Unterstützen Touristen autoritäre Regime?

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Birgitt
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Unterstützen Touristen autoritäre Regime?

Beitrag von Birgitt »

Es gibt Urlaubsländer, die faszinierend sind, aber nicht besonders demokratisch. Oft finden sich dort tolle Städte mit jahrhundertealter Kultur - und zugleich Gefängnisse voller Häftlinge, die nichts getan haben, als ihre Meinung zu sagen. Unterstützen Touristen autoritäre Regime?

Urlaub mit Gewissensbissen - Schöne Ziele, unschöne Zustände
18.03.2008 - gmx

Gruß
Birgitt
winter
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Registriert: Sa 7. Jan 2006, 08:22

Re: Unterstützen Touristen autoritäre Regime?

Beitrag von winter »

Hallo,

also nichts fuer ungut:

Aber die Darstellung von STUDIOSUS, dass man mit den Reisen die Kommunikation mit der Bevoelkerung aufrecht erhalten wolle, ist ja ein Scherz. Die meisten Urlauber sprechen die Landessprache nicht einmal ansatzweise und koennen sich so mit dem "einfachen Volk" gar nicht austauschen. Und wenn es nicht um "Umsatz" ginge, dann koennten Veranstalter, wie der oben geannnte, ja jeweils auf eigene Kosten regelmaessig ein paar "Informanten" in die Laender schicken und nicht zahlende Gaeste. Also so was geheucheltes habe ich selten gelesen... Ist schon unglaublich.

Wenn man mit den Reisen Geld verdienen moechte, ist das legitim - dann muss man aber auch dazu stehen. Auch bei kritischen Nachfragen.

Viele Gruesse, Klaus Winter
Gerhard Göttler
Beiträge: 1148
Registriert: Mi 14. Sep 2005, 12:36

Re: Unterstützen Touristen autoritäre Regime?

Beitrag von Gerhard Göttler »

Hallo!

Wie sagt da einer in dieser Debatte? "Es gibt kein Richtig und kein Falsch". Das ist immer ein schwieriges Thema. Aber: Birma wird genannt und gerade dort hat diese bekannte Dissidentin mit Nobelpreis, die seit Jahren unter Hausarrest steht (ihr Name fällt mir gerade nicht ein), ausdrücklich dazu aufgefordert, weiterhin in dieses Land zu reisen. Und China hat gerade in Tibet ein Exempel statuiert, dass ein Fernhalten von Reisenden den diktatorischen Unterdrückern nur hilft. Reisende, Ausländer, schaffen Öffentlichkeit, davon bin ich überzeugt. Dabei kommt aus meiner Sicht dem Individual-Tourist eine wichtigere Bedeutung zu als dem, der pauschal unterwegs ist: Ersterer wird sich immer mehr mit dem Land befasst haben (natürlich im statistischen Schnitt gesehen).

Gerhard Göttler
mak
Beiträge: 16
Registriert: Mo 25. Feb 2008, 23:52

Re: Unterstützen Touristen autoritäre Regime?

Beitrag von mak »

Gerhard Göttler hat geschrieben:
Di 18. Mär 2008, 22:07
Wie sagt da einer in dieser Debatte? "Es gibt kein Richtig und kein Falsch".
Adorno sagte "Es gibt kein Richtiges im Falschen" und damit ist auch schon alles gesagt. In jeder Debatte.

lg
mak
Roger-Tecumseh
Beiträge: 2066
Registriert: Mi 6. Jun 2007, 16:37

Re: Unterstützen Touristen autoritäre Regime?

Beitrag von Roger-Tecumseh »

Da hier von Birma die Rede ist:
Ich habe diese Land ausführlich (allein) bereist und dabei festgestellt, daß ein Dialog auf englisch mit wesentlich mehr Leuten möglich ist, als man allgemein vermutet. (Ist eigentlich auch eine häufig gemachte Beobachtung, daß in diktatorisch abgeschnürrten Ländern die fremde Sprache ein Fenster nach draußen darstellen kann und deswegen gelernt wird.) Nachdem Vertrauen hergestellt war, habe ich dadurch sehr viel über die echte Situation im Land erfahren. Ein flagranter Gegensatz zum Kontakt mit den "Offiziellen"!
Außerdem gibt es einen weiteren Gesichtspunkt: Überall, wo man in diesen Ländern als Reisender auftaucht, wird man sofort bemerkt (gilt in Birma so extrem, wie vielleicht sonst nur noch z.B. in N-Korea.) Die fremde Anwesenheit hat eine größere - politische - Langzeitwirkung, als ein Flugblatt, denn sie wirft zumindest die Frage auf: warum kann er hier sein, wir aber können nicht (oder nur sehr schwer) in sein Land?

Ich habe mal in einem anderen (unfreien) Land ungewollt engen "Kontakt" zum Militär gehabt. Wir haben uns abends am Feuer sehr frei unterhalten. Man hat mich - ohne Protokoll (das kam erst später :) ) - regelrecht über meine Reisen ausgefragt. Einen Satz habe ich nicht vergessen: Der eigentlich sehr linientreue junge Offizier meinte plötzlich bitter: "Warum kannst Du Dir die Welt ansehen und wir, wir kennen überhaupt nichts?" Dabei sah er sehr traurig aus.
Die Bemerkung von STUDIOSUS ist also nicht a priori so falsch, wie es scheint. Außerdem darf man diesen Veranstalter nicht mit einem x-beliebigen Touri-Kutscher gleichsetzen. Sie haben dort sehr qualifizierte Reiseleiter, fahren auch in kleinen Gruppen und wollen fast immer etwas mehr über das Land wissen.
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