Hi Hajo.
Die Liste der Wohltaten des „Bruder Führers“ lässt sich noch erweitern, wobei einige der Sachen IMHO so nicht stimmen und vor allen Dingen nicht jeder Zugang zu diesen Segnungen hatte. Aber das spielt gar nicht die Rolle. Man könnte auch argumentieren das die „Freiheit“ wichtiger sei als alle diese Wohltaten, aber das sagt sich leichter, wenn man selbst genug zu futtern hat.
Mir geht es um was ganz anderes:
Libyen war vor der Revolution eines der reichsten Länder Afrikas (oder das reichste, zumindest pro Kopf). Und das Beste ist: Es ist es immer noch. Das Öl ist alles noch da, es verdirbt nicht im Boden.
Und es gibt noch etwas anders: Diese Errungenschaften und Wohltaten sind keinen Leistungen Gaddafis. Er hat dafür nichts leisten müssen. Erbrauchte nur Geld zu verteilen und sich damit die Macht sichern. Letztendlich ist das auch das einzige was er erreicht hat. Er Lichtjahre von einem Good Governance entfernt. Er war Ideologe und sah sich gerne als Visionär, aber er war kein machen. Alles was er politisch angegangen hat ist gründlich in die Hose gegangen.
Wenn es den Libyern im Vergleich mir ihren Nachbarn wirtschaftlich gut ging, dann nicht WEGEN Gaddafi, sondern TROTZ Gaddafi. Es ist nur deswegen nicht vollkommen den Bach runter gegangen weil einfach dermaßen viel Kohle da war, das auch sein Regime es nicht vollkommen vermurksen konnte. Leistungen sind solche Sachen nur, wenn eine Führung dafür hat etwas machen müssen. Gaddafi hat einfach nur in die Kasse greifen müssen. Das kann jede andere Regierung auch – und wird es auch weiter tun müssen sonst kommt der nächste Aufstand.
Man könnte aber jetzt argumentieren er hätte „es gut gemeint“ und sich halt ein wenig unbeholfen angestellt. Dann hätte er ja andere mal ein Stück weit machen lassen können. Das Problem ist aber dass er insbesondere in den 1980ern allen denjenigen die auf administrative uns systembedingte Probleme aufmerksam gemacht haben in den Basketballstadien im wahrsten Sinne die Hälse hat langziehen lassen. Es ging immer nur um seine persönliche Macht.
Was helfen also alle diese Segnungen, wenn sie nicht umgesetzt wurden (Bildungs- und Gesundheitssystem waren nach hohen Anfangsinvestitionen vollkommen abgewirtschaftet) und bis heute in Libyen praktisch keine funktionierende Wirtschaft, keine Indurstrie die nicht vom Öl lebt. Wenn know how gebraucht wird, muss man alles, aber auch alles im Ausland einkaufen.
Wenn man Gaddafi nicht moralisch oder politisch sondern einfach nach seinen Leistungen beurteilen möchte, dann sollte man einen Vergleich mit dem Oman anstellen. Ich rede dabei ganz bewusst nur von den Lebensumständen. Beide Länder sind unter Alleinherrschern in den 1970ern an den Start gegangen. Die Kohle die pro Einwohner zur Verfügung stand war ungefähr gleich. Dabei war der Oman sogar noch locker 100Jahre hinten dran. Es gab weder Straßen noch Elektrizität, angeblich noch nicht mal einen einzigen Arzt im Land. Wenn man die Länder heute vergleicht wird eine schnell klar was Gaddafi „geleistet“ hat: 42 Jahre an der Macht zu bleiben, alles andere ist ihm zugefallen und er hat schrecklich wenig daraus gemacht. Sei es wirtschaftlich, Kulturell oder politisch.
Grüße
Wolfgang