Ganz herzlichen Dank an Rudi für die aktuellen Infos von unterwegs !Rudi Kleinhenz hat geschrieben:
Von Brazzaville mit dem eigenen Fahrzeug nach Namibia
Rudi Kleinhenz (DZG) vom 15.10. – 29.10.2012
KONGO/BRAZZAVILLE
Hotel Hippocampe in Brazzaville, Anlaufstelle erste Sahne, Auto stand 9 Monate unbeschadet dort, wurde sogar aufgebockt, da die Reifen extrem Luft verloren hatten. Olivier half bei allem, vom Ölwechsel bis zur KFZ-Versicherung, vom Geldtausch bis zum Internet! Traveller dürfen im Hof kostenlos parken, zelten und Toilette und Dusche benutzen. Das Ambiente ist toll, das Essen schmeckt klasse, nur seinen spitzfindigen Witzen ging ich oft auf dem Leim.
Zurzeit war der französische Gespannfahrer Jean-Louis ebenfalls Gast hier, übrigens der einzige Traveller, dem ich auf der gesamten Tour begegnet bin. Hauptdiskussionspunkt: „Wie kommt man am besten über den Kongo.“
Brazzaville bis Kinkala:
- Möglichkeit: Die Fähre Brazzaville – Kinshasa
Soll extrem teuer sein und korrupt zugehen. Bis zu 1000 US$ und dann 1 Woche auf das Auto warten, war die übelste Geschichte, die Jean-Louis gehört hatte.- Möglichkeit: Die kleine Fähre bei Luozi
Bis Boko Teerstraße, dann sehr schlechter Weg bis zur Fähre, auf der anderen Seite gut 100 km ebenfalls sehr schlechte Piste.- Möglichkeit: Die Brücke bei Matadi
Größter Nachteil, sehr lange Anfahrt und ein Doppeleinreisevisum für Angola nötig
Ich entschied mich für die 3. Möglichkeit, da ich ein Visum für Angola mit multiplen Einreisen hatte und die Strecke von Brazzaville bis Dolisie vom letzten Jahr her kannte.
gute Teerstraße
Kinkala bis Mindouli:
gute Piste, komplett neu saniert, letztes Jahr nur über diverse Umleitungen passierbar, jetzt nur an den Brücken Engpässe.
Mindouli bis Dolisie:
ca. 50 vor Loutete stoppte mich Militär, es wurde ein kleiner Konvoi gesammelt, min. 4 Fahrzeuge, die dann militärischen Geleit bis vor Loutete erhielten, angeblich Rebellengebiet! Sonst ist die Piste befahrbar, staubig oder schlammig, je nach Wetter.
Parallel baut eine chinesische Firma eine 4-spurige Autobahn, die an einigen Stellen schon geteert ist, aber noch nicht befahren werden darf, selbst das Befahren ungeteerter Stücke ist bei Strafe verboten. Es stehen Polizisten auch in Zivil an den Ausfahrten und stoppen alle Autos. Einheimische meiden diese Straße noch, wegen der Strafen!
Dolisie bis Pointe Noire:
sehr gute, teils zweispurige Teerstraße mit vielen Serpentinen. 2 Mautstellen an denen ich jedoch nicht zahlen musste, keine Ahnung warum!
Pointe Noire bis Grenze Cabinda:
eine Mautstelle die auch einen 1 US$ Schein akzeptiert.
Ich hatte eine gültige KFZ-Versicherung in Brazzaville abgeschlossen, wurde aber nie danach gefragt. Die Versicherung gilt auch für viele Länder nördlich von Kongo/Brazzaville, aber nicht für DRC und Angola. Die Kontrollen waren zu 90 % problemlos. Die restliche 10 % auch keine Schikane.
Grenzübertritt von Kongo/Brazzaville nach Angola/Cabinda:
Von Kongoseite werden Pass und Carnet problemlos abgestempelt, von Cabindaseite dauerte es etwas länger, da mein Pass irgendwo weiter entfernt kopiert werden musste. Außerdem wurde meine bisherige Reiseroute von Deutschland bis Angola genau notiert. Das Carnet wurde problemlos abgestempelt.
ANGOLA/CABINDA
Die Straße in Cabinda von Fouta bis Yema ist komplett geteert. Eine Polizeikontrolle wollte wissen, was ich gerade fotografiert hatte. Die Grenze zu DRC wird gut überwacht. Man griff mich auf, als ich irgendwo an der Grenze im Gelände übernachten wollte. Die freundlichen Soldaten ließen mich dann in ihrem Camp direkt vor der Grenze übernachten. Ich bekam sogar eine funktionierende Steckdose für mein Netbook.
Es gelang mir nicht in Cabinda eine KFZ-Versicherung abzuschließen! Das muss nicht bedeuten, dass es keine gibt. Ich wurde aber nie danach gefragt! Die Kontrollen waren alle sehr freundlich.
Grenzübertritt von Angola/Cabinda nach DRC:
Auf Cabindaseite alles problemlos, auf DRC-Seite musste ich eine Passkopie vorlegen, zur Not würde auch ein Passbild reichen! Ein gewisser „Mr. Blaise“ hilft bei allen Angelegenheiten, kostenlos wohlgemerkt und spricht mehrere Sprachen. Er wäre ein Service der Regierung, den Ruf des Landes aufzupolieren. Der Zoll macht den Ruf wieder dahin, denn ich musste wirklich jede Kiste und Tasche öffnen, die sie irgendwie am und im Auto entdeckten. (Zu meiner eigenen Sicherheit wohlgemerkt!)
DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO
Yema bis Boma:
Recht gut befahrbare Sandpiste, bis Muanda recht schmal. Nach Muanda eine „Mautstelle“. Man knöpfte mir 20 US$ ab, ich wollte es nicht wahr haben. Die Preise standen aber fein säuberlich nach Fahrzeugen gestaffelt auf einer Tafel. Zahlbar in einheimischer Währung oder US$.
Boma bis Matadi:
Die ersten 30 km sind in schlechtem Zustand, der Teer fehlt oft schon ganzflächig, so fuhr ich an der ersten Gabelung Richtung Lukula, bzw. Tschela weiter, da diese Straße gut geteert ist. Dann wird die Straße nach Matadi zunehmend besser. Die Kongobrücke vor Matadi kostet Maut. Auch hier nehmen sie US-Dollar zusätzlich zur eigenen Währung. Allerdings akzeptierten sie meine 1 US$-Noten nicht. Ein 5 € Schein half weiter, ich bekam sogar Wechselgeld zurück.
Matadi bis Songololo:
Ausgezeichnete Teerstraße mit einer Mautstelle ca. 20 km nach Matadi. Auch hier wieder Zirkus wegen meiner 1 US$-Scheine. (5 oder 10 US$-Scheine sind gefragt) Nach langem hin und her haben sie sie doch akzeptiert.
Sogololo bis Luvo:
11 km sandige Piste, teilweise größere Pfützen, fahrtechnisch jedoch kein Problem.
Auch hier bin ich ohne KFZ-Versicherung gefahren, habe gar nicht versucht eine abzuschließen. Ein einziger Polizist (Zwerg mit riesiger Sonnenbrille) auf der Strecke Boma – Matadi hat mehrmals Insurance erwähnt. Nach dreimal nichts verstehen konnte ich weiterfahren. Die anderen Kontrollen waren harmlos, 2x spendierte ich eine Zigarette (Marke Kraut, die in Europa kein Mensch raucht).
Grenzübertritt von DRC nach Angola:
Zuerst kommt das Zollgebäude, Carnet problemlos, ein km weiter die Passkontrolle. Dauerte ewig, gut eine Stunde, ich wurde ständig vertröstet, vielleicht ging der Kopierer nicht! Auf Angolaseite muss ich wieder meine Reiseroute angeben, der Pass geht schnell. Der Zoll akzeptiert mein Carnet NICHT!!! Es gilt ja auch offiziell hier nicht, wie schon vorher in vielen anderen afrikanischen Ländern, aber keiner der Beamten hat jemals die Rückseite angeschaut. Es wird zwar trotzdem abgestempelt, aber ich muss ein „Emportacao Temporaria“ für 6.369 Kwanzas kaufen. Zahlung auch in US$ möglich.
ANGOLA
Luvo über Mbanza-Kongo bis N´Zeto:
Direkt von der Grenze in Luvo führt eine phantastische neue Teerstraße bis N´Zeto. Tankstellen waren hier noch Mangelware, einige noch nicht eröffnete Neubauten. Dieselpreis ca. 0,33 € = 40 Kz/l
N´Zeto bis Luanda:
Am Ortseingang N´Zeto endet die Teerstraße, Tankstelle ist außerhalb des Ortes an der Piste nach Luanda. Im Ort Betankung aus Kanistern möglich, aber teurer (50Kz/l). Die Piste selbst ist in gutem Zustand, nur die erste Umleitung um einen Brückenneubau ist schlammig, wie Schmierseife. Sonst keine Probleme. Es ist eine Teerstraße im Bau. Ca. 70 km vor Luanda beginnt die Teerstraße.
Luanda selbst ist eine große Baustelle. In der Stadt ist jeder freie Platz zugeparkt. Am Meer vor der Festung fand ich dann kostenlose Parkplätze. Für mich war die Stadt kein Highlight!
Luanda Küstenstraße bis Abfahrt nach Gabela:
Durchgehend gute Teerstraße
Querstraße über Gabela nach Quibala:
Viele Serpentinen, landschaftlich wunderschön und vor allen Dingen guter Teer. In Gabela selbst jedoch viele Schlaglöcher.
Quibala bis Huambo:
Anfangs vereinzelt Schlaglöcher, ansonsten guter Teer.
Huambo bis Lubango:
Bis Cuima guter Teer, dann 65 km gut befahrbare Piste, danach durchgehend guter Teer. Nach Negola, kurz vor Mauengue ist eine eingestürzte Metall-Brücke nicht richtig abgesperrt. Die Umfahrung nicht gut, oder gar nicht beschildert. Vorsicht Unfallgefahr!!!
Lubango bis Santa Clara:
Bis nach Cahama sehr gute Teerstraße, dann Piste und schlechte Teerstraße abwechselnd bis Humbe. Von dort bis Ondjiva guter Teer, der Rest zur Grenze Piste und Teerreste.
Grenzübertritt von Angola nach Namibia:
Obwohl ich von ewigen Wartezeiten hörte, dauerte es nicht mal 30 min, bis ich überall durch war. Carnet auf Angolaseite gestempelt, Pass auch, auf Namibiaseite wird noch ein Cross Border Charge Permit fällig, für 220 Namibiadollar. Die restlichen Kwanzas sollte man entweder auf Angolaseite bei Geldwechslern tauschen, oder auf Namibiaseite im Supermarkt Portugal ca. 800 m hinter der Grenze links an der Straße in einer Wechselstube. Die Banken tauschen die Kwanzas nicht.
Auch in Angola bin ich komplett ohne KFZ-Versicherung gefahren! Ich wurde nie danach gefragt. Wichtig waren immer Pass, Führerschein und Carnet. Die Kontrollen waren zu 95 % extrem freundlich. Oft durfte ich sogar gleich fahren, als sie mich als Touristen erkannten.
Gruß nach Namibia
Birgitt


