Fahrzeugeinfuhr Namibia - TIP

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus
Staaten: Äquatorial Guinea, Gabun, Republik Kongo, Demokratische Republik Kongo, Uganda, Kenia, Burundi, Komoren, Tanzania, Angola, Zambia, Ruanda, Madagaskar, Mozambique, Zimbabwe, Namibia, Botswana, Malawi, Südafrika, Swaziland, Lesotho, São Tomé, Príncipe

Moderator: Moderatoren

Antworten
Benutzeravatar
Achim Vogt
Moderator
Beiträge: 2861
Registriert: Fr 2. Jan 2009, 19:32
Wohnort: Kampala / Uganda

Fahrzeugeinfuhr Namibia - TIP

Beitrag von Achim Vogt »

Zuerst hatte das Namibia-Forum am 6. Februar über eine neue Direktive der namibischen Finanzbehörde Namibia Revenue Authority (NamRA) berichtet. Danach sind Reisende, die nicht aus der südafrikanischen Zollunion (Southern African Customs Union oder SACU - dazu zählen Südafrika, Namibia, Botswana, Lesotho und Eswatini, das frühere Swaziland) stammen und mit einem Fahrzeug mit ausländischem Kennzeichen einreisen wollen, verpflichtet, ein sogenanntes Temporary Import Permit (TIP) auszufüllen.

Dann der Hammer: die Erlaubnis, in Namibia mit diesem TIP zu reisen, dürfe "normalerweise" 90 Tage nicht überschreiten - was der Höchstdauer eines Touristenvisums entspricht. Hier das Dokument der NamRA im Original:

Namibia TIP 1.jpg
Namibia TIP 2.jpg

Sofort entspann sich eine lebhafte Debatte in mehreren Foren, dem Namibia-Forum ebenso wie in verschiedenen Facebook- und WhatsApp-Gruppen. Kernfrage: was ist mit all denen, die mit einem Carnet de Passage (CPD) unterwegs sind. Und was machen eigentlich die vermutlich hunderten von Reisenden, die ihre Fahrzeuge in der Nähe des Flughafens von Windhuk teils schon seit langem abgestellt haben?

Zwar erklärte offenbar der ADAC, so ein Beitrag im Namibia-Forum, das Carnet sei immer vorrangig gegenüber einem TIP, aber das verkennt in deutscher Gründlichkeit, dass afrikanische Staaten das nicht immer so sehen: Tanzania zum Beispiel verlangt trotz Carnet ein TIP und begrenzt die Aufenthaltsdauer - offiziell - auf drei Monate. Andere Länder der Region handhaben es ähnlich. Immerhin hat ein Mitarbeiter von NamRA heute gegenüber einem Mitglied des Namibia-Forums schriftlich erklärt, das Carnet sei von den neuen TIP-Regelungen ausgenommen und werde wie bisher gehandhabt. Auch einer der Betreiber mehrerer Hallen in Windhuk versicherte mir heute, das Carnet sei nicht betroffen.

Für Aufatmen ist aber nur begrenzt Anlass. Zu viele Fragen bleiben nach wie vor offen:
  • Wer überland in die SACU einreist (zum Beispiel von Angola, Sambia oder Mozambique), benötigt kein Carnet, an manchen Grenzen weigern sich Grenzbeamte, es zu stempeln (in der SACU wird ein Carnet nur von denen verlangt, die ihr Fahrzeug verschiffen). Können diese Reisenden ihr Fahrzeug dann tatsächlich nur noch 90 Tage in Namibia stehen lassen?
  • Was passiert, wenn Reisende zumindest kurz nach Hause fliegen und dann wieder zurückkommen wollen? Offiziell heißt es auf der NamRA-Webseite, nur diejenigen Fahrzeuge dürften mit einem TIP im Land sein, deren Besitzer sich ebenfalls im Land aufhalte!
  • Was passiert, wenn zum Beispiel ein Reisender mit einem deutschen Truck von Mozambique aus nach Südafrika einreist und dann ein gültiges TIP hat? Gilt das auch für Namibia und dann insgesamt nur 90 Tage?
  • Ein Reisender beschrieb, er besitze als Engländer ein Fahrzeug mit Botswana-Kennzeichen. Im Dokument oben ist nicht klar, ob es sich um die "Nationalität" des Fahrzeuges oder / und des Besitzers handelt.
  • Was passiert, wenn die Einreise nicht über Katima Mulilo im Caprivi-Streifen, sondern zum Beispiel aus Zimbabwe nach Südafrika mit Carnet erfolgt, das aber dann an der südafrikanisch-namibischen Grenze nicht gestempelt wird? Was ist dann mit der von NamRA verkündeten Ausnahme für Carnet-Fahrer?
Kurz und gut: die Unsicherheit unter Reisenden und die Wut vieler ist groß. Die Regelung gilt offiziell bereits seit dem 23. Januar - das heißt, die Uhr tickt! Es wird abzuwarten bleiben, wie sich das alles in der Praxis auswirkt.

Viele Grüße
Achim
Rufus
Beiträge: 384
Registriert: Do 7. Aug 2014, 11:33
Wohnort: Bergstrasse
Kontaktdaten:

Re: Fahrzeugeinfuhr Namibia - TIP

Beitrag von Rufus »

Achim Vogt hat geschrieben:
Mo 13. Feb 2023, 18:20
Tanzania zum Beispiel verlangt trotz Carnet ein TIP und begrenzt die Aufenthaltsdauer - offiziell - auf drei Monate.
Hallo Achim,

diese Aussage halte ich immernoch für falsch, egal, wie oft Du sie wiederholst.
Wenn Du ein Carnet d.P. hast, brauchst Du kein TIP! Tansania verlangt zwar eine temp. Import-Fee zusätzlich zum Carnet, aber kein TIP!
Danach wurde ich den 4 Jahren, die mein Auto in TAN stand, nie gefragt! Das Carnet wurde jedes Jahr erneuert und problemlos neu gestempelt.

Und das Schreiben der NAMRA sagt doch gar nichts über Carnet-Besitzer aus!
Sieh es doch mal umgekehrt:
wenn Du mit einem Fahrzeug mit ausländischer Zulassung, ohne Carnet nach Namibia kommst, dann darfst Du jetzt immerhin mit TIP einreisen!
Soweit ich weiß, ging das früher nicht (?). Und ein TIP galt immer schon nur für drei Monate.

Im August werde ich ja die Situation erleben... Dann berichte ich, was passiert ist. (Ich rechne nicht mit Problemen, weil ich ja ein Carnet habe).
LG
Rudi
horst.k
Beiträge: 354
Registriert: So 29. Jan 2006, 09:57

Re: Fahrzeugeinfuhr Namibia - TIP

Beitrag von horst.k »

Hallo zusammen,

wir sind gerade in Windhoek.
Die Aussage unseres Unterstellers ist, daß es Carnet-Inhaber nicht betrifft!
Anlass für die neuen Regeln sind wohl illegale Einfuhren über Botswana und Angola.
Wir sind vor 2 Wochen von SA nach Namibia reingekommen, TIP war kein Thema.

Viele Grüße
Horst
Benutzeravatar
Achim Vogt
Moderator
Beiträge: 2861
Registriert: Fr 2. Jan 2009, 19:32
Wohnort: Kampala / Uganda

Re: Fahrzeugeinfuhr Namibia - TIP

Beitrag von Achim Vogt »

Lieber Horst,

danke für das Update. Die Aussage des Unterstellers passt ja zu dem, was ich auch geschrieben hatte. Da das TIP erst seit dem 23. Januar verpflichtend ist, ist es durchaus denkbar, dass es bis zu "Eurer" Grenze noch nicht vorgedrungen war.

Lieber Rudi,

da die Southern African Customs Union nur bei Verschiffungen, nicht aber bei der Einreise überland auf einem Carnet besteht, ist schon naheliegend, dass Carnet-Inhaber von der neuen Regelung nicht betroffen sind. Angola z.B. nutzt gar kein Carnet, wenn es also - wie Horst schreibt - um illegale Einfuhren sind, muss das in erster Linie auf TIP-Basis laufen.

(Da dies ein Namibia-Thread ist, nur so viel ganz kurz zu Tanzania: es soll jetzt nicht um semantische Finessen gehen, aber es ist ein TIP! Die Regelung ist in der ostafrikanischen Gemeinschaft EAC einheitlich. Höchstaufenthalt ist drei Monate (wie gesagt: offiziell!), alles andere ist die afrikanische Wirklichkeit :roll: und Du darfst Dich glücklich schätzen. Hier für alle, die es interessiert, das entsprechende Formular C32, das an der Grenze auszufüllen ist, egal ob Du ein Carnet hast oder nicht. Das ist das TIP, für das dann eine Gebühr entrichtet werden muss (= Fee), die Du entsprechend auf Rechnungen und Banküberweisungen findest. In Deinem Schreiben an den ADAC 2019 hast Du übrigens selbst folgendes geschrieben: "Das ist doch nicht im Sinne des Carnets, dass man zusätzlich doch noch eine TIP-Gebühr bezahlen muss..." :wink: )

Viele Grüße
Achim
Rufus
Beiträge: 384
Registriert: Do 7. Aug 2014, 11:33
Wohnort: Bergstrasse
Kontaktdaten:

Re: Fahrzeugeinfuhr Namibia - TIP

Beitrag von Rufus »

Hallo Achim,

Dieses "Formular C32" habe ich nie gesehen. Entweder hatte ich wirklich Glück oder den ostafrikanischen Custom-Behörden im laufe der Zeit genug Geld in den Rachen geschoben... Jedenfalls bin ich froh, dass mein Auto jetzt in Sambia steht und gespannt auf die Einreise nach Namibia im August. :h:

Da Du gerade Angola erwähnst: wie wird das denn dort gehandhabt? Ein Carnet wird ja dort nicht verlangt... Weiß das hier jemand?
Ich überlege, mein LHD (Linkslenker)-Auto evtl. dort zu verkaufen...
LG
Rudi
horst.k
Beiträge: 354
Registriert: So 29. Jan 2006, 09:57

Re: Fahrzeugeinfuhr Namibia - TIP

Beitrag von horst.k »

Hallo Rudi,

3x Angola an abgelegenen Grenzübergängen, immer mit TIP.
Da kommt auch grob die Route drauf, das Dokument kennt man im Land und wird auch mal kontrolliert.

Gruß Horst
Benutzeravatar
Achim Vogt
Moderator
Beiträge: 2861
Registriert: Fr 2. Jan 2009, 19:32
Wohnort: Kampala / Uganda

Re: Fahrzeugeinfuhr Namibia - TIP

Beitrag von Achim Vogt »

Lieber Rudi,

wie Horst geschrieben hat: Angola stellt ein TIP aus. Carnet will niemand sehen. Ich hörte von einem Reisenden, der gerade heute zurückgekehrt ist, dass die Behörden das TIP fürs Auto auch mit dem Pass verknüpfen und tatsächlich bei der Ausreise nachfragen, wenn sie den Wagen nicht sofort sehen. Das könnte für einen Verkauf schwierig werden.

Viele Grüße
Achim
Olaf.L
Beiträge: 182
Registriert: Di 11. Mär 2008, 10:38

Re: Fahrzeugeinfuhr Namibia - TIP

Beitrag von Olaf.L »

Hallo zusammen,

mein Auto steht seit 4 Jahren in Tansania. Das Formular C32 ist immer mit dem Dokument für die Tanzania Revenue Authority
zusammen getackert. Beides Dokumente vom Zoll. Kostet pro Monat 20 USD und wird bei der Einreise immer nur für 3 Monate
ausgestellt. Früher konnte ich sie an der Grenze für 1 Jahr überreden und habe auch im voraus gezahlt. Das geht seit zwei Jahren nicht mehr.
Ich lasse das dann in Arusha oder Moshi im Hauptamt rückwirkend mit Nachzahlung für das gesamte Jahr und wieder 3 Monate im voraus
stempeln. Das Carnet hat nach wie vor volle Anerkennung und muss von der Gültigkeit genau eingehalten werden!! Sonderreglungen wie in der
Coronazeit gibt es nicht mehr. (Carnet stempeln ohne auszureisen)
Die ganze Handhabe ist " afrikanisch" und man sollte da nicht zu viel Welle drum machen!!!

Gruß Olaf
Antworten