Hallo Hans-Gunter,
ich sehe das ganze nicht ganz so pessimistisch wie Du:
2008 haben wir in Burkina Faso in 20 Dörfern, in denen wir Grundschulen oder Collèges gebaut haben, eine Sensibilisierung mit einer Theatergruppe in Dioulla durchgeführt, die Aktion wurde von (I)NTACT finanziert. Wir haben überall positive Rückmeldungen erhalten. Als die Theatergruppe in „meinem“ Dorf nahe bei Bobo-Dioulasso auftrat, kamen am folgenden Tag viele junge Männer zu mir und bedankten sich für diese Sensibilisierung, die nach ihrer Meinung allmählich die Einstellung der Bevölkerung ändern werde.
Die Theatergruppe war auch sofort bereit in einem Dorf aufzutreten, wo innerhalb von 3 Monaten über 90 Mädchen von einer jungen Beschneiderin beschnitten wurden. Am Markttag trat die Gruppe vor vielen Erwachsenen und den Schülern des dortigen Gymnasiums auf. Zum Schluss lieferte die schauspielende Beschneiderin ihr Messer – mein Taschenmesser – ab. In unserem französischen Rundbrief wiesen wir ebenfalls auf diese Problematik hin – wir sind überzeugt, dass ein ständiger Hinweis.
In den Dörfern erwähne ich auch immer, dass die Beschneidung die größte Sünde ist, da man dem Schöpfer zeigt, dass er nicht in der Lage ist, seine Kreaturen perfekt zu machen.
Gruß
Götz
PS: Albertine Kam
ist seit 15 Jahren Hauptdarstellerin des Aufklärungstheaters Troupe Sanyon, das die Vorstellungen in den 20 Dörfern gemacht hatte. 2000 gewann sie den Preis für die national beste Schauspielerin von Burkina Faso. Sie besuchte Fortbildungen und Workshops unter anderem bei Dany Kouyate und Serena Sartori. 2003 assistierte sie Maike Jansen in der Produktion Tale Siri – es war ein Mal – es isch emol gsi, einer burkinisch-deutsch-schweizerische Koproduktion. Für mich ist sie eine unvorstellbare und ausdrucksstarke Schauspielerin, die ich am 13. Januar in Köln wieder bewundern kann.
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