köpfen noch zwei Flaschen tunesischen Rotwein, bevor wir zur üblichen Zeit schlafen gehen.


Donnerstag, 21.11.2002 25. Tag

Nachts tröpfelt es aufs Zelt – wir haben doch noch Regen abbekommen. Hunde haben die ganze Nacht gebellt und der Esel im Palmenhain mußte seinen Senf auch dazugeben. Sein Geschrei hörte sich an wie eine alte eingerostete Wasserpumpe. Nachts kamen noch vier weitere Fahrzeuge an, die direkt neben uns geparkt haben (Deutsche, ebenfalls auf dem Heimweg).

Weil wir gestern abend die Hocker nicht weggepackt haben, müssen wir Plastiktüten auflegen, um keine nassen Hintern zu bekommen. Kleine Fehler rächen sich halt. Das Frühstück schmeckt uns trotzdem und um 8:30 Uhr starten wir durch nach Tunis, bereits im Wissen, daß die Fähre von Tunis nach Genua wahrscheinlich kaputt ist. Die Buschtrommel funktioniert.

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allgemeines Aufwärmen in der Morgensonne

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Vor Kairouan Mittagspause vor einer Kulisse von Olivenbäumen und Feigenkakteenhecken. Eine Schafherde mit zwei Buben ist in der Nähe. Unvermittelt stehen die beiden bei uns am Tisch und beobachten uns. Muß schlimm sein, selber fasten müssen und andere essen. Letztendlich tun sie uns doch leid und wir geben ihnen Saft und Käse. Als sie später noch mal wieder kommen und auch noch Geld verlangen, wird Hendrik sauer. Um weiteren Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, packen wir ein und machen uns vom Acker.

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Die letzten 130 km nach Tunis fahren wir auf der mautpflichtigen Autobahn. Mit Höchstgeschwindigkeit – 80 km/h, mehr schafft die Maggy nicht – fliegen die Kilometer an uns vorbei. Während einer Raucherpause auf einem Autobahnrastplatz kommen wir mit zwei Pärchen ins Gespräch. Sie erzählen uns mit stolzgeschwellter Brust, daß sie zwei Wochen in Ksar Ghilane waren und dort den Sand umgepflügt haben. Auf die Idee, zu fragen, wo wir waren, kommen sie gar nicht. Wir erzählen es ihnen auch nicht und hören höflich zu.

Am späten Nachmittag sind wir endlich am Ziel und rollen in den Hof des Hotels A-milcar am Golf von Tunis.

Wir bekommen Zimmerschlüssel für Räume in der 6. Etage und freuen uns über die Aussicht aufs Meer.

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Probeliegen auf dem Bett – herrlich. Und baden – nicht duschen. Wir packen schon mal die Seesäcke für morgen und treffen uns mit Klaus, Barbara und Gerold in der Hotelhalle. Bis zum Abendessen ist noch Zeit und Peter und ich lassen uns kühles tunesisches Bier der Marke Celtic schmecken. Holger sehen wir in einer angeregten Unterhaltung mit anderen Selbstfahrern.

Beim Abendessen stellen wir fest, daß Zivilisation auch was gewisses an sich hat. Ein liebevoll eingedeckter Tisch lädt zum Gaumenschmaus ein. Der Rotwein schmeckt klasse. Wir unterhalten uns über die vergangenen Wochen und wünschen uns eigentlich wieder zurück in die Sahara. Insgesamt haben wir Algerien auf etwa 5000 km erkundet und uns wie im Inhaltsverzeichnis eines Buches einen Überblick verschafft. Für Peter und mich steht fest, dies war nicht unsere letzte Wüstentour.

Gegen 21:00 Uhr beginnt die „musikalische Unterhaltung“ im Speisesaal. Wir flüchten – viel zu laut. Ins Bett wollen wir aber auch noch nicht, und so versuchen wir unser Glück im „Cafe“ des Hotels. Auch da sind wir nach über drei Wochen Wüste verkehrt - die Musik dröhnt aus allen Lautsprechern, daß man sein eigenes Wort nicht mehr versteht und die Wasserpfeifenraucher vernebeln den Raum, daß man Suchscheinwerfer gebrauchen könnte. Also gut, setzen wir uns wieder in die Hotelhalle, da gibt’s auch was zu trinken.

Unsere beiden Reiseleiter haben ein kleines Problem. Die Fähre ist tatsächlich hinüber und wir vereinbaren, daß die beiden morgen nach dem Frühstück abdüsen und versuchen, einen anderen Fährplatz zu bekommen. Zum Flughafen können wir auch mit dem Taxi fahren, kein Problem.


Freitag, 22.11. 26. Tag

Flugplan:

Tunis – Zürich Abflug: 14:45 Uhr 17:05 Uhr Ankunft
Zürich – München Abflug: 20:10 Uhr 21:10 Uhr Ankunft
Klaus und Barbara werden von Zürich aus bereits gegen 18:00 Uhr weiter nach Hamburg fliegen können.

Nach dem Frühstück verabschieden wir Holger und Hendrik. Zwei Taxis bestellen wir für 11:00 Uhr und gehen dann hinunter zum Strand, der jetzt Ende November nur noch spärlich besucht ist. Wir bewundern die Aussicht auf den Golf von Tunis, die nähere Umgebung ist wenig interessant.

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Die Zeiger der Uhr gehen auf 11:00 Uhr zu, wir warten auf die Taxis. Da kommen sie auch schon. Barbara, Klaus und Gerold steigen in das erste Fahrzeug, Peter und ich in das zweite. Dieses Taxi ist schon etwas älter. Den Berg hinauf schnauft es wie eine kleine Lok, dann geht es zügig dahin. Die Einfallstraße nach Tunis ist dreispurig ausgebaut und der Verkehr ganz schön dicht. Bis zum Flughafen sollen es ca. 30 Minuten sein.

Was ist denn nun los? Wir sind ca. 20 Minuten unterwegs und aus dem Armaturenbrett steigt Rauch auf und das Taxi wird immer langsamer. Unser Chauffeur steuert sein Taxi auf den Standstreifen und hält an. Er öffnet die Motorhaube und guckt, kann den Fehler aber offensichtlich nicht finden. Peter steigt mit aus und schaut nach. Der Kühlerdeckel fehlt und das Kühlwasser kocht. Das Fahrzeug springt nicht mehr an. Es dauert jedoch keine fünf Minuten, schon hält hinter uns ein anderes Taxi an. Kurzes Palaver der Chauffeure und dann werden wir aufgefordert, umzusteigen. Fahrer 1 bekommt 2/3 Drittel des Fahrpreises ausgezahlt, Fahrer 2 den Rest. Problem gelöst.

Im Flughafen warten die drei anderen schon und können unsere Geschichte mit der Taxifahrt kaum glauben. Wir können unser Gepäck bereits aufgeben und einchecken. Jetzt haben wir noch zwei Stunden Zeit bis zum Flug nach Zürich.

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Der Flieger startet pünktlich. Die Aussicht auf den Golf von Tunis ist fantastisch.

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Nach der Landung in Zürich geht alles plötzlich ganz schnell. Barbara und Klaus haben nur etwa 30 Minuten Zeit zum Umsteigen nach Hamburg, Gerold fährt mit der Bahn nach Friedrichshafen. Schon sind sie weg.

Peter und ich suchen das richtige Terminal für den Flug nach München. Bei der Handgepäckkontrolle kann die Zöllnerin den Inhalt meines Rucksackes nicht erkennen und ich muß meine Steine und Sandrosen auspacken. Alles okay, aber nach nicht einmal 60 Sekunden werde ich gebeten, die Sandrose noch mal zu zeigen. Die Kollegin habe noch nie eine gesehen. Na klar doch, zeige ich doch gerne.

Wir haben noch Zeit, unser Flug ist auf 20:10 Uhr festgesetzt. Da können wir uns noch in aller Ruhe ein Restaurant suchen.

Als unser Flug nach München dann endlich aufgerufen wird, sind wir heilfroh. Diese Warterei ist tödlich. Planmäßig landen wir in München und unsere Freundin holt uns ab.

Wieder daheim um 22:30 Uhr - doch die Sehnsucht bleibt....
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Alexander
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Re: Reisetagebuch Algerien 28.10. bis 22.11.2002

Beitrag von Alexander »

Hallo Monika,

nochmals herzlichen Dank für deinen Reisebericht, der ja umfassender ausfiel, als ich gedacht hatte :wink:

Er ist eine schöne Erinnerung an Algerien, dass für die Meisten derzeit in weiter Ferne liegt.

Viele Grüsse
Alexander
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Monika Lorenz
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Reisetagebuch

Beitrag von Monika Lorenz »

Hallo Alexander,

danke für die Arbeit, die Du Dir "aufgehalst" hast, um diesen Bericht in eine forumstaugliche Version zu bringen.

An alle anderen:
Ich hoffe, ihr habt euch nicht gelangweilt. Wenn dieser Bericht bei dem einen oder anderen wieder ein bisschen Sehnsucht geweckt hat, habe ich mein Ziel ja erreicht.

Monika
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