Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen, fotografisch dokumentiert. In diesem Forum findet ihr Reiseberichte als "Fotostreckenführer" zu interessanten Reisewegen.
Shiraz. Die Stadt der Poeten. Hafez liegt hier begraben. Und auch Saadi. Wir sind etwas kulturmüde, die Mausoleen können uns nicht locken
Für uns ist Shiraz die Stadt der Eiscreme die beste Rosenwasser-Eiscreme mit Mandelsplittern gibt es in einer der vielen Eisdielen hinter der Zitadelle in der Naser Khosro Street. Wählt den Laden, wo die Warteschlange am längsten ist
Karim Khan - Festung mit beeindruckendem Wall. Wir versuchen für ein optimales Foto exakt die Position des steinernen Fotografen einzunehmen. Es gelingt nicht. Irgend etwas auf dem Motiv läuft aus dem Ruder ...
Es ist der Turm! Völlig schief ist dieses Ding! Der schiefe Turm von Pisa würde vor Neid erblassen
Noch eine Kuriosität: Was sind das für halbkreisförmig angeordnete "Bordsteinkkanten" rechterhand?
Eine riesige Sonnenuhr. Sie funktioniert sogar ...
... nachdem wir die Bedienungsanleitung studiert haben
Mittlerweile werden auch Passanten aufmerksam und interessieren sich für das, woran sie bisher wohl immer achtlos vorbei gegangen sind
"Welcome to Iran" wir werden wieder gestärkt mit einem Brot für unseren weiteren Spaziergang durch die Stadt
Pickles, Essig und Öl. Die Iraner lieben sauer eingelegtes Gemüse. Zu jedem Essen werden Pickles gereicht, ob man möchte, oder nicht. Es gibt spezielle Pickles-Fachgeschäfte, die neben dem eingelegten Sauren auch Öl und Essig feilbieten. Zum selber abfüllen
In der unmittelbaren Nachbarschaft befinden sich meist auch die Gewürzhändler
Eine Schneiderbüste weist uns den Weg in Richtung Souk Vakil
Mitten im Souk liegt das gemütliche traditionelle Restaurant Seray-e Mehr. Das Essen ist ausgezeichnet, die Bedienung leider mehr mit dem Smartphone, als mit dem Service beschäftigt
Das beste aber am Souk Vakil ist der winzige zwei Treppenstufen hoch gelegene "Eis-Nudel-Laden" Kurz vor dem Restaurant Seray-e Mehr verkauft dieser kleine Laden Faloodeh (oder Paloodeh), die Spezialität von Shiraz: ein Rosenwasser-Sorbet aus geeisten Reisnudeln, das man wahlweise mit Limettensaft genießen kann. In der Gasse davor reihen sich die Stühle aneinander, Alt und Jung sitzen zusammen und erfreuen sich am Genuß der leckeren gefrorenen Kalorien Es gibt viele Faloodeh-Geschäfte in Shiraz. Aber hier schmeckt es uns am allerbesten. Vielleicht liegt es ja auch am gemeinschaftlichen Genuss in der engen Gasse
Wir widmen diesen Tag voll und ganz der Kulinarik. Und dazu zählen natürlich auch die Utensilien zur Essenszubereitung. Im Souk gibt es alles für die Küche, ob aus Kupfer oder Weißblech
Besonders angetan haben es uns die Grillschalen mit Handgebläse
Der Wecker klingelt früh an diesem Morgen, denn wir starten unser Besichtigungsprogramm heute schon vor dem Frühstück Schnell ein Tee zum wach werden, dann eilen wir mit großen Schritten unserem Ziel entgegen: der Pink Mosque, der Nasr-ol-Molk Moschee. Eintritt 15.000 Toman.
Pünktlich zum Einlass um 8 Uhr stehen wir im Innenhof. Das Wasserbecken gleicht einem Spiegel. Niemand ist um uns herum.
Wir treten ein. Und sind überwältigt. Der Lichteinfall in der pinken Moschee ist um diese Uhrzeit atemberaubend
Wir haben das Gefühl in einem Regenbogen zu stehen. Die Gebetshalle wird morgens vom Sonnenlicht durch die bunten Scheiben nur so geflutet
Jetzt frühstücken wir erst einmal in aller Ruhe in unserem Hostel. Das Reich haben wir nun nahezu für uns alleine, weil wir uns heute völlig azyklisch verhalten
Die pinke Moschee hat Lust auf mehr geweckt und den Blick für das Schöne wieder geschärft. Gleich neben unserem Hostel befindet sich eine weitere hübsche Moschee mit liebevollen Details
Manche Moscheen betrachten wir nur von außen
bei anderen gehen wir bis zur Türe und werfen einen kurzen Blick hinein
Die Hände scheinen uns heranzuwinken
Wir stehen vor dem Seyed-Aladin-Hoseyn Heiligtum. In unserem Reiseführer steht, Nichtmuslime würden für gewöhnlich abgewiesen
Davon merken wir allerdings nichts Ein Mensch mit einem giftgrünen Staubwedel eilt uns entgegen und zerrt uns förmlich hinein Mit seinem islamischen Mob wedelt er an uns herum, als wolle er alle bösen Geister von uns abwischen. Dann hängt er mir den üblichen geblümten Tschador um und geleitet uns ins prachtvoll funkelnde Innere. Milliarden Spiegelmosaike brechen das Licht der unzähligen Kronleuchter
Restlos alles glänzt
Die Gläubigen lassen sich bei ihren ehrfürchtigen Gebeten am Heiligtum nicht stören, obwohl ich mich als Nichtmuslima und darüber hinaus noch im Männerabteil der Moschee bewege. Sie küssen und streicheln ihr Heiligtum unbeirrt weiter
Bisher haben wir den Muezzin nie besonders wahrgenommen. Man hat ihn ab und zu gehört. Verhalten. Mehr nicht. In Shiraz ist das anders. Laut schallt es durch die Stadt. Vielleicht empfinden wir es aber auch nur heute so, weil wir auf "Moschee-Tour" sind
Das Seyed-Aladin-Hoseyn Heiligtum muss mit Abstand das funkelndste und glitzerndste sein, was möglich ist. Denken wir. Wir sollen uns täuschen. Es geht noch besser
Denn in Shiraz befindet sich auch der drittheiligste Schrein der Schiiten im Iran: das Shah-Cheragh-Heiligtum. Fotografieren ist verboten. Mit dem Fotoapparat. Die strenge nach Geschlechtern getrennte Einlasskontrolle überprüft alles ganz genau. Und entdeckt jede noch so kleine Kamera. Taschen und Fotoapparate sind an der Aufbewahrung abzugeben. Ausnahmen werden nicht gestattet. Smartphone darf man behalten. Fotografieren und filmen mit dem Handy ist erlaubt. Das ist ja keine Kamera. Es ist ja ein Telefon Die Logik erschließt sich uns nicht Die Gesetze scheinen gemacht, bevor Smartphones den Markt eroberten. Niemand hinterfragt die aktuelle Handhabung. Und das Smartphone kann schlecht abgegeben werden, da jeder auch während des Gebetes erreichbar bleiben will
Durch verschiedene kleinere und größere mehr und weniger glitzernde Eingangshallen und mit Wasserspielen dekorierte Innenhöfe - durch die wir gemeinsam spazieren dürfen - erreichen wir den Hauptkomplex mit seiner prächtigen Fassade
Innen werden die Geschlechter wieder aufgeteilt
Offene, hohe Räume laden zum meditieren ein, die Menschenmenge verläuft sich
In anderen Ecken drängen sich die Gläubigen und die Hüter/innen der grünen Staubwedel, die fuchtelnd die Richtung weisen
Decken, Wände, Kristalleuchter - alles glitzert und funkelt um die Wette
Boqeh-ye Sha Cheragh ist ein weitläufiger Komplex
mit riesigem Innenhof
der mit seinen diversen Wasserbecken mit Springbrunnen zum spazieren und verweilen einlädt. Besonders schön ist der Besuch am Abend
Menschen sitzen in Gruppen zusammen, erzählen, meditieren, beten - und telefonieren
Andere besprechen sich abseits der Masse
Und über allem liegt der eindringliche Sound des Orient. Schaut und hört selber ...
Ganz spannend fand ich bei meinem letzten Besuch, wie sehr sich die Umgebung des Shah Cheragh Mausoleums verändert hat.
In den 1990-er Jahren stand der pompöse Kuppelbau noch ganz alleine und etwas verloren am Rande eines staubigen Parkplatzes. Alle anderen Bauten und die Kolonnaden rund um den Platz waren noch nicht. Und da wo jetzt die neue Moschee steht, war damals noch ein grosser Verkehrskreisel – und unser Parkplatz.
Die heutige prunkvolle Anlage ist nagelneu und entstand erst 2012 bis 2015.
Bäärti hat geschrieben:Ganz spannend fand ich bei meinem letzten Besuch, wie sehr sich die Umgebung des Shah Cheragh Mausoleums verändert hat ...
Für mich ist spannend zu hören, wie es früher war. Ich kenne ja nur den Status quo. Heute kaum noch vorstellbar, dass an der Stelle der Moschee früher ein Verkehrskreisel war. Das Shah Cheragh Mausoleum ist in der Tat ein mächtiger und beeindruckender Komplex heute.
Der Bedarf an Moschee ist fürs erste gedeckt Wobei ... so ganz entziehen kann man sich der Sache auch bei einem "normalen" Stadtbummel auf der Suche nach einem kleinen Imbiss nicht
Während wir so durch die Gasse spazieren, werde ich wieder leicht nervös. Noch bevor ich den Gasanschluss neben der Eingangstüre sehe, rieche ich das Gas. Soviel zum Thema "Safety first"
Beim Anblick der Gasanschlüsse wird einem teils Angst und Bange
Ich habe noch nie ein Land erlebt, wo man die Gashausanschlüsse riecht, bevor man sie sieht. Und zwar überall. Nicht nur in Shiraz. Der Geruch ist so stark, dass einem teilweise übel davon wird - mir fehlt hier an dieser Stelle jetzt leider der "Riechbutton" für eine Schnüffelprobe des Odorstoffes. Dem Geruch nach zu urteilen, müsste die Gaskonzentration weit über dem zündfähigen Gemisch liegen
Auf Überlandstrecken unterwegs riecht man sogar Erdgas-Übernahmestationen einige hundert Meter vor Sichtung derselben
Wer mag, kann von Shiraz noch einen Ausflug zum Lake Maharloo unternehmen
Lake Maharloo wird auch "Pink Lake" genannt, weil das Wasser des Sees im Frühjahr pink gefärbt ist
Jetzt im Herbst finden wir hier statt Wasser eine Salzfläche, an dessen Ufern im professionellen Stil Salz abgebaut wird
Nur in der Mitte erkennt man von weitem - fürs Foto nicht mehr einfangbar - eine etwas größere pinkfarbene Rest-Pfütze. Mit dem Auto würde ich mir eine Spritztour auf dem See verkneifen, zu dünn ist die Salzkruste
Im Herbst lohnt sich der Ausflug hierhin unserer Meinung nach nicht
Eine Ricoh CX5. Die passt prima in die Hosentasche
Auf dieser Reise habe ich mich zum ersten Mal dazu verleiten lassen, zusätzlich auch einige Fotos mit dem Smartphone zu machen (Huawei Honor 6x, damit sind u.a. die Fotos und das Video im Shah Cheragh Mausoleum gemacht). Fazit: 90 % der Smartphone Bilder sind einfach nur Schrott. Insbesondere die Landschaftsaufnahmen. Meine kleine Ricoh ist mir lieber.
Ade Shiraz Es gibt noch so viel zu sehen im Iran, wir wollen weiter Heute ist Freitag, ideal für unsere nächste Etappe. Wir entscheiden uns für Yasuj als nächstes Etappenziel. Vorsichtshalber noch schnell telefonisch dort ein Zimmer reservieren, und dann gehts los ... raus aus Shiraz
Bereits 40 km hinter Shiraz betätigen wir den Fahrtrichtungsanzeiger Ein kleiner Umweg muss jetzt sein, denn nur wenige Kilometer westlich unserer Strecke liegt "Ghalat Historical Village", ein hübsches vom Zerfall bedrohtes Dorf
mit ebensolchen Fahrzeugen
Am Wochenende fällt gefühlt halb Shiraz hier ein, die Parksituation ist teilweise abenteuerlich. Töpfe, Tüten, Kisten, Decken ... alles wird herangeschleppt fürs Picknick im Grünen, in den angrenzenden Wäldern
Manchmal kann man sich nur wundern, nach welchen Kriterien Picknickplätze ausgewählt werden