Steinzeitliches Vermächtnis der Wüste

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Uwe Schmitz
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Steinzeitliches Vermächtnis der Wüste

Beitrag von Uwe Schmitz »

liebe Saharafahrer,
lest doch bitte diesen Text einmal...
...und erinnert euch vielleicht daran in der wüste !

DAS STEINZEITLICHE VERMÄCHTNIS DER WÜSTE
R.A. Bagnold im Vorwort zu „Desert Landforms in Southwest Egypt“ (El-Baz & Maxwell, eds., NASA, Washington 1982) zur Ausbeutung der Sahara, in der nach dem Raubbau an Wasser und Erdöl nun auch die archäologischen Bodenschätze bedroht sind.

„Die Wüste ist durch die Aktivitäten des Menschen noch in einer ganz
anderen Hinsicht verwundbar. Dadurch, dass sie über lange Zeiträume
der Winderosion ausgesetzt war, liegen die Zeugnisse der verschiedenen
Phasen ihrer Besiedlungsgeschichte alle beieinander auf
der heutigen Oberfläche. Wenn also jemals ein erkennbarer Fortschritt
bei der Erforschung der menschlichen Vergangenheit in dieser Wüste
erreicht werden soll, sind dafür wohl spezielle Methoden, wie etwa
die Anwendung komparativer Statistik auf die Verteilungsdichte und
die Verbreitung der verschiedenen Artefakt-Typen erforderlich ...
... Aber leider liegt es in der menschlichen Natur, dass kaum
jemand, der vorzeitliche Artfakte am Boden liegen sieht, der
Versuchung widerstehen kann, sie aufzuheben und mitzunehmen.
Schon jetzt dürfte das ursprüngliche statistische Gepräge an einigen
Plätzen bereits verloren sein ...
... In dieser wunderbaren Wüste gibt es noch unbegrenzte
Möglichkeiten für viele wissenschaftliche Expeditionen ... Aber für
das Wohl der Nachwelt kann man nur hoffen (ich fürchte, wohl
vergebens), dass das Streben der Menschheit nach Ausbeutung weder
für das Wasser noch für die Archäologie in der gleichen Weise zu
einer Erschöpfung des angesammelten Erbes der Vergangenheit führt,
wie das bereits jetzt bei den fossilen Brennstoffen der Fall ist.“
Darum: Verzichten Sie auf Souvenirs, zügeln Sie Ihren Forscherdrang
und helfen Sie, der Zukunft die Vergangenheit zu bewahren!
RALPH A. BAGNOLD O.B.E., F.R.S.
Dr. HANS RHOTERT
Prof. Dr. THÉODORE MONOD


EIN WORT MIT AUF DEN WEG IN DIE WÜSTE
Tausende fahren jährlich in die Sahara, um dort zu forschen, zu arbeiten oder nur, weil die Faszination der Wüste sie lockt. Viele bringen von ihrer Reise mindestens eine Pfeilspitze oder einen Faustkeil als Souvenir mit und haben dadurch, meist ohne es zu wissen oder zu wollen – und häufig noch mit wissenschaftlichem Interesse begründet –, einem der ärmsten Länder Afrikas eine Quelle seiner Geschichte geraubt.
Zwar erscheint die Anzahl der Fundstellen unerschöpflich (wie einst die Zahl der Wale oder die tropischen Regenwälder), dennoch gibt es schon Regionen, in denen kein steinzeitlicher Siedlungsplatz mehr intakt ist. Das „nur eine“ mitgenommene Werkzeug kann das entscheidende Glied in einer Kette von Informationen sein, die eine vorzeitliche Quelle entschlüsselt. Ein historisches Dokument, in dem Seiten fehlen (und man weiß nicht einmal welche und wie viele), ist fast ebenso wertlos wie die Seiten selbst, wenn sie aus ihrem Zusammenhang herausgerissen sind.

Afrikanische Geschichte ist zum größten Teil ungeschriebene Geschichte und deshalb besonders auf die archäologischen Quellen angewiesen.
Gewiss stehen in den betroffenen Ländern heute meist drängendere Probleme im Vordergrund, aber spätere Generationen werden unserer Zeit eine Zerstörung ihres kulturellen Erbes anlasten, die schlimmer, weil definitiver ist als die Plünderung von Kunstschätzen während der Kolonialzeit.
Man muss nicht Archäologe sein, um diese Folgen unbedachter Sammelleidenschaft zu erkennen. So hat Ralph Bagnold mit bewegenden Worten und treffenden Beispielen dieses Problem dargestellt. Seiner Mahnung schlossen sich Professor Théodore Monod und Dr. Hans Rhotert an, die gleichfalls zu den Pionieren gehören, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weite Teile der Sahara erschlossen haben. Ihr gemeinsamer Appell richtet sich an diejenigen, die wie sie die Wüste lieben und sich gleichermaßen verantwortlich fühlen für diese nur scheinbar unerschöpfliche Quelle der menschlichen Vergangenheit wie für die Zukunft der Menschen, deren Geschichte dort ihrer Erforschung
harrt.
Sorgen Sie dafür, dass Ihre Reise nicht dazu beiträgt, den Kulturraub vergangener Zeiten fortzusetzten durch eine Zerstörung historischen Erbes, die zwar heute kaum zur Kenntnis genommen wird, aber für die kommenden Generationen einen nie wieder gutzumachenden
Verlust darstellt!

SCHÜTZEN SIE DAS KULTURELLE ERBE DER SAHARA!

Herausgeber: HEINRICH-BARTH-INSTITUT
Jennerstr. 8 D–50823 Köln September 1989
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