sysiphus hat geschrieben: ↑Fr 30. Jun 2023, 16:09
Wagner marschierte nahezu ungehindert ca. 400km durch das Land. Präsident Putin hat sie nicht aufhalten können - ein unglaublicher Imageverlust!
Na, ein bisschen strategische Ratio wäre hier wohl angebracht.
Wie bei jeder Maßnahme, die eine kriegerische Auseinandersetzung an der Außengrenze zu sichern hat, ist es eine Frage der verfügbaren Ressourcen, dass die Kräfte an den Grenze konzentriert werden, wo der Kontakt zum Gegner zu finden ist. Und natürlich hat das eine Ausdünnung der anderen (inneren) Flächen in Sachen Verteidigungsfähigkeit zur Folge.
Kein Mensch, egal aus welchem Land er kommt, rechnet damit, dass gerade jetzt ein gezielter militärischer Angriff von innen heraus erfolgt (Unruhen in der Bevölkerung werden durch Geheimdienst und Polizei bislang erfolgreich im Keim erstickt). — Daher ist in der russischen Fläche militärische Kampfkraft nur sehr schwach vorhanden. Das dort vorhandene Militär wird typischerweise die Funktion der Anlagen aufrecht erhalten, Wartungsarbeiten und Reparaturen am Gerät durchführen und vor allem Material und Logistik für die Front sicherstellen. Das sind keine Kampfeinheiten.
Wenn also eine starke militärische Kampfeinheit beschließt, sich umzudrehen und wie eine Sepsis nach innen auszubreiten, dann kann sie das selbstverständlich ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Was wollen denn irgendwelche Polizisten gegen sowas ausrichten?
Daher sehe ich die Sache als sachlich erklärbar und zumindest in diesem Punkt kein Imageverlust für die russische Führung.
Den Anker für die Wahrheit über Putin sehe ich nach wie vor in seiner, in diesem Zusammenhang geführten
„Dolchstoß“-Rede, die ich weiter oben ja schon mal verlinkt hatte. Egal, was Prigoschin und seine Gruppe Wagner da veranstaltet haben, letztlich war es Putins Rede, die aus der Sache einen Putschversuch gemacht hat. — Diesen Fehler muss Putin nun ausbaden.
Mit etwas Glück (aus ukrainischer Sicht) werden wegen dem Vorfall in naher Zukunft mehr Kräfte im Hinterland gebunden werden, was die Kampfstärke an der Front etwas schwächt. Das braucht die Ukraine aber auch, denn die Gruppe Wagner in Belarus stellt eine Bedrohung quasi im Rücken dar, die auf Seite der Ukraine Kampfkraft bindet. Die Gruppe Wagner könnten ja auf die Idee kommen von dort nach Kiew zu marschieren, nachdem es Richtung Moskau so gut geklappt hat. — Eine gute Möglichkeit sich zu rehabilitieren ....