Bernd_J hat geschrieben: ↑Di 22. Mär 2022, 08:37
als Vorgeschmack: (gibt wirklich viele widerliche Bilder mit Mishandlungen durch Militär und Zivilisten, der Lack der Zivilisation ist halt dünn)
(übrigens natürlich kombiniert mit Hexenjagd auf russsischsprachige und Roma...)
[Bild siehe oben]
Ich bin mir sicher, dass so mancher die Gunst der Stunde nutzt, seine persönlichen Abrechnungen durchzuziehen, egal von welcher Seite. Aber diese Bilder sind für sowas nicht der Nachweis, so alleinstehend schon gar nicht.
Ein Bild ohne Kontext hat erstmal keine Aussage. Es bleibt also fast nur der voyeuristische Aspekt, der in diesem Zusammenhang wohl kaum einen „ästetischen Gehalt“ hat

. Auch ein späteres Gericht benötigt den Kontext zu den Bildern. Diesen im Nachhinein zu beschaffen ist oft schwierig bis unmöglich.
Ist der Kontext mit dabei, stellt sich die Frage: Ist der Kontext auch korrekt? — Grade bei Bildern ein großes Problem.
Vielleicht verdeutlichen das Problem die Details Deines
Beispiel-Bildes:
(für die Details der Bildbetrachtung würde ich die Ansicht auf 200% oder mehr vergrößern)
· Das Bild hat keine Metadaten. Zeitpunkt und Ort sind somit nicht offensichtlich und müssten recherchiert werden.
· Das Bild ist beschnitten, so dass man das Gesicht des Soldaten nicht erkennen kann.
Anhand der Weitwinkel-Verzerrung und der vorhandenen vertikalen Strukturen lässt sich die Verzerrung ausmessen und die Mindestgröße des Originals berechnen:

- Der fehlende Bildausschnitt markiert. Der Laternenmast (links) und die Schild-Stange (rechts) haben als Referenz-Senkrechten hergehalten. Aus diesen lässt sich die eingezeichnete Mittelachse des nicht beschnittenen Bildes berechnen. (Bild auf 33% verkleinert)
· Das Bild wurde über die verlustbehaftete JPG-Komprimierung absichtlich unscharf gemacht. Es hat 285 kB Größe. Dafür müsste dieses Bild mit ca. 75% bis 80% JPEG-Komprimierungsqualität gespeichert werden. Die JPEG-Artefakte entsprechen aber nur ca. 15% — Die Dateigröße wäre dann bei knapp 80 kB.
Das
im gleichen Zusammenhang entstandene Bild (vermutlich der Mutter) ist auch von unnötig schäbiger Qualität (bei 274 kB Dateigröße), hat aber deutlich weniger JPG-Artefakte, wie man am Vergleich der Schärfe der Gesichter im Hintergrund leicht erkennen kann.
Zum Nachbauen:
- Bild überschärfen mit "unscharf maskieren"
- Den dunklen Bereich etwas anheben zur Reduktion der Dynamik, so dass das Schäbige in der Überbelichtung wieder Oberhand bekommt.
- Als JPG speichern mit 15% JPG-Qualität.
Hier ein Beispielbild aus ordentlichem Ausgangsmaterial:

- Ergebnis bei 75% JPG-Qualität

- Ergebnis bei 15% JPG-Qualität
Wer den Unterschied nicht sieht
(jaja, die Augen ...
), hier nochmal künstlich hervorgehoben:

- Die JPG-Artefakte sichtbar gemacht: links 15% + rechts 75% JPG-Qualität.
Warum der ganze Aufwand?
Zum einen, um Authentizität zu suggerieren.
Vorallem aber, um die Bildbearbeitung besser zu vertuschen:

- fragwürdige Bild-Nachbearbeitungen markiert. Die Ukraine-Flagge stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus einem anderen Bild. Das bearbeitete Bild ist mit 75% JPG-Qualität gespeichert, so dass das eingeblendete Beispielbild zum direkten Vergleich herhalten kann.
(1) Die Ukraine-Flagge des Soldaten ist augenscheinlich nicht Original:
Das Krep-Pad zum befestigen der militärischen Kennzeichen und die angeheftete Flagge sind Rechtecke.
So, wie sie miteinander verbunden sind müssten sie die gleiche perspektivische Flucht haben, da sie miteinander verbunden sind.
Aber interessanterweise ist das eben nicht der Fall, und zwar deutlich!
Mit den Qualitätsverlusten durch die JPG-Artefakte wird die Fälschungs-Naht unsichtbar.
Bei dem Bild der vermuteten Mutter war dies nicht notwendig, was die etwas bessere Bildqualität erklären könnte.
(2) NACH dem speichern in schlechter Bildqualität ist wohl einer Qualitätskontrolle (?) etwas aufgefallen, so dass noch zwei Korrekturen gemacht wurden:
- Die Mütze der einen Person im Hintergrund, die wohl auf ein Smartphone herunter schaut.
- Das hintere Seitenfenster des Transporters.
in beiden Fällen wurde mit grau übermalt. Anhand der bei starker Vergrößerung sichtbaren Pixel-Struktur kann man erkennen, diese Änderungen wurden erst später hinzugefügt, als die Bilder schon finalisiert waren.
Was da weg-retuschiert wurde und warum, darf sich jeder selbst überlegen.
(3) Auch bei dem Bild-Inhalt sollte man sich fragen, was man sieht:
Ein Kontext würde hier erklären, wie ich das im Bild sichtbare verstehen soll. Zu dem gelieferten Stichwort „MIsshandlung durch Militär und Zivilisten“ finden sich aber ein paar Ungereimtheiten:
- Ich sehe, hier ist es warm und trocken, leichte Frühjahrskleidung. Andere Bilder aus Deinen Links haben deutlich Schnee ....
- Die Kleidung ist ordentlich und gepflegt, also keine Anzeichen irgendwelcher Gewalt-Einwirkung.
- Die Tüte ist ordentlich und offensichtlich sorgsam abgelegt worden, keine Beschädigungen, der Knoten ordentlich oben.
- Die Klebeband-Bandage wurde offensichtlich zweimal versucht, das erstemal mit durchsichtigem Klebeband, das unten auch noch lose weghängt. War das optisch nicht auffällig genug, dass das gelbe Band herhalten musste? — Jedenfalls würde ein Militär zwecks fesseln das Band nicht so uneffektiv drumherumwickeln. Der Sinn ist ein anderer.
- Die grüne Farbe im Gesicht ist auffällig. Wozu? — Zur Anonymisierung? — Wozu dann die Zurschaustellung?
Abgesehen davon, dass es hier wirkliche Opfer sein können (egal von welcher Seite), muss man anscheinend auch in Betracht ziehen, die Szene könnte komplett gestellt sein.
Solche Bilder zu verbreiten, ohne den Details auf den Grund zu gehen und zu benennen, ist handeln im Sinne der Propaganda. Denn je mehr Dichtung mit jedem erneuten Post dazu kommt, desto weniger wird am Ende von der Wahrheit übrig bleiben.
Ich (als Gegner der Vorratsdatenspeicherung

) kann nur hoffen, dass Twitter & Co die Bilder nur aus dem Verkehr ziehen statt zu löschen und die zugehörigen Umstände protokollieren. Mit einer umfassenden Analyse solcher Daten lässt sich dann so einiges mehr zur juristischen Aufarbeitung herauslesen, als den Akteuren im Hintergrund lieb sein dürfte.